Gottesdienst zum 03.01.2021 zur Jahreslosung


Gott selbst ist in Jesus zu uns gekommen und begleitet uns durch unser Leben.

Und darum feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Unser Anfang und unser Hilfe stehen dabei im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht los lässt das Werk seiner Hände.

 


Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!
Vorab wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes neues Jahr 2021, in dem sich unser Leben und auch unser Gemeindeleben hoffentlich wieder normalisieren kann. Das letzte Jahr hat von uns allen vieles gefordert, das neue Jahr startet mit vielen Hoffnungen. Aber noch müssen wir sehr eingeschränkt leben, um Leben zu bewahren.
Wir werden dabei von dem begleitet, der sich nach den Worten des Hebräerbriefes als der auszeichnet, der treu zu sich und seinem Wort steht. Da lesen wir in Hebräer 13,8


Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.


Und mit dieser Zusage wünsche ich uns einen gesegneten Gottesdienst.

 


Eingangsgebet
Gott!
Da sind auch wir wieder.
Du bist mit uns durch die vergangenen Zeiten gegangen
und wirst uns auch durch die kommenden in Deinem Sohn treu begleiten.
Dafür danken wir Dir,
und insgemein hofften wir,
es würde einfach alles wieder anders:
Wir könnten uns direkt begegnen
und könnten unsere Lieben wieder von Herzen umarmen.
Wahrscheinlich werden wir uns noch zu gedulden haben.
Aber darum bitten wir Dich:
Sei Du weiterhin uns zur Seite!
Wie Du gestern und heute bei uns warst,
so bleib Du bei uns auch in Ewigkeit.
Das bitten wir Dich in Jesu Namen, Amen.

 


Lied 166,1-2+6 Tut mir auf die schöne Pforte


Psalm 108 nach Peter Spangenberg
     Hörst Du das Lachen und Brabbeln,
     das Schnattern und Tschilpen?
     Hörst Du das lustige Gebrumm und Gebell,
     das muntere Plätschern vom Schlag der Flossen?
Ach, Gott, hörst Du das Lachen?
Und jeder Ton buchstabiert
     Deinen Namen in den Himmel,
     Dein Name – ein Lied der Lebenslust.
     Mit großen Augen betrachte ich den Mond,
     ich bestaune das Funkeln der Sterne in klarer Nacht.
     Aber viel toller noch sind die Augen, die mich freundlich ansehen,
     das Gesicht, das lächelt – da vergesse ich alles um mich herum.
Ach, Gott, siehst Du das Funkeln?
Und jedes kleine Licht buchstabiert
Deinen Namen in die Nacht,
Dein Name – ein Lichtermeer der Lebenslust.
     Wieviel Herrlichkeit hast Du uns anvertraut,
     und wieviel Schönheit vor unseren Augen ausgebreitet:
     Die ungezählten Tiere, große und winzig kleine –
     wir kommen aus dem Staunen nicht heraus!
Ach, Gott, siehst Du all die Fülle?
Und jedes kleine Teil buchstabiert
Deinen Namen in diese Welt,
Dein Name – ein Getümmel der Lebenslust.
     Die Vögel, wie sie durch die Luft gleiten,
     die Fische, zart schimmernd, oder groß und schnell,
     und was sonst noch wimmelt im Meer.
     Und dann die Menschen:
     Du hast ihnen Verstand gegeben, um Deine Welt zu begreifen,
     und Sinne, um all die Pracht zu erspüren.
     Du hast ihnen Gefühle gegeben, Deine Liebe in all dem wahrzunehmen.
Ach, Gott, siehst Du all die Menschen?
Und jedes kleine Menschenkind buchstabiert
Deinen Namen in diese Welt,
Dein Name – ein Übermaß an Liebe. Amen

 

 


Predigt Lukas 6,36 (Jahreslosung)
Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!


Liebe Gemeinde!
Macht’s wie Gott! Seid barmherzig!
Das ist so leicht dahingesagt, aber ganz schön schwer. Barmherzig sollen wir sein, so barmherzig, wie Gott selbst es ist. Und wie sollen wir barmherzig sein? Und wem gegenüber? Sie merken: Diese Jahreslosung fordert uns ziemlich heraus!
      Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!


Eine der herausragenden Eigenschaften Gottes ist es, barmherzig zu sein. So wird Gott wiederholt beschrieben als
     barmherzig und gnädig und geduldig und von großer  Gnade und Treue   2.Mose 34,6      

           
Oder der Psalmbeter singt:
     Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. Und:
     Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
     so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.   Psalm 103,8.13


In seiner Barmherzigkeit wendet Gott sich also uns Menschen zu. Und seine Barmherzigkeit ist so groß, dass sie einem Propheten zu weit geht. Er sagt:
      Ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt

      Dich des Übels gereuen.    Jona 4,2


So blieb die Stadt Ninive denn auch vor dem Gericht Gottes verschont, dass der Prophet Jona anzukündigen hatte. Das Dilemma dieses Propheten ist dabei, dass sich nun also seine Prophetie zwar als wirksam, aber doch eigentlich als falsch erweist. Die Katastrophe, der Untergang Ninives bleibt aus, - weil Gott barmherzig ist.
Und somit wird an diesem Beispiel auch deutlich, dass Gott nicht einfach so barmherzig ist, dass er also nicht aus seiner Laune heraus so handelt, sondern Gottes Barmherzigkeit richtet sich gerade an die Armen, an die Elenden und verhilft ihn zu neuer Lebendigkeit und Gerechtigkeit. Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gehen sozusagen Hand in Hand. Würde der Barmherzigkeit die Gerechtigkeit abhandenkommen, wäre sie unbarmherzig und ungerecht.
Eine der herausragenden Eigenschaften Gottes ist es also, barmherzig zu sein. Und nun fordert Jesus auch von uns:
Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!


Dabei wissen wir durchaus genau, wie unbarmherzig Menschen miteinander und mit anderen Wesen und Geschöpfen umgehen können. Bisweilen ergötzen wir uns sogar ganz gern daran, angefangen bei einem Kinderbuch wie Max und Moritz bis hin zum sonntäglichen Tatort. Und so hat Gott selbst bereits direkt zu Beginn der Menschheitsgeschichte sein Urteil über uns gefällt:
    Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.      1. Mose 8,21
Das hören wir nicht gern, aber in der täglichen tagesschau erleben wir, wie unbarmherzig Menschen miteinander umgehen, wie unbarmherzig Politiker*innen übereinander urteilen, wie unbarmherzig derzeit alle Welt hinter den Impfstoffen her ist, weil jede und jeder zunächst einmal nur an sich denkt.
Und dennoch ist Gott barmherzig mit uns, damit uns das Leben überhaupt erst wieder neu gelingen kann. Gerade deshalb sollen wir es ja auch Gott selbst nachtun und barmherzig sein, wie Jesus sagt, damit uns das Leben gelingt.


Und wie sollen wir barmherzig sein?
Da wird Jesus nach dem Evangelium des Lukas ganz konkret, wenn er in diesem Zusammenhang seiner Rede

das so formuliert:
     Liebt Eure Feinde! Tut wohl denen, die Euch hassen!
     Segnet, die Euch verfluchen! Bittet für die, die Euch beleidigen!
     Tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen!
     Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gereichtet!
     Verdammt nicht! Vergebt, so wird euch vergeben!     Lukas 6,27-37
Um barmherzig zu werden, müssen wir also selbst aktiv werden. Und wir merken sehr schnell, wie schwer uns das fallen wird. Aber genau so soll Leben wieder möglich werden. So sollen die Folgen menschlicher Unbarmherzigkeit eingedämmt und aufgehoben werden. Es ist sozusagen eine menschliche Überlebensfrage, barmherzig zu sein. Barmherzig sollen wir sein, damit uns das Leben überhaupt erst wieder gelingt.


Und wem gegenüber sollen wir barmherzig sein?
Gegenüber den Feinden, gegenüber den Hassern, gegenüber Beleidigern sollen wir barmherzig sein. Denn nur so können wir sozusagen dem Untergang Ninives entgehen. Nur so wird es uns vielleicht auch im Internet gelingen, den Hass einzudämmen, den menschenverachtenden Hass, der Menschenleben zerstört. Barmherzigkeit hingegen will Menschenleben ermöglichen. Darum:
     Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!

 

Die Grafikerin Stefanie Bahlinger hat das in ihrem Bild zur Jahreslosung unter anderem so zum Ausdruck gebracht:
Da sehen wir zunächst einen bergenden Raum, einen Mutterschoß sozusagen, denn das hebräische Wort für Barmherzigkeit kann eben auch dies bedeuten: Gebärmutter. So könnte das Jesuwort auch lauten:
     Seid barmherzig, wie auch Gott, wie eine Mutter     

     barmherzig ist!
Denn wie unbarmherzig Väter durchaus mit ihren Kindern umgehen können, davon haben wir auch in letzter Zeit wieder mehr als genug erfahren. Aber zurück zur Grafik:
Das Rot darin steht dann sozusagen für die wohltuend wärmende Liebe Gottes, in der offenbar ein kleines Kind, ein Säugling, das Christuskind geborgen liegt. Hier ist es gut aufgehoben, geborgen in der Liebe Gottes und bestrahlt vom Glanz Gottes, der von oben her das Bild wie durch gotischen Fenster erleuchtet.

 

Man kann in dem Bild aber durchaus auch anderes sehen und erkennen. Und dann sehen wir da auf einmal statt des Christuskindes einen Laib Brot, mit dem Kreuz als Segenszeichen versehen, wie man es von mancher Bäckerei durchaus noch kennt. Dieses Brot ist Grundnahrungsmittel für unser Leben,


und liegt sozusagen in einem Tropfen, der uns einerseits an einen Wassertropfen erinnert, weil eben auch Wasser ein Grundnahrungsmittel ist, und weil das Wasser der Taufe etwa durchaus für uns der Quell des Glaubens sein kann, der unser Leben und unsren Glauben lebendig werden lässt.
Oder aber dieser Tropfen erinnert uns an einen Blutstropfen, weil dieser Jesus sich mit seinem ganzen Herzen, mit seinem Herzblut für uns eingesetzt hat und uns so auch das Zeichen des Abendmahls schenkt. Das alles ist schließlich Ausdruck seiner Barmherzigkeit. Darum:
     Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!


