Gottesdienst vom 08.11.2020


In diesen unruhigen Zeiten kommen wir zu Gott und hoffen auf seinen Frieden.

Darum feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht loslässt das Werk seiner Hände.


   Selig sind, die Frieden stiften;
   denn sie werden Gottes Kinder heißen.


So sagt Jesus im Wochenspruch und macht damit deutlich, dass es stets neu unsere Aufgabe als Christen ist, für Frieden einzutreten: für Frieden in der Familie, wie zwischen den Religionen. Wie herausfordernd das sein kann, erleben wir immer. Aber Jesus Christus verspricht uns eben:
   Selig sind, die Frieden stiften;
   denn sie werden Gottes Kinder heißen.
                                                                                                                                                                       Matthäus 5,9

 


Lied 152 Wir warten Dein, o Gottessohn?


Psalm 85,9-14
Könnte ich doch hören,
was Gott der HERR redet,
    dass er Frieden zusagte
    seinem Volk und seinen Heiligen,
    auf dass sie nicht in Torheit geraten.
Doch ist ja seine Hilfe nahe denen,
die ihn fürchten,
dass in unserm Lande Ehre wohne;
    dass Güte und Treue einander begegnen,
    Gerechtigkeit und Friede sich küssen;
dass Treue auf der Erde wachse
und Gerechtigkeit vom Himmel schaue;
    dass uns auch der HERR Gutes tue
    und unser Land seine Frucht gebe;
dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe
und seinen Schritten folge. Amen

 


Eingangsgebet
Ach, Gott!
Wie gerne hätten auch wir dies diese Woche gehört: Worte des Friedens
Wie gern hätten wir das erlebt, dass Menschen ehrlich und aufrichtig sind
und dass diese Erde erfüllt wird mit all dem, was recht und richtig ist.
Aber was immer wir in den Nachrichten lesen, hören und sehen:
Da werden falsche Behauptungen in die Welt gesetzt
und um Wahlergebnisse gekämpft und gestritten.
Da werden Menschen ihn Wien wahllos ermordet,
weil ein Mensch ein ganz seltsames Bild von Dir hat.
Da erleben wir, wie ein kleines Virus
den Lauf unserer Welt in Atem hält,
und Menschen seine Existenz dennoch leugnen,
obwohl viele erkrankt oder verstorben sind.
Wie irre ist doch diese Welt!
Und wir: Sind wir so viel besser?
Sind wir stets ehrlich und aufrichtig zueinander?
Kennen wir nicht auch ganz hässliche Gedanken?
Darum, Gott, bitten wir Dich umso mehr:
Nimm von uns, was uns beschwert und belastet,
und schenk Du uns Frieden, dass wir versöhnt leben,
denn Du meinst es ja gut mit uns.
Du hast ein Auge auf uns.
Du wirst dafür sorgen, dass Güte und Treue einander begegnen.
Amen

 

 


Lied 671 Unfriede herrscht auf der Erde

 


Predigt 1. Thess 5,1-11
Lieber Paulus!


Auch knapp 2000 Jahre nach Deinem Schreiben gibt es noch die, die uns „Frieden und Sicherheit“ oder „law and order“ versprechen. Seltsam, dass dieser Slogan immer noch verfängt. Es ist ja auch nur zu verführerisch, diesen haltlosen Versprechen zu trauen, gerade in dieser so unruhigen Zeit:
Da stoppt ein kleines Virus in vielen Ländern wieder das öffentliche Leben. Soloselbständige, Gastronomen, Veranstaltungstechniker und viele andere Menschen bangen um ihre Arbeit und damit um ihre wirtschaftliche Existenz. Da täte etwas mehr Sicherheit einfach ganz gut.
Da bewegen terroristisch motivierte Anschläge viele Menschen in Europa. Politiker gestehen zu: Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Und radikale Islamisten stören den Frieden zwischen den Religionen, die alle an den einen Gott und Schöpfer unserer Erde glauben.
Und da ist ein amerikanischer Präsident, der sich den gesamten Rest der vergangenen Woche gegen seine drohende Niederlage stemmt und angeblich für „law and order“ – ‚Recht und Gesetz‘ einsteht. Und sein ursprünglicher Slogan „america first“ – ‚Amerika zuerst‘ macht deutlich, worum es mit der Parole „Frieden und Sicherheit“ meist eigentlich geht:
Frieden soll nur dem eigenen Land, der eigenen Nation, den eigenen Wählern gelten. Die anderen sind da schnurz-piep-egal. Und Sicherheit soll auch nur den eigenen Leuten gelten. Für sie wird investiert. Die anderen werden übergangen. Doch genauso kommen Frieden und Sicherheit eben gar nicht zustande – weil es an Gerechtigkeit mangelt.

