Ev. Gemeinde Unterbarmen Süd

 

Gottesdienste am Sonntag „Invokavit“ den 6. März 2022

 

 

 

 

Musik zum Eingang

 

Prebyter/in (Begrüßung)

 

Durch sein Wort hat Gott diese Welt und auch uns geschaffen. Durch sein Wort spricht er zu uns.

 

Weil wir auf sein Wort hören wollen, kommen wir zu ihm und feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes:

 

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des

 

Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

 

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn …“

 

Gemeinde

 

„… der Himmel und Erde gemacht hat.“

 

Presbyter/in

 

„… der Bund und Treue hält ewiglich …“

 

Gemeinde

 

„… und nicht loslässt das Werk seiner Hände.“

 

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

 

Zu unserem Gottesdienst heute im LiK/GzP möchte ich Sie ganz herzlich begrüßen.

 

Herzlich begrüßen möchte ich auch Frau Boller, die heute die Musik gestaltet. Vielen Dank für Ihren Dienst.

 

Heute beginnt mit dem Sonntag Invokavit die Passionszeit. Deswegen verzichten wir nach der Lesung auf das „Halleluja“.

 

Aus aktuellem Anlass geht es in diesem Gottesdienst nicht um den vorgeschlagenen Predigttext.

 

Es wird heute um die Art und Weise gehen, in der Menschen sich bei Gott beklagen können und dürfen.

 

In den Klagepsalmen beschweren sich Menschen bei Gott und fragen, warum sie leiden müssen und wie lange das noch andauern soll. Sie bitten Gott, endlich Abhilfe zu schaffen und sie loben ihn dafür. So ist das auch in Psalm 13, den wir gleich beten werden.

 

Mit der Gestalt des Hiob können wir erleben, dass wir unsere Klage noch ganz anders an Gott richten können.

 

Dazu gleich mehr in der Predigt.

 

Der Wochenspruch für die kommende Woche steht im Evangelium des Johannes im Kapitel 3 der Verse 8b:

 

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“

 

Prebyter/in (Eingangslied)

 

Wir singen gemeinsam das erste Lied Nr.165 „Gott ist gegenwärtig“, die Strophen eins, zwei und acht singen.

 

Liturg/in (Begrüßung)

 

„Die Gnade unseres Herr Jesus Christus und die Liebe

 

Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit Euch allen.“

 

Gemeinde

 

„… und auch mit Dir.“

 

Liturg/in (Psalmlesung: 1140/706)

 

„Wir wollen Psalm 13 lesen und beten. Ich bitte Sie, die eingerückten Verse zu lesen.“

 

Gemeinde

 

„Ehre sei dem Vater und dem Sohn, dem heiligen Geist in einem Thron, der Heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit. Amen

 

Liturg/in (Sündenbekenntnis)

 

Wir wollen beten: „Lieber Gott, wir danken Dir dafür, dass Du immer bei uns bist, auch wenn wir das nicht immer wahrnehmen und merken. 

 

In der vergangenen Woche, da sind uns wieder viele Herausforderungen begegnet. Manches ist uns gelungen. Dafür danken wir dir.

 

In der letzten Woche haben wir zuwenig auf deine Güte vertraut. Stattdessen haben wir uns einschüchtern lassen von Drohgebärden anderer Menschen.

 

Wir haben Zweifel.

 

In der letzten Woche haben wir zuwenig auf deine Barmherzigkeit vertraut. Stattdessen waren wir nur verärgert darüber, dass es gerade so unruhig und chaotisch in der Welt zugeht.

 

Wir haben Zweifel.

 

Wir erleben, dass Tag und Nacht Menschen durch die Gewalt des Krieges sterben. Menschen wollen leben und hoffen - sie wollen lieben und atmen - sie wollen in eine gute Zukunft schauen können. Wie soll das weitergehen.

 

Wir haben Zweifel.

