Gottesdienst zum 22.08.2021 mit Präd Rainer Strauß

 


Vorspiel

 

Eröffnung / Begrüßung (Presbyter*in).
Weil Gott in Jesus zu uns kommt, um uns immer wieder auch hilfreich zur Seite zu stehen, darum kommen wir zu ihm und feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes
im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn, ......
(Gemeinde:) "... der Himmel und Erde gemacht hat."
„… der Bund und Treue hält ewiglich …“
(Gemeinde:)"… und nicht loslässt das Werk seiner Hände."


Liebe Gemeinde!
Ein herzliches Willkommen und ein ganz besonders herzliches Willkommen Ihnen, Herr Strauß, der Sie den Gottesdienst heute mit uns feiern. Schön, dass Sie heute wieder bei uns zu Gast sind! Rainer Strauß arbeitet als Seelsorger in einem Kinderhospiz in Düsseldorf, und sicher wird er uns von Erfahrungen zu berichten wissen, die der Prophet Jesaja im Wochenspruch für diese Woche so zum Ausdruck bringt:
          Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen,
          und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.           Jesaja 42,3


Mit diesen Worten wünsche ich uns einen gesegneten Gottesdienst.

 


Lied 432, 1- 3 Gott gab uns Atem

 


Psalm 147 (in Auswahl)
Halleluja! Gut ist es, für unseren Gott zu singen,
ja, schön ist solch ein Lobgesang, ihm allein gebührt er!
Der Herr selbst baut Jerusalem wieder auf;
er sammelt die ´unter die Völker` zerstreuten Israeliten wieder in ihrem Land.
Er schenkt denen Heilung, die ein gebrochenes Herz haben
und verbindet ihre schmerzenden Wunden.
Er bestimmt die Anzahl der Sterne,
sie alle spricht er mit Namen an.
Groß ist unser Herr und reich an Kraft,
seine Weisheit ist unermesslich.
Der Herr hilft den Unterdrückten auf;
die sich gegen ihn auflehnen aber erniedrigt er,
bis sie am Boden liegen.
Gefallen hat der Herr an denen,
die ihm mit Ehrfurcht begegnen
und voller Zuversicht darauf warten,
dass er seine Güte zeigt. Amen

 


Gebet
Herr, so viel Lebensfülle erfahren wir –
und andere so wenig.
Herr, erbarme dich
Christus, so viel Ruhe und Geborgenheit für uns –
und für andere so viel Angst.
Christus, erbarme dich
Herr, so viel Hoffnung ist in uns –
und bei anderen so viel Demütigung und Brutalität.
Herr, erbarme dich
Gott, vergib uns,
wenn wir zu wenig von unseren Lebensmöglichkeiten mit denen teilen,
die keine haben.
Gott, vergib uns unser Schweigen,
wenn wir hätten reden müssen.
Gott, vergib uns unsere leeren Worte,
wenn wir hätten handeln müssen.
Gott, vergib uns unsere Mittelmäßigkeit,
unseren Mangel an Liebe und Großzügigkeit.
Gott, schenke uns Dein Erbarmen,
damit wir lernen, die Menschen zu lieben, wie du sie liebst! Amen

 



Predigt Markus 7,31-37
In Israel kannte man die Bibel - und nahm sie ernst.
Das 35. Kapitel im Propheten Jesaja enthält folgendes Versprechen Gottes:
          „Freuen wird sich die Wüste,
          und das dürre Land wird jubeln.
          Die Steppe wird fröhlich singen
           und aufblühen wie ein Meer von Narzissen.
          Stärkt die kraftlosen Hände!
          Lasst die zitternden Knie wieder fest werden!
          Sagt denen, die sich fürchten:
          »Fasst neuen Mut! Habt keine Angst mehr,
          denn euer Gott ist bei euch!
          Jetzt wird er euren Feinden alles Unrecht vergelten,
          das sie euch angetan haben.
          Gott selbst kommt, um euch zu retten.«
          Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
          und die Tauben können auf einmal hören.
          Gelähmte springen wie ein Hirsch,
          und Stumme singen aus voller Kehle.
          In der Wüste brechen Quellen hervor,
          Bäche fließen durch die öde Steppe.
          Alle, die der HERR befreit hat,
          werden jubelnd aus der Gefangenschaft zum Berg Zion zurückkehren.
          Dann sind Trauer und Sorge für immer vorbei,
          Glück und Frieden halten Einzug, und die Freude hört niemals auf.“             (Jesaja 35,1-6.10)


Als Jesus lebte, stand diese Verheißung aus. Sie blieb über Generationen dringend erwartet aber noch unerfüllt, dass Gott sein Versprechen wahr macht. Klar, dass die Leute aufhorchten, wenn auf einmal ein Taubstummer wieder ganz normal hören und mit der Sprache der Worte verständigen kann. Das galt nicht nur als irgendeine Wunderheilung. Wo ein Taubstummer plötzlich geheilt war, da war es so, als wenn plötzlich vom Himmel ein gigantischer Posaunenchor erschallt. Wenn das passiert, dann erfüllt Gott, was er versprochen hat - sein Rettungswerk für Israel, die Heilszeit bricht an. Endlich ist Wirklichkeit geworden, was so lange ersehnt, erhofft und erwartet wurde. Und das war gebunden an eine Person:
Wer das tut, der ist der von mir bevollmächtigte Gesandte, der gesalbte Messias, der neue König für Israel. Wenn Taube wieder hören - und die Stummen wieder sprechen. Dann seht auf zum Himmel, weil sich Eure Erlösung naht!