 

Ach, Paulus,
hat sich denn seither gar nichts geändert? Hat die Menschheit, haben wir nichts hinzugelernt? Deine Gewissheit, die Du ausstrahlst, die hätte manch einer von uns ganz gern. Deiner Gemeinde etwa in Thessaloniki konntest Du schreiben:

‚Ihr seid anders!‘:
Ihr seid nicht in der Finsternis!
Ja, Du fährst fort:
Ihr alle seid Kinder des Lichtes und des Tages.
Gilt das auch uns? Dürfen wir das zu hoffen wagen? Immerhin schreibst Du: „Ihr alle seid Kinder des Lichtes.“ Wir müssen es also gar nicht erst werden. Schön wäre es, wenn sich alle Christen das zu Herzen nähmen:
Ihr alle seid Kinder des Lichtes und des Tages.


Aber ist das so eindeutig? Ist das so sonnenklar? Sind die andern im Dunkel – und nur wir stehen im Licht? Wir kennen doch auch alle diese dunklen Stunden und diese finsteren Gedanken in uns. Und gleichzeitig wissen wir nur zu genau, wie gut es tut, wenn jemand für uns da ist und uns ein gutes Wort sagt: ein Wort, das uns aufrichtet und das uns aufbaut, wie Du schreibst.


Einiges ist Dir, Paulus, jedenfalls sonnenklar. Das steht für Dich felsenfest fest.

So zum Beispiel:
Ihr alle seid Kinder des Lichtes. Oder:
Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn,
sondern dazu die Seligkeit zu besitzen.
Eigentlich ist das ja genau das, was Du am eigenen Leib erlebt und erfahren hast. Die ersten Christen hattest Du ja sozusagen blindwütig verfolgt. Es war also finster um Dich, weil Du so überzeugt von Deinen Vorstellungen von Gott warst. Ideologien können einem schon mal den Sinn vernebeln.
Doch dann traf Dich sein Licht. Du hast es gesehen. Und Du hast gewusst: Du hättest Dir seinen Zorn redlich verdient. Aber was geschieht dann? Der, dessen Nachfolger Du verfolgt hast, der überzeugt Dich. Er beauftragt Dich, in alle Welt zu gehen und von ihm, von Jesus Christus zu erzählen: von ihm, von seiner Gnade und Liebe zu allen Menschen. Ist das nicht verrückt?
Das wäre doch glatt so, als würde Donald Trump ab heute die juristischen Verfahren gegen das Wahlergebnis einstellen, und als würde er in Zukunft Greta Thunberg und die Klimabewegung unterstützen.
Das wäre doch so, als würde Benjamin Netanjahu, der israelische Premier, vor Gericht seine Schuld eingestehen und im Anschluss auf Friedenstour in die palästinensischen Gebiete gehen:
Unvorstellbar! Aber Du hast es erlebt und erfahren!
Gott hat uns dazu bestimmt die Seligkeit zu besitzen.
Denn aus Gottes Sicht, sind wir jetzt schon Kinder des Lichts. Er selbst ist es, der uns in dieses Rampenlicht stellt. Derart angestrahlt sollen auch wir unser Licht leuchten lassen, uns nicht verstecken, unsere Aufgabe erfüllen: sein Licht auszubreiten in dieser Welt. Und das geht, wie Du schreibst, genau so:
Tröstet Euch untereinander, und einer erbaue den anderen, wie Ihr auch tut!
Das geschieht ja gerade auch heute wieder, 2000 Jahre später, nach Deinem Brief. Da rufen sich Menschen an und denken aneinander. Da werden Sorgen geteilt und Zuversicht verbreitet, wobei uns klar ist, dass wir derzeit einen langen Atem brauchen. Aber wer hätte das nicht gedacht, nach fast 2000 Jahren! Das, Paulus, das wusstest Du damals ja auch.

 

Denn so sehr Du weißt, dass wir Kinder des Lichtes sind, so sehr weißt Du doch auch: Wir müssen gut gerüstet sein. So schriebst Du damals an Deine Gemeinde:
Wir aber wollen nüchtern sein,
angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe
und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.
Nüchternheit hilft. Sie hilft, die Dinge klarer zu sehen. Sie hilft, um Entwicklungen abzuschätzen und Möglichkeiten abzusehen. Dann fällt es uns auch leichter, die Beweggründe andere zu verstehen.
Vor allem aber ist uns von Gott her eine gute Rüstung mit auf den Weg gegeben. Wir sollen gut gewappnet sein:
mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe.
Denn dieser Panzer schützt uns zum Beispiel vor dem Hass. Hass könnte unser Herz zerfressen. Hasserfüllt wären wir nicht besser als die Terroristen. Gott selbst aber schenkt uns seine Liebe, die unsere Herzen erfüllt. Er schenkt uns seine Liebe, die alle Mauer überwinden kann.
Und: Gott schenkt uns Glauben. Rr schenkt uns Vertrauen. Er vertraut uns - selbst dann, wenn wir an uns zweifeln. Er vertraut uns unser Leben an. Er vertraut uns Mitmenschen an. Er vertraut uns diese Welt an. Kurz: Er traut uns Großes zu. Und darauf dürfen wir vertrauen, so sehr wir bisweilen auch an uns selbst zweifeln oder verzweifeln. Gott traut uns. Das kann uns niemand nehmen.
Und letztlich rüstet Gott uns mit
dem Helm der Hoffnung auf das Heil (aus).
Dass die Zeiten nicht so bleiben werden, das dürfte uns bewusst sein. Und dass sein Tag kommt, darauf hoffen wir ja mit Dir, Paulus. Gerade in diesen Zeiten hier, können wir dieses Hoffen wieder neu lernen. Denn das ist uns durch den Propheten Micha ja von Gott versprochen:
Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen,
und niemand wird sie schrecken.
Denn der Mund des HERRN Zebaoth hat’s geredet.
Ein jedes Volk wandelt im Namen seines Gottes,
aber wir wandeln im Namen des HERRN, unseres Gottes.
Das ist die Hoffnung aus der wir leben. Amen

