Gottesdienst zum 23.05.2021
                                                                            Pfingsten


Eröffnung / Begrüßung
Gott lässt seinen Geist durch unsere Köpfe und durch unsere Gebäude wehen. Damit eröffnet er uns neue Perspektiven und neue Dimensionen. Wir können das Leben mit neuen Augen sehen. Und darum feiern wir diesen Gottesdienst im Namen Gottes, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unser Anfang und unsere Hilfe stehen dabei im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

 


Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!
Pfingsten wird oft der Geburtstag der Kirche genannt. Das besondere an Pfingsten ist dabei, dass sich Menschen über alle Sprachgrenzen hinweg auf einmal verstehen. Denn der Geist Gottes hilft dazu, dass Menschen, so verschieden sie auch sein mögen, sich miteinander verbinden. So, mit Hilfe des Heiligen Geistes, können darum auch Streit und Krieg überwunden werden. Verheißt doch bereits der Prophet Sacharja:
        Es soll nicht durch Heer oder Kraft,
        sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.
                                                                                                                                    Sacharja 4,6
Mit anderen Worten: Wir unsererseits können nichts erzwingen. Aber mit den Augen Gottes gesehen, eine andere Perspektive einnehmen, mit ihm an der Seite kann uns so etwas wie Frieden gelingen. Auch daran erinnert uns das Pfingstfest gerade in diesen Tagen. Und so wünsche ich uns und Ihnen einen gesegneten Gottesdienst.

 


Lied 130,1-3 O Heilger Geist, kehr bei uns ein

Psalm Apostelgeschichte 2 in einer Übertragung von Hanns Dieter Hüsch
Was den Heiligen Geist betrifft
Gott ist nicht leicht
Gott ist nicht schwer
Gott ist schwierig
Ist kompliziert ist hochdifferenziert
Aber nicht schwer
Gott ist das Lachen nicht das Gelächter
Gott ist die Freude nicht die Schadenfreude
Das Vertrauen nicht das Misstrauen
Er gab uns den Sohn um uns zu ertragen
Und er schickt seit Jahrtausenden
Den Heiligen Geist in die Welt
Dass wir zuversichtlich sind
Dass wir uns freuen
Dass wir aufrecht gehen ohne Hochmut
Dass wir jedem die Hand reichen ohne Hintergedanken
Und im Namen Gottes Kinder sind
In allen Teilen der Welt
Eins und einig sind
Und Phantasten dem Herrn werden
Von zartem Gemüt
Von fassungsloser Großzügigkeit
Und von leichtem Geist
Ich zum Beispiel möchte immer Virtuose sein
Was den Heiligen Geist betrifft
So wahr mir Gott helfe. Amen

 


Eingangsgebet
Komm, Heiliger Geist!
Komm in unsere Städte,
in unsere Häuser und Familien,
in unsere Augen und Herzen!
Denn ohne dich lesen wir Bücher - und werden nicht weise.
Ohne dich reden wir lange - und werden nicht eins.
Komm, Heiliger Geist, heilige uns!
Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht
nach der Wahrheit, dem Weg und dem vollen Leben!
Komm, Heiliger Geist!
Erfülle uns mit einer Begeisterung,
wie wir sie aus Fußballstadien kannten!
Lehre Du uns, wie wahre Fans auf Dich zu hören
Dich anzufeuern und mit Dir zu feiern! Amen

Lesung Apostelgeschichte 2 nach einer Übertragung von Huub OosterhuisAls der Tag gekommen war,
waren alle unter einem Dach.


Plötzlich kam hoch aus dem Himmel
ein starkes Geräusch, wie vom Wind,
der sich erhebt und ankommt
mit Rütteln und Stoßen.


Und ihr ganzes Haus
wurde voll dieser Stimme.
Feuer erschien in Zungen,
ließ sich nieder auf jedem Kopf.
Sie wurden voll von Atem und Kraft
und sprachen in fremden Sprachen.


Und alle, die in der Stadt
zusammengekommen waren,
hörten sie und verstanden:


die Sprache ihrer Mutter,
den Namen ihres Vaters,
den Ruf von heute
und gestern und ewig,
die Stimme des Herzens,
der Seele und ihres Verstandes,
das lebendige Wort.


