Gottesdienst zum 31.12.2020 - Silvester


Weil Gott uns alle Tage durch unser Leben begleitet, darum feiern wir diesen Gottesdienst

im Namen des dreieinen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Unser Anfang und unser Hilfe stehen dabei im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht los lässt das Werk seiner Hände

 

Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!

Ein besonders Jahr geht nun zuende, - ein Jahr, das viele unserer Pläne über den Haufen geworfen hat, - ein Jahr, in dem wir immer wieder neu kreative Lösungen suchten und fanden, - ein Jahr, das von vielen Menschen vieles gefordert hat, - ein Jahr, in dem wir aber auch über Mitmenschlichkeit und Natur neu nachgedacht haben.
Auch in diesem Jahr gab es die besonderen Momente, an die wir uns gern erinnern. Es gab aber auch die Dinge, die uns auch heute noch belasten. Dabei haben wir die Hoffnung, dass sich manches im nächsten Jahr – hoffentlich – wieder ändert und bessert.
So oder so dürfen wir aber wissen: Durch all die Zeiten, so verschieden wir sie vielleicht erleben und empfinden, – durch all diese Zeiten begleitet uns Gott selbst, von dem der Psalmbeter sagt:
Meine Zeit steht in Deinen Händen.                      Ps 31,16a

 


Eingangsgebet mit Worten Jochen Kleppers aus dem Jahr 1938
      Der du die Zeit in Händen hast,

      Herr, nimm auch dieses Jahres Last

      und wandle sie in Segen.

      Nun von dir selbst in Jesus Christ

      die Mitte fest gewiesen ist,

      führ uns dem Ziel entgegen.
Da alles, was der Mensch beginnt,

vor seinen Augen noch zerrinnt,

sei du selbst der Vollender.

Die Jahre, die du uns geschenkt,

wenn deine Güte uns nicht lenkt,

veralten wie Gewänder.
      Wer ist hier, der vor dir besteht?
      Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht:
      nur du allein wirst bleiben.
      Nur Gottes Jahr währt für und für,
      drum kehre jeden Tag zu dir,
      weil wir im Winde treiben.
Der Mensch ahnt nichts von seiner Frist.
Du aber bleibest, der du bist,
in Jahren ohne Ende.
Wir fahren hin durch deinen Zorn,
und doch strömt deiner Gnade Born
in unsre leeren Hände.
      Und diese Gaben, Herr, allein
      lass Wert und Maß der Tage sein,
      die wir in Schuld verbringen.
      Nach ihnen sei die Zeit gezählt;
      was wir versäumt, was wir verfehlt,
      darf nicht mehr vor dich dringen.
Der du allein der Ewge heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.

 


Lied zHuE 424,1+3 Meine Zeit steht in Deinen Händen

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Psalm 121 nach Eugen Eckert

      Ich hebe meine Augen auf
      zum Bergesrand, zum Wolkenlauf.
      Weiß ich, ein Mensch, begrenzt und klein,
      werd’ immer angewiesen sein.
Wer meint es gut, ist für mich da?
Wer bleibt mir auch in Krisen nah?
Wer hilft mir, steht mir bei in Not,
birgt mich im Leben und im Tod?
      Der Glaube sagt: Gott hat die Macht,
      mich zu behüten Tag und Nacht.
      Und daran halte ich mich fest,
      dass Du mich, Gott, nicht fallen lässt.
Gott schläft nicht, und Gott schlummert nicht.
Dass mich selbst Wut und Glut nicht sticht,
noch friert im kalten Jahr und Land,
beschützt mich Gottes gute Hand.
      Was kommen mag, Angst, Not, Gefahr,
      behüten wird mich wunderbar
      die Quelle der Geborgenheit:
      Du, Gott, jetzt und in Ewigkeit.
      Amen

 


Predigt zu Markus 9,24 (Jahreslosung 2020)
      Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
Mit der Jahreslosung des zuende gehenden Jahres möchte ich mich mit Ihnen auf eine Spurensuche

begeben – auf eine Spurensuche nach diesem Glauben, der in diesem Jahr so besonders

herausgefordert war, - so scheint es.

