Gottesdienst zum 10.01.2021


Gott will auch ins Dunkel unseres Lebens kommen. Darum feiern wir diesen Gottesdienst

im Namen des dreieinen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Unser Anfang und unser Hilfe stehen dabei im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht loslässt das Werk seiner Hände.


Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!
Die Tage werden zwar schon wieder etwas heller, aber dennoch spüren wir gerade in dieser dunklen Jahreszeit, wie sehr wir uns nach dem hellen Licht der Sonne sehnen. An manchen dunklen Tagen merken wir auch, wie sich selbst unsere Stimmung verdunkelt, gerade auch jetzt wo die Corona-Einschränkungen verlängert wurden. Es wird und wurde viel diskutiert, es wird und wurde vieles gefordert, aber eine klare Aussicht auf die nächste Zeit werden wir wohl immer noch nicht haben. So war es zumindest am Montag, dem 4. Januar zu vermuten, dem Tag, an dem dieser Gottesdienst bereits aufgenommen wurde.
Wir Menschen sehnen uns aber nach Klarheit, und die Schriften der Bibel machen deutlich, dass wir diese Klarheit für unser Leben nur von Gott erhoffen und erwarten können. So schreibt der Autor des 1. Joh an seine Leser*innen:
Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.         1. Joh 2,8
So wünsche ich uns mit diesen Worten einen gesegneten Gottesdienst.

 


Eingangsgebet
Du, Gott, Schöpfer des Lichtes!
In der Geschichte Deines Volkes Israel
hast Du Deine Liebe zum Leuchten gebracht.
Und mit dem Stern von Bethlehem hast Du Menschen aus aller Welt
den Weg zu Deinem Sohn Jesus Christus gewiesen.
Darum bitten wir Dich in seinem Namen:
Halt uns über alle Grenzen und Abstände hinweg
in seiner Nachfolge verbunden!
Lass uns klar Stellung beziehen gegen alles,
was seine Menschenfreundlichkeit in dieser Welt verdunkelt!
Breite auch durch uns das Licht Deiner Liebe,
das Licht Deiner Barmherzigkeit
und das Licht Deines Friedens aus!
Lass uns Dein Kommen in Jesus selbst Grund ewiger Freude sein!
Amen.

 

 


Lied 66,1-2 Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude

auf youtube.de sehen und hören

 

 


Psalm 72 (nach Klaus Bastian)
Lasst ein Staunen losbrechen
über das Wunderbare, das Gott tut,
dass die Welt voll Freude werde!
Lass die Berge Frieden bringen, Gott,
für alle Menschen,
und die Hügel Gerechtigkeit.
Den Kleinen und Machtlosen soll Recht verschafft werden
und den Armen geholfen,
und die sie bedrängen sollen verschwinden.
Lasst ein Staunen losbrechen
über das Wunderbare, das Gott tut,
dass die Welt voll Freude werde!
Voll wird das Korn auf den Feldern stehen in allen Ländern,
und die Städte werden grünen, wie das Gras auf Erde.
Ein Segen sollen die Völker einander sein
und sich mit Gott freuen.
Lasst ein Staunen losbrechen über das Wunderbare, das Gott tut,
dass die Welt voll Freude werde! Amen

 


Predigt Jesaja 60,1-6
Liebe Gemeinde!
Eine alte Vision erweckt neues Leben.
Gerade in diesen Tagen spricht mich der Text des Jesaja sehr direkt an und
fordert mich dazu auf, aufzustehen, genau hinzusehen und loszugehen in eine
neue Zeit. Dabei handelt es sich schon um eine sehr alte Vision.


Etwa zweieinhalbtausend Jahre liegen zwischen uns und diesem Text, der den
Menschen damals eine neue, andere Zukunft verheißt. Israel war geschlagen
und die Oberschicht ins Exil geführt worden. Die düstere Prophetie des ersten
Jesaja hatte sich erfüllt. Doch seine Schüler wussten: Nun ist anderes dran.
Gott hat noch immer ein Ziel und einen Plan für sein Volk. Und so fingen
Jesajas Schüler noch einmal ganz neu zu predigen an:


Tröstet, tröstet mein Volk spricht Euer Gott!      Jes 40,1
So heben sie an. Denn die Niederlage und die Zerstörung des Tempels mussten begriffen und bewältigt werden. Da war zunächst Trost angesagt, um überhaupt erst wieder neue Hoffnung schöpfen zu können. Und wieder gingen Jahre ins Land, und die politische Situation änderte sich. Bereits die Schüler Jesajas hatten das kommen sehen.
Und nun, weitere Jahre später, fingen die Schüler der Schüler erneut und von Neuem an. Die ehemaligen Sieger waren nun von einem anderen, neuen Herrscher besiegt, und dieser neue Perserkönig Kyros, der ließ die Exilierten wieder frei. Die Verbannten durften sich auf den Weg nach Hause machen. Die dunklen Zeiten waren vorbei. Und so formulierten die Schüler der Schüler des Jesaja diese neue alte Vision. Denn auch sie konnten sich auf Verheißungen des ersten Jesaja stützen. Und so sagten, so riefen sie:
      Mache Dich auf, werde Licht!
      Hebe Deine Augen auf und sieh umher!
      Dann wirst Du es sehen und vor Freude strahlen!
Denn ein neues Leben sollte wieder möglich sein, sollte wieder Einkehr halten in Israel und mit vielen

Hoffnungen verbunden sein.


Wenn wir nun genauer in diesen Text hineinhören, dann sehen wir über dem Volk Israel die Sonne aufgehen. Unaufhaltsam steigt sie hoch und höher und vertreibt die Schatten der Nacht, denn Gott selbst, der Gott Israels, wendet seinem Volk sein Angesicht zu. Und wir sehen vielleicht auch, wie sich Menschen zu regen beginnen, wie sie ihre Augen öffnen und diesen neuen Morgen wahrnehmen – nicht, indem sie nach hinten in die Nacht oder nach unten auf den staubigen Boden schauen, sondern indem sie den Blick heben und ihre Umgebung ganz neu wahrnehmen. Denn da sehen sie sie kommen, nach und nach. Die verbannten Vermissten kehren nach und nach zurück. Man ist froh, sie wieder in die Arme schließen zu können. In alten Ruinen regt sich neues Leben. Was für ein Fest!
Aber nicht nur sie kommen, sondern Menschen aus aller Herren Länder. Sie kommen als Friedensbotschafter nach Israel und teilen ihr Vermögen und preisen mit Israel diesen Gott Israels, der diesem seinem Volk und der Welt endlich Frieden schenkt. Eine alte Vision erweckt neues Leben.


So war das dann auch vor rund 2000 Jahren, als Matthäus sein Evangelium, seinen Lebens- und Glaubensbericht rund um die Person des Jesus von Nazareth begann. Dabei lag ihm immer wieder daran, seinen Leserinnen und Lesern deutlich zu machen, dass all das, was in, mit und durch Jesus Christus
geschehen ist, dass all das von dem gedeckt ist, was bei den Propheten des Volkes Israels angelegt ist. In ihm und durch ihn werden all die Verheißungen Gottes bestätigt und bekräftigt.
      Mache Dich auf, werde Licht, denn Dein Licht kommt.
War da nicht dieser besondere Stern zur Geburt Jesu, der einen neuen König in Israel angekündigt hatte?
      Und die Völker werden zu Deinem Lichte ziehen
      und die Könige zum Glanz der über Dir aufgeht.
Waren da nicht die Weisen aus dem Morgenland, die das Zeichen des Sterns richtig gedeutet und sich auf den Weg zum neuen König gemacht hatten?
      Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen
      und des HERRN Lob verkündigen.
Hatten diese Weisen nicht die verschiedensten Kostbarkeiten zu diesem Christuskind gebracht und es mit Gold, Weihrauch und Myrre reichlich beschenkt? Ja, so in etwa ließe sich die Geschichte von der Geburt Jesu erzählen, dachte dieser Matthäus und erzählte damit davon, wie eine alte Vision neues Leben erweckt. Denn schließlich hatte er das selbst so erlebt.