 

Alle diese Lasten der vergangenen Woche bringen wir mit und wir bitte dich … Herr, erbarme Dich.“

 

Gemeinde

 

„Herr, erbarme Dich, erbarme Dich.

 

Herr, erbarme Dich, erbarme Dich.“

 

Liturg/in

 

„Gott hat sich unser erbarmt und er sagt uns dies in seinem Wort. Beim Propheten Jesaja heißt es in Kapitel 54 im Vers 10:

 

Denn die Berge werden weichen und die Hügel wanken, meine Gnade aber wird nicht von dir weichen, und mein Friedensbund wird nicht wanken, spricht, der sich deiner erbarmt, der Herr.

 

Gemeinde

 

„Ehre sei Gott in der Höhe

 

Frieden auf Erden, auf Erden

 

Und den Menschen ein Wohlgefallen Amen, Amen, Amen“

 

Liturg/in (Inneres Sammeln)

 

Lieber Gott, wieder ist eine Woche vorbei und die Erlebnisse der Woche hallen noch nach in uns.

 

So wie ich bin, bin ich heute hier in den Gottesdienst gekommen. Noch bewegt von den vielen Eindrücken, die mich in der vergangenen Woche beschäftigt haben.

 

Manche Ereignisse haben uns erschreckt, manche nur verwundert. Bei manchen Erlebnissen hatten wir Angst und wußten nicht, wie es weitergehen soll. Manche Ereignisse waren für uns eine große Freude, manche haben uns einfach zum Nachdenken gebracht.

 

Alles das und noch viel mehr haben wir heute und hier mitgebracht.

 

Doch wir wollen anhalten und eine Pause einlegen, hier im Gottesdienst.

 

Hilf uns, dass wir uns jetzt sammeln können.

 

Lass uns jetzt offen werden für Dich.

 

Lass uns jetzt Dich erfahren in der Musik und in den Worten, die wir hören und in den Liedern, die wir singen. Amen.

 

Prebyter/in (Schriftlesung)

 

Die heutige Lesung steht im Buch Hiob im Kapitel 3. Ich lese aus der Eröffnungsklage des Hiob die Verse eins bis zehn:

 

1

 

Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.

 

2

 

Und Hiob sprach:

 

3

 

Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt!

 

4

 

Jener Tag sei Finsternis, und Gott droben frage nicht nach ihm! Kein Glanz soll über ihm scheinen!

 

5

 

Finsternis und Dunkel sollen ihn überwältigen und düstere Wolken über ihm bleiben, und Verfinsterung am Tage mache ihn schrecklich!

 

6

 

Jene Nacht – das Dunkel nehme sie hinweg, sie soll sich nicht unter den Tagen des Jahres freuen noch in die Zahl der Monde kommen!

 

7

 

Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar und kein Jauchzen darin!

 

8

 

Es sollen sie verfluchen, die einen Tag verfluchen können, und die da kundig sind, den Leviatan zu wecken!

 

9

 

Ihre Sterne sollen finster sein in ihrer Dämmerung. Die Nacht hoffe aufs Licht, doch es komme nicht, und sie sehe nicht die Wimpern der Morgenröte,

 

10

 

weil sie nicht verschlossen hat die Tür des Leibes meiner Mutter und nicht verborgen das Unglück vor meinen Augen!

 

 

Prebyter/in (Glaubensbekenntnis)

 

Ich möchte Sie einladen, miteinander unseren Glauben zu bekennen:

 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

 

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.

 

Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.

 

Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Am dritten Tage auferstanden von den Toten. Aufgefahren in den Himmel.

 

Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist; die Heilige christliche

 

Kirche; Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Prebyter/in (Lied vor der Predigt)

 

Vor der Predigt wollen wir nun gemeinsam das nächste Lied Nr. 209 „Ich möcht, das einer mit mir geht“.

 

Wir singen das Lied mit allen Strophen.

