Gottesdienst zum 24.01.2021


In Gottes Reich sind alle eingeladen. Jede und jeder ist ihm willkommen über alle Grenzen hinweg, und darum feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Unser Anfang und unser Hilfe stehen dabei im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

 


Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!
Wie gerne würden wir alle unsere Türen wieder öffnen, Menschen von nah und fern in unseren Räumen willkommen heißen und unsere Lieben wieder in die Arme nehmen. Wie gerne würden wir … . Doch derzeit sind uns Grenzen und Abstand auferlegt, und jeder bleibt am besten zunächst noch für sich. Doch wir alle hoffen miteinander auf eine andere auch lebendigere Zeit.
Diese Lebendigkeit, die ist uns als Kirche Jesu Christi bereits seit den Anfängen verheißen. So weiß der Evangelist Lukas:
Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.   Lukas 13,29
Denn bei Gott ist jeder willkommen. In sein Reich sind alle eingeladen, nah und fern. Und so wünsche ich uns einen gesegneten Gottesdienst.

 


Eingangsgebet
Du, Gott, Schöpfer der Welt!
Der Glaube an Dich verbindet uns mit Menschen aus allen Teilen der Erde.
Durch Deinen Sohn Jesus Christus sind wir mit Deinem Volk Israel,
aber auch untereinander mit den verschiedensten Völkern verbunden.
Dein Geist wird in den verschiedensten Kulturen lebendig
und bereichert uns in bunter Vielfalt.
Lass uns voneinander lernen,
und hilf uns, diese Verschiedenheit als Reichtum zu erkennen!
Vereine uns in unserem Engagement
für Gerechtigkeit und Frieden und für die Bewahrung der Schöpfung!
Schenk Du uns dazu die Kraft und Lebendigkeit Deines Geistes!
Amen.

 


Lied 74,1-4 Du Morgenstern, Du Licht vom Licht

 


Psalm 86 (nach Klaus Bastian)
Manchmal brauche ich eine,
die mir den Weg zeigt,
hinter der ich hergehen kann,
in deren Spur ich treten kann.
      Weise mir, Gott, Deinen Weg und leite mich,
      denn Du hilfst mir, das glaube ich.
Manchmal brauche ich einen,
der mir ein Zeichen gibt,
der mich aufmerken lässt,
der mir die Richtung zeigt.
      Weise mir, Gott, Deinen Weg und leite mich,
      denn Du hilfst mir, das glaube ich.
Manchmal brauche ich eine,
die mich begeistern kann,
die mich mit Phantasie ansteckt.
Eigentlich, Gott, brauche ich Dich!
      Weise mir, Gott, Deinen Weg und leite mich,
      denn Du hilfst mir, das glaube ich. Amen

 

 


Predigt Ruth 1,1-19a
Liebe Gemeinde!
Eine Frage vorweg:
Wo ist eigentlich Ihre Heimat? – Wo Ihr Zuhause?