Und heute spricht mich diese Vision sehr direkt an, und fordert mich dazu auf, aufzustehen, hinzusehen und

loszugehen in eine neue Zeit.
Viele Menschen erleben die Zeit dieses zweiten Lockdowns durchaus als dunkel, und eine düstere Stimmung breitet sich aus. Nüchtern betrachtet haben besonders Menschen in der Kultur und in der Gastronomie oder im Einzelhandel derzeit unter den Beschränkungen zu leiden. Auf der anderen Seite gibt es viele Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte,

die an den Rand ihrer Kapazitäten kommen. Ja, es sind schwierige Zeiten. Aber: Die meisten von uns haben

ein Dach über dem Kopf; sie haben genügend zu Essen und zu Trinken und für Toilettenpapier sollte auch

wieder ausreichend gesorgt sein. Also:
Aufstehen – nicht sitzen bleiben. Auch dieser Lockdown wird an sein Ende kommen. Vielleicht nicht so bald, wie erhofft und erwartet. Aber es kommt die Zeit, in der wieder mehr möglich sein wird – wenn auch mit Einschränkungen. Und das, was dann möglich sein wird, das gilt es dann jetzt schon vorzubereiten. Also:
      Mache Dich auf, werde Licht.
Und: Aufsehen, Hinsehen: Derzeit – wir nehmen diesen Gottesdienst zu Beginn der vergangenen Woche, also am Montag, dem 4. Januar auf – derzeit wird aus allen Richtungen viel Kritik an der Bundesregierung geäußert. Jetzt, wo ein erster Impfstoff im Einsatz ist, wissen alle sehr viel besser, was bereits vor Wochen und Monaten hätte entschieden werden müssen, als noch völlig unklar war, mit welchem Impfstoff zu welchen Bedingungen wir denn würden starten können. Ich hätte da durchaus meine eigene Kritik an manchen scharfen Kritikern. Aber: Wir haben immerhin einen Impfstoff zur Verfügung. Wir sind zum großen Teil in dieser Krise bewahrt geblieben. Und wir haben versucht und bemühen uns weiterhin darum, denen gut zur Seite zu stehen, die wirklich unsere Hilfe und Unterstützung brauchen. Und: mit der Zeit und mit Geduld werden wir auch unser Leben – auch unser Gemeindeleben wieder aufnehmen können. Das steht doch zu erwarten. Also:
      Hebe Deine Augen auf und sieh umher!
Und: Losgehen, aufbrechen in eine neue Zeit. Denn:
      Diese alle sind versammelt und kommen zu Dir.
Ja, auch das wird wieder möglich sein, dass wir uns versammeln, dass wir uns wieder direkt begegnen, dass wir wohl auch unsere Lieben wieder in die Arme nehmen, dass Großeltern angstfrei mit ihren Enkeln spielen, dass wir wieder unsere Lieder spielen und singen, dass wir auch wieder gemeinsam Abendmahl feiern. Ja, auch das wird wieder möglich sein – denke ich, hoffe ich, erwarte ich. Und genau das ist für mich derzeit mit dieser alten Vision verbunden, die so neues Leben erweckt, dass wir wieder zusammenkommen, dass wir wieder Gottesdienste feiern und Gott loben und preisen. Das, dies alles wird wieder möglich sein, weil Gott selbst auch in diesen Zeiten mit uns geht und uns durch diese Zeiten trägt. Darum gilt auch heute:
      Mache Dich auf, werde Licht:
Sei kein Griesgram, verbreite Zuversicht!


Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne ich Christus Jesus, unserem Herrn. AMEN

 


