Gottesdienst 17.07.2022

Lichtenplatzer Kapelle

 

Vorspiel

 

Eröffnung  (Presbyter/in:)

Weil Gott uns ruft und uns Glauben schenkt, darum kommen wir zu ihm und feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes:

im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn, …“

Gemeinde: "… der Himmel und Erde gemacht hat …"

Presbyter/in:„… der Bund und Treue hält ewiglich …“

Gemeinde: "… und nicht loslässt das Werk seiner Hände."

 

Begrüßung

Ihnen und Euch allen ein ganz herzliches Willkommen zu unserem heutigen Gottesdienst, und ein ganz besonderes Willkommen zurück auch Ihnen Frau Beckmann, die Sie Ihr Sabbatjahr nahezu beendet haben und Ihren Dienst in unserer Gemeinde wieder aufnehmen. Schön, dass Sie wieder da sind!

Pfr. Seim wird heute eine kleine Predigtreihe zu Themen der Ökumene beginnen wird, denn vom 31. August bis zum 8. September wird die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe zusammenkommen, um über die unterschiedlichsten Themen zu beraten. Einig werden sich alle Mitglieder der Ökumene darin sein, was der Epheserbrief so formuliert:

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben,

und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.                                              Eph  2,8

Denn so erleben ja auch wir das: dass unser Glaube ein Geschenk ist, der und in unsicheren Zeiten Stütze und Halt ist.

Als erstes Lied singen wir nun weiterhin mit Maske:

 

Lied           437,1-4      Die helle Sonn leucht‘ jetzt herfür

 

Psalm                 42     (eg 722, S. 1154f)

Gott, täglich plagen mich so manche Sorgen.

Was bringt die Zukunft? Gott, wie wird es morgen?

Werd ich allein sein – oder doch geborgen?

Du kennst die Sorgen.


Gott, täglich hab ich guten Grund zum Klagen;

Weiß, da sind Ängste, die stets an mir nagen,

Streit geht zu Herzen, Stress schlägt auf den Magen –

Hör Du mein Klagen.

Und dennoch weiß ich täglich mich gehalten!

Wenn ich Dich habe, flieh’n die Sorgenfalten,

und mir gelingt’s, das Leben zu gestalten –

von Dir gehalten.

Gott, täglich will ich Dir zum Lobe singen,

will meine Freude so zum Ausdruck bringen:

Dein Tun beflügelt, schenkt mir Adlerschwingen –

Lob Dir zu singen.

Gemeinde: (mit Melodie: EG 197,3) Ehr sei dem Vater und dem Sohn, …

 

Eingangsgebet

Allmächtiger Gott!

Auch uns plagen derzeit so manche Sorgen.

Schreckensszenarien werden an die Wände gemalt,

als ob es nicht schon schrecklich genug ist, wie es derzeit ist.

Auch wir haben allen Grund zu Klagen.

Eigentlich ist unfassbar und unbegreiflich,

wie die Verantwortlichen dieser Welt mit Ihrer Verantwortung umgehen,

als ob es nicht genug Probleme in unserer Welt gäbe.

Und wir: wir wüssten so gern, dass es ein gutes Ende nähme,

dass Du und Dein Geist sich durchsetzen werden.

Doch manchmal fehlen uns der Glaube und das Vertrauen.

Manchmal fragen wir uns, ob Deine Allmacht wirklich so weit reicht.

Wenn diese Zweifel kommen und auftauchen, dann, Gott, bitten wir Dich:

Stärk unser Vertrauen zu Dir! Mach uns Deiner gewiss!

Das bitten wir Dich in Jesu Namen, Amen

 

Lesung     1. Kor 1,18-25

 

Bekenntnis

 

Lied           268,1-5               Strahlen brechen viele

 


Predigt zu 1. Mose 12,1-4

Liebe Gemeinde!

Seit damals, seit Abram, so könnte man sagen, sind wir auf dem Weg zum Segen und damit auch zum Frieden, zum Shalom, zur Vollendung dieser Welt. Und wie das mit solchen Wegen so ist, gibt es Höhen und Tiefen, glatte ebene Bahnen und Schotterstraßen, - Zeiten, da fühlt man sich gut und kommt entsprechend voran, bis da ein Graben auftaucht oder eine Baustelle und man einfach nicht weiter kann.

Genau so ist das auch mit dem Weg der ökumenischen Bewegung und damit eng verbunden mit den Wegen zu Frieden.

