Gottesdienst zum Toten-Ewigkeitssonntag am 22.11.2020
Weil Gott uns das Leben schenkt, und weil er unser ganzes Leben in seinen Händen hält,

und weil er unsere Lieben in seine Ewigkeit hineinnimmt, darum feiern wir diesen

Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes, des Vaters, des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen.
Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht loslässt das Werk seiner Hände.


Ein herzlicher Gruß an Sie alle zum Gottesdienst am Toten- und Ewigkeitssonntag,in dem wir besonders der Menschen gedenken, die im zuende gehenden Kirchenjahr verstorben sind. Darum geht ein besonderer Gruß auch an die Angehörigen unter uns. Sie haben Abschied von einem Menschen nehmen müssen. Dabei war mancher Abschied zu erwarten, andere aber kamen völlig unerwartet. Entsprechend sagt Jesus den Seinen im Wochenspruch
Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.      Lukas 12,35

 


Lied 450 Morgenglanz der Ewigkeit

(auf youtube ansehen und hören)


Psalm 126
Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,
so werden wir sein wie die Träumenden.
     Dann wird unser Mund voll Lachens
     und unsre Zunge voll Rühmens sein.
Da wird man sagen unter den Völkern:
Der Herr hat Großes an ihnen getan!
     Der Herr hat Großes an uns getan;
     des sind wir fröhlich.
Herr, bringe zurück unsre Gefangenen,
wie du die Bäche wiederbringst im Südland.
     Die mit Tränen säen,
     werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen
und tragen guten Samen
     und kommen mit Freuden
     und bringen ihre Garben. Amen

 

 

 


Eingangsgebet
Gott,
das soll auch unsere Hoffnung sein,
dass Du uns mit unserem Lieben wieder zusammenbringst,

einst in der kommenden Welt.
Aber noch trauern wir um die Menschen,
die von uns gegangen sind.
Erinnerungen begleiten uns.
Manchmal ist es schön sich zu erinnern,
manchmal aber durchaus auch schmerzhaft,
so dass die Tränen einfach laufen.
Wir vermissen unsere Lieben einfach so sehr,
und dürfen sie bei Dir gut aufgehoben wissen.
Und darum darf das auch unsere Hoffnung sein,
dass Du uns mit ihnen wieder zusammenbringst,
einst in der kommenden Welt.
Hilf Du, dass wir das glauben und Dir vertrauen!
Das bitten wir Dich in Jesu Namen. Amen

 


Lied 147 Wachet auf, ruft uns die Stimme

(auf youtube ansehen und hören)

 

 


Predigt Offenbarung 21,1-5

Liebe Angehörigen, liebe Gemeinde!
Da sieht einer etwas ganz Neues, etwas kaum Vorstellbares, und genau das malt er in den buntesten, herrlichsten Farben aus. Was und wie er das alles beschreibt, das lässt vor meinen Augen ein ganz tröstliches, ein wohltuendes Bild entstehen. In diesem Bild fühle ich mich aufgehoben und geborgen.
So schenkt mir dieser Künstler einen Ausblick auf eine ganz andere Zeit, auf die Zeit in Gottes Ewigkeit. Denn in der wird eben alles ganz neu und anders sein. Und alles andere, alles Alte, alles In-Die-Jahre-Gekommene wird von diesem leuchtenden Bild überstahlt. Mich lässt das hoffen.
Denn dass diese Welt nicht so bleiben kann, wie sie ist, das ist doch auch heute noch allzu offensichtlich. Eine Welt voller Leid, Geschrei und Schmerz, das kann nicht nach Gottes Wille sein. Darum weiß auch der Autor dieser Zeilen, das diese Welt nicht so bleiben kann und nicht so bleiben wird, wie sie ist.


Die Tradition nennt diesen Autor Johannes, und wir wissen von ihm, dass er aufgrund seines Glaubens und seines Engagements für seine Gemeinden verfolgt und auf eine der Inseln im ägäischen Meer verbannt ist. Auch heute noch werden Menschen auf diesen Inseln festgehalten, weil sie dem Leid und er Not in ihren Ländern entfliehen wollten oder musste. Nein, diese Welt, wie sie auch heute noch ist, kann nicht nach Gottes Wille sein.
Dabei führt Johannes nicht nur sein persönliches Schicksal oder das Ergehen seiner Gemeinde an, sondern er macht deutlich, dass alles Todbringende, dass jeder Tod letztlich nicht nach Gottes Wille ist. Denn der Tod zerstört immer auch Gemeinschaft. Der Tod zerstört Beziehungen. Er reißt Lücken und hinterlässt Menschen in Trauer, verursacht auch Leid. Doch genau das kann nicht nach Gottes Wille sein.