Für viele Menschen ist dieser Heimatbegriff ja räumlich definiert. Das wird z.B.
am Begriff der ‚Heimatvertriebenen‘ deutlich. Viele hatten unter diesem
gewaltsamen Verlust ihrer Heimat ja zu leiden. Fortzugehen war ja seltenst die
eigene Entscheidung. Und als sich dann die Grenzen wieder öffneten, da ging
mancher auf die Suche nach der alten Heimat, und man kam mit sehr
unterschiedlichen Eindrücken von dort wieder zurück.
Für viele von uns ist darum der Begriff der Heimat oftmals mit unserer Kindheit
verbunden. Hier sind die vertrauten Landschaften, Wege und Orte. Hier riecht
oder schmeckt es für viele nach ihrem Zuhause. Für viele kann das Heimat
sein.
Ähnlich wird es so auch im alten Israel gewesen sein. Israel, das Land der
Erzmütter und Erzväter, das war dem Volk über lange Zeit zur Heimat
geworden. Zunächst war man ja selbst fremd in diesem Land. Über
Generationen hinweg wurden man aber gerade hier sesshaft und beheimatete sich. Doch dann hat man das Land auch immer wieder verlassen müssen. In der Fremde aber sehnte man sich stets nach dieser Gegend, diesen Orten zurück und blieb über Generationen hinweg mit der Hoffnung auf Rückkehr nach Jerusalem mit der Heimat verbunden. Und schließlich kehrte man auch wieder dorthin zurück und verstand diese Rückkehr als ein Zeichen der Treue des Gottes Israel zu seinem Volk. Und so war das eben auch mit Naomi, sozusagen einer weiteren Erzmutter Israels:
Beheimatet war sie ursprünglich in Bethlehem. Und gerade in dieser Erzählung haben viele der Namen auch eine symbolische Bedeutung. Bethlehem ins Deutsche übertragen, heißt so viel wie ‚Brothausen‘ – Haus des Brotes. Doch gerade hier in Bethlehem-‚Brothausen‘ gab es nun kein Brot mehr. Die Not war groß. Und aufgrund dieser Hungersnot zogen Elimelech und seine Frau Naomi nach Moab. Sie verließen ihre Heimat, wie viele Menschen vor und nach ihnen, und zogen in ein anderes, den Israeliten sonst eher verhasstes Land. Allein das zeigt schon, wie groß die Not in Israel und speziell in Bethlehem-‚Brothausen‘ gewesen sein muss.
Hier in Moab nun aber, fern der Heimat, wurde man dennoch heimisch und beheimatete sich. Denn die beiden Söhne, Machlon und Kiljon, heirateten zwei moabitische Frauen: Orpa und Ruth. Heute würde man sagen, die Familie integrierte sich vorbildlich, und es wäre für unsere Gesellschaft sicher hilfreich, wenn auch uns das öfters gelingen würde.
Innerhalb von nur zehn Jahren starben nun aber Naomis Mann und ihre beiden Söhne, wie deren Namen schon vermuten ließen, heißt Machlon doch so viel wie ‚der Schwächliche‘ und Kiljon so viel wie ‚der Gebrechliche‘. So blieb Naomi im fremden Land mit den beiden Schwiegertöchtern zurück und hatte niemanden mehr, der sie versorgen könnte. Das wäre die Aufgabe des Mannes und der Söhne gewesen.
Darum wollte Naomi auch wieder in ihre Heimat zurück, zurück nach Bethlehem-‚Brothausen‘, wo es auch wieder genug Brot zu essen gab. Denn, so der Erzähler:
      der HERR kümmerte sich um sein Volk und gab ihm Brot.
Hier in der Heimat würde Naomi von der weiteren Verwandtschaft also versorgt werden können. Doch ihren beiden Schwiegertöchtern, die sie zunächst auf ihrem Heimweg begleiteten, sagte sie:
      Kehrt um! Geht zu Euren Müttern zurück!
      Der HERR soll euch genauso lieben,
      wie ihr die Verstorbenen und auch mich geliebt habt.
      Er soll dafür sorgen,
      dass ihr ein neues Zuhause findet bei neuen Ehemännern.
Denn, so Naomi: Ich werde Euch nicht versorgen können. Da ist es besser, wenn Ihr zu Euren Müttern zurückkehrt und frei seid, Euch auch wieder neu zu verheiraten.
Und auch wenn es ihr schwer fiel, Orpa – ihr Name bedeutet so viel wie ‚die Rückkehrende‘ – kehrte in ihre Heimat zurück, zurück in ihre Heimathaus. Doch die andere Schwiegertochter Ruth – ihr Name bedeutet so viel wie ‚die Freundin‘ – sie sagte, und vielen von uns klingt das von mancher Hochzeit her durchaus vertraut:
      Ich will Dich nicht im Stich lassen.
      Ja, wohin Du gehst, dahin gehe auch ich.     
      Und wo Du bleibt, da bleibe auch ich.
      Dein Volk ist mein Volk, und Dein Gott ist mein Go
      Wo Du stirbst, da will auch ich sterben
      und da will ich auch begraben sein.
So wird also Ruth, ‚die Freundin‘, ihre Heimat verlassen. Sie wird die Grenze überschreiten, und die Moabiterin, von der die meisten Israeliten zunächst sicher keine hohe Meinung haben werden, diese Moabiterin will nun von ganzem Herzen zum Volk Israels und auch zu diesem Gott Israels gehören.