 

Dem Abram, dem war damals der Segen gegeben, ein besonderer Segen, der einerseits ihm galt und andererseits aller Welt:

Du sollst ein Segen sein,

hatte Gott ihm versprochen, aber auch:

In Dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden.

Es war also seine Aufgabe, aufzubrechen, das Gewohnte, Vertraute zu verlassen und sich auf den Weg in die Welt zu machen – einfach so auf Gottes Wort. Für alle Außenstehenden muss er verrückt gewesen sein – damals. Und letztlich wurden ihm zwei Söhne geschenkt, Ismael und Isaak, beide ausgestattet mit weiteren Segen. Doch in dem Land, das Gott ihm zeigen wollte, da wurde er selbst nie so recht heimisch.

Sein Enkel, Jakob, dem sollte das dann vorrübergehend gelingen. Zwölf Söhne hatte er und zumindest eine Tochter, - weitere werden nicht erwähnt und sind uns darum nicht bekannt. Doch es kommt zu Streit unter den Geschwistern, so dass Josef, der Träumer, schließlich als Sklave nach Ägypten verkauft wird. Hier wird er auf Umwegen zum Stellvertreter des Pharaos und die gesamte Familie Jakobs findet trotz allem in einer Hungersnot Rettung und Zuflucht bei Josef – in einem fremden Land.

Die Geschichte ließe und lässt sich weitererzählen: von der Knechtschaft Israels in Ägypten über den Exodus und die Flucht aus diesem Land, die Wüstenwanderung bis zur Landnahme und Staatenbildung. Doch dann ging das Nordreich Israel unter, das Südreich Judäa wurde mit dem Tempel in Jerusalem zerstört, es folgte die babylonische Gefangenschaft und Generationen später die Rückkehr ins weiter verheißene Land.

Es kam schließlich zur griechischen, später zur römischen Besatzung, zur Zerstörung und Plünderung des zweiten Tempels, zur Zerstreuung des jüdischen Volkes unter den Völkern, zur Geschichte des Antisemitismus und Antijudaismus gipfelnd in der Katastrophe der Shoa bis zur neuen Staatenbildung in Israel Palästina.

 

Wir müssen zugeben: Wie eine Segensgeschichte klingt das nicht. Und dennoch und trotzdem halten wir daran fest: Das Wort Gottes an Abram hat nichts von seiner Gültigkeit verloren. Es gilt weiterhin seinen Nachkommen und ihm:

Du sollst ein Segen sein,

aber auch:

In Dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden.

Und darum gilt spätestens seit Jesus Christus dieser Segen auch uns:

Du sollst ein Segen sein, - und:

In Dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden.

Allein auch die Geschichte der Kirche und Kirchen sieht nicht unbedingt immer wie eine Segensgeschichte aus. Aber, ähnlich wie im Volk Israel, taucht doch immer wieder in unseren Kirchen und Gemeinden der Segen Gottes auf. Und Segen heißt: jemanden willkommen heißen, mit jemanden im Guten verbunden sein. Und genau so ließe sich die Geschichte der ökumenischen Bewegung durchaus auch als Segens- und als Friedensgeschichte verstehen.

 

Im Vorfeld etwa des 1. Weltkrieges versammelten sich vom 1. Bis zum 5. August 1914 153 Delegierte aus den Vereinigten Staaten, England, Frankreich, Deutschland und acht weiteren Ländern. Sie kamen in Konstanz am Bodensee zur Gründungsversammlung des Weltbunds für Freundschaftsarbeit der Kirchen zusammen. Es ging diesen Vertretern also um Freundschaft, um gute, enge Beziehungen, gerade in diesen aufgeheizten Vorkriegszeiten. In einer hier verfassen Resolution hieß es zum Beispiel:

„Sofern das Werk der Versöhnung und Förderung von Freundschaft eine wesentliche christliche Aufgabe ist, ist es ratsam, dass die Kirchen aller Länder ihren Einfluss auf Volk, Volksvertretung und Regierung anwenden, um gute und freundschaftliche Beziehungen zwischen den Völkern herzustellen …“

Während hier also das Wort der Versöhnung gesprochen wurde, steuerten die Regierungen dennoch derart unversöhnlich aufeinander zu, dass diese Versammlung aufgrund der Mobilmachung im Deutschen Reich in Konstanz abgebrochen und nach London verlegt werden musste. Wie eine Segensgeschichte sieht das nicht aus, aber erste Kontakte waren geknüpft, persönliches Vertrauen gewachsen und das Wort der Versöhnung gesprochen worden. Und daran knüpfte man nach Ende des Krieges direkt wieder an.

