Gottesdienst zum 1.08.2021 mit Pfr. Michael Seim


Vorspiel


Eröffnung / Begrüßung (Presbyter*In.
Gott hat diese Welt geschaffen und vertraut sie uns an. Dafür können wir ihm danken und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes:
im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn, ......
(Gemeinde:) "... der Himmel und Erde gemacht hat."
„… der Bund und Treue hält ewiglich …“
(Gemeinde:)"… und nicht loslässt das Werk seiner Hände."

 


Liebe Gemeinde!
Ihnen allen ein herzliches Willkommen zu unserem heutigen Gottesdienst. Viele von uns sind noch auf den Wegen in ihren wohlverdienten Urlaub. Meist ist das eine Zeit der Ruhe und Entspannung - für manch einen auch Zeit, manches zu überdenken. Denn so weiß schon Jesus im Wochenspruch für diese Woche zu sagen:
Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen;
und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.    Lukas 12,48

 


Wir sind also verantwortlich für die Gaben und für die Menschen, die Gott uns anvertraut. Seine Gaben werden zu unseren Aufgaben. Und mit diesem Worten im Ohr wünsche ich uns einen gesegneten Gottesdienst.

 


Lied zhue 179 Du bist da, du bist da

https://www.youtube.com/watch?v=G4dbmXxw4ZM


Psalm 104 (746, S. 1175f)
Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich;
       du bist schön und prächtig geschmückt.
       Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich;
der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden,
dass es bleibt immer und ewiglich.
       Du feuchtest die Berge von oben her,
       du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz des Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
       Es warten alle auf dich,
       dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.
Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
       Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
       nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie
       und werden wieder Staub.
Du sendest aus deinem Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu die Gestalt der Erde.
       Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich,
       der Herr freue sich seiner Werke!
       Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja

 


Gebet
Gott!
Auch wir würden gern in dieses Lob mit einstimmen!
Doch immer deutlicher müssen wir erkennen,
dass wir Dir und unserem Auftrag nicht gerecht werden.
Wir treiben Raubbau an der Schöpfung.
Erschreckend mussten wir auch wahrnehmen,
wie Menschen mit ihnen anvertrauten Tieren umgehen.
Gott!
Wir müssen umkehren und unser Leben ändern.
Dazu benötigen wir mehr denn je Deinen Geist.
Darum beten wir zu Dir: Herr, erbarme Dich!
Lied zhue 357 Ich hab das Leben lieb


Predigt zu Jesaja 40,12-31 und 44,1-5.24-28
Liebe Gemeinde!
Angesichts einer unvorstellbaren Zerstörung weiß dieser Prophet: Der, der diese Welt und auch Dich geschaffen hat, er wird Dir Kraft verleihen und die Katastrophe beenden. Denn der, der die Macht hat diese Welt zu erschaffen, der hat auch die Macht die Geschicke dieser Welt zu lenken und zu leiten. Und dennoch oder gerade deshalb bleibt uns vieles unverständlich.

Vielen Israeliten war unverständlich, wie Gott sein erwähltes Volk hat preisgeben, ja, wie er den Tempel, den Ort an dem Gott seinen Namen hat wohnen lassen wollen, - wie er diesen Tempel hat aufgeben können. Jerusalem mit dem Zionsberg, der Wohnstätte Gottes, galt als uneinnehmbar. Darauf hatten sich viele verlassen und gerade hier Zuflucht gesucht.
Unvorstellbar, dass Gott ihnen, seinem Volk, keinen Schutz gewähren würde. Unvorstellbar für die meisten. Doch nun war das Unvorstellbare passiert. Stadt und Tempel waren zerstört. Und dieser Gott, auf den man gestern noch meinte vertrauen zu können, dieser Gott war ihnen unverständlich geworden. Er hatte sie ja doch wohl im Stich gelassen.


