Gottesdienst vom 11.07.2021 – 6. Sonntag nach Trinitatis

 

Weil Gott uns zu sich ruft und uns seine Nähe schenkt feiern wir diesen Gottesdienst

 Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 Amen.

 

 

 

Herzlich willkommen zu dem heutigen Gottesdienst!

 Schön, dass Sie hier sind und wir gemeinsam mit Gott den Tag beginnen können.

 Heute soll es um Gottes Ruf gehen, der uns in den biblischen Texten begegnet aber auch in der Taufe ereilt.

 

Aus diesem Grund werden wir in diesem Gottesdienst auch eine Tauferinnerung feiern. Stellen Sie sich hierfür ein kleines Schälchen mit Wasser bereit. Fühlen Sie sich herzlich eingeladen, egal, ob Sie getauft sind oder noch nicht. Denn Gottes Ruf aus dem Spruch für die heute beginnende Woche gilt jedem Menschen:

 

"So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!"         

 1)

 

 So wünsche ich uns einen gesegneten Gottesdienst.

 

 

LIED          Morgenlicht leuchtet (eg 455,1-3) (https://www.youtube.com/watch?v=Z37CrRL4EUc) 

 

 

EINGANGSGEBET

 

Herr, unser Gott,

 es ist so unvorstellbar, aber wahr,

 du hast uns bei unseren Namen gerufen.

 Du nennst uns deine Kinder

 und verbindest uns zu Schwestern und Brüdern.

 Du rufst uns zu deiner Gemeinde.

 Wir wollen dein gnädiges und herausforderndes Wort hören,

 damit es in unserem Leben Gestalt gewinnt und uns leitet.

 Deswegen bitten wir dich,

 dass du nun alles von uns nimmst, was uns von dir trennt.

 In der Stille wollen wir dies alles bei dir ablegen.

 (Stille)

 Wir bitten dich, öffne unsere Herzen,

 erfülle uns mit deinem Geist.

 Amen.

 

 

LIED          Du hast mich, Herr, zu dir gerufen (eg 210,1-3) (https://www.youtube.com/watch?v=rJBzcUev66Q)

 

 

 

PREDIGT zu Matthäus 28,16-20:

 „Du hast uns, Herr, zu dir gerufen“.

 Wie ist es gerufen zu werden? Ich erinnere mich an die Sportstunden in der Schule und wie gut es war, aufgerufen zu werden und Teil einer Mannschaft, eines Teams zu werden. Oder daran, wie das Herz hüpfte, als das Mädchen anrief, für das man so viel empfunden hat. Oder auch, wie ich als kleiner Junge meine Eltern im Trubel auf dem Wikingerfest nicht wieder gefunden habe und mich selber ganz verloren fühlte. Und plötzlich hörte ich meinen Namen, wie er über den Platz gerufen wurde. Ich werde gerufen und weiß, ich bin gefunden, ich bin nicht länger verloren. Gerufen zu werden kann so schön sein. Gerufen zu werden kann viel versprechend sein. Es kann das Gefühl vermitteln besonders zu sein. Es kann trösten und Möglichkeiten eröffnen.

 Und dann erinnere ich mich aber auch, wie es sich anfühlt, ohne Hausaufgaben im Schulunterricht zu sitzen und vom Lehrer aufgerufen zu werden. Da ist es nicht schön, gerufen zu werden. Gerufen zu werden kann auch mit Ansprüchen zusammenhängen. Was erwartet der oder die andere von mir? Was ist der Grund, dass er oder sie mich ruft?

 Gerufen zum Zuspruch, um etwas Gutes zu empfangen, oder mit Ansprüchen? Oder zu beidem?

 Mit dem Ruf beginnt auch der heutige Predigttext. Wir lesen Matthäus 28, 16-20:

 16     Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

 17     Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

 18     Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

 19     Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

 

20     und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an

 

Jesus ruft seine 11 verbliebenen Jünger – Judas ist nicht mehr dabei – zu sich auf den Berg. Wie sich die Jünger wohl gefühlt haben, als sie diesen Ruf Jesu gehört haben?

 Der Predigttext berichtet von unterschiedlichen Reaktionen und unterschiedlichen Gefühlen. Da sind zum einen die Jünger, die vor Jesus auf die Knie fallen. Und dann sind da noch die anderen, die zweifelten. Was mögen das für Zweifel gewesen sein?