 

Liturg/in

 

Predigt über Hiob 30,16 bis 23; 31,35 bis 37

 

Was bisher mit Hiob geschah: In den ersten beiden Kapitel des Buchs Hiob, der sogenannten Hiobnovelle, gehen Gott und der Teufel eine Wette ein.

 

Der Teufel will Hiob an Vermögen, Leib und Leben großen Schaden zufügen. Die Wette des Teufels ist, dass Hiob dann von seinem Gotteslob abläßt und nichts mehr mit Gott zu tun haben will.

 

Das Ergebnis ist bekannt. „Gott hat es gegeben, Gott hat es genommen, gelobt sei Gott.“ (Hiob 1, 21), dass ist Hiobs Antwort darauf, dass seine Familie getötet und sein ganzes, sehr großes Vermögen geraubt wurde.

 

„Das Gute nehmen wir von Gott an, warum sollen wir nicht auch das Böse annehmen?. Dass ist Hiobs Antwort darauf, das der Teufel ihn mit schwerer Krankheit geschlagen hat.

 

Soweit die sehr kurze Zusammenfassung der Kapitel eins und zwei aus dem Buch Hiob. 

 

Ab Kapitel drei geht es anders weiter. Der Stil der Erzählung wir anders. Es beginnt die sogenannte Hiobdichtung. Ab diesem Kapitel wird Hiob eher als ein wilder und rebellischer Mann gezeichnet.

 

Er führt in seinem schweren und unverschuldeten Leiden  verschiedentlich Klage gegen Gott.

 

Den Anfang der Eröffnungsklage haben wir gerade in der Lesung gehört. Hiob verflucht den Tag seiner Geburt und er flucht damit auch Gott.

 

Doch es geht noch weiter. Ich lese aus Hiob Kapitel 30 die Verse 16 bis 23 und aus Kapitel 31 die Verse 35 bis 37: …

 

In unserer heutigen Zeit hört man das gelegentlich von

 

Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und sich in den Medien zeigen. Er oder sie ist krank geworden, hat vielleicht Krebs bekommen. Er oder sie hat die Krankheit angenommen und setzt sich damit auseinander, sie oder er stellt sich dem Kampf und siegen oder verlieren. Jedenfalls ist Krankheit in unserer Zeit grundsätzlich sozial angenommen.

 

Das war in der Antike grundlegend anders. Krankheit galt als eine Strafe Gottes. Sie war Strafe für die Sünden eines Menschen. Je schwerer die Sünden, umso schwerer die Strafen.

 

Hiob ist zu einem schwerkranken Mann geworden. Sozial bedeutete das für in den tiefstmöglichen Fall. Vorher war er ein anerkanntes und geachtetes Mitglied der Gesellschaft, der damaligen oberen Tausend.

 

Nachdem der Teufel sein Werk getan hatte, sitzt er allein und unansehnlich schwerkrank auf einem Aschehaufen vor der Stadt. Keiner will etwas mit ihm zu tun haben. Noch viel schlimmer. Man ist respektlos ihm gegenüber. In seiner Familie ist er zu einem Fremden geworden.

 

Wer so krank war wie Hiob, der galt in der Antike als von Gott verstossen. Die Menschen fragten sich vielleicht, was er sich hat zuschulden kommen lassen, dass Gott ihn so bestraft.

 

Drei Freunde besuchen Hiob in seinem Leiden. Dies im

 

Detail zu erzählen führt heute zu weit. Doch jeder dieser Freunde will Hiob erklären, dass er etwas falsch gemacht haben muss.

 

Sie stecken noch tief im antiken Denken. Mit solchen Freunden sind keine neuen Gedanken, ist keine persönliche Entwicklung zu erwarten.

 

Doch Hiob hält konsequent dagegen. Für ihn ist es keine Frage von Sünden. Für ihn ist es ein grundsätzliches Thema.

 

Wäre die Welt grundsätzlich in Ordnung, dann wäre sein Leiden ein Einzelfall, ein statistischer Ausreisser, der Ausnahmefall. Ein solcher Fall kommt zufällig mal vor. Ein solcher Zufall ist kein Hinweis, dass in der Welt grundsätzlich etwas falsch läuft.