 

Lied freiTöne 180: Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz


Predigt 1. Mose 11,1-9 (nach der Zürcher Übersetzung)
11Alle Bewohner der Erde aber hatten eine Sprache und ein und dieselben Worte. 2Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und liessen sich dort nieder. 3Und sie sagten zueinander:
       Auf, wir wollen Ziegel formen und sie hart brennen.
So diente ihnen der Ziegel als Baustein, und der Asphalt diente ihnen als Mörtel. 4Und sie sagten:
       Auf, wir wollen eine Stadt bauen und einen Turm,
       dessen Spitze bis an den Himmel reicht,
       und uns so einen Namen machen,
       damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.
5Da stieg der Herr herab, um die Stadt zu besehen und den Turm, die die Menschen bauten. 6Und der Herr sprach:
       Sieh, alle sind ein Volk und haben eine Sprache.
       Und dies ist erst der Anfang ihres Tuns.
       Nun wird ihnen nichts mehr unmöglich sein,
       was immer sie sich zu tun vornehmen.
       7Auf, lasst uns hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren,
       dass keiner mehr die Sprache des andern versteht.
8Und der Herr zerstreute sie von dort über die ganze Erde, und sie liessen davon ab, die Stadt zu bauen. 9Darum nannte man sie Babel, denn dort hat der Herr die Sprache aller Bewohner der Erde verwirrt, und von dort hat der Herr sie über die ganze Erde zerstreut.


Liebe Gemeinde!
Es brauchte schon immer Gott und seinen Geist: Damals zur Zeit des Turmbaus zu Babel, um die Menschheit vor sich selbst und vor manchem Größenwahn zu schützen, und später dann zu Pfingsten, damit wir durch den Geist – Gott, uns selbst und einander verstehen. Dazu braucht es auch heute noch Gott und seinen Heiligen Geist. Aber der Reihe nach:


Zunächst ist da also die Erzählung vom Turmbau und der folgenden Sprachverwirrung oder Sprachenvielfalt. Dabei versucht die Geschichte vordergründig verschiedene Dinge zu klären:
Als die jüdische Oberschicht nach verlorenem Krieg von Nebukadnezar nach Babylon verbannt wurde, da nahmen sie ein so riesiges Gebäude wahr, wie sie es noch nie zuvor gesehen hatten. Der Tempel von Jerusalem war winzig dagegen. Aber dieses Gebäude, dieser riesige Turm, war nicht vollendet oder verfiel. Die Geschichte erzählt uns also, wie es dazu kam – zum einen.

Zum anderen machen wir Menschen überall auf der Welt die Erfahrung, dass man in einem anderen Land eine andere Sprache spricht. Man versteht sich einfach nicht, oder nur mit Händen und Füßen. Die Geschichte erzählt uns also zugleich, wie es zu dieser Sprachenvielfalt in der Welt kam, und führt sie auf Gott selbst zurück.
Wenn man dann zwischen den Zeilen den hintergründigen Text liest und versteht, dann erzählt uns die Geschichte auch noch den Segen dieser geschenkten Sprachenvielfalt, wie die Vielfalt der Länder und Nationen.
Babel, so erlebten es die Verbannten des jüdischen Volkes, das war ein straff durchorganisierter, zentral gelenkter Staat. Heute würden wir sagen: eine Diktatur. Und die Diktatoren aller Zeiten sagen bis heute:
       Auf, wir wollen … uns einen Namen machen.
Die Erfahrung zu allen Zeiten und insbesondere auch des Volkes Israel ist dabei: Dafür, um sich einen solchen Namen zu machen, haben die Untergebenen und Unterdrückten zu bluten. Israel hatte das bereits in Ägypten erlebt, und erlebte es nun in Babylon wieder. Und damit so etwas gut funktioniert, dafür braucht es dann auch eine einheitliche und uniforme Sprache. Dialekte, andere Sprachen, werden darum von Diktatoren gerne ausgemerzt und beseitigt. Denn sich in einer anderen Sprache zu verständigen, das gilt das subversiv.
Und dann hieß es noch:
       Auf, wir wollen Ziegel formen und sie hart brennen.
Was das für eine harte Arbeit war, das hatte sich dem Volk Israel tief in seine Seele eingebrannt. Schließlich hatten sie in der Zeit ihrer Unterdrückung für den Pharao die Städte Pithom und Ramses erbaut. Solche Großbaustellen bauten damals Untergebene, Unterdrückte, Zwangsarbeiter, Sklaven. Vergnügungssteuerpflichtig war das nicht. Dabei wäre man gerne frei: frei und geachtet, als individueller Mensch geachtet, nicht als uniformes Arbeitstier.


