Gottesdienst vom 02.05.2021 – Kantate

 

 

Wir feiern diesen Gottesdienst

 im Namen Gottes – der uns Mutter und Vater ist,

 im Namen Jesu Christi – unserem Erlöser und Bruder,

 im Namen des Heiligen Geistes – unserem Tröster.

 Amen.

 

 Hallo und herzlich Willkommen zum heutigen Kurzgottesdienst!

 Ich freue mich, dass Sie dabei sind.

 

"Singet dem HERRN ein neues Lied,

 denn er tut Wunder." (Ps 98,1)

 So lautet der Spruch aus Psalm 98 für die heute beginnende Woche. Singen ist das Thema des heutigen Sonntags „Kantate“, aber nach wie vor sind die Kirchen leer und Gemeindegesang nicht gestattet.

 

Mir fehlt das gemeinsame und unbeschwerte singen und ich weiß, dass es auch vielen anderen so geht.

 

Um so mehr freue ich mich aber, dass Ulrike Boller wieder Lieder für uns eingespielt hat und lade Sie herzlich dazu ein, zumindest im Herzen mitzusingen.

 Denn wie schon Kirchenvater Augustinus sagte: „Wer singt, betet doppelt.“

 So wollen wir das erste gemeinsame Lied singen:

 

LIED           Ich sing dir mein Lied

 https://www.youtube.com/watch?v=q1QVv25_L2M

 

Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.

 Die Töne, den Klang hast du mir gegeben

 von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde,

 du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

 

Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.

 Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben

 von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst,

 du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

 

Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.

 Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben

 von Nähe, die heil macht, wir können dich finden,

 du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

 

 Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.

Die Höhen und Tiefen hast du mir gegeben.

 Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung,

 du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

 

Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.

 Die Töne, den Klang hast du mir gegeben

 von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen,

 du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

 

 

EINGANGSGEBET

 Lasst uns beten.

 Du wunderbarer Gott,

 wir singen dir aus Dank für deine Güte,

 aus Freude an diesem Tag.

 Wir singen dein Lob in glücklichen Zeiten.

 Und wir klammern uns an den Trost der Lieder,

 wenn unser Herz schwer ist.

 Wir protestieren mit dem Lob deiner Barmherzigkeit

 gegen die Unbarmherzigkeit in unserer Welt.

 Gott, höre unseren Gesang und alles,

 was wir mit in die Töne legen.

 Gott, sei uns gnädig.

 Amen.

Vgl. Bukowski u.a. (1999): Reformierte Liturgie. Wuppertal: foedus-verlag, S. 128.

 

 

 

Manchmal fällt es uns schwer ein weiteres Loblied anzustimmen.

 Dann ergeht es uns vielleicht wie dem Beter aus Psalm 98 nach einer Übertragung von Huub Oosterhuis:

 

PSALM      98 nach Huub Oosterhuis

 Genug gesungen für Ihn.

 Neue Gesänge genug.

 Nun will ich ein Wunder.

           Zwei Hände, die Fesseln lösen,

           zwei Arme um mich hin.

           Nun will ich Ihn endlich sehen:

           zwei Arme hin um alle

           Krieg führenden Völker –

           seine rechte Hand Wunden heilend,

           seine Linke austeilend Wasser und Brot.

 Plötzlich steht vor den Augen der Menschheit

 ein rettender Engel,

 und Herrlichkeit des Neubeginns

 strahlt von ihm aus –

 nun erklingen Töne, die nie vorher erklangen,

 himmlische Harfen, bronzenes Sonnengeläut.

           Nun singen auch die Weltmeere mit,

           in allen Sprachen erdröhnen die Berge,

           klatschen und flöten die Flüsse,

           posaunt es der Kosmos einmütig.

 Denn morgen wird kommen der Kommende,

 denn heute ist Er geboren –

 und Recht wird er sprechen,

 ein Recht, das nicht krumm ist.

           Erhöhung aller Erniedrigten,

           auf Erden Frieden.[2]

           Amen.

  Oosterhuis (2014): Psalmen. Freiburg im Breisgau: Herder, S. 192.

 

 

PREDIGT   Lukas 19,37-40

 

Liebe Gemeinde,

 heute haben wir den Sonntag Kantate, was übersetzt „Singt“ bedeutet.

 Ein Aufruf zum Lobgesang Gottes.

 

Ach wie gerne würde ich mal wieder ganz unbeschwert singen, im Gottesdienst, in der Gruppenarbeit oder auch in einem Konzert.

 

Einfach laut und offen der Freude und den anderen Gefühlen Ausdruck verleihen.

 Wie gut würde das tun, auf diese Weise einmal wieder seine Stimme zu erheben.

 

 Auch im heutigen Predigttext aus dem Lukasevangelium geht es um Lobgesang und das Erheben der Stimme. Wir hören die Verse aus Lukas 19, 37-40:

 

37     Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten,

 38     und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

 39     Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

 40     Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

 

 Die Bibelstelle erzählt vom Einzug Jesu in Jerusalem. Und die Jünger können nicht anders als in lauten Lobgesang zu verfallen. Begeistert vom Heiligen Geist und von dem, was sie mit Jesus erlebt haben, den Wundern die sie geschaut haben, loben Sie Gott und Jesus. Ja, für sie steht scheinbar schon jetzt fest, dass Jesus der prophezeite Messias ist.

