Gottesdienst vom 20.12.2020 – 4. Advent
                                                      

                                                              Immer ein Lichtlein mehr
                                                             im Kranz, den wir gewunden,
                                                             dass er leuchte uns so sehr
                                                             durch die dunklen Stunden.


                                                             Zwei und drei und dann vier!
                                                             Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
                                                             und so leuchten auch wir,
                                                             und so leuchtet das Zimmer.


                                                             Und so leuchtet die Welt
                                                             langsam der Weihnacht entgegen.
                                                             Und der in Händen sie hält,
                                                             weiß um den Segen!                                        Hermann Claudius

 

Mit diesen Worten von Hermann Claudius grüße ich Sie ganz herzlich zu diesem Gottesdienst am 4. Advent.

 


Liebe Gemeinde,
derzeit gibt es einiges, was uns Sorgen bereitet und das gerade in der Zeit, in der es auf Weihnachten zugeht. Nichts desto trotz dürfen wir sicher sein: Gott geht mit uns auch durch diese Zeiten. Er wird das Dunkel durchbrechen, und
so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht loslässt das Werk seiner Hände. Amen.


Heute ist der erste Gottesdienst in diesem Lockdown, den wir auf Beschluss des Presbyteriums nicht live und präsent feiern können. Aber in einer Zeit, in der uns geraten ist, radikal alle Kontakte einzuschränken, - in einer Zeit, in der
die Beschäftigen in den Krankenhäusern an ihre Grenzen kommen, konnten wir uns nicht vorstellen, wirklich guten Gewissens in unsere Häuser einzuladen.

 

Dennoch wollen wir uns mit dem Apostel Paulus auf Weihnachten freuen. Denn auch wenn wir voneinander Abstand halten, so dürfen wir doch um Gottes Nähe wissen. Darum gilt auch heute der Satz des Paulus:


             Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich:
             Freuet euch! Der Herr ist nahe!                               Phil 4, 4.5b

 


EINGANGSGEBET
Barmherziger Gott,
freuen, jubeln, so wie Paulus?
Das klingt verrückt in diesen Tagen.
Aber vielleicht würde es uns gut tun.
Wir wollen nun in der Stille alles bei dir ablegen,

was uns beschäftigt, damit unser Herz

wieder leicht und offen für dich wird.


(Stille)

 

Herr unser Gott, du hörst unsere Gebete.

Nimm dich ihrer an und schenk uns Ruhe.
Sei du nun bei uns, sei nahe,
und schenke uns einen gesegneten Gottesdienst
Amen.

 


LIED 19 (EG) O komm, o komm, du Morgenstern
https://www.youtube.com/watch?v=uaJDIrEX7os

 


PSALM 102 (nach Sylvia Bukowski)
Du treuer Gott!
Wie gut, dass aufgeschrieben ist,
Was Du an Israel getan hast!

 

        Wie gut, dass die ganze Heilige Schrift
        bis heute Quelle der Hoffnung ist
        auf Deine Gerechtigkeit und Dein Erbarmen.

 

Wir hören aus den biblischen Worten
den vielstimmigen Chor früherer Generationen,
die sich an Dich geklammert haben

 

        unter Tränen,
        in Angst,
        aber auch mit erleichtertem Herzen.

 

Mit allem, was uns heute bewegt,
stimmen wir ein
in die alten Sätze voller Erfahrung und Sehnsucht.
Gott!

       

        Wir warten darauf,
        dass Du auch heute noch
        das Seufzen der Bedrückten hörst
        und kommst.
        Amen.

 

 


LIED 7 (EG) O Heiland, reiß die Himmel auf
https://www.youtube.com/watch?v=EOStjpcsEWs

 


PREDIGT 1. Mose 18,1-2.9-15
1

Und der HERR erschien [Abraham] im Hain Mamre, während er an der
Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.
2

Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer
vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines
Zeltes und neigte sich zur Erde
9

Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete:
Drinnen im Zelt.
10

Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll
Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter
der Tür des Zeltes.
11

Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass
es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise.
12

Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich
noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt!
13

Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte
ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin?
14

Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder
zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben.

15

Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht –, denn sie
fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

 

 

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann
vier, dann steht das Christkind vor der Tür. Und wenn das fünfte Lichtlein
brennt, dann hast du Weihnachten verpennt.


Manchmal rauscht die Zeit nur so an uns vorbei. Wir hetzen von einem
Termin zum Nächsten, arbeiten unsere To-Do-Listen wie verrückt ab und
wenn wir nicht aufpassen, dann ist die Adventszeit vorbei, ohne dass wir sie
aufmerksam erlebt haben – wie verpennt.


Dann wird aus der Zeit der Ankunft, denn nichts anderes bedeutet „Advent“,
eher eine Zeit des Abschiednehmens, denn alles rückt schon wieder in die
Ferne.