Wenn Gott dann auf diesem Hintergrund also ‚herabsteigt‘, um sich das große Werk aus der Nähe zu besehen, dann machen die Erzähler dieser Geschichte damit deutlich, wie klein doch eigentlich dieses große Menschheitswerk ist. Dafür brauchten sie nicht ins All zu fliegen.
Und wenn Gott dann den Menschen verschiedene Sprachen schenkt, dann ist das durchaus ein Segen. Denn so demokratisiert sich sozusagen die Menschheit. Statt in einem zentral und einheitlich straff durchorganisierten Riesenreich zu leben, erhält jedes Volk seine eigene Sprache, seine eigene Stimme, sein eigenes Land. Allein dadurch ist dem Größenwahn mancher Diktatoren von selbst eine Grenze gesetzt. Es brauchte also Gott, um die Menschen vor sich selbst zu schützen.


Und dann braucht es den Geist, damit wir Gott, uns selbst und einander verstehen. Davon berichtet uns die Erzählung von Pfingsten.
Denn eigentlich ist für uns Menschen ja unvorstellbar, dass Gott derart ‚herabsteigt‘, dass er in einem unbedeutenden Ort als Kinder einer jungen Mutter und eines Handwerkes geboren wird und auf die Flucht gehen muss. Eigentlich vermuten Menschen Gott woanders. Das zu glauben, dass Gott uns in diesem Menschen entgegenkommt, das schenkt uns der Heilige Geist.
Und manchmal fällt es auch schon schwer, sich selbst zu verstehen. Gern orientieren wir uns an Vorbildern, die uns prägen und denen wir nacheifern wollen. Gern würden wir in ihre Fußstapfen treten. Aber manche Fußstapfen sind uns einfach zu groß. Eine kleine chassidische Geschichte erzählt uns dazu:
       Vor dem Ende sprach Rabbi Sussja: In der kommenden Welt wird man nicht gefragt: ‚Warum bist Du nicht Mose               gewesen?‘ Man wird mich fragen: ‚Warum bist Du nicht Sussja gewesen?‘
                                                        Martin Buber, Die Erzählungen der Chassidim, S. 394

Was also unsere Bestimmung, unser Auftrag, gerade unser Lebensziel ist, das kann uns der Heilige Geist eröffnen. Und wenn wir das erleben, dann sind wir Feuer und Flamme, dann brennen wir für diese Sache, dann setzen wir uns mit ganzem Herzen für diese Berufung ein. Das geschieht ja auch mit den Aposteln an Pfingsten.


Und dann schenkt uns der Geist auch die Fähigkeit, einander zu verstehen über alle Sprachbarrieren und Grenzen hinweg. Als die Menschen damals zum Wochenfest nach Jerusalem kamen, da haben das einige von ihnen erlebt: Aus den unterschiedlichsten Ländern kamen sie, verstanden sich untereinander wohl eher schlecht als recht, aber konnten doch die Apostel in ihrer Begeisterung und ihre Botschaft von Gottes Kommen in Jesus auf einmal verstehen. Dazu eben brauchte es den Heiligen Geist.

 

Und den bräuchte es gerade auch in diesen Tagen wieder sehr, gerade auch in Israel und Palästina. Es bräuchte ihn, um den Regierenden und Verantwortlichen auf beiden Seiten ihre Grenzen aufzuzeigen und ihre Augen und Ohren, Herzen und Hirne zu öffnen. Es bräuchte ihn, um einander als Juden, Christen oder Muslime – oder auch als Menschen ohne Glauben – einfach zu akzeptieren als Menschen ohne Glauben – einfach zu akzeptieren


als Menschen ohne Glauben – einfach zu akzeptieren und zu respektieren. Und es bräuchte ihn, um sich auch heute über alle Sprachbarrieren hinweg zu verstehe: auf Hebräisch und Arabisch, auf Russisch und Amerikanisch, auf Jiddisch und auf Deutsch, damit endlich endlich Friede werde.
Dazu braucht es auch heute noch Gott und seinen Heiligen Geist.

 

Zwischenspiel
Fürbitte Gebet für Frieden im Heiligen Land (von Pfr‘n Sylvia Bukowski)
Du Gott des Friedens,
wir bringen vor Dich unser Entsetzen
angesichts der eskalierenden Gewalt in Gaza und Israel.
So viel Hass flammt auf zwischen beiden Seiten,
so viel Zerstörungswut
und verborgen dahinter so viel Verzweiflung, so viel Angst.