 

So taucht 20 Jahre später Dietrich Bonhoeffer als Jugendsekretär dieses Weltbundes für Freundschaftsarbeit auf der Konferenz in Fano 1938 auf und äußert in einer von allen Teilnehmenden mit Spannung verfolgen Rede beginnend mit einem Zitat aus dem Psalmen:

Ach, dass ich hören sollte, was der HERR redet,

dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen,

und folgert:

„Als Glied der Ökumene hat der Weltbund für Freundschaftsarbeit Gottes Ruf zum Frieden vernommen und richtet diesen Befehl an die Völkerwelt aus …“,

Bonhoeffer erläutert weiter:

„Frieden soll sein, weil Christus in der Welt ist … weil es eine Kirche Christi gibt … Und diese Kirche Christi lebt zugleich in allen Völkern und doch jenseits aller Grenzen völkischer, politischer, sozialer, rassischer Art und die Brüder dieser Kirche sind durch das Gebot des einen Herrn Christus, auf das sie hören, unzertrennlich verbunden …

Sie können nicht die Waffen gegeneinander richten, weil sie wissen, dass sie damit die Waffen auf Christus selbst richteten.“

Oder anders ausgedrückt: Als Christ kann und darf ich nicht auf andere Menschen schießen, in denen wir doch Jesus Christus selbst als mein Gegenüber begegnet. Diese Erkenntnis war in den Kirchen also da, - allein wir wissen es: Es kam trotz aller anderen Hoffnungen und Gebete aufgrund des nationalsozialistischen Strebens zu diesem zweiten fürchterlichen Krieg.

Wie eine Segensgeschichte sieht das wieder nicht aus, allein: Kontakte waren erneuert, Vertrauen gewachsen, gerade auch weil Christen wie Dietrich Bonhoeffer sich im Widerstand engagiert und weil sich neben den Deutschen Christen eine Bekennende Kirche etabliert hatte. Das war auch die Grundlage dafür, dass die Evangelische Kirche von Deutschland nach diesem unsäglichen Krieg 1948 direkt auch zur Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen eingeladen wurde. Und überhaupt: Schon während des Krieges und kurz danach engagierten sich Christen und Kirchen vieler Nationen dafür, dass etwa Kriegsgefangene angemessen betreut und Not auch in anderen Ländern gelindert wurde. Ein Beispiel dafür sind etwa die Schulspeisungen direkt nach Ende des 2. Weltkriegs.

 

1948 also kamen die Kirchen in Amsterdam zur Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen zusammen und erklärten in einem ganzen Kapitel: „Krieg darf nach Gottes Wille nicht sein,“ so die klare eindeutige Erkenntnis der versammelten Kirchen nach diesem verheerenden Krieg. Und seither hatten die Kirchen in Ost und West dafür gesorgt, dass es zu Zeiten des Kalten Krieges dennoch zu Kontakten und auch zur Versöhnung kam. Sicherlich war auch das ein Baustein auf dem Weg, den kalten Krieg zu überwinden.

Oder auch auf dem Balkan gelang es den Kirchen im zerfallenen Jugoslawien mehr oder weniger die Stimme des Friedens laut werden zu lassen und zur Einsicht und Versöhnung ehemaliger Nachbarn wieder beizutragen.

Und gerade heute ist es umso mehr Pflicht und Aufgabe der Kirchen gerade auch die russisch wie die ukrainisch orthodoxen Kirchen darin zu unterstützen, wieder das Wort der Versöhnung und des Friedens zu reden. Noch scheint das nicht so recht zu gelingen. Aber der bevorstehenden Vollversammlung in Karlsruhe wird es vielleicht möglich sein, wieder ein wegweisendes Wort für diese Zeit zu finden. Gilt uns und den Kirchen doch weiterhin:

Du sollst ein Segen sein,

und auch:

In Dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden.

 

Musikmeditation

 

Fürbitte + 436 Herr, gib uns Deinen Frieden

Der Ökumenische Rat der Kirchen hat auch einen Fürbittkalender initiiert, dessen Anliegen ich in den kommenden Wochen der Predigtreihe zur Ökumene gerne aufnehmen möchte. Diese Woche stehen dabei die Länder Dschibuti und Somalia im Mittelpunkt. So beten wir mit Worten aus Somalia:

 

Du, der du alle deine Geschöpfe ernährst, o Gott,
fülle die Brustwarzen der Regenwolken mit Wasser!

