Gottesdienst zum 3. Advent am 11.12.2022

Ev. Gemeinde Unterbarmen Süd

 

Vorspiel

 

Eröffnung  (Presbyter/in:)

Weil Gott sich auf den Weg macht, um zu uns zu kommen, darum bereiten wir uns vor und feiern im Advent auch diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,

im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn, …“

Gemeinde: "… der Himmel und Erde gemacht hat …"

Presbyter/in:„… der Bund und Treue hält ewiglich …“

Gemeinde: "… und nicht loslässt das Werk seiner Hände."

 

Begrüßung

Ich heiße Sie und Euch alle zu unserem Gottesdienst am 3. Advent herzlich willkommen. Die Vorbereitungen für den Heilig Abend laufen vielerorts sicher schon auf Hochtouren, also umso schöner, dass Sie sich heute die Zeit nehmen, um mit uns Gottesdienst zu feiern. Für den ein oder anderen gehört das zu diesem Advent eben auch einfach dazu, frei nach dem Wochenspruch für diese Woche. Da heißt es beim Propheten Jesaja:

Bereitet dem HERRN den Weg;

denn siehe der HERR kommt gewaltig.                Jesaja 40,3.10

Freuen wir uns also auf diesen Gottesdienst und hoffen wir, dass wir etwas von dem Gott erfahren, der zu uns in unsere Welt kommen will.

 

Als erstes Lied singen wir nun

Lied           17, 1- 3      Wir sagen euch an den lieben Advent

 

Psalm       85               (736.1        S. 1165)

Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande

und hast erlöst die Gefangenen Jakobs;

der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk

und all seine Sünde bedeckt hast;

der du vormals hast all deinen Zorn fahren lassen

und dich abgewandt von der Glut deines Zorns:

Hilf uns, Gott, unser Heiland,

und lass ab von deiner Ungnade über uns!

Willst du denn ewiglich über uns zürnen

und deinen Zorn walten lassen für und für?

Willst du uns denn nicht wieder erquicken,

dass dein Volk sich über dich freuen kann?

Herr, erweise uns deine Gnade

und gib uns dein Heil!

Gemeinde: (mit Melodie: EG 197,3) Ehr sei dem Vater und dem Sohn, …

 

Eingangsgebet

In diese Worte, Gott, können wir nur einstimmen.

Denn wir sehen doch, wie schwierig die Situation derzeit ist – weltweit.

Da ist nicht nur der Krieg in und gegen die Ukraine,

da sind soviel andere Konflikte in den verschiedensten Staaten und Völkern,

da ist große soziale Ungerechtigkeit bei uns – und weltweit,

und letztlich sind da die Sorgen um die Folgen des Klimawandels.

Wir machen uns Sorgen, Gott, und manchmal wissen wir nicht,

was wir noch glauben sollen, worauf wir noch hoffen können.

Ach Gott, erweise uns Deine Gnade und gib uns Dein Heil! Amen.

 

Lesung               Lukas 1,68–79 

 

Lied                     10,1-4                 Mit Ernst o Menschenkinder

 

Predigt               Jesaja 40,1-11

Liebe Gemeinde!

Zeitenwende, so haben wir vergangene Woche erfahren, ist das Wort des Jahres 2022. Zeitenwende, so hat Olaf Scholz es genannt, weil sich mit dem Krieg in und gegen die Ukraine ganz neue Abgründe auftaten. Wirklich ganz neu? – Doch von einer Zeitenwende ganz anderer Art singt Jesaja hier. Er besingt eine Zeitenwende als Trost-, als Hoffnungs-, als Ermutigungslied. Denn er weiß, wer und was allein die Zeiten wirklich wendet.

 

Zeitenwende, so hat Olaf Scholz kurz nach Kriegsbeginn seine neue Sicht auf die Dinge tituliert und hat dafür viel Zustimmung erhalten. Ich frage mich aber seit einiger Zeit: Was hat sich denn gewendet – außer der Sicht auf und die Einstellung zu Putins Russland? Wurde er zuvor noch hofiert und hatten die führenden Parteien trotz aller Bedenken auch aus dem Ausland etwa am Projekt der North-Stream II Pipeline festgehalten und Russland als zuverlässigen Handels- und Energiepartner angesehen, so ist diese Sicht der Dinge wie ein Kartenhaus von Illusionen in sich zusammengesackt, in sich zusammengefallen. Das ist / war neu. Aber: Man hätte es vorher sehen und erahnen können. Aber auch das gehört zur Wahrheit: auch ich habe es nicht vorher gesehen und geahnt.