Johannes aber sieht nun etwas ganz Neues, etwas kaum Vorstellbares. Er sieht Jerusalem, ein

          neues Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut.
Johannes sieht also die Vorbereitung auf ein großes Fest, zu dem wir alle eingeladen sind: wir, und eben auch alle die, die uns bereits vorausgegangen sind. Es soll ein Freudenfest sein. Ja, es soll so etwas wie unsere eigene Hochzeit sein, denn Gott selbst, so könnte man sagen, hält um unsere Hand an. Gott selbst will sich mit uns verbinden und verbünden. Denn Johannes hört dabei auch, wie einer spricht:
       Siehe da, die Hütte Gottes, das Zelt Gottes bei den Menschen.
       Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein,
       und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.
Gott selbst wird also zu uns kommen, auf uns zukommen und mit uns leben. Er wird Anteil an unserem Leben nehmen, wie er es in Jesus Christus bereits getan hat und weiterhin tut. In ihm hat er ja unser ganzes Leben geteilt. In ihm hat er erlebt, was Freundschaft, aber auch was Verlust bedeutet. In ihm hat er erlebt, wie erfüllt so ein Menschenleben sein kann, und wie so ein Menschenleben auch zuende gehen kann.
Doch das, dieser lebendige Austausch miteinander, dieses lebendige Miteinander, das ist gerade das, was Gott für uns will und mit uns will. Dieses lebendige Miteinander ist aber ja durch den Tod unserer Lieben, die von uns gegangen sind, derzeit zerstört. Gut, man redet noch immer mit ihnen, tauscht sich in Gedanken mit ihnen aus. Aber viel lieber hätten wir sie doch einfach gern wieder hier, so schwierig manches gewiss auch gewesen sein mag. Und genau so soll es nach Gottes Wille auch sein. Denn weiter weiß dieser Johannes hier zu schreiben:
      Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.
Gott kümmert sich also um uns. Mit einer zärtlichen Geste nimmt er uns geradezu in den Arm. Und wir wissen nur zu gut, wie sehr wir derzeit solche Berührungen vermisse. Denn es kann ja nicht alles mit Worten gesagt werden. Gerade dort, wo Worte an ihre Grenzen kommen, könnte eine kleine Geste wohltuend helfen.


Weiter schreibt Johannes an seine Gemeinde:
      Und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist      

      vergangen.
Die Welt, wie sie derzeit ist, wird also nicht mehr sein, und damit kommt eben auch all das Leid an ein Ende, damit kommt auch der Tod selbst an sein Ende, denn er hat nicht mehr das letzte Wort. Noch gilt sein Wort, wie wir es in dieser Zeit und in dieser Welt deutlich erfahren. Aber selbst dem Tod wird sozusagen ein Ende gesetzt. Gerade darum kommt diese Welt nicht einfach an ihr Ende, sondern sie steht und wir alle stehen dann vor einem Neuanfang. Denn
      der auf dem Thron saß, der sprach: Siehe, ich mache alles neu.
Ich finde diese Aussichten geradezu fantastisch, und sie trösten mich über manchen Verlust, weil diese biblischen Texte mich darauf hoffen lassen, dass all das Trennende, was derzeit noch zwischen uns und unseren Lieben steht,
- dass all das Trennende einmal aufgehoben sein wird, und dass wir alle bei Gott geborgen sein werden. Beschreiben, wie das sein wird, das kann ich nicht. Aber ich ahne, dass es von den Worten der Dichterin Marie Luise Kaschnitz nicht weit entfernt sein wird. Die dichtete einmal:

Glauben Sie fragte man mich
An ein Leben nach dem Tode?
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich
Keine Antwort zu geben
Wie das aussehen sollte
Wie ich selber aussehen sollte
Dort
Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
Von Heiligen auf goldenen Stühlen sitzend
Kein Niedersturz verdammter Seelen
Nur
Nur Liebe frei gewordene
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend
Kein Schutzmantel starr aus Gold
Mit Edelsteinen besetzt
Ein spinnwebleichtes Gewand
Ein Hauch mir um die Schultern
Liebkosung schöne Bewegung

Wie einst von tyrrhenischen Wellen …
Wortfetzen
Komm du komm
Schmerzweb mit Tränen besetzt
Berg- und Talfahrt
Und deine Hand
Wieder in meiner
So lagen wir lasest du vor
Schlief ich ein
Wachte auf
Schlief ein
Wache auf
Deine Stimme empfängt mich
Entlässt mich und immer
So fort
Mehr also, fragen die Frager
Erwarten Sie nicht nach dem Tode?
Und ich antwortete
Weniger nicht.


