Gottesdienst zum 3. Advent am 13.12.2020

 


Auch in diesem Jahr bereiten wir uns auf Weihnachten vor. Auch wenn es anders wird, freuen wir uns auf dieses Fest. Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht loslässt das Werk seiner Hände.


Ihnen allen ein Herzliches Willkommen zu diesem Gottesdienst am 3. Advent. Bis Weihnachten ist nicht mehr weit hin. Die Vorbereitungen laufen. Dabei bleibt derzeit manches im Ungewissen. Wir wissen, dass dieses Weihnachten anders werden wird. Vielleicht ist das aber auch eine Möglichkeit, den Sinn von Weihnachten nochmal neu zu verstehen. Weihnachten will uns Hoffnung schenken, weil Gott selbst zu uns in diese Welt kommt. Und so wusste bereits der Prophet Jesaja (40,3-10) zu sagen:


Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.


Diese Erfahrung, dass Gott uns nicht im Stich lässt, sondern zu uns kommen will, diese Erfahrung wünsch ich uns allen – und damit auch: einen gesegneten Gottesdienst.

 


Lied 16 Die Nacht ist vorgedrungen

 


Psalm 85, 2 - 8
Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande
und hast erlöst die Gefangenen Jakobs;
     der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk
     und all ihre Sünde bedeckt hast;
der du vormals hast all deinen Zorn fahren lassen
und dich abgewandt von der Glut deines Zorns:
     Hilf uns, Gott, unser Heiland,
     und lass ab von deiner Ungnade über uns!
Willst du denn ewiglich über uns zürnen
und deinen Zorn walten lassen für und für?
     Willst du uns denn nicht wieder erquicken,
     dass dein Volk sich über dich freuen kann?
Herr, zeige uns deine Gnade
und gib uns dein Heil! Amen

 

 

Eingangsgebet
Gott!
Es ist für uns ungewohnt zu hören,
dass Du zornig oder ungnädig sein kannst,
dass Du Dich von Menschen abwendest
oder schlecht über sie denkst.
So denken oder redet kaum einer von uns,
denn wir haben doch in Jesus erfahren,
dass Du Dich uns zuwendest, gerade weil Du uns liebst.
Aber Deine Liebe will ja nicht folgenlos bleiben.
Und wenn uns so etwas wie Dein ‚Zorn‘ treffen sollte,
dann liegt es doch an uns und daran,
dass wir Deinen Regeln für ein gutes Leben nicht folgen,
weil wir sie nicht verstehen.
Diese Pandemie ist doch ein Ausdruck dafür,
dass wir die Schöpfung nicht achten und bewahren.
Und darum können auch wir Dich mit diesen Psalm Israels nur bitten:
Herr, zeige uns deine Gnade
und gib uns dein Heil!
Wir sehen auf Dich und warten auf Dein Kommen. Amen

 


Lied 13 Tochter Zion

 


Predigt Sacharja 9.9-10


     Du, Tochter Zion, freue dich sehr,
     und du, Tochter Jerusalem, jauchze!
     Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer,
     arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.
     Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim
     und die Rosse in Jerusalem,
     und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden.
     Denn er wird Frieden gebieten den Völkern,
     und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern
     und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Luther 2017)

 

Liebe Gemeinde!


Da kommt einer, da kommt etwas und verändert die Welt. Es verändert die Welt zum Frieden, zum Shalom. Aber wie das kommt, das wird so ganz anders, unerwartet, für uns vielleicht sogar einfach unvorstellbar sein. Aber: Da kommt einer, da kommt etwas auf uns zu.


Derzeit wartet ja nahezu die ganze Welt auf eine Veränderung. Mehr oder weniger hoffen wir auf einen Impfstoff und manche Regierungen machen ein Wettrennen draus. Andere zum Glück anscheinend nicht, sondern sie denken offenbar auch an andere, ärmere Länder. Denn eines dürfte uns klar geworden sein: Diese Pandemie werden wir nur gemeinsam in den Griff bekommen und wieder eindämmen können. Das gilt hier vor Ort in Wuppertal genauso wie weltweit. Aber diese Veränderung ist vom Propheten Sacharja gar nicht gemeint.


Derzeit warten aber viele Menschen weltweit durchaus auf noch andere Veränderungen. Menschen in Äthiopien oder Nigeria, in Libyen oder Syrien und Afghanistan hoffen auf Frieden. Sie hoffen darauf, endlich in Frieden und Sicherheit leben, auf die Felder gehen und ruhig schlafen zu können. Doch den Verantwortlichen fällt es offenbar schwer, eigene Machtoptionen aufzugeben und Kompromisse einzugehen. Das fällt ja selbst den Regierenden in Europa immer wieder schwer.
In so einer Situation tritt nun der Prophet Sacharja auf. Das Perserreich kämpft gegen die griechischen Eroberer um die Vorherrschaft in der Region. Die persischen Streitwagen fahren gegen die griechischen Reitertruppen mit ihren Bögen und Landen – und mittendrin das kleine immer wieder umkämpfte Israel, das im Kampf der Großmächte immer schon aufgerieben wurde. Aber Sacharja weiß: Da kommt einer, da kommt etwas, und das verändert die Welt. Aber wie das kommt, das ist so ganz anders als sonst so erwartet.