Russland, ein zuverlässiger Handels- und Energiepartner? Bereits seit 2005 gab es immer wieder politische Auseinandersetzungen zwischen Russland beziehungsweise Gazprom und der Ukraine um die Höhe des Gaspreises beziehungsweise um die Höhe der Transitgebühren für die durch die Ukraine laufende Pipeline. Und auch hier wurden Liefermengen gerade im Winterhalbjahr reduziert, wurde Energie also als Druckmittel zur Erpressung eingesetzt. Dass Russland dann jetzt keine Energie liefert und kein verlässlicher Handelspartner ist, das ist nicht wirklich neu. Neu ist allenfalls, dass sie ihre eigene Infrastruktur, sprich die eigenen Pipelines in der Ostsee zerstören.

Russland, ein verlässlicher Partner im Weltsicherheitsrat? Seit 2014 gibt es diesen Krieg in der Ukraine mit der völkerrechtswidrigen Annektierung der Krim. Wir haben diesen Krieg fälschlicher Weise als begrenzten und beizulegenden Konflikt eingestuft. Im Normandie-Format hatte man mehr oder weniger versucht, den Konflikt beizulegen und war gescheitert. Und bereits seit 2015 war Russland ja auch in Syrien im Kampf gegen die dortige Bevölkerung aktiv und hat seine Taktik erprobt und auf den Prüfstand gestellt. Bereits hier wurden die zivile Infrastruktur in aufständischen Gebieten gezielt zerstört, Stromnetze, sowie Krankenhäuser und Schulen bombardiert. Auch mit der Vernichtung von Nahrungsmitteln und mit Belagerungen und Aushungern der Bevölkerung hat Russland diese Auseinandersetzung geführt, und zumindest von syrischer Seite aus kam es auch zum Einsatz von Streubomben und Giftgas. Russland ein verlässlicher Partner im Weltsicherheitsrat? Nein, das war es in dieser Zeit nie. Das ist nicht neu.

 Und hohe Energie- und Lebensmittelpreise? Entschuldigung. Unabhängig von diesem Krieg stand das doch zu erwarten: Dass die fossilen Energien nur begrenzt verfügbar und dazu für unser Klima schädlich und viel zu billig sind, das wussten wir. Und dass etwa Milchbauern viel zu wenig für ihre Arbeit als Lohn erhalten und deshalb regelmäßig demonstrierten und Straßen blockierten, das wird seit Jahren immer wieder thematisiert. Aber wir wollten des billig haben und haben es billig erhalten. Dass das so nicht weitergehen konnte, das hätte uns klar und bewusst sein dürfen.

Nein, eine Zeitenwende ist das nicht, wenn wie gegen den Iran oder Nordkorea auf Sanktionen gesetzt und gleichzeitig militärisch gerüstet wird. Der Logik des kalten Krieges hatte man eigentlich nie abgeschworen. Im Gegenteil: mit einer besser ausgerüsteten und ausgestatteten Armee wollte man doch auch in Auslandseinsätzen mehr Verantwortung übernehmen und Demokratie in die Welt hinaustragen. Dass es dabei im Beschaffungswesen in Koblenz krankt, das war bereits auch seit mindestens einem Jahrzehnt durchaus bekannt. Also: eine Zeitenwende ist das nicht.

 

Jesaja hingegen besingt hier in fünf Strophen eine wirkliche Zeitenwende. Und mit seinem Lied stiftet er Trost, Hoffnung und Zuversicht. Mit seinem Lied tröstet er die Tröster und ermutigt er die Ermutiger, um es mal in Worten Wolf Biermanns zu sagen:

Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.

Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat,

dass ihre Schuld vergeben ist;

denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden.

So die erste Strophe dieses Liedes, oder mit anderen Worten: Die bitteren Zeiten der Verbannung und der Unterdrückung sind vorbei. Assyrien hat im Machtkampf gegen Bablylonien verloren und Jerusalem, beziehungsweise Israel konnte wieder aufatmen und war frei.

Das wäre eine Zeitenwende, wenn alle diktatorischen Regime an ihr Ende kämen und alle Völker frei und friedlich leben könnten: die Ukrainer genauso wie Syrer und Iraner oder Perser, genauso wie Kurden oder Uiguren, genauso wie so viele andere Menschen und Völker dieser Welt. Das wäre eine Zeitenwende!