Warum auch immer die Leute damals den Taubstummen zu Jesus brachten: mit seiner Heilung wird einmal mehr unterstrichen, was bei der Taufe Jesu am Jordan geschah: Da erklang eine gewaltige Stimme vom Himmel: "Seht auf diesen einen! Das ist mein geliebter Sohn. Hört auf ihn!" So hat Gott Jesus als seinen Sohn bestätigt.
Vielleicht seufzt Jesus deshalb auf, als er diesen Kranken in seinen Armen hält: Weil er weiß: Wenn Gott jetzt diesem Einen Heilung schenkt, dann geschieht viel mehr als dass einem Menschen neues Leben geschenkt wird. Dann wird meine Identität und mein Auftrag einmal mehr den Leuten deutlich mit wieder der Gefahr, das alles misszuverstehen. Leiden und Scheitern - als Weg der Erlösung - das konnte noch keiner begreifen! Stattdessen jubelten die Leute ihm immer wieder dann zu, wenn er als strahlender Sieger erschien.


So wie hier: die Heilung wurde als Kampf und Sieg gegen dunkle Mächte verstanden. Ein Gefangener wird befreit, weil Jesus der Stärkere ist. Das sagt uns diese Geschichte aus dem Evangelium über Jesus:
Er ist in Wahrheit der von Gott bevollmächtigte Retter und Heiland. Er hat Vollmacht, über Geister zu gebieten und Kranke zu heilen. In Jesus hat Gott erfüllt, was er vor langer langer Zeit versprochen hat.


Sagt uns die Geschichte auch etwas über uns? Wo wären wir in diesem Geschehen? Meistens nehmen wir doch die Haltung der Zuschauer ein. Die sind neugierig und gespannt, was Jesus tut. Es ist unser Kopf-Interesse an Jesus.
Nur: den Zuschauern entzieht sich Jesus, die nur neugieriges Interesse im Blick haben. Gottes Handeln will uns tiefer erreichen, nämlich im Herzen. Damals und heute auch. Wer nur Kopf-Glauben möchte und sich dem Herzens-Glauben entzieht oder verweigert, dem bleibt die vertraute tiefe Verbundenheit mit Gott und Jesus verborgen. Es kommt eben auf den Herzensglauben an! Er macht die Beziehung zwischen Gott und uns wertvoll und erfüllend!


Damals haben die Zuschauer immerhin Gott gelobt – nur: das ist nicht entscheidend. Viele loben Gott gelegentlich, wenn sie spüren, dass sie bewahrt wurden und ihnen geholfen wurde. Aber die Geschichte will uns zu etwas anderem einladen:
In der alten Kirche wurde eine Taufliturgie gebraucht. Und die gibt uns einen Hinweis, wohin wir eigentlich gehören in diesem Geschehen: Damals wurde am Ende einer jeden Taufe diese Heilungsgeschichte aufgegriffen. Dabei wurde sie nicht einfach nur erwähnt, sondern gleichsam dramatisch nachgespielt:
Der Täufer berührt den Getauften - wie Jesus es tat - an den Ohren und an den Lippen und ruft das Wort Hefata aus. Tu dich auf!
Was bedeutet dieser Ritus? Es ist nicht irgendeine fromme Zauberei, sondern die Unterstreichung dessen, was in der Taufe geschieht:
Taub und stumm ist ein Mensch, der nicht an Gott glaubt. Er vernimmt nichts vom Reden Gottes. Er versteht die Bibel nicht und erlebt nie, dass Gottes Wort ihn in seinem Gewissen trifft. Auch im Anblick der Schöpfung kommt er nicht auf den Gedanken, Gott zu loben. Das Weltbild von Menschen, die nicht an einen Schöpfer glauben ist arm. Weil sie vielleicht spüren, wie wunderbar all das ist, was uns umgibt, aber keine Adresse haben, wen sie dafür loben könnten.
Und entsprechend sind Menschen ohne Glauben auch stumm. Wer nie etwas von Gott vernimmt, der betet auch nicht. Höchstens als angewöhntes Ritual. Oder mal als Hilfeschrei. Aber mit Gott spontan und auch länger reden, das kennt ein Mensch ohne Glauben nicht. Taub für das Reden Gottes und stumm, wenn es um die Antwort geht.
Für eine solche Art von Taubstummheit brauchen Menschen Heilung. Und darum wurde in alter Zeit am Ende der Taufe gebeten, dass einem Menschen die Sinne geöffnet werden, Gott zu erkennen.
Das Anliegen haben wir auch. Im Zuspruch an den Getauften bitten wir: Gott gebe, dass Du den Herrn Jesus lieb gewinnst und dich in deinem Leben nie schämst, dich zum Gekreuzigten und Auferstandenen zu bekennen.
Heilung durch Jesus geschieht durch Berührung - jedenfalls hier ganz intensiv. In einem Schutzraum setzt Jesus genau dort an, wo der Schaden liegt: An den Ohren und an der Zunge.
Das ist ein Bild dafür, dass wir nur dann heil werden, wenn wir uns innerlich, in unseren Herzen, berühren lassen. Das kann heute geschehen, wenn wir miteinander Gottesdienst feiern. Das kann passieren, wenn wir das Abendmahl empfangen, wohl die innigste Berührung, die uns angeboten ist. Das kann durch einen Segen geschehen, den wir erbitten oder empfangen. Oder durch eine Salbung.
Jesus berührt uns mehr als einmal, um uns heil zu machen. Er berührt uns immer wieder. Weil er uns von Herzen liebt und weil Er uns dabei haben will, wenn sein Reich anbricht. Amen!