Vielen Menschen heute ist unverständlich, was durch die Starkregenfälle an Ahr und Erft alles zerstört, niedergewalzt, überflutet wurde. Hier hatte man sich heimisch und sicher gefühlt, Man meinte auf festem Grund gebaut zu haben.
An anderen Orten dieser Erde erleben wir zeitgleich unvorstellbare Feuer: in Kalifornien, in Kanada, in der Türkei, in Sibirien, auf Sizilien gehen Wälder in Flammen auf, weil es zu trocken ist. Feuer ungeahnten Ausmaßes bedrohen Dörfer und Städte, zerstören Lebensräume, machen das Atmen schwer. Doch beides passiert – Fluten und Dürren – in Regionen, deren Wetter bisher recht ausgeglichen und lebenswert schien. Vielen Menschen bleibt auch das unverständlich.


Einige Israeliten folgerten damals:
       Mein Weg ist dem Herrn verborgen
       und mein Recht geht an meinem Gott vorüber.
Mit anderen Worten sagten sie damit: Unser Schicksal ist Gott doch ganz gleich. Wir sind ihm egal. Er schert sich nicht mehr um uns. Dabei hatte Jesaja bereits vor der Katastrophe gewarnt:
       Weil dies Volk verachtet die Waser Siloah, die still dahin fließen … ,
       darum wird der Herr über sie kommen lassen die starken und vielen Wasser des Stromes, nämlich den König von        Assyrien und all seine Macht …
       Er wird einbrechen in Juda und es überschwemmen und überfluten, bis er den Menschen an den Hals reicht.
Das war nur eine von vielen deutlichen Warnungen, die Jesaja verkünden musste. Doch man hatte seine Warnungen in den Wind geschlagen. Man hatte sie nicht wahrhaben wollen.


Nach den Starkregenfällen vor zweieinhalb Wochen habe zumindest ich diesmal keine Fragen nach Gott und seiner Macht oder seinem Willen gehört.

Das mag zwei Gründe haben:
Einerseits fragt diese Gesellschaft vielleicht einfach nicht mehr nach Gott, weil ihr der Glaube an diesen Gott, der sich uns Menschen zuwendet, abhanden gekommen ist. Das mag durchaus sein.
Meine stärkere Vermutung geht jedoch andererseits dahin, dass die Warnungen vor den Folgen des Klimawandels heute in unserer Gesellschaft stärker präsent sind, als noch vor fünf Jahren. Dabei warnen die Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten. Der Club of Rome etwa, ein Zusammenschluss von Wissenschaftler der unterschiedlichsten Disziplinen, gab schon in den 70er Jahren ein Buch mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ heraus. Und erst Mitte der Woche erfuhren wir, dass wir die Ressourcen, die uns für dieses Jahr eigentlich zur Verfügung stünden, bereits jetzt vollständig verbraucht hätten. Wir leben also auf Pump. Wir betreiben Raubbau an der Schöpfung. Und dennoch ist uns unvorstellbar, wie kleine Gewässer eine solche Macht und Kraft entwickeln können, dass ganze Häuser zerstört werden und in den Fluten versinken. Von Menschen und Tieren ganz zu schweigen.


Doch dieser Prophet, der in der Nachfolge des ersten Jesaja stand, der sagte damals schon zu seinem Volk: Meint nicht, dass Gott matt und müde wäre! Nein, das ist er nicht! Er ist ein mächtiger, ja, er ist der einzige Gott. Er ist der, der diese Welt geschaffen hat. Er ist ein unvergleichlicher Gott, an den kein anderer, kein Ratgeber oder König heranreichen kann. Und: Ja, sein Verstand ist unausforschlich. Aber so dieser Prophet:
       Er gibt dem Müden Kraft
       und Stärke genug dem Unvermögenden.
       Die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.
Denn der, der die Kraft und Macht hat diese Welt mit Himmel und Erde, Land und Waser und all seinen Gestirnen zu erschaffen, - der auch die Macht und Kraft hat, diese seine Schöpfung am Leben zu erhalten und beständig fortzuführen, - der kann und wird auch uns die Kraft schenken, die wir brauchen. Und nach den Worten Dietrich Bonhoeffers gilt dafür:
       Aber er gibt sie nicht im Voraus,
       damit wir uns nicht auf uns selbst,
       sondern allein auf ihn verlassen.
Eben dies, dass Gott uns gerade dann die Kraft schenkt, die wir zum Leben und Überleben brauchen, das ist eine Erfahrung, die viele Menschen auch unter uns in ihrem Glauben gemacht haben.