 

Dieses Jahr 2020 wird uns als Corona-Jahr besonders in Erinnerung bleiben. Vieles von dem, was wir erlebten, war von diesem Virus geprägt. Dabei fing es noch relativ „normal“ an mit Skiurlaub und Karneval. China und die Nachrichten aus Wuhan schienen weit entfernt, - und wir gut vorbereitet. Was dort geschah, war kaum zu glauben, selbst bei der dürftigen Nachrichtenlage.
Dann aber erfuhren wir recht schnell, dass wir in einer globalisierten Welt leben und sich das Virus dank des weltweiten Flugverkehrs rasch ausbreitete. Auf einmal war es in Bayern und schnell auch bei uns in Nordrhein-Westfalen.
Wir feierten noch eine ‚Spurensuche‘ zum Thema ‚Beten‘ mit verschiedenen Stationen, die intensiv aufgesucht wurden – mit Fürbitte, Klage, Dank und Einkehr. Es sollte sich herausstellen, dass dies für längere Zeit einer der letzten Gottesdienste vor dem ersten ‚lock-down‘ gewesen sein sollte. Die Konfirmand*innen-Freizeit fand schon nicht mehr statt, und unsere neugewählten Presbyter*innen mussten auf andere Art und Weise eingeführt werden, denn wir waren aufgefordert, nach Möglichkeit auf Abstand zu bleiben.


Und Gott?, fragte sich da vielleicht schon manch einer, denn die Bilder aus Bergamo in Italien, in denen wir Militärlaster in Kolonnen Särge aus dieser Region heraustransportieren sahen, weil die Friedhöfe und Krematorien dort überlastet waren, - diese Bilder prägten sich uns ein, wie später auch die Bilder der vielen Kreuze an der Copacabana, dem Strand von Rio de Janeiro in Brasilien, die für die an Covid 19 verstorbenen Menschen standen. Doch immer noch gab es Menschen und Regierende, die die Gefährlichkeit dieses Virus oder dieser Erkrankung einfach leugneten.


Darum: Bevor ich nach Gott in dieser Situation frage, möchte ich zunächst nach uns, nach dem Menschen fragen, der in dieser Situation eben ein sehr unterschiedliches Gesicht zeigt.
Da gab es die, die Klopapier horteten. Mehl, Hefe, Nudeln und Dosentomaten waren auf einmal ausverkauft. Wer hätte je gedacht, dass wir das einmal derart erleben: nicht dass wir für den Eintritt in eine besondere Ausstellung anstehen, sondern dass sich vor Drogeriemärkten Schlangen bildeten in der Hoffnung auf Klopapier.
Da war sich anscheinend doch jeder gern selbst der Nächste, oder, wie ein Bekannter drastisch ausdrückte: „Klopapier ist alle? Da muss es eine Menge ‚A---löcher‘ geben!“ Ja, man konnten den Glauben an das Gute im Menschen durchaus verlieren – einerseits.


Andererseits machten wir jedoch zugleich die Erfahrung: Menschen halfen und unterstützten einander. Als ich in unserer Gemeinde nachfragte, wer denn Hilfe bräuchte, da erfuhr ich: all unsern Senior*innen wurde bereits geholfen. Kinder oder Nachbarn gingen für andere einkaufen. Es war für alle gut gesorgt. Man rückte – zwar auf Abstand – aber deutlich zusammen und stand füreinander ein. Uns blieb lediglich, dafür zu sorgen, dass Sie alle, die Sie das jetzt hier lesen oder sehen, über Briefkästen, Newsletter und Homepage mit Gottesdiensten in Schriftform oder per Video versorgt würden. Und das gelang dank vieler helfender Hände und Füße. Dank dafür!!!
Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern feierten wir an unseren Tischen Zuhause. Wir bemalten Hoffnungssteine und legten sie aus, damit andere sie weitertragen konnten. Wir schrieben auf unsere Bürgersteige mit bunter Kreide: Der Herr ist auferstanden! So setzten wir deutliche Zeichen gerade in dieser Zeit. Irgendwie rückten wir zusammen und hielten gezwungenermaßen Einkehr und erlebten, wie die Vögel sich fröhlich den stillen Raum eroberten und zwitscherten und tirilierten. Da konnte man durchaus den Glauben an das Gute im Menschen zurückgewinnen.