 

Es ruft eine Stimme:

In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg,

so fängt die zweite Strophe dieses Liedes an, und fordert den oder die Zuhörer dazu auf, mit anzupacken, aufzuräumen, die Welt und sich selbst bereit zu machen dafür, dass Gott selbst kommt und sich zeigt. Und dann wird es sein, dass alle Welt ihn sieht und erkennt, dass sie seine Herrlichkeit und Macht auch anerkennt – und nicht auf eigene Mächte und Kräfte setzen will.

Das, das wäre eine Zeitenwende, wenn Menschen aufhören würden, sich über andere zu erheben und über andere Menschen zu siegen, weil sie wissen und sehen und erkennen: Vor Gott sind wir alle gleich: gleich klein oder gleich groß, - das ist egal. Wir sind als Menschen, als Gottes Geschöpfe und Ebenbilder – wir sind alle gleich! Das ist zutiefst demokratisch. Das ist eigentlich der Kern jeglicher Demokratie.

 

Es spricht eine Stimme: Predige!,

und ich sprach: Was soll ich predigen?

Alles Fleisch ist Gras,

so hebt die dritte Strophe an, und sieht sich die teilweise bittere Realität unserer Wirklichkeit und unseres Lebens an:

Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt.

Ja, wir sind endlich geschaffen und werden einst alle einmal sterben. Die Natur, beziehungsweise Gott selbst hat es so vorgesehen. Und doch hat auch eine blühende Blume eine gute Zeit und erfreut Menschen auch zur Zeit des Leids. So blüht auf meinem Balkon immer noch eine Blume aus Samen, aus einem unserer Friedensgebete. Sie blüht sogar noch in dieser kalten Zeit. Und Shalom BenChorin dichtete einst in dunkelster Zeit:

Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, / ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?

Oder eben in den Worten Jesajas:

Das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.

Was er uns versprochen und verheißen hat, die Liebe und den Geist, den er uns geschenkt hat, die werden sich durchsetzen auf lange Zeit. Und das, das wäre dann eine Zeitenwende. Das wäre wirklich eine neue Zeit.

 

Darum fängt die vierte Strophe so an:

Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg;

Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht.

Die also, die eben selbst noch unterdrückt und gefangen waren, die selbst getröstet und ermutigt werden mussten, die sollen nun anderen ihre Freude über ihre Freiheit und ihren Frieden verkünden. Tanzen werden sie und jubelnd tirilieren. Denn sie haben – werden erlebt haben, wie die Zeiten sich wenden, wie Unterdrücker ihre Macht verlieren (immer schon), wie düstere Zeiten durch strahlende Perspektiven erhellt und neu ausgeleuchtet werden. Das wäre eine Zeitenwende, wenn uns solche Visionen und Träume vor Augen gestellt werden. Denn:

 

Siehe, da ist Euer Gott. … Er kommt gewaltig. … Was er gewann ist bei ihm. … Er wird die Lämmer in seinem Arm sammeln.

Da, so die fünfte Strophe, da wird niemand zu schwach oder zu klein sein, um mit diesem Gott zu gehen, der eher selbst mit uns geht und uns einsammelt, der sich uns zur Seite und uns auf eigene Beine stellt. Und darum nun ein anderes Ermutigungslied von Konstantin Wecker:

Es sind nicht immer die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind.

Es gibt so viele, denen das Leben ganz leise viel echter gelingt.

 

Die stehen nicht auf Bühnen, füllen keine Feuilletons. Die kämpfen auf schwereren Plätzen. / Die müssen zum Beispiel in Großraumbüros sich der Unmenschlichkeit widersetzen.

 

Die schützt kein Programm, kein Modedesign. Die tragen an sich etwas schwerer. / Die wollen ganz einfach nur anständig sein und brauchen keine Belehrer.

 

Die schreiben nie Lieder. Die sind Melodie.

So aufrecht zu gehen, lerne ich nie

 

Musikmeditation

 

Fürbitte

Herr, unser Gott, darauf hoffen und warten wir,

dass Du uns und die Welt zurechtbringst.

Darum bitten wir Dich heute wieder besonders um Frieden!

Das Schießen und Bombardieren,

Morden und Töten scheint kein Ende zu nehmen.

Komm Du zu denen,

die unter den Kriegsfolgen zu leiden haben, und steh ihnen bei!

Komm aber auch zu denen,

die für diesen Krieg Verantwortung tragen:

Bring sie zurecht mit der Macht Deines Geistes!