Ja, da kommt ein König, aber nicht hoch zu Ross und auch nicht mit dem Streitwagen, sondern auf einem Esel, beziehungsweise auf einem kleinen Esel, einem noch sehr jungen Füllen Schon dieser Unterschied fällt auf. Heute wäre das so, als würden hohe Politiker nicht mit der Staatskarosse vorfahren, sondern mit der Schwebebahn oder mit dem Fahrrad zum Staatsempfang kommen.
Aber gerade auf diesen König kann und soll das Land sich freuen. Denn dieser König, der da kommt, ist selbst ganz anders, als die anderen Potentaten. Sacharja sagt, er ist ein Gerechter, und im biblischen sinne ist damit einer gemeint, der anderen zu ihrem Recht verhilft.
Dieser König steht also andern bei und tritt für die ein, die nach biblischen Recht unter einen besonderen Schutz gestellt sind. Genannt werden da immer wieder Witwen und Waise aber auch Sklaven und Fremdlinge. In die Sprache unserer Tage gebracht hieße das. Da tritt einer für Frauen ein, die von Altersarmut bedroht sind. Da kümmert sich einer um Kinder, die in Heimen oder Wohngruppen leben und keine Eltern haben, die sich liebevoll um sie kümmern. Da kämpft einer für die Rechte der rumänischen Werksarbeiter etwa von Herrn Tönnies oder mancher Baufirma, denen für teures Geld verrottete Unterkünfte angeboten werden. Und letztlich hilft da einer Flüchtlingen bei der Integration und dabei in der Fremde ein sicheres Zuhause finden zu können.

Sie merken: Die biblischen Botschaften sind von unseren heutigen Realitäten gar nicht so weit entfernt. Diese Welt und unsere Gesellschaft sähen somit auch anders aus, wenn sich Politikerinnen und Politiker verstärkt um diese Menschen kümmerten. Aber wie schwer es fällt, Missstände zu beheben, das hat man ja auch rund um die Vorfälle in der Fleischindustrie gesehen. Sacharja aber sagt hoffnungsvoll: Da kommt einer, da kommt etwas; das wird sich ändern.

 

Weiter heißt es von diesem da, der da kommt: er ist ein Helfer, beziehungsweise genauer übersetzt: er ist einer dem selbst geholfen worden ist.
Der da kommt, der weiß also, wie das ist, selbst hilflos zu sein und Hilfe zu benötigen. Er weiß also, wie das ist, an die Grenzen und selbst nicht mehr weiterzukommen. Er weiß also, wie das ist, auf andere angewiesen zu sein. Das fällt ja auch uns nicht immer leicht. Denn wir haben oder hätten die Dinge doch schon ganz gern selbst in der Hand. Und auch darum weiß er und kann gerade dadurch für uns hilfreich sein.
Eine Krankenschwester etwa, die weiß, wie das ist selbst Patient zu sein und im Krankenhaus etwas für jeden Ganz zur Toilette auf Hilfe anderer angewiesen zu sein, die wird mit ihren Patienten einfühlsamer umgehen. Oder der Mitarbeiter einer Behörde, der selbst vielleicht im Ausland mal auf ein Amt hat gehen müssen und dabei nicht verstanden hat, was seine Kollegen denn nun von ihm wollten, der wird mit ausländischen Mitbürgern anders umgehen. Wer einmal selbst Hilfe brauchte, der weiß danach oft sehr genau, wie man anderen helfen und sie unterstützen kann. So einer, sagt Sacharja, so einer kommt auf uns zu.
Und weiter heißt es von diesem da, der da kommt: er sei arm, niedrig, sanftmütig, demütig. Er hebt sich eben nicht ab. Er grenzt sich nicht ab. Er kommt nicht hoch zu Ross, sondern mit dem Fahrrad oder der Schwebebahn. Und: Er mischt sich unter die Leute und begegnet uns so von Mensch zu Mensch – obwohl er ein König, ein Prinz, eben etwas besonderes ist.
So einer wird es sein, der diese Welt verändert. Und in der Tat sehen und merken wir ja, wie alle sonstigen Vorstellungen von Macht an ihre Grenzen kommen, jedenfalls, wenn sich diese Mächte nicht an den Menschen orientieren. Ja, es wir machtvoll eingegriffen, um Menschen zu unterdrücken. Aber allzuoft haben wir erlebt, wie diese Mächte über lange Zeit verlieren:
Das mächtige Reich der Perser unter Artaxerxes wurde von den griechischen Eroberern und Alexander abgelöst, der schließlich seine gesamte Macht an das römische Reich hatte abgeben müssen. Und so ging es fort und fort. Und dennoch setzen allzu viele Mächtige immer noch auf Macht und Gewalt.