 


Musikmeditation

 


Fürbitte
Jesus Christus, wir beten zu dir, du unser Gott.
Du öffnest den Blinden die Augen.
Wir bitten dich für alle, die Orientierung suchen,
für alle, die zu Neuem aufbrechen,
für alle, die vor schweren Entscheidungen stehen.
Öffne ihnen die Augen, damit sie den Weg zum Leben finden!
Du öffnest den Tauben die Ohren.
Wir bitten dich für alle, die nach Antworten suchen,
für alle, die sich in sich verschließen und die Meinungen anderer verachten,
für alle, die deine Gebote missachten.
Sprich, damit sie hören und frei werden!
Du öffnest den Mund der Stummen.
Wir bitten dich für alle, deren Schmerz unermesslich ist,
für alle, deren Klage ungehört verhallt,
für alle, die gegen das Unrecht ankämpfen.
Verschaffe den Bedrängten Gerechtigkeit, damit sie jubeln.
Wir bitten dich für die Opfer von Fluten und Stürme
in Deutschland und auf der Erde.
Bei dir finden die Verzweifelnden Trost.
Bei dir leben die Schwachen auf.
Bei dir findet deine Gemeinde Frieden.
Steh deiner weltweiten Christenheit bei,
damit sie deine Liebe und deine Gegenwart bezeugt!
Dies bitten wir im Vertrauen auf dich, Jesus Christus,
unserem Bruder und Herrn,
mit dessen Worten wir zu Dir beten:

 


Unser Vater im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

 


Segen
Gott wird uns segnen
in Momenten der Verunsicherung.
Gott wird uns segnen
im Staunen über das Wunder des Lebens
Gott wird uns segnen, uns erinnern.
Er wird uns trösten, und aufrichten,
versöhnen und auch ermutigen.
Gemeinsam sprechen wir:
Der HERR segne uns und behüte uns;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;
der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen

 


Nachspiel

Bekanntmachungen (PresbyterIn)
Folgendes möchte ich Ihnen noch mitteilen, liebe Gemeinde:
Die Kollekten des vergangenen Sonntags betrugen:
für diakonische Aufgaben unserer Gemeinde 58,50 €
für das Psychosoziale Zentrum in Düsseldorf 71,20 €
und für die Hochwasserhilfe der Diakonie RWL 76,04 €
Herzlichen Dank!
Gott segne Geber und Gaben und all das,
was mit diesen Gaben geschieht!


Heute ist unsere Klingelbeutelkollekte für die Kinder und Jugendarbeit unserer Gemeinde bestimmt, um auch im weiteren Verlauf der Pandemie, Kinder und Jugendliche zu erreichen und bei Bedarf zu unterstützen.
Die Ausgangskollekte sammeln wir für die Integrations- und Flüchtlingsarbeit der EKiR. Kirchliche wie diakonische Einrichtungen leisten weiterhin bei Integration und Begleitung von Geflüchteten oder auch bei schon lange hier lebenden Migrantinnen und Migranten wertvolle Arbeit. Besonders berücksichtigt werden dabei kleinere Projekte und niederschwellige Angebote.
Außerdem bittet die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe weiterhin um Spenden für alle, die Opfer des massiven Hochwassers geworden sind, um unbürokratisch und schnell helfen zu können.


Und nun: Herzliche Einladung zu den Spurensuche-Gottesdiensten zum Thema „Alles hat seine Zeit“ am 29.8. um 9.30 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche und um 11 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle.


Hingewiesen sei auch darauf, dass wir für den 4. September ab 15.00 Uhr einen Workshop zu unserer Öffentlichkeitsarbeit planen. Wie und auf welchen Wegen können wir also unsere Gemeinde erreichen, und wie können wir die verschiedenen Medien wie Gemeindebrief, Homepage und Newsletter besser miteinander vernetzen? Wer Interesse hat, daran teilzunehmen, melde sich doch bitte bei Pfarrer Seim.


Wer in diesen Tagen Hilfe benötigt, wende sich bitte an mich, Pfr. Michael Seim
Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de


Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.
Bleiben Sie behütet!                                                                                                                            Ihr Pfr. Michael Seim


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