 

 

 

Zwischenmusik

 


Worte zur Trauer
Wir verlesen nun gleich die Namen derjenigen, die im Lauf des zuende gehenden Kirchenjahres unter kirchlichem Segen beigesetzt wurden. Je Quartal werden wir dabei auch eine Kerze anzünden. Zuvor aber hören wir Worte zur Trauer aus dem Heft: Meine Trauer lege ich, Gott, in Deine Hand:
„Die Bibel weiß, dass die Trauer ein langer Weg sein kann. Manches müssen wir abschreiten, in Gedanken immer wieder abgehen. Mit der Zeit wird unsre Schritt fester und sicherer.
Dieser Weg braucht Geduld und Zeit, manchmal viel Zeit. Niemand kann uns sagen, wie lange dieser Weg braucht.
Die Bibel weiß auch, dass es gut ist, diesen Weg nicht alleine gehen zu müssen. Dieses Glück hat nicht jeder. Oft genug ist man auch allein mit seinen Gedanken und seinen Erinnerungen.
Manch einer spürt dabei aber auch, dass die Trauer einen zu sich selbst zurückbringt. Das Leben ist wertvoller, bekommt eine Tiefe, die man zuvor für möglich hielt. Und der Mensch, den wir lieben, wissen wir aufgefangen von dem, der unser ganzes Leben in Händen hält.“

 

 


Verlesung der Namen der Verstorbenen

 

 


Abkündigung
Am Samstag, dem 24. Oktober verstarb Herr G...n im Alter von 84 Jahren. Die Trauerfeier fand am Freitag, dem 20. November auf dem Friedhof Unterbarmen statt und stand unter Worten aus der Offenbarung 21:
      Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.

 

 


Fürbitte
Gott! Bleiben wird die Liebe,
die Du erneuerst, die uns verbindet.
Auf diese Liebe setzen wir.
      Darum bringen wir Dir all unsere Lieben,
      die von uns gegangen und uns vorausgegangen sind:
      Halte Du sie gut in Deine Hände!
      Wir bitten Dich für all ihre Angehörigen:
      Stell ihnen Menschen zur Seite,
      die sie durch die Trauer begleiten!
Darum bringen wir vor Dich all die Menschen,
die derzeit unter Krankheiten zu leiden haben:
Hilf, dass sie gut versorgt sind!
Wir bitten Dich für alle, die sich um sie kümmern:
Schenk ihnen die nötige Kraft,
ihrer Aufgabe und Verantwortung gerecht zu werden!
      Darum bringen wir vor Dich all die Menschen,
      die derzeit unter dem Hass zwischen Menschen
      und unter dem Streit zwischen Völkern zu leiden haben:
      Eröffne Du ihnen Wege aus ihrer Not!
      Wir bitten Dich für alle Verantwortlichen:
      Erfülle sie mit einem friedlichen Geist,
      damit am Ende die Liebe und der Frieden bleibt!
Gott!
Bleiben wird die Liebe,
die Du erneuerst, die uns verbindet.
Auf diese Liebe setzen wir.


UNSER VATER im Himmel.
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit,
Amen.

 


Segen
Gott behüte uns vor allem Übel.
Gott behüte unsere Seele.
Gott behüte unseren Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit
Der HERR segne uns und behüte uns;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;
der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.
Amen

 


Nachspiel

 


Bekanntmachungen
Heute sammeln wir noch einerseit für das Hospiz Niederberg,
und andererseits für die Altenhilfe und Hospizarbeit im Rahmen der Ev. Kirche im Rheinland vorgesehen.
Hinweisen möchten wir auch auf die anstehende Wunschbaum-Aktion für das Kinderheim Nesselstr. Die Kinder haben uns wieder ihre Wünsche übermittelt. Wir wollen uns bemühen, ihnen an Weihnachten eine kleine Freude zu bereiten. Fürs Gemeindezentrum Petruskirche hilft gerne Frau Schindewolf-Grams und an der Lichtenplatzer Kapelle bietet Frau Julia Jung ihre Unterstützung an.


Und nun: Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am kommenden Sonntag, dem 29. November. Die angedachten Veranstaltungen zu den Adventsnachmittagen müssen wir leider ausfallen lassen. So feiern wir unsere Adventsgottesdienste im sonst gewohnten Rhythmus
um 9.30 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle und
um 11.00 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche jeweils mit Pfr. Seim.

 

 


Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte wieder an.
Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de
Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!


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