Gottesdienst zum Buß- und Bettag 18.11.2020


Weil Gott uns zu sich ruft, darum kommen wir zu ihm. Weil Gott uns Hoffnung und Perspektive schenkt,

darum hoffen wir auf ihn. Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes, des Vaters,

des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht loslässt das Werk seiner Hände.


Ihnen allen ein herzliches Willkommen zum Gottesdienst an diesem Buß- und Bettag,

in dem wir auf Gottes Wort hören wollen, das einen deutlichen Unterschied macht.

So heißt es im Buch der Sprüche:
Gerechtigkeit erhöht ein Volk;
aber die Sünde ist der Leute Verderben.               Sprüche 14, 34
So sind wir gerade heute dazu aufgerufen, uns darauf zu besinnen, was denn heute ‚gerecht‘ sein kann.

Denn ‚Gerechtigkeit‘ soll uns allen dienen und helfen

 


Lied 428,1+2+5 Komm in unsre stolze Welt

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Psalm 130
Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.
Herr, höre meine Stimme!
Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!
      Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst –
      Herr, wer wird bestehen?
Denn bei dir ist die Vergebung,
dass man dich fürchte.
      Ich harre des Herrn, meine Seele harret,
      und ich hoffe auf sein Wort.
Meine Seele wartet auf den Herrn
mehr als die Wächter auf den Morgen;
      mehr als die Wächter auf den Morgen
      hoffe Israel auf den Herrn!
Denn bei dem Herrn ist die Gnade
und viel Erlösung bei ihm.
      Und er wird Israel erlösen
      aus allen seinen Sünden. Amen

 


Eingangsgebet
Gott!
Auch unsere Seelen warten und hoffen.
Aber warten wir wirklich auf Dich, Gott?
Auch wir hoffen auf Erlösung:
erhoffen einen Rückgang der Corona-Zahlen,
erhoffen die baldige Einführung eines Impfstoffes,
erhoffen, dass sich so die Zeiten wieder ändern.
Aber erhoffen wir auch, dass wir uns verändern,
dass sich unser Umgang mit diesem Leben und der Welt verändert?
Worauf wir auch hoffen,
Du, Gott, Du hoffst und wartest auf uns.
Du wartest darauf, dass wir auf Dich hören.
Du erhoffst Dir, dass wir Deinem Wort folgen.
Darum, Gott, bitten wir Dich:
Öffne Du doch unsere Ohren,
dass wir Dich hören!
Öffne Du aber vor allem auch unsere Herzen,
damit wir Deinen Willen verstehen und danach leben.
Amen

 


Lied 299,1-2+5 Aus tiefer Not schrei ich zu Dir

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Predigt Jes 1,10-18
Liebe Gemeinde!


Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Gottesdienst in ihre Gemeinde. Vielleicht ist ein besonderer Feiertag: Erntedank, 1. Advent oder so, - etwas Fröhliches halt. Und Sie freuen sich manche Menschen wiederzutreffen. Gut, anderen gehen Sie vielleicht lieber aus dem Weg. Dennoch sind sie voller Erwartungen, wer und was da kommt. Doch dann steht da einer schon an der Kirchentür und ruft leidenschaftlich:
      Hört des HERRN Wort, ihr Herren von Sodom!
      Hört die Weisung unseres Gottes, Du Volk von Gomorra!
Nein, nein! Das hört man nun wirklich nicht gern.


Genau so werden wir uns die Szene im Tempel von Jerusalem vorstellen können: Menschen strömen herbei. Es soll ein fröhliches Fest sein. Man trifft sich, hält ein Schwätzchen und freut sich. Doch dann steht da Jesaja, ein neuer Prophet, und der schreit lauthals:
      Hört des HERRN Wort, ihr Herren von Sodom!
      Hört die Weisung unseres Gottes, Du Volk von Gomorra!
Und schon ist einem die Vorfreude aufs Fest gänzlich vergällt. War da nicht was mit Missbrauch, mit Mord und Totschlag? Muss das jetzt sein? In diesen Orten unten am Toten Meer, da ging es doch nun wirklich drunter und drüber. Aber doch nicht bei uns! Das kann man nun wirklich nicht so einfach auf uns übertragen und mit uns vergleichen. Wir sind doch ganz anders.
Doch Jesaja fährt fort, und durch ihn ist es Gott selbst, der so redet:
      Ich bin satt der Brandopfer … Das Räucherwerk ist mir ein Greul!
      Neumonde und Sabbat – ich mag es nicht!
Aber sind das nicht gerade die Riten, die wir im Buch Levitikus lesen? Und nun soll alles falsch sein? Gott selbst hat alles doch genau so angeordnet – so und nicht anders! Das sind doch seine Gebote! Und nun will er sie nicht? Gott will das Ganze nicht mehr? Wer kann das verstehen?