Weiter sagt dieser Prophet im Namen Gottes:
       So spricht der Herr, dein Erlöser,
       der Dich von Mutterleibe bereitet hat:
       ch bin der Herr, der alles schafft.
Der Prophet macht seinem Volk gegenüber damit deutlich: Der Gott, der diese Welt und auch Dich geschaffen hat, ihm bist Du nicht egal! Er kümmert sich um Dich. Er sorgt für Dich. Er ist für Dich da. Denn er ist doch der, der das Urchaos von Anfang an geordnet und sortiert hat. Und so wird er Dir und aller Welt auch Wege aus dem Chaos aufzeigen.
Wir bräuchten dafür ‚nur‘ dem Auftrag zu folgen, den Gott uns mit seiner Schöpfung anvertraut hat: sie zu bebauen und zu bewahren. Aber in der vergangenen Woche ist es den G20 Staaten leider nicht gelungen sich für striktere Klimamaßnahmen einzusetzen. Auf dem Hintergrund vermehrter Überschwemmungen und Waldbränden gleicht das einer glatten Arbeitsverweigerung. Anscheinend liegt es an uns, der Politik hier auf die Sprünge zu helfen. Und dafür könnte und sollte jede und jeder von uns mit guten Beispiel vorangehen.
Sie alle haben wahrscheinlich Zuhause einen Fernseher, den Sie einfach über eine Fernbedienung anschalten. Ungenutzt ist der Fernseher also im Stand-By-Modus und wartet nur darauf von Ihnen angestellt zu werden. Ist ja auch bequem. Dieser Bereitschaftsmodus verbraucht aber im Jahr etwa 75 Kilowattstunden. Mit dieser Energie könnten Sie auch 75 Maschinen Wäsche waschen oder aber 75 mal ein Mittagessen für eine vierköpfige Familie kochen. Ich hatte selbst nicht gedacht, dass das so viel Energie ist, die bei uns Zuhause einfach so verschwendet wird. Ähnliches gilt für Computer und Stereoanlagen. Ich werde also demnächst anders damit umgehen, und öfters den Stecker ziehen oder die Steckerleiste ausschalten, damit ich öfters lecker kochen kann.
So kann jede und jeder seinen und ihren Beitrag im Kleinen zu einem besseren Umgang mit der Schöpfung leisten und durchaus auch der Politik Beine machen. Denn es geht um diese Welt, die wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen.

 

Und Gott, der diese Welt und auch uns geschaffen hat, den dürfen wir dabei an unserer Seite wissen. Denn er ist der,
       der zu Jerusalem spricht: Du sollst bewohnt sein!,
       und zu den Städten Judas: Ihr sollt aufgebaut werden.
Was Gott seinem Volk damals zusagte, das hat bis heute Gültigkeit. Jerusalem ist eine lebenswerte Stadt und die Landstriche in Juda sind von Israelis und Palästinensern bewohnt und bevölkert.

Und dieser Gott ist der, der sich dabei auch die Macht und den Einfluss politischer Größen zu Nutze machen kann. So wusste dieser Prophet, dass Gott zum König eines fremden Volkes, zu einem Heiden also, der den Gott Israels überhaupt nicht kannte, - dass er
zu Kyrus sagt: Mein Hirte! Er soll all meinen Willen vollenden.
Der also, der diese Welt geschaffen hat, wird auch ihre Geschicke lenken und leiten. Er wird auch uns nicht im Stich lassen, sondern uns zur Seite stehen, so, dass wir mit den Worten Dietrich Bonhoeffers sagen können:
Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Möge Gott uns und Menschen weltweit zu solchen Menschen machen. Amen.

