Gottesdienst zu Trinitatis 12.06.2022

 

 

 

Vorspiel

 

Eröffnung  (Presbyter/in:)

 Weil Gott uns auf vielfältige Art und Weise erscheint und begegnet und weil er uns so viele Zugänge zu ihm ermöglicht, darum feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes:

 Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn, …“

 Gemeinde: "… der Himmel und Erde gemacht hat …"

 Presbyter/in:„… der Bund und Treue hält ewiglich …“

 Gemeinde: "… und nicht loslässt das Werk seiner Hände."

 

 

 

Begrüßung

 Ein herzliches Willkommen Ihnen und Euch allen zu unserem heutigen Gottesdienst am Sonntag Trinitatis – am Dreieinigkeitssonntag.

 

Ja, wir Christen rechnen schon mal anders. Wir glauben an den einen Gott, der uns in dreifacher Gestalt erscheint – als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist. Da ist also ein Gott, in drei Personen – und ist doch ein und derselbe. Manchmal ist das gar nicht so einfach zu begreifen. Wichtig ist jedoch vor allem, dass wir durchaus damit rechnen und darauf hoffen, dass Gott in diese Welt, in unsere Geschichte, in unser Leben eingreift – gerade in diesen Zeiten. Denn, so heißt es im Wochenspruch der heute beginnenden Woche:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes

und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Kor 13,13

Denn wir wollen etwas mit diesem Gott und mit seiner Liebe zu tun haben.

Und als erstes Lied singen wir – weiterhin mit Maske:

 

Lied 450            Morgenglanz der Ewigkeit

 

Psalm       113            (eg 749,     S. 1178f)

 Halleluja! Lobet, ihr Knechte des Herrn,

 lobet den Namen des Herrn!

 Gelobt sei der Name des Herrn

 von nun an bis in Ewigkeit!

 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang

 sei gelobt der Name des Herrn!

 Der Herr ist hoch über alle Völker;

 Seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

 Wer ist wie der Herr unser Gott,

 im Himmel und auf Erden?

Der oben thront in der Höhe,

 der herniederschaut in die Tiefe,

 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube

 und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

 dass er ihn setze neben die Fürsten,

 neben die Fürsten seines Volkes;

 der die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt,

 dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

 

Gemeinde: (mit Melodie: EG 197,3) Ehr sei dem Vater und dem Sohn, …

 

 

Gebet

 Wie gern, Gott, würden wir einstimmen in den Lobpreis auf Dich!

 Wie gern, Gott, würden wir derart Deine Macht,

 würden wir Dein Recht und Deine Gerechtigkeit besingen!

 Doch wir sehen all die Ungerechtigkeit, die Menschen sich antun:

 Da ist der Krieg in der Ukraine – und nicht nur dieser eine Krieg.

 Da hören wir, dass die einen immer reicher und andere immer ärmer werden,

 und wir spüren und ahnen sehr genau,

 dass kann nicht nach Deinem Willen sein.

 Das ist nicht der Wille dessen,

 der den Geringen aufrichtet aus dem Staub.

 Darum, allmächtiger Gott, bitten wir Dich:

 Sprich Du das Wort,

 das uns ermutigt und stärkt,

 das uns dazu beruft und ermächtigt,

 selbst einander gerecht zu werden!

 Sprich Du Dein Wort

 und pflanz es in unser Herz hinein!

 Das bitten wir Dich in Jesu Namen, Amen.

 

Lesung     Jesaja 6,1-8

 

Bekenntnis

 

Lied 382            Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr

 

Predigt Röm 11,33-36

 (so geschrieben für den Gottesdienst in St. Christophorus auf Lichtscheid)

 

Liebe Gemeinde!

Was für ein Jubel! Was für ein Lobpreis!