Dabei ist das keine Aufforderung dazu, das Unmögliche zu versuchen, sondern es ist der Appell an uns, endlich selbst aktiv zu werden und das uns Mögliche, das Menschenmögliche in Angriff zu nehmen, uns als Menschen zu begegnen und mit uns und anderen genau darum barmherzig zu sein. Darum auch:
    Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!

 


Lied 664,1-3 Wir strecken uns nach Dir

 


Fürbitte
     Allmächtiger Gott!
     Dieses Jahr soll im Zeichen Deiner Barmherzigkeit stehen,
     durch die Du uns neues Leben schenkst.
     Darum bitten wir Dich:
     Lass sie einziehen, Deine Barmherzigkeit,
     in Regierungssitze und Paläste,
     in die Herzen derer, die Verantwortung tragen,
     in die Köpfe derer, von denen wir weise Entscheidungen erwarten!
     Lass sie einziehen, Deine Barmherzigkeit
     in diese Deine – unsere Welt,
     damit Gerechtigkeit und Frieden ihr folgen
     und uns allen ein gutes Jahr miteinander gelingt!
Barmherziger Gott!
Deine Barmherzigkeit macht Leben möglich.
Darum bitten wir Dich:
Für die Kranken in Häusern und Heimen,
die sich um ihre Gesundheit sorgen:
Lass sie Geborgenheit finden bei den Menschen, denen sie anvertraut sind!
Für Ärztinnen und Pfleger, die um die Heilung der Erkrankten ringen:
Schenk ihnen die nötige Kraft
und die richtigen Worte für ich heilsames Wirken!
     Barmherziger Gott!
     Deine Barmherzigkeit eröffnet neue Lebensräume.
     Darum bitten wir Dich:
     Für alle Menschen ohne Zuhause, die auf und von der Straße leben:
     Schick Ihnen Menschen über den Lebensweg,
     die sich ihrer annehmen und für sie sorgen!
     Für alle Menschen auf der Flucht,
     die Schlimmes erlebt und erdulden mussten:
     Öffne Wege in neue Sicherheiten,
     damit sie neue Heimat finden in ihrem Leben!
Allmächtiger Gott!
Deine Barmherzigkeit fordert uns heraus, selbst barmherzig zu sein,
damit uns das Leben gelingt.
Darum bitten wir Dich:
Für all die Menschen, die uns das Leben schwer machen:
Hilf uns neue Wege zu finden und auf sie zuzugehen!
Für uns selbst, wir für die, die wir lieben:
Stärke Du unser Miteinander, unsere Liebe, unser Leben!


Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


Segen
     Ein Engel möge Dich geleiten,
     ein Engel halte Wacht an Deiner Tür.
     Ein Engel sei an Deiner Seite
     und sage freundlich: Ich bin hier!
Der Herr segne uns und behüte uns!
Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und bewahre uns!
Er erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden!
Amen

 

Lied 644,1-3 Vergiss nicht zu danken


Nachspiel


Bekanntmachungen
Die Kollekte für diesen Gottesdienst ist bestimmt im Klingelbeutel für die ökumenische Bahnhofsmission Wuppertal. Dazu heißt es auf der Homepage: Als Sozialambulanz unterstützt die Bahnhofsmission in existenziellen Notlagen, in akuten Notfällen und schwierigen sozialen Situationen. Die Ökumenische Bahnhofsmission Wuppertal hilft kranken, schwachen und aus anderen Gründen der Hilfe bedürftigen Menschen.
Die Ausgangskollekte ist bestimmt für die Arbeit der Flüchtlingshilfe der Ökumenischen Werkstatt Naomi in Thessaloniki / Griechenland. Naomi ist ein Lichtblick für Geflüchtete, da die Grundversorgung in Griechenland

noch immer völlig unzureichend ist. Bei Naomi wird für die Menschen schnell und unbürokratisch in allen

Belangen gesorgt.

In diesen Coronazeiten nehmen wir wiederum aus unserer Diakonie-Rücklage je 50,- € pro Kollekte

und bitten Sie, entweder uns unter dem Stichwort Diakonie ihre Spende zukommen zu lassen oder online direkt

für diese Kollekten zu spenden.


Bleibt mir noch, Sie auf den nächsten Gottesdienst am Sonntag, dem 10. Januar hinzuweisen. Wir bemühen uns, Ihnen auch diesen Gottesdienst als Video auf unserer Homepage, als Newsletter oder in Papierform in ihren Briefkästen zugänglich zu machen.


Wer in diesen Tagen Hilfe benötigt, wende sich bitte an Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de


Vor allem aber wünschen wir Ihnen eine gute und gesegnete Zeit.
Bleiben Sie behütet!


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