 

Hiob erlebt das ganz anders. Er kann keinen wohlwollenden Schöpferplan erkennen. Er erzählt, wie er das an sich selbst erlebt hat: „Mit gewaltiger Kraft packt er mein Gewand, wie der Kragen meines Leibrocks schnürt er mich ein. Er hat mich in den Dreck geworfen, sodass ich dem Staub und der Asche gleich geworden bin.“

 

„Was ist das für ein Gott“, denkt Hiob vielleicht, „der solche Grausamkeiten nicht nur zuläßt, sondern gegen ihn, gegen die Menschen selber ausführt.“

 

Der Erzähler der Hiobgeschichte sieht das als ein grundsätzliches Problem. Hiobs Leiden ist in der Welt kein Ausnahmefall. Es gibt zuviel Leiden in der Welt und alle Menschen müssen das aushalten. Der Erzähler will zeigen:

 

Wenn Gott die Welt in Händen hält und sie so chaotisch ist, wenn die Welt so grundsätzlich ungerecht und unmoralisch ist, dann ist das alles Gottes Verantwortung.

 

Hiob geht noch weiter. Er denkt: „Wenn es in dieser

 

Welt so ungerecht und unmoralisch zugeht, dann ist der Schöpfer dieser Welt ungerecht und unmoralisch.“

 

Oder mit dem Text aus dem Buch: „Ich schreie zu dir und du antwortest mir nicht. Ich stehe da und du achtest nicht auf mich. In eine Grausamen verwandelste du dich mir, mit der Stärke deiner Hand feindest du mich an.“

 

Gott ist für Hiob zu einem Feind geworden. In den Klagepsalmen wird Gott um Hilfe gebeten. Hiob sagt dagegen: „Gott lass mich in Ruhe. Ich habe genug von dir.“ Hiob tobt, flucht, schimpft, lästert und höhnt gegen Gott.

 

Am Ende ist Hiob beides: Er ist seelisch zermürbt von seinem Leiden, er ist am Ende, dem Tode nahe, mit seinen Worten: „Und nun zerfließt in mir meine Seele, die Tages des Elends packen mich. … Ich habe erkannt, zum Tode führst du mich zurück und in das Versammlungshaus aller

 

Lebendigen.“

 

Doch in manchen Augenblicken bleibt Hiob selbstbewußt. Er will Antworten von Gott. Wenn Gott schon so chaotisch, ungerecht und unmoralisch ist und er dadurch so leiden muss, dann will er wenigsten wissen, was das alles soll. Das ist Hiobs Anspruch.

 

Gegen einen Feind erhebt man Anklage. Das ist wenigstens ein geordnetes Verfahren. Hiob spricht: „Ach hätte ich doch einen, der auf mich hörte - hier ist meine Unterschrift! Der Allmächtige antworte mir! Wo ist die Klageschrift, die mein Rechtsgegner geschrieben hat? Wahrlich, ich würde sie auf meine Schultern heben, sie mir um den Kopf winden als Kranz. Ich würde ihm über die Zahl meiner Schritte Auskunft geben, wie ein Fürst würde ich ihm nahen.“

 

Das ist ein großes Finale am Ende eines langen unverdienten Leidensweges. Lange Zeit hat er noch zuversichtlicher geklungen. Da ging es ihm eher um ein Miteinanderreden - ein Miteinanderstreiten.

 

Er spricht weiter vorne in der Geschichte in Kapitel 23 Verse zwei bis fünf: „Auch heute ist Widerspruch mein Anliegen. Seine Hand lastet schwer auf meinem Seufzen. Ach, dass ich ihn wüsste, wie ich ihn finden und zu seiner Stätte kommen könnte. Ich wollte vor ihm den Rechtsfall darlegen und meinern Mund mit Beweisgründen füllen. Ich möchter gerne die Worte wissen, die er mir dann antwortet, und erfahren, was er mir zu sagen hat.“,

 

Das hört sich eher wie ein gegenseitiger Meinungsaustausch an.