 Zweifel daran, ob die Person vor ihnen wirklich der auferstandene Jesus ist? Eher unwahrscheinlich, schließlich haben sie ja mehrere Jahre mit Jesus zusammen gelebt. Es ist anzunehmen, dass sie Jesus wiedererkannt haben. Wahrscheinlicher ist es, dass es sich bei den Zweifeln um einen Mangel an Vertrauen handelt. Die Jünger zweifelten daran, sich Jesus ganz und gar anvertrauen zu können.

 Während die einen sich bei ihm völlig geborgen wissen und ihm seine Ehrerbietung erweisen, fühlen die anderen mehr den Anspruch, den dieser Ruf mit sich bringt. Den Anspruch, sich selber in Gottes Hand zu begeben, sich ihm voll und ganz anzuvertrauen.

 Auch hier ist der Ruf also zweierlei: Zuspruch und Anspruch.

 Wie schwer ist es doch, sich einfach mal fallen zu lassen. Gerade auch in der heutigen Zeit mit den individuellen Lebenswegen und wo es immer wieder heißt: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“

 Fallenlassen? Von wegen! Ärmel hochkrempeln und anpacken! So lautet die Devise.

 Tatsächlich verlassen wir uns doch häufig lieber auf unsere eigenen Fähigkeiten. Wie schwer das Fallenlassen, sich jemand anderem ganz anzuvertrauen ist, wird besonders greifbar in der Erzählung von einem Seiltänzer:

 „In einer kleinen Stadt spannt ein Seiltänzer sein Seil quer über den Marktplatz. Dann beginnt er auf dem Seil zu balancieren, mit einem Stab in der Hand, aber ohne Netz – und hoch über dem Boden. Die Menge hält den Atem an, während der Seiltänzer Kunst-stückchen vorführt und auf dem Seil von einem Ende zum anderen läuft. Tosender Beifall, die Menschen staunen und fordern eine Zugabe. Noch einmal macht sich der Seiltänzer auf den Weg, wieder schauen die Menschen mit offenen Mündern zu, staunen, jubeln, als er am anderen Ende ankommt. Nun nimmt er eine Schubkarre, setzt sie auf das Seil und blickt in die Menge. „Glaubt ihr, dass ich es auch schaffe, diesen Karren über das Seil zu schieben?“ – „Na klar“, rufen die Leute, „kein Problem, wir glauben es!“ – „Gut“, ruft der Seiltänzer, „wenn ihr mir das zutraut – wer möchte sich dann in die Schubkarre setzen?“ Nun wurden die Mienen der Zuschauer ängstlich. Das Geschrei verstummt, alle schweigen und blicken zu Boden. Nein, sich in den Karren zu setzen, dass ging dann doch zu weit!“[1]

 Wo oder wann geht es uns zu weit?

 Auch Jesu Jünger haben Zweifel trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihrer Erfahrungen, die sie mit Jesus gemacht haben. Sein Tod wird bestimmt nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen sein. Zu erleben, auch Jesus ist verletzlich, auch er ist Opfer von Gewalt und erscheint am Kreuz so hilflos. Das war für die Jünger bestimmt nicht leicht zu verdauen und auch wir haben ja häufig unsere Probleme mit dieser Vorstellung.

 Und Jesu Ruf umfasst noch einen anderen Anspruch.

 Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“  

 Jesus beruft seine Jünger, von Gott zu erzählen und andere Menschen zum Glauben einzuladen. Jesus fordert seine Jünger auf, anderen Menschen zu helfen zum Glauben zu kommen.

 Und hierfür ruft er nicht nur die fest Glaubenden, sondern auch die Zweifelnden, denn Jesus ist es wichtig, dass die Freiheit der Menschen geachtet wird. Es soll ihnen nicht über den Mund gefahren werden. Es soll auch Raum für mögliche Zweifel geben. Und gerade deswegen sind auch die Zweifelnden so wichtig. Denn in den Zweifeln liegt eine Stärke: Zweifel sind authentisch. Die eigenen Zweifel machen auch die Zweifel der anderen verständlich. Und die Zweifel sind auch eine Form der Gnade, nämlich der Gnade, sich nicht selbst belügen zu müssen.