Aber es blieb doch auch zu anderen Zeiten und Nachrichten stets dieses menschliche einerseits-andererseits:
Einerseits die brutale Polizeigewalt an Georg Floyd, andererseits die weltweite Empörung unter dem Motto: Black lives matter – Schwarze Leben zählen.
Einerseits die menschliche Nachlässigkeit bei der Lagerung explosiven Materials im Hafen von Beirut, andererseits die große Unterstützung für diese geschundene Stadt.
So sind wir Menschen wohl, so dieses einerseits-andererseits.


Und Gott? Was ist nun mit Gott?
Mir sagt mein Glaube, dass dieser Gott in Jesus Christus gerade in dieses menschliche Einerseits-Andererseits hineingeht, das sich ja auch in diesem verzweifelten Gebetsruf eines Vaters ausdrückt: Ich glaube – einerseits. Andererseits: Hilf meinem Unglauben!
Gott selbst geht genau in dieses Spannungsfeld und führt Menschen zusammen, wie wir es bereits an der Krippe angedeutet und beim letzten Mahl Jesu deutlich vor Augen sehen. Zur Krippe kommen Hirten und Weise, und somit Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten und Ländern. Menschen, die sich sonst nicht begegnet wären, kommen zu diesem Kind, das als erwachsener junger Mann später Jünger*innen um sich schart, Frauen und Männer aus den verschiedensten Berufen von unterschiedlichen Orten. Menschen die sonst vielleicht schlecht übereinander geredet hätten, die führt Jesus von Nazareth an einem Tisch zusammen – einerseits.
Andererseits wird aber eben auch schnell deutlich, wie schwierig dieser Stand Gottes in dieser seiner Welt ist, in die er kommt. In Jesus kommt er in einem Stall zur Welt, weil Menschen ihre Türen verschließen und keine Platz für ihn haben. Dennoch kommt er zur Welt! - Und nach dem letzten Abendmahl wird dieser Jesus von Nazareth verraten und verkauft, verurteilt und gefoltert, bis er schließlich am Kreuz stirbt. Gott ist so wirklich nichts Menschliches mehr fremd. Er kennt selbst den Tod. Doch Ostern, die Auferstehung zeigt: Gottes ‚Ja‘ ist größer als unser ‚Nein‘. Gottes Leben ist stärker als unser Tod. Gottes Liebe ist stärker als unser Hass.
Und daran will und werde ich (hoffentlich) weiter festhalten und glauben, auch wenn es Situationen gibt, in denen auch mir nach diesem Schrei zumute ist:
Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

 


Was ist nun also mit Gott?
Er ist mittendrin in unserem Leben!
Und was ist mit seiner Macht und Kraft?
Sie wird sich durchsetzen, glaube ich: sein ‚Ja‘, sein Leben, seine Liebe.
Und warum lässt Gott so etwas wie Corona zu?
Da stellt sich mir die Frage, ob das denn die richtige Fragestellung ist. Denn Krankheit und Tod hat es seit Menschengedenken immer gegeben. Dass dieser Virus entstehen und von Tier auf Mensch übergehen konnte, das hat mit unserem verqueren Verhältnis zur Natur zu tun, in der und von der wir leben, die wir aber dennoch ausbeuten und zerstören. Und dass sich dieses Virus in aller Welt so schnell ausbreiten konnte, das hat mit unserer Globalisierung mit Flugverkehr und Vernetzung zu tun. Sollten wir also Gott für die Fehler, die wir selbst begehen, verantwortlich machen?
Dennoch stehe auch ich immer wieder vor dem Rätsel, warum Menschen vor Corona oder anderem bewahrt werden, aber andere Menschen dann doch nicht. Darum: Gott! Hilf uns! Steh uns bei!
Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