 

Doch am Ende der Geschichte will Hiob keine Meinungen mehr austauschen. Er ist am Ende seiner Kraft.

 

Kurz bevor er glaubt zu sterben, will er einfach nur noch wissen, was Gott sich in seinem Chaos alles dabei gedacht hat.

 

Auch wenn es sich dabei so anhören kann, als ob Hiob seine Beziehung mit Gott aufgekündigt hat, so schimmert zwischendurch immer noch etwas Zuversicht durch.

 

In Kapitel 19 in den Versen 25 bis 27 spricht er: „Doch ich weiss, mein Fürsprecher lebt. Und als der Letzte wird er über dem Staub stehen. Und nachdem man meine Haut so zerschunden hat, werde ich doch aus meinem Fleisch Gott schauen. Ja, ich werde ihn für mich sehen und meine Augen werden ihn sehen, aber nicht als Fremden.“

 

Hiob sieht Gott als denjenigen an, der für ihn in seinem

 

Prozess gegen Gott Fürsprecher sein kann. Gott hält zu Hiob gegen Gott. Das ist die Endstation. Gott ist der einzige, der alle Antworten hat.

 

Für den antiken Menschen sind das alles ungeheuerliche Worte. Niemand hatte das bisher gewagt. Darf ein Mensch mit und gegen Gott mit einer solchen tabulosen Schärfe und Ehrlichkeit reden?

 

Der Erzähler der Hiobdichtung sagt damit, das ein solches anhaltendes schweres und unverschuldetes Leiden im Menschen langfristig Wirkung zeigt.

 

Ein Mensch, der so lange unverdient schwer leidet, der verändert sich. Der will kein Hin- und Hergerede mehr -  keinen lockeren Meinungsaustausch.

 

Der will die Fakten auf dem Tisch haben. Der will jetzt und hier hören und verstehen, was wirklich los ist.

 

Das ist eine neue Dimension. In den Klagepsalmen hat sich der Mensch noch darüber beklagt, wie lange er noch leiden soll und warum das Leiden über ihn gekommen ist.

 

Hiob dagegen fragt nach der Wurzel allen Übels. Für ihn ist die Welt an sich unmoralisch und ungerecht und da Gott die Welt trägt, sieht er Gott an sich als ungerecht und unmoralisch.

 

Solche Fragen nach der Wurzel allen Übels werden auch in unserer Zeit gestellt. Sie fangen oft an mit : „Wie kann Gott das zulassen, dass …?“ Wir hören etwas von Güte und Zuwendung zu den Menschen und erleben eine Welt mit Hinterlist, Bosheit und kranken Typen.

 

Wie kann Gott das zulassen, dass einzelne Menschen tausenden anderen Menschen sagen können, jetzt lauft, fahrt und fliegt los und tötet eure Mitmenschen?

 

Wie kann Gott das zulassen, dass dadurch soviel Leiden verursacht wird?

 

Wie kann Gott das zulassen, dass seine Schöpfung solche grundsätzlichen Dinge wie Miteinander auskommen und miteinander in Frieden leben nicht hinbekommen?

 

Ab dem Kapitel 38 bekommt Hiob Antworten. …

 

Nun, Gott bleibt für uns der Allmächtige. Eine andere Art von Antwort dürfen wir kaum erwarten. Er läßt sich von uns nicht in seine Karten schauen.

 

Doch ich finde es wichtig zu hören, dass wir auch heute diese Art von Fragen stellen dürfen. Alle diese Fragen, die Hiob gestellt hat, sie stehen auch uns zu.

 

Wo erleben wir in unserem Leben Ereignisse und Zustände, die wir lange ausgehalten haben? Erlebnisse, die uns krankmachen und langfristig zermürben. Wo stehen wir an einer Stelle, an der wir uns sagen, jetzt kommen die Fakten auf dem Tisch? Ich will jetzt und hier von Gott hören und verstehen, was wirklich los ist.