Ich denke, einige werden sich damals von Jesaja abgewandt haben. Sie sind weitergegangen. Sie haben nicht weiter zugehört, so wie wir ja auch manche Nachrichten abdrehen oder ins nächste Programm schalten, weil auch wir manches nicht mehr hören können und wollen. Es wird einfach zu viel.
Andere aber sind sicher auch stehen geblieben. Denn dass dieser Jesaja so leidenschaftlich von Gott redet, im Namen Gottes redet, - ja dass Gott es leid ist, dass Gott es satt hat, - das hat sie dann doch interessiert und gepackt.


Und in der Tat hören wir hier einen ganz leidenschaftlichen Gott, der sich anscheinend in Rage redet. Ihm ist es ernst, und darum redet und schreit er, damit die Menschen, damit wir es hören und lesen. Denn ihm liegt ja an seinem Volk Israel, und gerade auch heut an uns, an seiner Gemeinde.


Warum er, Gott, sich so engagiert, das klingt in Jesajas Worten so:
      Wenn Ihr Eure Hände ausbreitet, verberg ich doch mein Angesicht.
      Und wenn Ihr auch viel betet, hör ich Euch doch nicht.
Wie? Gott verbirgt sich und Gott hört nicht? Das widerspricht doch so ziemlich allem, was uns sonst so von Gott gepredigt wird. Aber Gott hat es offensichtlich einfach ziemlich satt. Er hat genug,
      denn Eure Hände sind voll Blut.
Da falten Menschen also ihre Hände zum Gebet und rufen Gott an, so wie auch wir gelernt haben unsere täglichen Gebete zu verrichten. Das ist eigentlich gut. Darauf liegt Segen. Doch Gott weiß genau, dass diese Hände, die sich da falten, dass diese Hände blutig und dreckig sind, und dass an ihnen Schuld klebt. Das aber, das möchte Gott nicht mehr sehen. Er möchte nicht mehr mit ansehen, wie Menschen, sich auf ihn berufen, und gleichzeitig sein Gesetz verkehren und sein Gebot übertreten!


Jesaja weiß aber auch, dass es anders geht. Er, und vor allem Gott weiß, dass wir Menschen anders leben und anders handeln könnten. Und so fährt er fort:
      Wascht Euch, reinigt Euch, tut Eure bösen Taten aus meinen Augen!
Oder: Besinnt Euch und lasst alles, was ich hasse. Denn es ist Euch doch gesagt, was gut ist,

und das wisst ihr genau. Darum:
      Lasst ab vom Bösen, lernt Gutes tun!
Denn es gibt ja nichts Gutes, außer man tut es, wie auch Erich Kästner wusste. Wenn wir einfach nur die Hände in den Schoß legen und nichts tun, dann wir auch nichts besser. Und selbst wenn wir für gute und gerechte Dinge beten und Gott bitten, aber nicht selbst dabei Hand anlegen und gut und gerecht handeln, dann kommt das Gute jedenfalls nicht durch uns in diese Welt.


Und falls noch jemand nicht weiß, was dieses Gute ist, was von uns erwartet wird, was gerade Gott selbst von uns erwartet, dem sagt Jesaja noch:
      Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten,
      schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sachen!
Es gibt also auf der einen Seite Unrecht, und es gibt auf der anderen Seit Recht. Und nach Gottes Recht ist es recht und gut, den Unterdrückten und den Witwen, eben den Schwächsten Gliedern in einer Gesellschaft zur Seite zu stehen. Das gilt gerade auch heute immer noch:
-Da sind Menschen auf der Flucht vor Bürgerkriegen, vor gewalttätigen Regimen oder vor Verelendung in verarmten Ländern, - und Europa macht für diese Menschen die Grenzen dicht. Gleichzeitig möchte Europa aber selbst mit offenen Grenzen gern einen ungehinderten weltweiten Handel treiben. Ist das gerecht? Einerseits profitieren wir von unseren teuren Exporten und haben andererseits dann kein Erbarmen mit den Armen?
-Da sind Menschen in ihrer Kindheit missbraucht worden. Anderen Kindern geschieht heute das selbe Unrecht immer noch. Hören wir hin? Schauen wir hin? Unsere Aufgabe ist es, Ihnen allen zuzuhören und uns für sie einzusetzen, damit ihnen endlich Recht widerfährt.
-Und unter dem sich wandelnden Klima werden weltweit viele Menschen zu leiden haben – gerade auch in manchen Küstenregionen, aber auch auf dem Land. Was tun wir im Rahmen unserer Möglichkeiten dafür, dass sich das ändert? Verzichten wir auf manche Autofahrt und steigen aufs Rad? Setzen wir uns für Sonnen- und für Windenergie ein, oder doch lieber nicht hier? Was tun wir?