 Der Auftrag, den die Jünger hier bekommen ist, die Menschen mit Gottes Liebe in Berührung zu bringen. Und dazu gehört eben auch die Achtung und Anerkennung der Zweifel.

 Jesus legitimiert hier die Zweifel.

 Und so liegt in diesem Ruf auch gleich wieder Zuspruch. Denn Jesus macht deutlich, auch euch Zweifelnde rufe ich, weil ihr wertvoll und besonders seid. Auch euch rufe ich, weil ihr mit euren Zweifeln zu mir kommen dürft.

 Jesu Ruf gilt allen Menschen.

 Zuspruch, weil für ihn jeder Mensch besonders ist, ein geliebtes Individuum.

 Anspruch, weil er jeden einzelnen als Teil seines Leibes braucht.

 Zuspruch, weil wir auch mit unseren größten Zweifeln zu ihm kommen dürfen.

 Anspruch, weil er uns trotz allem immer wieder auffordert: Steig in die Schubkarre und vertrau dich mir ganz und gar an, lass dich ein Stück schieben.

 Zuspruch, weil er uns versichert: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

 Ja, selbst wenn wir in unseren Zweifeln gefangen bleiben und eines Tages nicht mehr alleine voran kommen, dann ist er da, um uns aufzufangen. Vom ersten Atemzug ist Jesus dabei. Und beim letzten Atemzug lässt er uns nicht allein. Wie ein Eheversprechen klingt das, was Jesus uns hier mit auf den Weg gibt.

 Und wie man sich in der Ehe auf seinen Partner/seine Partnerin verlassen können sollte, so dürfen auch wir uns auf Jesus verlassen, trotz aller Zweifel.

 Amen.

 

 

TAUFERINNERUNG

 Wir sind hier zusammen, um an uns an unsere Taufe zu erinnern. In der Taufe hat Gott uns bei unserem Namen gerufen. Und durch die Taufe hat Gott mit uns einen Bund geschlossen und uns zugesagt, dass er uns liebt und zu uns steht. Dieses Versprechen bleibt gültig auch in Zeiten, in denen wir uns von Gott entfernen oder uns seiner Gegenwart nicht gewiss sein können. Denn schließlich sagt er durch Jesus Christus zu uns: „Ich bin bei Euch alle Tage“.

 Gleichzeitig wartet Gott in großer Geduld auf unser Ja und unser Vertrauen in ihn. Und so sind heute auch all diejenigen eingeladen, die noch nicht getauft sind. Sie sind eingeladen, sich auf den Weg zur Taufe zu machen, und sich von Jesus Christus sagen zu lassen: „Ich bin bei Euch alle Tage“.

 So erinnern wir uns daran, dass Gott, der Vater, uns in Liebe erschaffen und gewollt hat.

 Wir denken daran, dass Jesus Christus uns durch seinen Tod erlöst.

 Und wir vergewissern uns, dass Gottes Geist durch den Glauben auch durch uns in dieser Welt wirkt.

 So sind Sie heute alle eingeladen, sich an das Zeichen der Taufe erinnern zu lassen. Nehmen Sie Ihr Wasserschälchen. Malen Sie sich mit dem Wasser ein Kreuz auf die Handfläche und sagen zu sich: „Jesus Christus spricht: Ich bin bei Dir alle Tage, bis zur Vollendung der Welt.“ Wenn Sie mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin oder sonst einem Familienmitglied zusammen sind, können Sie sich auch gegenseitig das Kreuz auf die Handfläche malen und sich die Worte zusprechen.

 

 

LIED          Du bist da (ZwHuE 179,1-4) (https://www.youtube.com/watch?v=fONfKY3JzA8)

 

 

 

GEBET

 

Vater im Himmel, wir danken Dir,

 dass Du uns das Leben schenkst und erhältst.

 Wir danken Dir für das Zeichen der Taufe,

 Dein großes Ja über unserem Leben,

 das Du uns durch Jesus Christus zusprichst.

 Wir bitten Dich:

 Stärke in uns das Vertrauen zu Dir!

 Hilf uns der Spur Jesu zu folgen!

 Leite uns durch Deinen Geist, der in uns lebt!