Du, der du Wasser in die Ozeane gegossen hast, o Gott,

mach dieses, dein Land wieder fruchtbar!

Du, der du mild bist und wahrhaft verherrlicht wirst, o Gott,
gieße Wasser aus für die Tiere, die durstig sind!

Schöpfer der Natur, der alles gemacht hat, o Gott,
wandle unseren Untergang in Segen und etwas Gutes!

Wir singen: Herr, gib uns Deinen Frieden

Gott!

Deinen Segen hast Du dem Abram gegeben,

damit er ihn hinaustrage in alle Welt.

Deinen Segen hast Du auch uns gegeben,

damit wir ihn weitergeben an alle Welt.

Doch immer wieder stoßen wir an Grenzen,

werden selbst nicht gehört und eingelassen,

oder grenzen uns selbst von anderen ab.

Darum bitten wir Dich:

Öffne du neue Wege für Deinen Segen!

Hilf uns dazu auf andere zuzugehen!

Wir singen: Herr, gib uns Deinen Frieden

Gott!

Deinen Frieden hast Du Deinem Volk verheißen.

Deinen Frieden hast Du auch Deiner Welt verheißen.

Doch wir leben in friedlosen Zeiten.

Wer die stärkeren und besseren Waffen hat,

scheint allzuoft die Macht und das Sagen zu haben.

Darum bitten wir Dich:

Lass alle Welt erkennen,

was wir schon unseren Kindern beibringen,

dass Gewalt keine Lösung sein kann!

Hilf den Verantwortlichen,

die Lösung von Problemen im Konsens anzugehen.

Wir singen: Herr, gib uns Deinen Frieden

Gott!

In Deiner Welt ist eigentlich genug für alle da.

Jede und jeder soll genug zum Leben haben.

Doch uns gelingt es nicht die Güter Deiner Gaben gerecht zu verteilen.

Darum bitten Wir Dich:

Mach uns zum Teilen bereit!

Öffne uns Augen und Ohren, das wir erkennen,

wo gerade unsere Unterstützung und Hilfe notwendig ist!

Wir singen: Herr, gib uns Deinen Frieden

 

Unser Vater im Himmel …

 

Segen

Gott segne die Erde auf der Du stehst!

Gott segne die Wege, die Du jetzt gehst!

Gott segne das Ziel, für das Du lebst!

Der HERR segne dich und behüte dich;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Gemeinde: Amen, Amen, Amen.

 

Lied           421   Verleih uns Frieden gnädiglich

Nachspiel

 

 

 

Bekanntmachungen

Folgendes möchte ich Ihnen noch mitteilen, liebe Gemeinde:

Die Kollekten vom vergangenen Sonntag betrugen:

Für die Justizseelsorge Jugend                                83,- €                                                       

Für das Friedensdorf Oberhausen                           113, 50 €

Herzlichen Dank! Gott segne Geber und Gaben und all das,

was mit diesen Gaben geschieht!

 

Die heutige Klingelbeutelkollekte geht an die Kinder- und Jugendarbeit in unserer Gemeinde. 

Die Ausgangskollekte geht an die VEM unter dem Stichwort Talente von Menschen mit Behinderung fördern. Dazu heißt es in den Kollektenempfehlungen: In vielen Ländern Asiens und Afrikas werden Menschen mit Behinderung benachteiligt. Selten besteht die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und einen Beruf zu erlernen. Mit Unterstützung der VEM betreuen kirchliche Schulen und Ausbildungswerkstätten Menschen mit besonderem Förderbedarf. So werden ihre Talente gefördert und ihre Fähigkeiten gestärkt.

 

Da die politische Situation unverändert ist, bieten wir weiterhin Friedensgebete an, freitags im 14- tägigen Wechsel: Also wieder am 22.Juli im Gemeindezentrum Petruskirche und am 29. Juli in der Lichtenplatzer Kapelle

 

Und: Herzliche Einladung zum Gottesdienst am kommenden Sonntag im Gemeindezentrum Petruskirche um 11 Uhr mit Pfr. Seim. Aus Anlass der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, die in Karlsruhe tagen wird, wird Pfr. Seim dann seine kleine Predigt-Reihe zu Themen der Ökumene fortsetzen

In der Lichtenplatzer Kapelle findet aufgrund der Ferienzeit kein Gottesdienst statt.

 

Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.

Bleiben Sie behütet!                                                                                                                                      Ihr Pfr. Michael Seim


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