 

Wir dürfen uns in dieser Art und Weise bei Gott beklagen, wenn wir mit unserem Leiden so in die Ecke getrieben wurden, dass wir kaum wissen, wie es wieder herausgehen kann.

 

Wie komme ich darauf?

 

Am Schluss wendet sich Gott an die drei Freunde des Hiob. Das waren die drei Freunde, die ihm die ganze Zeit einreden wollten, er -  Hiob - hätte etwas falsch gemacht und sich deshalb den Zorn Gottes zugezogen.

 

Gott spricht in Kapitel 42, Vers 7 zu Elifas, einem der Freunde: „Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und deine beiden Freunde, denn ihr habt über mich nichts Wahres geredet, wie mein Knecht Hiob.“

 

Da haben wir es schriftlich. Erstens, alles das, was Hiob gesprochen hat, ist Wahrheit. Hiob durfte Gott so anklagen und Antworten von ihm verlangen und zweitens, er nennt Hiob einen Knecht Gottes. Ein Knecht Gottes zu sein, dass ist ein Ehrentitel.

 

So gibt es auch heute keine Antwort darauf, warum grundsätzlich soviel Leiden in der Welt besteht.  

 

Doch niemand ist gehindert, deutliche Fragen zu stellen. Ein Mensch, der leidet, der will kein Hin- und Hergerede in einem lockeren Meinungsaustausch. Der will die Fakten auf dem Tisch haben. Der will jetzt und hier hören und verstehen, was wirklich los ist.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Sinne und Herzen in Jesus Christus unseren Herrn.

 

 

Musikalische Meditation

 

 

Prebyter/in (Mitteilungen)

 

Wir danken Ihnen für die Kollekten des vergangenen Sonntags. Sie betrugen:

 

… für die Diakonie der Gemeinde                       65,60 €

 

… Für Hilfe für bedürftige Familien                   101,50 €

Herzlichen Dank! Gott segne Geber und Gaben und all das, was mit diesen Gaben geschieht!

Die heutige Klingelbeutelkollekte geht an die Kindertal e.V., eine gemeinsame Aktion von Radio Wuppertal, Diakonie, Caritas und der Sparkasse. Sie unterstützt Kinder und Jugendliche in Wuppertaler Familien.

 

Am Ausgang sammeln wir auch für den wüstennahen Staat Niger. Die Klimakrise gefährdet die Lebensgrundlagen vieler Familien in Westafrika. Mit innovativen Anbaumethoden bekommen Familien das Rüstzeug an die Hand, um ihre Ernten zu sichern, die Wüste aufzuhalten und somit Hunger vorzubeugen.

 

Die veränderte politische Situation macht uns alle sehr betroffen. Wir schließen uns deshalb den Friedensgebeten des Jugendreferates an und laden dazu herzlich ein für: mittwochs um 17.30 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle vor dem Jugendtreff Open.

 

Ab Freitag, dem 11. März sind außerdem Friedensgebete um 18 Uhr im Wechsel zwischen der Lichtenplatzer Kapelle und dem Gemeindezentrum Petruskirche geplant. Wir beginnen mit der Lichtenplatzer Kapelle. Bitte achten sie auch auf Aushänge und aktuelle Informationen auf der Homepage.

 

Und nun herzliche Einladung zu den Gottesdiensten mit Diakon Arne Würzbach am Sonntag, den 13. März 2022:

 

Um 9.30 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche und um 11.00 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle. Sie sind auch herzlich eingeladen, vor dem Gottesdienst neue Lieder kennen zu lernen. Kommen Sie einfach zehn Minuten früher.

 

 

Prebyter/in (Lied nach der Predigt)

 

Wir singen nun das Lied Nr. 678 „Wir beten für den Frieden“ die Strophen eins bis vier.