 

 


Zwischenmusik

 

 


Fürbitte
Gott!
Dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen,
dass Treue auf der Erde wachse
und Gerechtigkeit vom Himmel schaue,
darauf hoffen und vertrauen wir!
    Darum bitten wir Dich um Nüchternheit
    für alle in Wirtschaft und Politik Verantwortlichen.
    Denn nüchtern betrachtet sieht man Dinge klarer.
    Man kann von sich selbst abstrahieren und neue Wege ausprobieren.
    Hilf allen zu dieser Nüchternheit!
Wir bitten Dich:
Stärk Du unseren Glauben!
Lass unser Vertrauen wachsen zu Dir!
Gerade dann, wenn Menschen von Zweifeln geplagt jeden Halt verlieren,
dann lass sie jemanden finden, der sie hält und auf den sie trauen!
    Wir bitten Dich:
    Erfüll uns mit Deiner Liebe!
    Hilf uns, den Hass dieser Welt zu überwinden!
    Überall dort, wo Menschen sich feindlich gegenüber stehen,
    wo Hass den Blick auf den anderen verzerrt,
    da lass die Stimmen des Friedens laut werden!
Wir bitten Dich:
Rüste Du uns aus mit Deiner Zuversicht!
Lass uns hoffen – gerade auf Dich!
Gerade dann, wenn Menschen keine Perspektive mehr sehen,
wenn es keine Hoffnung auf Zukunft mehr gibt,
dann eröffne Du neue Perspektiven und zeige uns Deine Wege!
    Und besonders, Gott,
    möchte ich Dich auch heute wieder für all unsere Kranken bitten
    wie für die, die sich um sie kümmern und sich um sie sorgen:
    Hab Du ein gutes Auge auf sie,
    und schenk Anteile an Deiner lebendigen Kraft!

 

 

UNSER VATER im Himmel.
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit,
Amen.

 


Segen
Gott ist bei Dir, auch heute.
Wohin Du auch gehst, Gottes Freude leuchtet vor Dir.
Was Dir begegnet, irgendwo versteckt sich Gott selbst.
Hab keine Sorge, das Licht macht Dich sehen. (Dorothee Sölle)
    Der HERR segne uns und behüte uns;
    der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;
    der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.
    Amen

 


Nachspiel

 


Die Kollekten an diesem Sonntag sind bestimmt:
Für die Diakonie in unserer Gemeinde.
Die zweite Sammlung unterstützt ein Projekt des Rhein-Maas-Kollegs in Kempen, in dem Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Haitianern ein Schulgebäude bauen, das bald fertiggestellt sein soll.
Hinweisen möchten wir auch auf die anstehende Wunschbaum-Aktion für das Kinderheim Nesselstr. Die Kinder haben uns wieder ihre Wünsche übermittelt. Wir wollen uns bemühen, ihnen an Weihnachten eine kleine Freude zu bereiten. Mitglieder des Diakonieausschusses stehen gerne hilfreich zur Seite.


Außerdem tagt am 13. Und 14. November die Kreissynode.
Die Synode ist öffentlich, d.h.: Es gibt in diesem Jahr einen Livestream der Videokonferenz. Zugang über die Homepage des Kirchenkreises: www.evangelisch-wuppertal.de
Wir bitten die Gemeinde, die Beratungen der Synode in ihre Fürbitte einzuschließen.


Und nun: Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am kommenden Sonntag, dem 15. November

um 9.30 im Gemeindezentrum Petruskirche und
um 11.00 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle, mit Prädikanten Gunnar Grams.

 

Und auch schon: Herzliche Einladung zum Gottesdienst am Buß- und Bettag, Mittwoch, dem 18. November um 19.00 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle.

 


Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte wieder an.
Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de

 


Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!


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