Da hatte sich Paulus viele Gedanken gemacht und sein Nachdenken hat ihm am Ende auch eine Erkenntnis gebracht, die ihn jubeln und feiern lässt, die ihn auch erlöst und befreit, weil er sich sicher ist, Gott nun verstanden zu haben, zumindest ihn besser verstanden zu haben, und seine Fragen und Anliegen geklärt zu haben. Und das kam so:

 

Paulus, Sie werden es wissen, das war zunächst der, der einer der ersten und eifrigsten Verfolger der jungen Christengemeinden war. Und dafür gab es für ihn als ausgebildeten Rabbinen klipp und klar theologische Gründe, heißt es doch in den fünf Büchern Mose, in der Thora, die dem Volk Israel Gottes Weisung zum Leben sein soll:

Verflucht ist … der am Holze hängt! (Gal 3,13)

 Jeder Gekreuzigte galt also als Verfluchter und somit als jemand, der aus der Gemeinschaft, aus der Segensgemeinschaft mit Gott ausgeschlossen war. Es war diesem elendiglichen Tod ja durchaus anzusehen, dass auf den Gekreuzigten und Hingerichteten kein Segen lag.

 

Paulus nahm diese Bibelstelle, die er selbst in einem seiner Briefe zitiert, also sehr ernst. Wer am Kreuz starb, galt in seinen Augen als verflucht, als von Gott getrennt – und würde sicher auch von Gott nicht wieder auferweckt werden. Was die jungen Christen da also glaubten und behaupteten, das – so Paulus – hatte keinen Hand und Fuß, konnte mit den Schriften widerlegt werden, weil es falsch, ein Hirngespinst und weil es Lüge und Gotteslästerung war, - so hatte Paulus gedacht …

 

… bis, ja bis ihm der Auferstandene, der gekreuzigte Auferstandene selbst vor Damaskus erschien. Und damit war für Paulus alles, all seine Überzeugungen, all seine Gedanken über Gott und seinen Willen, - das alles war auf einmal auf den Kopf gestellt. Denn wenn dieser Gekreuzigte, dieser Verfluchte doch ihm, Paulus, mitten im Leben als der Lebendig erschien, dann musste doch gerade Gott selbst ihm dieses neue Leben geschenkt haben. Das war Gnade. Und damit war nun alles anders als gedacht, als erwartet, als erhofft und geglaubt. Das zum einen.

 

Zum anderen aber: Wenn Gott, beziehungsweise wenn der Auferstandene gerade ihm, dem Verfolger der ersten Christen derart lebendig erschien und sich gerade auch ihm zeigte – dann war das wiederum Gnade. Denn Paulus hatte ja alles andere als etwas dafür getan, dass gerade er dieser Erscheinung und Offenbarung gewürdigt wurde. Verdient hätte er sich alles andere – nur gerade das nicht. Paulus hatte also in seinem eigenen Leben und an seinem eigenen Leib Gottes grenzenlose Gnade erfahren …

 

… und davon galt es nun aller Welt zu erzählen, wirklich aller Welt, damit die Welt es hört und erfährt: Ja, Gottes Gnade und Liebe, gilt aller Welt grenzenlos – zuerst, das betont Paulus weiterhin, zuerst also Israel, aber dann eben doch auch aller Welt.

 

So wurde aus einem eifrigen Verfolger nun ein eifriger Verkünder. Den Wesenszug, eifrig dabei zu sein und sich für den Gott Israels und Vater Jesu Christi einzusetzen, der war also immer dabei, darin bleib er sich treu. Und so machte sich Paulus auf den Weg, um die Nachricht von Gottes grenzenloser Liebe und Gnade in die Welt zu tragen.

 

Er reiste durch Gebiete des heutigen Syriens und der heutigen Türkei, kehrte immer wieder auch zur Urgemeinde, zu Ursprungsgemeinde in Jerusalem zurück, der er sich trotz manchen sozusagen innerfamiliären Streites verbunden fühlte, und machte sich von hier stets weiter auf den Weg bis nach Griechenland. Dabei fing er seine Missionen immer in den jüdischen Gemeinden vor Ort in den Synagogen an. Und hier machte er wohl eine zwei- bis dreifache Erfahrung:

 

Seine jüdischen Glaubensgeschwister hörten sich zwar seine Predigten an, aber bei einer Großzahl seiner Geschwister stieß er auf verschlossene Ohren. Sie argumentierten, wie er früher argumentiert hatte, und warfen ihm vor, den jüdischen Glauben zu verwässern. Seinen Weg wollten sich nicht mitgehen.

 

Es gab aber auch einige unter seinen jüdischen Geschwistern, die hörten sich nicht nur seine Predigten an, sondern stimmten ihm zu. Denn was er zu erzählen hatte: dass Gottes Liebe und Gnade grenzenlos war, - das konnten und wollten sie sich durchaus vorstellen, und waren begeistert dabei.