Wichtig ist mir noch zu betonen: Hier geht es nicht um jeden einzeln allein, sondern wir sind als Gemeinschaft hier vor Ort, als Gemeinschaft hier in Deutschland und weltweit – wir sind alle gemeinsam gefragt, damit sich was ändert, damit sich diese Welt ändert. Danach sind wir gefragt! Es liegt an unserem Miteinander, das uns derzeit anscheinend mehr und mehr entgleitet. Es liegt an uns allen, ob uns eine Änderung, eine Umkehr gelingt. Und dabei liegt es besonders an unserem Miteinander mit den Schwächsten und dann auch mit Gott, es liegt dann an einem jeden von uns, ob wir uns und Gott wieder in die Augen sehen können. Denn dann geschieht, was Jesaja so sagt:
      Wenn Eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden,
      und wenn sie rot ist wie purpur, so soll sie doch wie Wolle werden:
rein und weiß – Dass also Sünde von uns genommen wird und dass Leben sich verwandelt, das also darf mit Jesaja trotz allem unsere Hoffnung sein. Darum: So sei es. Amen.

 


Zwischenmusik

 


Fürbitte
Gott! Zu Dir kommen wir.
Auf Dein Wort hören wir.
Auf Deine Gnade hoffen wir.
Aus Deiner Güte leben wir.
      Darum bitten wir Dich für uns:
      Schenk uns ein offenes Herz, dass wir Dein Wort verstehen,
      dass wir Zuversicht verbreiten und Deine Liebe weitergeben.
Wir bitten Dich für so viele Menschen auf der Flucht:
Lass sie eine sichere Bleibe finden
Hilf ihnen sich an neuen Orten gut einzuleben,
weil Menschen ihnen hilfreich zur Seite stehen!
Gemeinsam beten wir:
Gott! Zu Dir kommen wir.
Auf Dein Wort hören wir.
Auf Deine Gnade hoffen wir.
Aus Deiner Güte leben wir.
      Darum bitten wir Dich für so viele Menschenkinder,
      die als Kind Missbrauch erfahren haben,
      oder darunter gegenwärtig zu leiden haben:
      Gib ihnen die Kraft, sich zu äußern und Hilfe zu suchen!
      Öffne darum unsere Ohren, dass wir ihre Klagen hören!
      Und hilf den Tätern ihr Unrecht einzusehen und zu bekennen!
Wir bitten Dich für alle Völker dieser Erde.
Derzeit gibt es in dieser Welt so viele Konflikte.
Lass Du die Stimmen des Friedens laut erklingen!
Und hilf den Verantwortlichen aufeinander zu zu gehen
und Streitigkeiten friedlich beizulegen.
Gemeinsam beten wir:
Gott! Zu Dir kommen wir.
Auf Dein Wort hören wir.
Auf Deine Gnade hoffen wir.
Aus Deiner Güte leben wir.
      Darum bitten wir Dich für die Ökumene nah und fern.
      Hilf uns dazu einander zu verstehen
      und gemeinsam auf Deinen Wegen zu gehen!
      Lass Du Dein Licht leuchten in Deinen Gemeinden!


- - - Stille - - -

 

 

UNSER VATER im Himmel.
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit,
Amen.

 


Segen
Gott segne die Erde, auf der Du stehst!
Er segne den Weg, den Du jetzt gehst!
Gott segne das Ziel, für das Du lebst!
Gemeinsam sprechen wir:
      Der HERR segne uns und behüte uns;
      der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;
      der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.
      Amen

 

 


Nachspiel

 


Die Kollekten an diesem Buß- und Bettag sind bestimmt:
Für die Weihnachtsfeier für Alleinstehende in W‘tal, bzw. deren Alternative.
Die zweite Sammlung ist vorgesehen für Newe Shalom, ein wegweisendes Projekt in Israel;

ein Dorf, in dem sich Juden und Palästinenser Land, Macht und Alltag teilen.


Und nun: Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am kommenden Toten-Ewigkeitssonntag,

dem 22. November
um 9.30 im Gemeindezentrum Petruskirche und
um 11.00 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle, mit Pfr. Michael Seim.

 

Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte wieder an.
Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de

 

Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!


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