Wir können nur ahnen, was es für die Menschen heißt,
in Windeseile Schutz suchen zu müssen vor Raketen und Bomben,
die Panik der Kinder zu erleben,
und machtlos zu sein, ihnen die Schrecken zu ersparen.


Gott, wir bitten dich,
steh allen bei, die jetzt um Angehörige bangen
oder die schon jemanden verloren haben!
Stärke unseren Zusammenhalt
mit den jüdischen Gemeinden in unserem Land,
die sich oft alleingelassen fühlen,
wenn sie von fanatischen Israelhassern bedroht und angegriffen werden!

Lass die, die politischen Einfluss haben, Wege finden,
das Blutvergießen zu stoppen,
und gib den Stimmen derer Gewicht,
die auf beiden Seiten immer noch nach Versöhnung suchen,
und nach einem Frieden, der beiden Völkern gerecht wird!
Gott, selbst für uns ist es nicht leicht, die Hoffnung zu behalten,
dass du dein Wort wahr machst,
und an den vielen Orten der Gewalt endlich Schalom einkehren wird.
Wann wird das sein?
Lass die zerrissene Welt nicht zu lange warten!


Und mit den Worten, die uns Dein Sohn gelehrt hat,
und die uns weltweit mit anderen Christen verbinden beten wir:
Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 


Lied 580,1+3+4 Du, Herr, gabst uns Dein festes Wort

 


Segen
Segne uns, Gott, mit Deinem Lebensatem!
Stärke uns, Geist, mit dem Feuer der Liebe!
Segne uns, Gott, mit Deinem Frieden!
Der Herr segne uns und behüte uns!
Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und bewahre uns!
Er erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden!
Amen


Nachspiel


Bekanntmachungen
Die Kollekte im Klingelbeutel wäre heute für die Stadtranderholung. Derzeit ist sicher noch unklar, wie ein solches Angebot gestemmt werden kann, aber erste Gedanken und Überlegungen gibt es schon. Auch Arne Würzbach möchte in unserer Gemeinde in den ersten Ferienwochen ein Angebot für Kinder machen, damit sie in dieser Zeit gerade nach den letzten Wochen und Monaten gut begleitet werden.
Die Kollekte am Ausgang wäre bestimmt für die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“. Diese Aktion“ setzt Zeichen für ein soziales und friedliches Europa. Kirchliche und diakonische Initiativen engagieren sich seit Jahren für das gegenseitige Verstehen in Europa.
In diesen Coronazeiten nehmen wir wiederum aus unserer Diakonie-Rücklage je 50,- € pro Kollekte und bitten Sie, entweder online direkt für diese Kollekten zu spenden, oder uns unter dem Stichwort ‚Diakonie‘ ihre Spende zukommen zu lassen: Gemeinde Unterbarmen Süd / IBAN DE72 3506 0190 1010 1720 35


Morgen dürfen wir im kleineren Rahmen endlich die Ordination unseres Diakon Arne Würzbach zum Prädikanten feiern. Leider können wir dazu nicht groß einladen, aber es wäre schön, wenn Sie am Pfingstmontag an Herrn Würzbach und uns denken und im Gebet begleiten würden.


Bleibt mir noch, Sie auf die nächsten Gottesdienste hinzuweisen:
Für Sonntag, den 30. Mai wird Diakon Arne Würzbach den Gottesdienst vorbereiten. Wir bemühen uns darum, Ihnen auch diese Gottesdienste wieder auf den eingespielten Wegen zukommen zu lassen.
Für Sonntag, den 6. Juni bereitet derzeit das Spurensuche-Team einen Video-Gottesdienst vor. Unter dem Titel ‚Geh aus mein Herz und suche Freud‘ wollen wir Sie zu verschiedenen Entdeckungen mitnehmen. Dieses Video wird auf der Homepage www.unterbarmen-sued.de zu sehen sein. Im Anschluss laden wir dann zu einem digitalen Kirchkaffee ein: Meeting-ID: 989 1508 2519 / Kenncode: 888727. Ich werde mich für unsere Briefkastenempfänger darum bemühen, zuvor etwas Entsprechendes auf den Weg zu bringen.


Wer in diesen Tagen Hilfe benötigt, wende sich bitte an mich, Pfr. Michael Seim
Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de
Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.
Bleiben Sie behütet!                                                                                                                  Ihr Pfr. Michael Seim


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