 

Im Umfeld jeder Synagoge aber gab es Heiden, die durchaus vom Gott Israels fasziniert waren. Doch zum Judentum überzutreten, das kam für viele gar nicht in Frage, auch weil das Judentum selbst nicht offensiv missionierte. Denn jede und jeder der zum Judentum übertreten wollte, der – dem stimmte auch Paulus voll und ganz zu – der musste alle Weisungen und Vorschriften der Thora erfüllen, sich gegebenenfalls beschneiden lassen, und die Regeln der Kaschrut, der Reinheit – insbesondere in der Küche, aber auch sonst im Leben – all das mussten sie erfüllen. Eine solche Last wollte man aber anderen lieber eher nicht auferlegen.

 

Nun aber kam Paulus und erzählte auch ihnen von der grenzenlosen Gnade und Liebe Gottes, die wirklich allen Menschen gilt: den Juden zuerst, aber eben auch den Nichtjuden: allen Menschen Groß und Klein, Mann und Frau, Sklave oder Freier – und auf einmal waren diese gottesfürchtigen Heiden also voll mit dabei, - und freuten sich und feierten Gott und Jesus und begeisterten sich …

 

… doch seine jüdischen Schwestern und Brüder standen ablehnend, verstockt, so Paulus, dabei. Warum? Warum nur konnte er sie mit seiner Botschaft nicht wirklich erreichen? Das konnte Paulus nicht verstehen und hatte lange darüber nachzudenken, weil ihm natürlich all seine Schwestern und Brüder durchaus am Herzen lagen.

 

In diesem Brief nun an die römischen Gemeinden beginnt er all seine Gedanken zu ordnen und zu sortieren und kommt zu dem Schluss – für ihn ist das auch so etwas wie eine Offenbarung:

 Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen,

 um sich aller zu erbarmen.

 War der Gott Israels also zunächst bei den Heiden auf Ablehnung gestoßen, weil sie die Größe Gottes nicht erkannten – aber war er in Israel als der befreiende Gott erlebt und erfahren worden, der sich eines kleinen Volkes und durchaus kleiner Menschen angenommen hatte,

 

so stieß dieser Gott als der Vater Jesu Christi bei eben diesem seinem Volk auf Ablehnung, was aber – so Paulus – nun die Tür für die heidnische Welt eröffnet hatte, die Gott nun in seiner grenzenlosen Liebe und Gnade als befreienden Gott erlebten und erfuhren.

 

Beide Seiten also, so Paulus, hatten Gott nichts vorzuweisen, als ihren Ungehorsam, der ihn, diesen Gott aber dennoch nicht daran hindert all seine Liebe all seinen Kindern zukommen zu lassen:

 O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!

 Was wir wohl eher sagen würden, wenn wir an Gott verzweifelten und über das Dunkel seiner Wege klagten und haderten, das klingt bei Paulus nach Lobpreis und Anbetung und Dank dafür, dass Gott den Vorhang für ihn doch ein wenig gelupft und ihm, den Paulus, etwas von seinen Plänen offenbart hatte. Denn, so eine weitere Schlussfolgerung des Paulus:

 Aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist Alles!

 

Alles – wirklich alles – wir, die Natur, jedes Atom, jeder Planet, jeder Stern – alles ist von Gott und auf Gott hin geschaffen. – So ähnlich haben wir es vorhin auch in der Lesung aus dem Buch der Sprüche gehört, als wir aus dem Munde von Frau Weisheit gehört haben, wie Gott wirklich alles gemacht und geschaffen, gegründet und gebaut und uns auch mit der Weisheit eine Lebensgrundlage geschaffen hatte. Auf sie würde zu hören sein, wie sie selbst gesagt hatte:

 Nun, ihr Kinder, hört auf mich!

 Selig, die auf meine Wege achten.

 Oder anders ausgedrückt – und eher auf uns in unserer heutigen Welt bezogen: Jeder, wirklich jede und jeder ist Gottes Geschöpf, ist sein Kind: egal ob Jude, Grieche, Römer oder Deutscher, egal ob Russe oder Ukrainer, egal ob Groß oder Klein, hoch intellektuell oder einfach strukturiert, ob Frau oder Mann – alle kommen wir von ihm her – und von uns allen gilt auch heute noch:

 Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen,

 um sich aller zu erbarmen.