Auch Sara in unserem Predigttext hat das Gefühl, dass die Zeit der Ankunft
vorbei ist. Der Ankunft eines eigenen Kindes. Verpennt hat sie die Zeit
vermutlich nicht, aber doch ist die Zeit nun vorbei und sie blickt vielleicht
wehmütig auf sie zurück. Ja, Sara ist schon sehr alt und noch immer
kinderlos. Der Wunsch nach einem Kind ist nicht in Erfüllung gegangen.


Wie mag sie sich fühlen? Ausgebrannt, wie eine Adventskranzkerze nach der
langen Adventszeit abgebrannt ist? Nur noch ein kurzer, kümmerliche
Stump… Oder hat sie ihren Frieden mit diesem unerfüllten Wunsch
gefunden?

 


So oder so, es soll sich in Saras Leben etwas ändern, denn Gott tritt in
Erscheinung.


Sara und Abraham bekommen Besuch von Gott und drei Männern. Ob es
sich bei den Männern um Engel handelt oder vielleicht sogar einer von ihn
Gott darstellt? So ganz klar ist das nicht. Die wörtliche Rede von Gott und
den Männern verschmelzen im Text zeitweise miteinander. Aber für Abraham
steht fest – und das ist das wichtigste –, durch diese drei Menschen spricht
Gott. In ihnen ist Gott gegenwärtig.


Und Gott hat eine Botschaft für Abraham. Ihm wird eröffnet, dass Sara
schwanger werden und in einem Jahr einen Sohn zur Welt bringen wird.

 

Sara belauscht das Gespräch aus dem Zelt. Sie lacht auf, als sie die
Botschaft hört. Sie soll ein Kind gebären? Abraham und sie sind doch schon
längst nicht mehr in dem Alter, in dem dies möglich wäre. Sie ist „alt und
hochbetagt“. Es wäre ein biologisches Wunder, wenn sie doch noch ein Kind
bekommen sollte.


Ich kann Saras Verhalten gut verstehen. Wir trauen Gott häufig ja auch nur
das zu, was wir selber schaffen würden. Sobald etwas übernatürliches,
übermenschliches passiert sein soll, werden wir selber skeptisch.


Saras Skepsis bleibt Gott nicht verborgen. Er fragt Abraham, warum Sara
lacht. Und weiter, ob für ihn, Gott, denn etwas unmöglich sei? Es klingt fast
so, als sei Gott ein bisschen empört über Sara.


Manchmal würden wir uns vielleicht auch so eine Reaktion von Gott
wünschen, wenn wir zweifeln, oder? Dann wüssten wir, dass er uns wirklich
hört.


Aber vielleicht würden wir uns dann genauso ertappt fühlen wie Sara.
Würden uns in Ausflüchte begeben, weil uns mit einem Mal die Macht Gottes
sichtbar wird.


Sara bekommt es zumindest mit der Angst und bestreitet, gelacht zu haben.


Interessant ist, dass ihr später geborener Sohn den Namen „Isaak“ bekommt,
was so viel bedeutet wie „Gott hat jemanden zum Lachen gebracht“.
Vielleicht ein spätes „Schuldeingeständnis“ von Sara? Vielleicht aber auch
einfach ein Ausdruck der Freude, die sie und Abraham erfahren haben.

 

Auf jeden Fall, und das ist das Entscheidende, Gott kommt und die
Verhältnisse ändern sich. Ja, die Umstände ändern sich. Sara ist plötzlich in
anderen Umständen. Sie wird schwanger, wie von Gott gesagt wurde.


Gott kommt manchmal unverhofft in unser Leben, so wie in das Leben von
Sara und Abraham. Sie hatten die Hoffnung auf ein gemeinsames Kind längst
verloren. Und dann bringt Gott eine ganze Menge neuer Hoffnung mit.


Das wünsche ich mir dieser Tage auch sehr. Wenn wir die Nachrichten
verfolgen und hören, was um uns herum geschieht: die vielen Menschen, die

an Corona verstorben sind, die vielen Menschen, die um ihr eigenes oder das
Leben anderer kämpfen. Auch die Absage der Weihnachtsgottesdienste ist
für viele nur schwer zu ertragen. Auch mir selber blutet da das Herz.


In diesen Tagen fällt es vielen schwer, auf ein schönes Fest zu hoffen.


Doch auch wenn die Weihnachtsgottesdienste ausfallen wird Weihnachten
nicht aus fallen. Gott kommt trotzdem, ja vielleicht sogar erst recht. Denn wie
Jesus sagt: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.“  (Matthäus 9,12).


In all dieser Hoffnungslosigkeit ist und bleibt Gott der Herr.


Weihnachten wird anders. Aber wer weiß, ob Gottes Liebe nicht auch dieses
Jahr ganz unverhofft kommt und neue Hoffnung schenkt.