 


Musikmeditation

 

Fürbitte eg 881 S. 1405
Vater wir preisen dich für die ganze Schöpfung,
das Werk deiner Hände,
die Wärme der Sonne,
die Lebenskraft des Wassers,
die Fruchtbarkeit der Erde,
die Schätze der Tiefe,
das Glück der Menschen,
dass sie durch die Generationen vor dir leben dürfen.

 

Wir preisen dich, weil es bei dir keine Armut,
keinen Mangel und keinen Geiz gibt.
Deine Hand gibt reichlich für alles,
was vor uns lebte und was heute lebt.

 

Vater, wo du reich bist an Erbarmen,
da sind wir arm an Liebe und Gerechtigkeit.
Unzählige deiner Kinder hungern,
weil wenige zusammenraffen und verschwenden.
Der Geist der Feindschaft in unseren Herzen
bedroht alles Leben, das du geschaffen hast,
tagtäglich wird deine Schöpfung ärmer
an Pflanzen und Tieren,
vernichtet durch unsere Überheblichkeit.

Vater gib uns ein neues Herz,
fähig zur Liebe und zum Respekt gegenüber allem,
was mit uns aus deiner Schöpferhand gewachsen ist.
Gib uns den Geist deines Sohnes,
der uns in den Lilien auf dem Felde
und den Vögeln unter dem Himmel
deinen Willen offenbarte.


Unser Vater im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.


Segen
Gott
uns mutter und vater bruder und schwester
segne dich
mit der weite des himmels und der lebenskraft der erde
mit der klarheit des wassers und der glut des feuers
mit zärtlichen händen und einem hörenden herzen
Gott segne dich damit du ein segen bist
Gemeinsam sprechen wir:
Der HERR segne uns und behüte uns;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;
der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen


Nachspiel

Bekanntmachungen (PresbyterIn)
Folgendes möchte ich Ihnen noch mitteilen, liebe Gemeinde:
Die Kollekte des vergangenen Sonntags betrug im Klingelbeutel für die Justizseelsorge für Jugendliche in Wuppertal 37 € und am Ausgang für die Stiftung KiBa – Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler – 31,50€.
Für die Sondersammlung der Diakonie Wuppertal -„Hochwasser“- erhielten wir 87 €. Herzlichen Dank!
Heute ist unsere Sammlung im Klingelbeutel für die Stadtmission in Wuppertal, die sich bevorzugt um die Menschen kümmert, die am Rand der Gesellschaft leben.
Die Ausgangskollekte geht an die VEM unter dem Stichwort Kinder schützen heißt es in den Kollektenempfehlungen: Kinderarbeit, Kinderprostitution und Missbrauch von Kindern zur Kriegsführung ist in etlichen Ländern an der Tagesordnung. Fast immer ist Armut die Ursache. Die afrikanischen und asiatischen Mitgliedskirchen der Vereinten Evangelischen Mission unterstützen gefährdete Kinder nach Kräften, doch ihre finanziellen Mittel sind begrenzt.
Außerdem bittet die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe weiterhin um Spenden für alle, die Opfer des massiven Hochwassers geworden sind, um unbürokratisch und schnell helfen zu können. Bitte helfen sie mit, dass wir viele Familien unterstützen können, bei denen jetzt das nötigste fehlt.

Empfänger: Diakonie RWL
IBAN: DE79 3506 0190 1014 1550 20
Stichwort: Hochwasser-Hilfe


Und nun: Herzliche Einladung zum Gottesdienst am 8.8. um 11 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche dann mit einer Predigt über einen Schöpfungspsalm. In der Lichtenplatzer Kapelle findet dann kein Gottesdienst statt.


Wer in diesen Tagen Hilfe benötigt, wende sich bitte an mich, Pfr. Michael Seim
Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de


Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.
Bleiben Sie behütet!                                           Ihr Pfr. Michael Seim


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