 Amen

 

 

FÜRBITTE

 Jesus Christus,

 du Auferstandener.

 Wir sind getauft auf deinen Namen.

 Immer bist du bei uns.

 An allen Orten bist du da.

 Wir loben dich.

 Wir bitten dich

 für alle, die sich taufen lassen.

 Wir bitten dich besonders für die Kinder,

 die lernen, sich in dieser Welt zurechtzufinden.

 Nimm ihnen die Angst und

 schenke ihnen Freude.

 Zeige ihnen deine Wunder.

 Segne sie.

 Gemeinsam sprechen wir: Herr, erbarme dich.

 Wir bitten dich

 für alle, die um deinetwillen Hoffnung haben.

 Wir bitten dich besonders für Jugendlichen.

 Sie mahnen und klagen an.

 Öffne die Ohren der Älteren für ihre Worte

 und schenke ihnen eine gute Zukunft.

 Zeige ihnen deine Liebe.

 Bleib bei ihnen.

 Gemeinsam sprechen wir: Herr, erbarme dich.

 Wir bitten dich

 für die Kranken.

 Sie sehnen sich nach Heilung.

 Nimm ihnen die Schmerzen

 und schenke ihnen Heilung.

 Zeige ihnen deine Gegenwart.

 Bewahre sie in der Angst.

 Gemeinsam sprechen wir: Herr, erbarme dich.

 Wir bitten dich für deine Gemeinde.

 In aller Welt bezeugt sie dich.

 In aller Welt spricht sie von dir.

 Gib ihren Worten Glaubwürdigkeit.

 Schenke ihr deinen Heiligen Geist.

 Stärke sie durch dein Wort und Sakrament.

 Gemeinsam sprechen wir: Herr, erbarme dich.

 Jesus Christus,

 du Auferstandener.

 Wir sind getauft auf deinen Namen.

 Immer bist du da.

 Bleibe bei uns und allen, die uns nahe sind,

 heute und alle Tage.[2]

 

UNSER VATER im Himmel.

 Geheiligt werde Dein Name.

 Dein Reich komme.

 Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 Unser tägliches Brot gib uns heute.

 Und vergib uns unsere Schuld,

 wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 Und führe uns nicht in Versuchung,

 sondern erlöse uns von dem Bösen.

 Denn Dein ist das Reich und die Kraft

 und die Herrlichkeit in Ewigkeit,

 Amen.

 

 

SEGEN

 Gott ruft uns – jede und jeden Einzelnen von uns, so wie wir sind.

 Mit unseren verschiedenen Farben.

 Er ruft uns zu sich und sagt uns immer wieder zu:

 Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

 Diese Zusage stärkt uns das Rückgrat,

 auch wenn wir jetzt gleich den Gottesdienst verlassen.

 Du bist mein.

 Dieser Satz gilt, was auch immer kommen mag.

 Und so gehen wir im Frieden Gottes:

 Der Herr segne uns und behüte uns.

 Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

 Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.

 Amen.

 

 BEKANNTMACHUNGEN

 Die Kollekten für den heutigen Gottesdienst sind bestimmt

 im Klingelbeutel für die Telefonseelsorge,

 am Ausgang sammeln wir für Gesamtkirchliche Aufgaben der EKD.

 

Über unsere Homepage können Sie online eine Spende überweisen: https://www.unterbarmen-sued.de/gemeinde/onlinekollekte

 

Und nun: Herzliche Einladung zum Gottesdienst am 18.07. um 11 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle mit Diakon Arne Würzbach.

 Im Gemeindezentrum findet nächsten Sonntag kein Gottesdienst statt.

 

 Wer in diesen Tagen Hilfe benötigt, wende sich bitte an

 Diakon Arne Würzbach: Tel.: 97 67 691 oder Email: arne.wuerzbach@ekir.de

 Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.

 Bleiben Sie behütet!

 

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[1]Die Geschichte wird hier in gekürzter Form wiedergegeben, weil sie mir so das erste Mal begegnet ist. Die Geschichte ist entnommen aus: https://www.bonifatiuswerk.de/fileadmin/user_upload/bonifatiuswerk/aktionen/Firm/2018/Firmung2018_Der_Seiltaenzer.pdf (07.07.2021)

 

 


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