 

Doch diese Meinung wird nicht von allen geteilt. Die Pharisäer, die den Einzug mitverfolgen wollen dem Treiben Einhalt gebieten. Und so sprechen sie Jesus an: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“

 

Doch Jesus denkt nicht daran. Er stellt vielmehr klar, selbst wenn seine Jünger Stille werden, dann werden die Steine nicht schweigen. Gott wird die Sache mit Jesus nicht stumm verklingen lassen.

 

Aber ein paar Tage später verstummen seine Jünger doch. Als Jesus verhaftet, verurteilt und gekreuzigt wird, da ist von dem Lobgesang nichts mehr zu hören.

 

Nur noch Stille.

 

Die Jünger sind verstummt, aus Schock, aus Trauer oder aus Angst.

 

Es gibt viele Gründe, warum Menschen verstummen. Sei es aus Fassungslosigkeit, aus Schmerz oder vielleicht auch, weil sie mundtot gemacht werden, so wie es ja auch die Pharisäer mit den Jüngern vor hatten.

 

Da bleiben einem die Wörter im Halse stecken. Der Mund ist so trocken, dass man kein Wort heraus bekommt. Manchmal ist man wie gelähmt und findet deswegen die Sprache nicht. Oder der ganze Körper wird geschüttelt durch Schluchzen und auch so kommt kein Wort heraus.

 

Und die Steine, die schreien weiter? Und wenn ja, was schreien sie? Nehmen sie einfach den Jubel der Jünger auf? Rufen sie die gute Botschaft von Jesus hinaus?

 

Dass es sich nicht nur um Jubelschreie handelt lässt sich erahnen, wenn man einen Blick auf den griechischen Urtext wirft. Denn das dort verwendete Wort für „schreien“ bezeichnet eher einen Ruf aus tiefster Not.

 

Und in den auf den Predigttext folgenden Versen beweint Jesus die Zerstörung Jerusalems, die dann auch im Jahre 70 eintritt. Dann wäre das Schreien der Steine ein Bild für die Ruinen, die die Gewalt und Zerstörung beklagen.

 

Und tatsächlich ist ein Teil des damals zerstörten Tempels noch heute eine Art Sprachrohr für viele Gläubige Menschen. Die Klagemauer, die alte Westmauer des jüdischen Tempels, nimmt noch heute die Worte der Betenden auf und schreit sie in den Himmel.

 

 Aber Steine können nicht nur klagen. Sie können auch in Jubel einstimmen. So auch der Stein vor Jesu Grab. Er singt in den schönsten Tönen, als er weggerollt verkündet: „Das Grab ist offen! Das Grab ist leer!“. Ein Stein, der vom Leben und der Hoffnung singt, so wie auch die Hoffnungssteine, die uns seit über einem Jahr durch die Coronapandemie begleiten, die man auch heute immer noch findet und auch in unserer Gemeinde bemalt wurden.

 

Wie schön ist es doch, wenn man spazieren geht und ganz überraschend so einen bunten Stein findet. Meine Tochter ist immer hellauf begeistert und wenn wir im Wald unterwegs sind, dann sucht sie auch regelmäßig nach diesen bunten Steinen.

 

Und dann gibt es noch unzählige andere Steine, die weiter Schreien, wo wir Menschen schon die Stimme verloren haben.

 

Ich denke an Grabsteine, die uns von den Verstorbenen erzählen. Ich denke an die Ruinen in Syrien, die Zeugen des schrecklichen Krieges sind. Ich denke aber auch an alte Kirchen, durch die uns die Baumeister von der Größe Gottes erzählen möchten.

 

Wie gut ist es doch, wenn da jemand oder etwas ist, das mit mir oder stellvertretend für mich die Stimme erhebt.

 

Gott sorgt dafür, dass sowohl die gute Nachricht als auch die Ungerechtigkeit und das Leid nicht verschwiegen bleiben. Gott verschafft Gehör, zum einen natürlich durch Menschen, so wie auch im Predigttext durch die Jünger. Aber wenn selbst diese verstummen wird Gott die Nachricht auf anderen Wegen weitertragen.

 

Eine tröstliche Nachricht zu wissen, dass Gott uns und allen, denen es die Stimme versagt, eine neue Stimme verleiht.

 

Amen.

 

 

 

LIED           Das Zeichen/Freunde, dass der Mandelzweig

https://www.youtube.com/watch?v=VaGoRW3txwc

 Freunde, dass der Mandelzweig

 wieder blüht und treibt,

 ist das nicht ein Fingerzeig,

 dass die Liebe bleibt?

 

Dass das Leben nicht verging,

 soviel Blut auch schreit,

 achtet dieses nicht gering

 in der trübsten Zeit.

 

Tausende zerstampft der Krieg,

 eine Welt vergeht.

 Doch des Lebens Blütensieg

 leicht im Winde weht.