Wo ist also Heimat?
Für Ruth ist Heimat dort, wo ihre Schwiegermutter ist. Zuviel hat sie mit Naomi erlebt. Zuviel verbindet die Frauen miteinander, als dass sie diese Frau und Schwiegermutter allein lassen könnte. Heimat ist ihr so der Mensch, der ihr für ihr eigenes Leben wichtig geworden ist, dessen Nähe sie braucht, deren Rat sie hört.
Und genau so setzen sich Ruth und Naomi über alle Gepflogenheiten und gesetzlichen Regelungen hinweg. Denn damals, als diese Erzählung niedergeschrieben wurde, damals gab es im Volk Israel durchaus die Stimmen derer, die etwa Mischehen zwischen Juden und Moabitern aufheben und gesetzlich verbieten wollten. Auch diese Stimmen sind in der Hebräischen Bibel zu hören. Diese beiden Frauen und mit ihnen diese Erzählung machen aber eine andere Stimme laut. Sie tun das, weil sie als Frauen, die beide ihre Männer verloren haben, sich zutiefst verstehen und solidarisch miteinander sind.

       Und weil eben dieser weibliche Pragmatismus ganz nah am Menschen ist und was ihm zum Leben dient, darum ist das auch ganz im Sinne des Gottes Israel: dass ein Mensch dem anderen bei- und zur Seite steht – auch dem Fremden und Fremdling gegenüber. Und genau deshalb hat diese Erzählung auch ihren Weg in die Geschichten der Bibel gefunden, die immer wieder neu von der Menschenfreundlichkeit Gottes erzählen. So überwindet der Glaube an diesen Gott Israels schließlich auch alle Völker- und Standesgrenzen.


Wo ist also Heimat?
Heimat war für mich stets dort, wo Menschen sind, die ich und die mich verstehen, denen ich oder die mir zur Seite stehen. Heimat hat für mich also ganz viel mit Mitmenschlichkeit zu tun und grenzt darum auch niemanden aus.
Und: Geboren in Neuwied in direkter Nachbarschaft zu Vater Rhein, fühl ich mich auch dort Zuhause, wo Wasser sind: Flüsse, Seen oder Meere.
Heimat ist für mich aber gerade auch in Kirche und Gemeinde zu finden, dort, wo Menschen solidarisch füreinander ein- und sich zur Seite stehen, so wie wir es auch in diesen Tagen erfahren und so wie Ruth und Naomi es uns vorgelebt haben. Amen

 


Lied 293,1-2 Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all

 