 

Liturg/in (Amtshandlungen)

 

 

Liturg/in (Fürbitten)

 

A            Wir wollen nun Fürbitte halten. (Handzeichen) Von allen Seiten, Gott, umgibst Du uns.

 

Von dir kommen wir, und zu dir gehen wir. Weil du unsere Stärke und unsere Hilfe bist, bitten wir dich:

 

B            Wir beten für alle Menschen, die in der Ukraine in höchster Gefahr sind.

 

Wir bitten um deinen Schutz für jedes einzelne bedrohte Leben.

 

Wir legen in deine Hände die, die jetzt fliehen müssen, die schutzlos sind.

 

Und wir bitten um deinen Geist für alle, die in politischen Verhandlungen sind und Schritte in die Zukunft suchen.

 

Wir bitten um Wege, wo wir keine mehr sehen.

 

A            Wir bitten darum, dass dein sanfter und starker Geist des Friedens auch die berührt und verändert, die diesen Krieg wollen und planen.

 

Wir wollen daran festhalten,dass es für deinen Geist des Friedens eben keine Grenzen gibt,auch jetzt nicht.

 

B            Herr, lass uns dir auf deinem Weg folgen, lass uns nicht nur nach dem immer Höheren trachten, sondern den Weg der Liebe suchen.

 

Schenke uns Kraft, einander zu lieben und zu achten, aufeinander zuzugehen und aufmerksam zu sein, für die Bedürfnisse des Nächsten. Gib uns Mut, uns einander zu unterstützen und zu stärken.

 

Dass dein Frieden sich irgendwann als stärker erweist als alles Machtstreben von Menschen.

 

A            Wir bitten dich für die Menschen, die persönliche Verbindungen in die Ukraine haben, durch Familie, durch Freundschaften.

 

Für die Menschen, die jetzt an ihre persönliche Grenze kommen und große Angst haben um einzelne Menschen, die ihnen wichtig sind.

 

Trage sie, und hilf, dass ihre persönlichen Kontakte jetzt zu Brücken von Solidarität und Hilfe werden.

 

B            Wir bitten dich für die Menschen, die gestolpert sind auf  ihren Wegen, die keine Kraft mehr haben, wieder auf die Beine zu kommen. Schenke uns wachsame Augen, dass wir ihnen beistehen.

 

A Wir bitten, dass die Sehnsucht nach Frieden dort Kreise ziehen kann, wo wir nur noch Aggression sehen.

 

Hilf uns zu erkennen, was wir jetzt tun können.

 

In der Stille der kommenden Minute bringen wir jetzt vor dich, was uns für die Welt, andere Menschen und auch für uns selbst besonders bewegt.

 

(Stille)

 

A Du Gott kennst unsere Ängste und Sorgen.

 

Du weißt unseren Weg. Du führst uns zum Ziel.

 

Wir bitten Dich, begleite Du uns auch in der kommenden Woche.

 

Gott, erhöre uns, wenn wir jetzt gemeinsam beten:

 

Unser Vater im Himmel

geheiligt werde dein Name

dein Reich komme

dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden

unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unserer Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen

denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit

 

Amen

 

Und nun gehet in diesen Sonntag und in die kommende Woche mit Gottes Segen.

 

DER HERR SEGNE DICH UND BEHÜTE DICH

 

DER HERR LASSE SEIN ANGESICHT LEUCHTEN ÜBER DIR UND

 

SEI DIR GNÄDIG

 

DER HERR ERHEBE SEIN ANGESICHT AUF DICH UND GEBE DIR

 

FRIEDEN

 

Gemeinde

 

„Amen, Amen, Amen“

 

Liturg/in (Lied zum Ausgang)

 

Zum Schluss singen wir das Lied Nr. 421 „Verleih uns Frieden gnädiglich“

 

Musik zum Ausgang

 

 

 

 

Download
220306_Gottesdienst_online.pdf
Adobe Acrobat Dokument 195.6 KB