Lied 552,1+5 Licht, das in die Welt gekommen


Fürbitte
      Allmächtiger Gott!
      Immer wieder neu lässt Du Dein Licht aufgehen in dieser Welt,
      und Du forderst auch uns dazu auf,
      unser Licht leuchten zu lassen, in dieser Welt.
      Darum bitten wir Dich:
      Ermutige uns dazu, unsere Gaben zu entdecken und einzubringen!
      Hilf uns dazu, für andere
      ein deutliches Zeichen Deiner Gegenwart in dieser Welt zu sein!
Barmherziger Gott!
In Deinem Sohn Jesus bist Du stets auch zu denen gegangen,
die eher im Dunkel und am Rand lebten.
Durch ihn hast Du uns in Deine Nachfolge gerufen.
Darum bitten wir Dich:
Öffne du unsere Augen und Herzen, genau dort hinzusehen,
wo Menschen Unrecht und Gewalt widerfährt!
Hilf uns dazu, Missstände anzusprechen
und neue andere Wege in Angriff zu nehmen!
      Geistreicher Gott!
      Dein Heiliger Geist führt Menschen immer wieder neu zusammen
      und hilft ihnen dabei, Grenzen jeglicher Art zu überwinden.
      So sind auch wir dazu aufgerufen,
      im Sinne Deines Geistes in diese Welt zu gehen.
      Darum bitten wir Dich:
      Schenk uns einen fantasievollen friedlichen Geist, dass es uns gelingt,
      Frieden und Versöhnung zu stiften – hier und weltweit!
Besonders, Gott, möchten wir Dich heute für all diejenigen bitten,
die in diesen Zeiten besonderer Ermutigung bedürfen,
weil sie krank sind,
weil sie keine Perspektive sehen,
weil tiefe Sorgen sie quälen.
Darum bitten wir Dich:
Stärke Du sie mit der Kraft Deines Wortes!
Lass sie erkennen, was Du für sie bereit hältst und wo ihr Platz ist!
Mach sie so in ihrer Schwachheit
zu kräftigen Zeichen Deiner Gegenwart in dieser Welt!

 


Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 


Segen
Der über Nacht und Licht gebietet
in Sternenzeit und Erdentagen,
Du, unser Herr, hast uns behütet
und durch die Fluten uns getragen.
Du wirst der Zukunft auch gebieten.
Du wirst uns segnen und behüten
      Als wir durch dunkle Schluchten eilten,
      da sahen wir ein fernes Licht,
      und als die Nebel sich zerteilten,
      erkannten wir Dein Angesicht.
      Nun ziehn wir unterm Reisesegen.
      Schon strahlt Dein Antlitz uns entgegen.
Der Herr segne uns und behüte uns!
Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und bewahre uns!
Er erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden!
Amen


Lied 70,1+4 Wie schön leuchtet der Morgenstern


Nachspiel


Bekanntmachungen
Die Kollekte für diesen Gottesdienst ist bestimmt im Klingelbeutel für die Diakonie in unserer eigenen Gemeinde. Immer wieder gibt es Situationen in denen Menschen überraschend an ihre finanziellen Grenzen kommen. In begründeten Fällen bemühen wir uns um Hilfe.
Die Ausgangskollekte ist bestimmt für die Arbeit der Stiftung Tannenhof "Gut bedacht!" lautet das Motto zur Erneuerung des Kirchendaches in der Einrichtung. In der Mitte des Geländes der Evangelischen Stiftung Tannenhof steht die Kirche, die weithin sichtbar ist. Von 1907 bis 1908 wurde sie errichtet; bis heute dient sie Gottesdiensten, Andachten und Konzerten als würdige Versammlungsstätte. Täglich ist die Kirche geöffnet und bietet ruhesuchenden Menschen eine wichtige Anlaufstelle.
In diesen Coronazeiten nehmen wir wiederum aus unserer Diakonie-Rücklage je 50,- € pro Kollekte und bitten Sie, entweder uns unter dem Stichwort Diakonie ihre Spende zukommen zu lassen oder online direkt für diese Kollekten zu spenden.


Vom 11. Bis 15. Januar tagt zudem die Landesynode, diesmal nicht in Bad Neuenahr, sondern in einem Online-Format als Videokonferenz. Themen sind unter anderem: der Flüchtlingsschutz an den EU-Außengrenzen, sowie die Partizipation junger Menschen in kirchlichen Gremien und anderes mehr. Außerdem wird turnusmäßig die Hälfte der Mitglieder der Kirchenleitung neu bestimmt. Die Gemeinde ist gebeten, die Synode in diesen Tagen fürbittend in ihre Gebete aufzunehmen.


Bleibt mir noch, Sie auf den nächsten Gottesdienst am Sonntag, dem 17. Januar hinzuweisen. Wir bemühen uns, Ihnen auch diesen Gottesdienst auf unserer Homepage, als Newsletter oder in Papierform in ihren Briefkästen zugänglich zu machen. In Zeiten, in denen wir dazu aufgefordert sind, verstärkt unsere Kontakte einzuschränken, werden wir darum allerdings auf die Aufzeichnung eines Videos verzichten. Wir bitten für diese Entscheidung um Ihr Verständnis.


Wer in diesen Tagen Hilfe benötigt, wende sich bitte an Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de


Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.
Bleiben Sie behütet!

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