 

Freunde, dass der Mandelzweig

 sich in Blüten wiegt,

 bleibe uns ein Fingerzeig,

 wie das Leben siegt.

 

 

 

FÜRBITTE

 Ein frohes und dankbares Lied fällt uns nicht immer leicht.

 In unser Danken bricht oft die Klage,

 in unsere Freude die Sorge.

 Wir bitten dich, dass wir trotz allem,

 was unser Leben verdunkelt,

 deine Liebe wahrnehmen und deine Treue spüren.

 Wir bitten dich für die Menschen,

 denen Leid und Sorgen den Mund verschlossen haben,

 dass sie nicht mehr singen, sondern nur noch seufzen können.

Lass ihnen dein Licht leuchten,

 damit die Schatten aus ihren Herzen weichen.

 Wir bitten dich für die Mutlosen und Einsamen,

 die Kranken und die Trauernden,

die dich nicht mehr loben können, sondern weinen.

 Trockne ihre Tränen und schenke ihnen wieder Hoffnung.

 Wir bitten dich für alle, die singen

 und sich an der Musik erfreuen,

 dass sie darin dein Rufen hören

 und sich deiner Liebe öffnen.

 Hilf uns, dass wir dir zur Ehre singen

           und dein Lob vor aller Welt verkündigen. 

Goldschmidt (2018): Denn du bist unser Gott. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener, S. 178.

 

 

 

Gemeinsam sprechen wir das Gebet, das uns Jesus gelehrt hat:

 Unser Vater im Himmel

 geheiligt werde dein Name.

 Dein Reich komme.

 Dein Wille geschehe,

 wie im Himmel so auf Erden.

 Unser tägliches Brot gib uns heute.

 Und vergib uns unsere Schuld,

 wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 Und führe uns nicht in Versuchung,

 sondern erlöse uns von dem Bösen.

 Denn dein ist das Reich und die Kraft

 und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 Amen.

 

SEGEN

 Gott erfülle unsere Füße mit Tanz

 und unsere Arme mit Kraft.

Er erfülle unsere Herzen mit Zärtlichkeit

 und unsere Augen mit Lachen.

 Er erfülle unsere Ohren mit Musik

 und unsere Nasen mit Wohlgerüchen.

 Er erfülle unsere Münder mit Jubel

 und unsere Herzen mit Freude.

 Er gebe uns allen immer neu die Kraft,

 der Hoffnung ein Gesicht zu geben.

 So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

 Amen.

 

 

BEKANNTMACHUNGEN

 Die Kollekte im Klingelbeutel wäre heute je zur Hälfte bestimmt für das Gustav-Adolf-Werk, das 50 protestantische Minderheitskirchen in Asien, Europa und Lateinamerika unterstützt, sowie für die Konfi- und Jugendarbeit in unserer eigenen Gemeinde, denn eigentlich wollten wir an diesen Sonntagen Konfirmation feiern. Nun konfirmieren wir die Jugendlichen des letzten Jahrgangs Zuhause in ihren Familien.

Die Kollekte am Ausgang wäre heute am Sonntag Kantate für die Förderung der Kirchenmusik bestimmt: Die Orgel klingt, der Chor singt, der Posaunenchor spielt, die Band grooved, die Kinder musizieren. So facettenreich stellt sich kirchenmusikalisches Leben in sehr vielen unserer Kirchengemeinden dar.

 

In diesen Coronazeiten nehmen wir wiederum aus unserer Diakonie-Rücklage je 50,- € pro Kollekte und bitten Sie, entweder online direkt für diese Kollekten zu spenden

 

https://www.unterbarmen-sued.de/gemeinde/onlinekollekte

 

oder uns unter dem Stichwort ‚Diakonie‘ ihre Spende zukommen zu lassen:

Gemeinde Unterbarmen Süd / IBAN DE72 3506 0190 1010 1720 35

 

 

Außerdem sei auf die bevorstehende Bethel-Kleidersammlung in unserer Gemeinde hingewiesen. Infozettel und Sammeltüten liegen vor unseren Häusern aus und können dort gerne abgeholt werden. Die Sammlung erfolgt dann am 19. und 20. Mai jeweils von 15.00 bis 18.00 Uhr. Bei dieser Sammlung können KEINE Briefmarken mitgenommen werden.

 

Bleibt mir noch, Sie auf den nächsten Gottesdienst am Sonntag, dem 9. Mai hinzuweisen. Am 8. Mai werden wir im kleinen Rahmen Konfirmation in der Lutherkirche – Heidt feiern. Ein Großteil der Familien wird die Konfirmation jedoch verschieben. Wir bemühen uns aber auch diesmal darum, Ihnen auf den mittlerweile gewohnten Wegen einen anderen Gottesdienst zukommen zu lassen, den Pfr. Michael Seim gestalten wird.

 

Wer in diesen Tagen Hilfe benötigt, wende sich bitte an

 Pfr. Michael Seim: Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de

 oder an

 Diakon Arne Würzbach: Tel.: 97 67 691 oder Email: arne.wuerzbach@ekir.de

 

 Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.

 

Bleiben Sie behütet!

 


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