 


Lied 652,1+5 Von guten Mächten

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Fürbitte
      Nur noch wenige Stunden, Gott,
      dann ist dieses Jahr vorüber - dreihundertsechsundsechzig Tage.
      Manche haben wir schon längst vergessen.
      Andere werden wir in Erinnerung behalten, ein Leben lang.
Wir danken Dir für die schönen Stunden,
die wir trotz manchem genießen
und in denen wir uns unseres Lebens freuen konnten.
Wir bringen Dir aber auch die Augenblicke,
in denen uns das, was wir zu tragen hatten,
schwer geworden ist, gerade in diesem Jahr.
      Wir bitten Dich:
      Lass uns dieses Jahr gelassen beenden!
      Hilf uns das Schöne zu bewahren
      und das Schwere ruhen zu lassen!
      Schenk uns und allen Menschen auf Erden
      ein gutes gesegnetes neues Jahr!
Gib Hoffnung, wo Verzweiflung lähmt,
Mut, wo Angst hemmt,
Gesundheit, wo Krankheit schwächt,
Auskommen, wo Armut quält,
      Verstand, wo Dummheit waltet,
      Freiheit, wo Grenzen einengen,
      Liebe, wo Hass regiert,
      und Frieden, wo Terror und Krieg den Alltag und das Leben beherrschen!
Lass das, was wir tun, in diesem neuen Jahr,
für andere und für uns selbst zum Segen werden!
Lass uns zum Segen werden,
mit Deiner Hilfe und Deiner Kraft!


Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


Segen nach einem Text von Hanns Dieter Hüsch:
      Im Übrigen meine ich,
      dass Gott der Herr, der mit uns ist
      in unseren Köpfen und Herzen
      weitere Gedanken anstiften möge,
      die uns noch mehr zusammenführen,
      die uns noch mehr zusammenwachsen lassen
      uns alle, auf dem Kreis der Erde.
Der Herr segne uns und behüte uns!
Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und bewahre uns!
Er erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden!
Amen

 


Lied 487,1-4 Abend ward bald kommt die Nacht

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Nachspiel

 


Bekanntmachungen
Die Kollekte für diesen Gottesdienst ist bestimmt im Klingelbeutel für die Katastrophenhilfe. Zu einem Projekt in Somalia heißt es:
Konflikte und Naturkatastrophen beeinträchtigen seit Jahren in der Region die Lebensgrundlage der Menschen. Neben Ernteausfällen und Viehverlusten sorgt auch die Heuschreckenplage für eine schlechte Ernährungslage. Die Corona-Pandemie trifft die Menschen in einer ohnehin dramatischen Situation. Gemeinsam mit unseren Partnern helfen wir der notleidenden Bevölkerung.
Die Ausgangskollekte ist bestimmt für die Arbeit der Vereinten Evangelischen Mission, sowie für die deutsche Bibelgesellschaft. Dazu heißt es unter anderem: Die Sehnsucht nach Bibeln ist in Kambodscha trotz großer Armut und fehlender Bildung sehr groß. Mit Gottes Wort gewinnen Menschen Hoffnung und Zuversicht.


In diesen Coronazeiten nehmen wir aus unserer Diakonie-Rücklage je 50,- € pro Kollekte und bitten Sie, entweder uns unter dem Stichwort Diakonie ihre Spende zukommen zu lassen oder online direkt zu spenden.


Bleibt mir noch, Sie auf den nächsten Gottesdienst am Sonntag, dem 3. Januar hinzuweisen, dann zur neuen Jahreslosung:
Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!


Wir bemühen uns, Ihnen auch diesen Gottesdienst als Video auf unserer Homepage, als Newsletter oder in Papierform in ihren Briefkästen zugänglich zu machen.


Wer in diesen Tagen Hilfe benötigt, wende sich bitte an Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de


Vor allem aber wünschen wir Ihnen ein gutes und gesegnetes neues Jahr 2021, in dem unser Gemeindeleben hoffentlich auch wieder Fahrt aufnehmen kann. Bis dahin:
Bleiben Sie behütet!


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