Sacharja sagt aber: Da kommt einer, da kommt etwas auf uns zu, das verändert die Welt. Und: Es verändert die Welt zum Frieden.
Die frühen Christen haben in diesen Verheißungen Jesus Christus wiedererkannt. Und für uns hat sich seither in der Tat etwas verändert. Denn seit fast 2000 Jahren feiern wir an Weihnachten, dass Gott zu uns kommt, dass er uns entgegenkommt. Ja, wir feiern, dass Gott in einem Kind zu uns kommt und eben nicht mit Macht und Gewalt. Und dennoch ist diese JesusKind mächtig und bewegt Menschen über Generationen hinweg.
Und so wissen wir heute auch, wie sich etwas in dieser Welt ändern kann: wenn wir alle für Schutzbedürftige einstehen, ihnen helfen und uns nicht über andere erheben – auch dann wird diese Welt schon eine andere, bessere sein. Und darum dürfen wir mit Sacharja durchaus zuversichtlich hoffe, dass da einer, dass da etwas kommt, ja dass Gott selbst kommt und es gut mit uns meint. Daran erinnert uns Sacharja jedes Jahr immer wieder. Amen

 


Musik

 


Abkündigungen

 


Fürbitte
Gott, Du kommst zu uns, kommst uns entgegen
und schenkst uns Deinen Segen.
Darum bitten wir Dich:
Komm zu all den Kranken,
zu all denen, die derzeit behandelt werden müssen!
Schenk Du ihnen die Kraft Deines Segens!
Komm zu all denen,
die sich in Kranken- und Pflegeeinrichtungen um Menschen sorgen!
Schenk auch ihnen die Kraft Deines Segens!
Komm zu all den Kindern und Jugendlichen,
deren Leben derzeit so eingeschränkt verläuft!
Hilf ihnen mit Freundinnen und Freunden in gutem Kontakt zu bleiben!
Komm in all die Familien,
die Tag für Tag neu denken und planen müssen!
Gib ihnen Kraft einerseits und Gelassenheit andererseits!
Komm zu all den Menschen,
deren Leben durch Krieg und Gewalt gefährdet ist!
Öffne ihnen Wege in sichere Räume und Häuser!
Komm zu all den Menschen,
die unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und arbeiten!
Hilf Du dazu, dass sich die Umstände verbessern!
Komm zu all den Menschen,
die derzeit in Regierung und Wirtschaft Verantwortung tragen!
Lass sie rechtzeitig hilfreiche Entscheidungen treffen!
Erfülle sie mit dem Geist Deiner Liebe und Deines Friedens!
Gott, Du kommst zu uns, kommst uns entgegen
und schenkst uns Deinen Segen.
Auf Deinen Frieden hoffen wir!


UNSER VATER im Himmel.
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit,
Amen.

 


Segen
Mögest Du sein Licht schauen, wenn es um Dich dunkel ist!
Mögest Du Gottes Güte erleben an Leib und Seele!
Mögest Du Dich wieder freuen und Feste feiern,
bis das andere größere Fest beginnt, dass Gott uns bereitet!
     Der HERR segne uns und behüte uns;
     der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;
     der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.
     Amen

 


Nachspiel


Bekanntmachungen
Heute sammeln wie immer in der Adventszeit, bis zum 26.12., für Brot für die Welt. Das diesjährige Motto lautet: „Kindern eine Zukunft geben“. Das bedeutet, Kinder aus der Armut zu holen und ihnen Bildungschancen zu vermitteln.
Außerdem sammeln wir für die Binnenschiffer- und Seemannsmission. Der Binnenschifferdienst ist ein unentbehrlicher Helfer beim Gütertransport. Die Binnenschiffer arbeiten oft unter hoher Arbeitsbelastung und isolationsähnlichen Bedingungen. Der Deutsche Binnenschifferdienst und die Seemannsmission stehen den Seeleuten in Not- und Krisensituationen fernab ihrer Heimat zur Seite.


Und nun: Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am kommenden Sonntag, dem 20.12.
um 9.30h im Gemeindezentrum Petruskirche
und um 11h in der Lichtenplatzer Kapelle mit Diakon Arne Würzbach.


Ganz wichtig: Für die verschiedensten Gottesdienste zum Heiligabend ist in diesem Jahr unbedingt eine Anmeldung erforderlich.
Im Talbezirk werden Sie dabei gerne von Diakon Arne Würzbach unterstützt und für den Bezirk am Lichtenplatz hilft Ihnen gerne Pfr. Michael Seim.

 

 

Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte wieder an.
Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de
Wir wünschen Ihnen alles Gute und: BLEIBEN SIE BEHÜTET


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