Für Sara und Abraham wurde der schon längst nicht mehr erhoffte Wunsch
erfüllt. Das alte Versprechen, sie sollten so viele Nachkommen bekommen,
wie Sterne am Himmel zu sehen sind, wurde wahr. Und einer dieser Sterne
leuchtete viele Jahre später besonders hell, am Himmel über Bethlehem,
damals in der Heiligen Nacht.


Und dieser Stern sagt: „Seht, die gute Zeit ist nah. Gott kommt auf die Erde.“

 

Amen.

 

 


LIED 18 (EG) Seht, die gute Zeit ist nah
https://www.youtube.com/watch?v=TNXeYyAJ80Y

 

 


FÜRBITTE mit Liedruf „Christus, dein Licht“
Herr unser Gott,
das große Weihnachtsfest steht kurz bevor,
aber dieses Jahr ist alles anders.
Wir müssen Abstand voneinander halten.
Zusammen feiern wird nur im kleinsten Kreis möglich.
Wir bitten dich, dass wir uns trotzdem nicht aus den Augen verlieren,
sondern uns umeinander sorgen und füreinander da sind,
gerade auch für diejenigen, die sich einsam fühlen.

 

        Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,
        lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.
        Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde,
        und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.

 

Herr unser Gott,
wir bitten dich für die Kranken
und diejenigen, die sich um ihre Gesundheit sorgen.
Stehe ihnen bei in dieser ungewissen Zeit.
Wir denken vor dir an das medizinische Personal,
das an oder über seiner Belastungsgrenze arbeitet.
Schenke ihnen die Kraft, die sie brauchen.

 

        Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,
        lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.
        Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde,
        und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.

 

Herr unser Gott,
wir bitten dich für die,
die wegen des Lockdowns in finanzieller Not sind.
Wir bitten dich für alle Benachteiligten in unserer Welt.
Lass sie und uns alle spüren,
dass du Hoffnung in unserer Hoffnungslosigkeit schenkst,
dass du in diese Welt gekommen bist,
dass du der ewige Halt in unserem Leben bist.


        Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,
        lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.
        Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde,
        und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.

 

Herr unser Gott,
du bist unser barmherziger Vater, unsere barmherzige Mutter,
und so beten wir voll Vertrauen zu dir in den Worten, die uns Jesus gelehrt hat:


UNSER VATER im Himmel
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 


SEGEN
Der Herr segne uns im Advent;
er schenke uns Ruhe in unseren Seelen,
damit wir uns auf ihn ausrichten.

        Er lasse den Tau des Himmels auf uns herabkommen,
        damit sich unser müder Glaube erfrischen kann.

 

Er schenke uns die Geduld für sein Kommen,

auf dass wir ihn sehen, wer er ist:
Immanuel – Gott mit uns.

 

        So segne und behüte uns der dreieinige Gott
        Vater, Sohn und Heiliger Geist
        Amen.

 

 

BEKANNTMACHUNGEN
Wir danken für die Kollekten vom vergangenen Sonntag, dem 13.12.:
Für Brot für die Welt wurden 118,80 € und für die

Binnenschiffer- und Seemannsmission 108,50 € gesammelt.
        Herzlichen Dank! Gott segne Geber und Gaben
        und all das, was mit diesen Gaben geschieht!


Die Kollekte für diesen Gottesdienst wäre bestimmt gewesen im Klingelbeutel
für Brot für die Welt, und am Ausgang für ein ökumenisches Projekt in
Marokko, in dem jugendliche Geflüchtete Aufnahme finden. In diesen
Coronazeiten nehmen wir aus unserer Diakonie-Rücklage je 50,-€ pro
Kollekte und bitten Sie, entweder uns unter dem Stichwort Diakonie eine

Spende zukommen zu lassen oder online direkt für diese Kollekten zu spenden.


Wie zu Beginn bereits erwähnt, hat das Presbyterium unserer
Kirchengemeinde folgenden Beschluss gefasst:

 

Auf Grund des hohen und weiter steigenden Inzidenzwerts für Wuppertal
sowie des allgemeinen Lockdowns verzichten wir ab sofort bis zunächst zum
10.01.2021 auf Präsenzgottesdienste.

 

Wir werden unsere geplanten Gottesdienste in dieser Zeit online und auch in Papierform anbieten.

Zu den Gottesdiensten im Fernsehen wird eingeladen.
In den Schaukästen und auf der Homepage wird auf die abgesagten Gottesdienste und auf Alternativen hingewiesen.

 

An Heiligabend werden Sie also auf unserer Homepage ein bereits vorbereitetes

Video finden, sowie eine PDF – Datei, mit der Sie Weihnachten Zuhause feiern können.

 

Auch ein Familiengottesdienst wird an Heiligabend auf unserer Homepage als
Video veröffentlicht werden.

 

Am 2. Weihnachtsfeiertag werden wir entsprechend verfahren und uns darum
bemühen, wieder ein Video und eine PDF-Datei zugänglich zu machen.

 

Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!

 

 


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