Fürbitte
Du, allmächtiger Gott!
Du hast als erstes das Licht erschaffen,
damit wir überhaupt etwas sehen und erkennen können.
In Deinem Licht wird Wahrheit offenbar.
Du lässt durch die verschiedensten Menschen
Dein Licht auch in unserem Leben leuchten.
Dafür danken wir Dir und bitten Dich:
Öffne Du unsere Augen für diese besonderen Menschen!
Mach unsere Herzen weit,
dass wir ihr Licht aufnehmen und an andere weitergeben!
Hilf uns so zu einem gelingenden Miteinander!
      Du, Sohn Gottes, geboren in Bethlehem-‚Brothausen‘!
      Du hast die verschiedensten Menschen an Deinen Tisch eingeladen.
      Das was da war, hast Du mit ihnen geteilt
      und alle gingen gesättigt von Deinem Tisch in die Welt hinaus.
      Dafür danken wir Dir und bitten Dich:
      Schenk Du nicht nur uns unser täglich Brot!
      Hilf uns dazu, von unserem Überfluss abzugeben und zu teilen,
      damit gerade auch die gesättigt werden können,
      die derzeit zu wenig zum Leben haben!
Du, Heiliger Geist!
Über alle Grenzen hinweg gelingt es Dir,
die verschiedensten Völker miteinander zu verbinden.
Du schenkst uns die Hoffnung,
dass auch in Zukunft wieder
Abgrenzung und Eigeninteressen überwunden werden.
Dafür danken wir Dir und bitten Dich:
Schenk den Regierenden in all ihren Häusern und Palästen
Einsicht und Weitsicht!
Lass sie und all die Menschen, die ihnen ratend zur Seite stehen
für Gerechtigkeit und Frieden eintreten,
damit diese Welt eine bessere werde!
      Darum, Gott, bitten wir Dich auch für uns:
      für uns als Gemeinde, für uns als Kirchen:
      Schenk uns die Samenkörner Deiner Liebe,
      damit das Miteinander unter uns wachsen und gedeihen kann!
      Verwurzel in uns den Keim des Glaubens,
      dass wir die Hoffnung auf Dich und Dein Wirken nicht aufgeben!
Und besonders, Gott, bitten wir Dich auch heute wieder
für all die, die derzeit unter Krankheiten zu leiden haben:
Hilf, dass sie gut versorgt sind!
Wir bitten Dich für alle, die sich um sie kümmern:
Schenk ihnen die nötige Kraft,
ihrer Aufgabe und Verantwortung gerecht zu werden!
Wir bitten Dich für all ihre Angehörigen:
Stell ihnen Menschen zur Seite,
die sie durch diese Zeiten begleiten!
Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


Segen
      Der Gott allen Lebens auf dieser Erde,
      er segne uns mit dem Vertrauen,
      dass er uns begleitet auf unseren Wegen –
      im Durst zur Quelle, im Dunkel zum Licht-
Der Herr segne uns und behüte uns!
Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und bewahre uns!
Er erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden!
Amen


Lied 268,1+3+5 Strahlen brechen viele aus einem Licht

 


Nachspiel

 


Bekanntmachungen
Die Kollekte für diesen Gottesdienst ist bestimmt im Klingelbeutel für das ehemalige Cafe Oberstübchen jetzt Tagesstätte Cafe Ludwig. Auf der Internetseite der Diakonie heißt es dazu: Vielseitig wie das Leben sind auch die Menschen, die uns besuchen. Neben dem wichtigen Austausch mit den Mitarbeitenden und anderen Gästen, haben sie hier die Möglichkeit Ruhe zu finden oder sich in ausliegenden Tageszeitungen über Wohnungs- oder Jobangebote, zu informieren. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit Wäsche zu waschen und zu duschen.
Die Ausgangskollekte ist bestimmt für die Arbeit der Ökumenische Aufgaben und Auslandsarbeit der EKD. In den Kollektenempfehlungen heißt es dazu: In vielen Ländern dieser Erde werden Christen bedrängt und verfolgt. Weltweit werden Menschen wegen ihres Glaubens, ihres Aussehens, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Herkunft diskriminiert und verfolgt. Auch in den mit der EKD verbundenen Auslandsgemeinden suchen Menschen Schutz und Hilfe.


In diesen Coronazeiten nehmen wir wiederum aus unserer Diakonie-Rücklage je 50,- € pro Kollekte und bitten Sie, entweder uns unter dem Stichwort Diakonie ihre Spende zukommen zu lassen oder online direkt für diese Kollekten zu spenden.


Bleibt mir noch, Sie auf den nächsten Gottesdienst am Sonntag, dem 31. Januar hinzuweisen. Für diesen Sonntag wird unser Diakon Arne Würzbach einen Gottesdienst gestalten. Sie können davon ausgehen, dass wir Ihnen auch diesen Gottesdienst auf unserer Homepage, als Newsletter oder in Papierform in ihren Briefkästen zugänglich zu machen.

 


Wer in diesen Tagen Hilfe benötigt, wende sich bitte an Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de


Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.
Bleiben Sie behütet!


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