Herr, unser Gott, darauf hoffen und warten wir,

dass Du uns und die Welt zurechtbringst.

Darum bitten wir Dich für all die Menschen,

die mehr von Dir und mehr vom Leben erwarten.

Denn für viele Menschen ist das Leben schwierig geworden.

Schenk Du ihnen einen Ausblick in dunklen Zeiten!

Stärk ihre Hoffnung und bring sie zurecht!

Herr, unser Gott, darauf hoffen und warten wir,

dass Du uns und die Welt zurechtbringst.

Darum bitten wir Dich für die Kinder der Welt.

Längst nicht jedem Kind ist es möglich,

behütet und sicher aufzuwachsen.

Schenk Du ihnen Liebe und Geborgenheit

und stell ihnen dafür die passenden Menschen zur Seite!

Stärk Du die Jugend der Welt für die Herausforderungen,

die jeweils vor ihnen liegen, bring sie zurecht!

Herr, unser Gott, darauf hoffen und warten wir,

dass Du uns und die Welt zurechtbringst.

Darum bitten wir Dich für alle, die derzeit erkrankt sind, für ihre Angehörigen, wie für die Beschäftigten im Gesundheitswesen.

Wir hören davon,

wie belastet die Situation derzeit in vielen Häusern und Familien ist.

Schenk Du ihnen allen von der Kraft Deines Segens!

Hilf den Verantwortlichen dazu,

neue Wege im Gesundheitswesen zu sehen und zu gehen!

Lass unsere Gesundheit nicht zu einer Geschäftsidee werden!

Herr, unser Gott,

darauf hoffen und warten wir,

dass Du uns und die Welt zurechtbringst.

Darum bitten wir Dich für alle, die derzeit Abschied nehmen,

für Sterbende, für ihre Angehörigen und für die Trauernden.

Stärke Du sie alle für die Wege, die nun zu gehen sind!

Stell ihnen Menschen zur Seite,

die sie auf diesen Wegen begleiten!

Schenk uns die Hoffnung,

dass wir Dich am Ende des Weges sehen:

Dich, Dein Licht und Dein Leben.

 

Stille

 

Unser Vater im Himmel.

 

Segen

Gott segne Dich mit Wegen der Liebe.

Gott segne Dich mit Träumen des Friedens.

Gott segne Dich mit Früchten des Geistes.

Der HERR segne dich und behüte dich;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Gmd:   Amen, Amen, Amen

 

Nachspiel

 


Bekanntmachungen

Folgendes möchte ich Ihnen noch mitteilen, liebe Gemeinde:

Die Kollekten vom vergangenen Sonntag betrugen:

Für Brot für die Welt                              140,40 €

Für das Ev. Bibelwerk                              89,70 €

Herzlichen Dank! Gott segne Geber und Gaben und all das,

was mit diesen Gaben geschieht!

 

Die heutige Kollekte geht an Brot für die Welt und die Binnenschiffer- und Seemannsmission.

Zur 64. Aktion „Brot für die Welt“, die mit dem 1.Advent begonnen hat, ruft der Präses Thorsten Latzel auf: Wir feiern Advent in einem Jahr, in dem die Krisen weltweit zugenommen haben. .... Krisen zeigen aber auch, zu welch großer Solidarität wir als Menschen in der Lage sind. Brot für die Welt arbeitet in diesem Sinne mit seinen Partnerorganisationen vor Ort, um direkte Hilfe an die Menschen zu bringen.

Die Deutsche Binnenschiffer- und Seemannsmission ist für die vielen Seeleute aus aller Welt, die vielfach monatelang auf See und so von ihren Familien getrennt sind, oft der einzige Kontakt nach außen. Die Mitarbeitenden der Seemannsmission helfen in Not- und Krisensituationen und bieten ebenso praktische Hilfe an.

 

Die offene Selbsthilfegruppe für verwaiste und trauernde Eltern findet am 22. Dezember um 20 Uhr im Gemeinderaum der Lichtenplatzer Kapelle statt.

 

Und nun herzliche Einladung zum Gottesdienst am kommenden Sonntag, dem 4. Advent um 9.30 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle und um 11 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche mit Pfarrer Seim.

Im Kindergottesdienst um 11 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle mit Diakon Arne Würzbach werden dann auch zwei Taufen gefeiert.

 

 

 

Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.

Bleiben Sie behütet!                                                                                                                         Ihr Pfr. Michael Seim


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