 Und vor allem gilt eben auch:

 Aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist Alles!

 

Wenn wir, wenn diese Welt das einmal verstände, wenn uns der Heilige Geist das wirklich mal einbläute oder offenbarte – diese Welt, ich bin überzeugt davon, wäre eine andere Welt: Da gäbe es keine Trennung mehr zwischen Arm und Reich, zwischen Nord und Süd, zwischen Juden und Christen oder Katholisch und Evangelisch – denn wir würden im andern Gegenüber erkennen und verstehen, wie grenzenlos Gottes Gnade und Liebe ist – dann wäre diese Welt wirklich eine ökumenische Welt, in der wir uns von den reichen Erfahrungen seiner Liebe und Gnade erzählten. Und ich bin gewiss, so wird es kommen. Darum

 Ihm sei Ehre in Ewigkeit – Amen

 

Musikmeditation

 

Fürbitten (aus Gottesdienstbuch in gerechter Sprache, S. 91)

 Gott des Friedens!

 An Dir liegt es nicht,

 wenn auf dieser Erde Krieg herrscht.

 Wir bitten Dich:

 Gib uns den Mut zum Frieden stiften

 und stehe allen bei, die heute unter Krieg leiden.

 Höre uns, wir rufen Dich!

 Höre uns, wir suchen Dich!

 Höre uns und sei uns nah!

 Gott der Liebe!

 An Dir liegt es nicht,

 wenn Menschen sich das Leben zur Hölle machen.

 Wir bitten Dich:

 Gib uns den Mut für andere einzutreten

 und steh allen bei, die heute unter Gewalt leiden!

 Höre uns, wir rufen Dich!

 Höre uns, wir suchen Dich!

 Höre uns und sei uns nah!

 Gott der Hoffnung!

 An Dir liebt es nicht,

 wenn uns die Visionen für eine gute Zukunft abhanden kommen.

 Wir bitten Dich:

 Gib uns Deine Geistkraft,

 um phantasievoll für eine gerechte Weltordnung einzutreten!

 Und stehe allen bei, die heute in Verzweiflung versinken!

 Höre uns, wir rufen Dich!

 Höre uns, wir suchen Dich!

 Höre uns und sei uns nah!

 

Unser Vater im Himmel …

 

 Segen

 Gott, Deinen Segen erbitten wir:

 Deine Zärtlichkeit umfange uns!

 Deine Liebe halte und heile uns!

 Deine Weisheit rate und leite uns!

 Der HERR segne dich und behüte dich;

 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 

Gemeinde: Amen, Amen, Amen.

 

Lied           eg     421            Verleih uns Frieden gnädiglich

 

Nachspiel


Bekanntmachungen

 

Folgendes möchte ich Ihnen noch mitteilen, liebe Gemeinde:

 Die Kollekten vom Pfingstsonntag, 5.6.betrugen:

 Für das Cafe Ludwig                                      151,10 €

 Für Hoffung für Osteuropa                            165,85 €

 Herzlichen Dank! Gott segne Geber und Gaben und all das,

 was mit diesen Gaben geschieht!

 

 Die heutige Klingelbeutelkollekte ist bestimmt für die Diakonie. Bei allem Leid in der Welt dürfen wir auch die nicht vergessen, die sich in unserer Nähe in Notsituationen befinden.  

 

Mit der Ausgangskollekte sollen Kinder und Jugendliche in Südafrika gestärkt werden, um durch Schule und Ausbildung ihre Zukunft selbstverantwortlich gestalten zu können. 

 

Da die politische Situation unverändert ist, bieten wir auch weiterhin Friedensgebete an: Freitags  im 14- tägigen Wechsel. Am 17. Juni in der Lichtenplatzer Kapelle und am 24. Juni im Gemeindezentrum Petruskirche.

 

Und nun herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am kommenden Sonntag, 19. Juni um 9.30 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche und um 11 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle hier mit Kinderchor. Beide Gottesdienste mit Pfr. Seim.

 

Außerdem findet um 11 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche ein Kindergottesdienst mit Diakon Arne Würzbach und Team statt.

 

Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.

 Bleiben Sie behütet!                                                                                                    Ihr Pfr. Michael Seim

 

 

 

 


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