Konfirmations-Gottesdienst vom 31.10.2020

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Weil Gott uns ruft, darum kommen wir zu ihm.

Weil Gott uns durch unser Leben begleitet, darum feiern wir diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

der Bund und Treue hält ewiglich

und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

 

 

Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!

Jetzt endlich können wir Konfirmation feiern, wenn auch abgespeckt und ausgedünnt, weil sich die Situation wieder einmal geändert hat. Fast ein Jahr lang haben die Konfirmanden an zehn Konfi-Wochenenden teilgenommen. Wir haben vieles miteinander erlebt und manches gelernt. Doch dann kam Corona, und so mussten wir die geplante Konfi-Freizeit und leider auch die Konfirmationen absagen. Wir hatten aber dennoch den Eindruck: Diese KonfiZeit war für alle eine lohnende Zeit.

So bleibt noch, uns mit dem Bibelwort für den Reformationstag einen gesegneten Gottesdienst zu wünschen. Da heißt es:

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem,

der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Kor 3,11)

 

Lied    Du machst alles neu

 

Nach Psalm 46

Gott ist wie eine feste Burg,

Gott schützt uns und steht uns bei,

   wenn uns die Welt unheimlich wird,

   wenn der Boden unter den Füßen schwankt,

      wenn uns das Wasser bis zum Hals steht,

      wenn uns ständig Steine in den Weg gelegt werden.

Gott ist wie eine feste Burg,

Gott schützt uns und steht uns bei,

   Unsere Angst wird nicht übergroß,

   wir können zuversichtlich in die Zukunft schauen.

      Unsere Hoffnungen bleiben lebendig,

      wir können uns trauen, für sie einzustehen.

Gott ist wie eine feste Burg,

Gott schützt uns und steht uns bei,

   Wenn Gott bei Dir ist,

   kann Dich nichts erschüttern.

      Er hilft Dir,

      wenn Sorge und Not Dich bedrücken

Gott ist wie eine feste Burg,

Gott schützt uns und steht uns bei.

 

Eingangsgebet

Gott!

Eine feste Burg willst Du uns sein.

Gerade in diesen Zeiten merken wir,

wie wichtig uns das ist, zu wissen:

Wir sind nicht allein, sondern Du bist dabei.

      Konfirmieren heißt: festmachen, bekräftigen.

      Und so wollen wir uns heute vergewissern:

      Woran wir glauben -

      Was wir von Dir erhoffen -

      Und: Was Du wohl von uns erwartest.

Wir haben spannende Zeiten erlebt.

Die Konfirmanden haben ihre eigenen Bekenntnisse geschrieben,

und sie haben Fragen an Dich und an uns gestellt.

Dabei hat jeder für sich immer besser verstanden,

was er glaubt und wofür er lebt.

      Heute nun können wir Konfirmation feiern,

      und darum bitten wir Dich:

      Schenke uns Ruhe!

      Erfülle uns mit Deinem Geist!

      Segne Du diesen Gottesdienst und unsere Gemeinschaft.

Amen.

 

Lied Joris: Du

 

Predigt

Diakon Würzbach

„In meinem Leben gibt es große Partys und ganz viel Liebe, und auf einmal bin ich im Sommer 2016 in Ansbach bei einem Festival, soll dort auftreten, und plötzlich sprengt sich jemand in die Luft. Und du hast Angst, Panik statt Glück in den Augen, das Leben ist von einer Sekunde auf die nächste ganz anders.“

https://www.rundschau-online.de/erleben/-ich-bin-oft-ziemlich-zerrissen--saenger-joris-ueber-gluecksmomenteund-den-tod-31434346

 

1 Liebe Konfis, liebe Gemeinde! Dies war ein Zitat von Joris aus einem Interview zu seinem Song „Du“. Von einer Sekunde auf die andere kann sich das Leben ändern, da kann man von himmelhochjauchzend in ein tiefes Tal stürzen, einem der Boden unter den Füßen weggezogen werden. So erlebt es Joris im Sommer 2016. Tief erschüttert hat ihn dieses Ereignis.

Nun hat von uns – so hoffe ich zumindest – wohl noch niemand einen Anschlag hautnah miterlebt. Und trotzdem können auch wir Dinge in unserem Leben erleben, oder haben sie schon erlebt, die uns fassungslos machen, ja wo wir das Gefühl haben, den Halt zu verlieren. Vielleicht auch im Frühjahr dieses Jahres, als von einem Augenblick auf den anderen das gesellschaftliche Leben zum Erliegen kam. Vorbei der Traum von einer Konfirmation im Frühjahr. Und nun seit circa zwei Wochen auch vorbei der Traum von einer Konfirmationsfeier in großer Runde, mit Freunden und der ganzen Familien.

 

Das Leben ist voller Widersprüche, davon erzählt das Lied „Du“. Glück und Pech, Freude und Qual – das Leben hält so viel für uns bereit und leider nicht immer nur die schönen Seiten. Wir werden hineingeboren in ein Leben, das wir uns nicht aussuchen können. „Von Tag eins zusammengekettet – hatt‘ ich nie eine Wahl“. Wir werden hineingeboren in eine Welt, in eine soziale Umwelt, mit all ihren Schwierigkeiten und Problemen.

Schwierigkeiten und Probleme, die uns prägen, auch unseren Glauben. Da erleben wir Dinge, die uns zweifeln lassen. Auch mir selber fällt Glaube nicht immer leicht. Bei manchen Menschen führt es sogar soweit, dass sie ihren Glauben verlieren.

Ich habe mich manchmal gefragt, ob die Coronapandemie Auswirkungen auf euer Vertrauen zu Gott hat. Ich habe mich gefragt, wie ich mich wohl in eurer Lage fühlen würde? Da entscheide ich mich ein Jahr zur Kirche zu gehen und etwas zum Glauben zu lernen. Und dann will ich mich öffentlich zu Gott bekennen und dann kommt Corona dazwischen. Ich kann verstehen, dass da vielleicht das Glaubensgerüst von dem ein oder anderen ins Schwanken gerät. Aber umso mehr finde ich es ein Hammer Statement, dass ihr euch trotzdem, genau heute, klar zu diesem Gott bekennen wollt. Denn nichts anderes bedeutet es ja, sich konfirmieren zu lassen.

 

Das Leben, das Erlebte prägt uns und unseren Glauben. Aber kann der Glaube denn auch unser Leben prägen?

In der Bibel gibt es eine Geschichte, die davon erzählt. Da ist ein Vater, der hat einen schwer kranken Sohn. Die Krankheit bedroht das Leben des Kindes und der Vater hat Angst. Er erzählt Jesus von der Krankheit und seiner Sorge. Er bittet Jesus: „Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Jesus antwortet ihm: „Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ – Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt. Das klingt doch sehr danach, dass Glaube Leben prägen, ja sogar grundlegend verändern kann. Sogleich schrie der Vater des Kindes: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ – Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Ein Glaubensbekenntnis, das auch voller Zweifel steckt. Er macht seine Zweifel offen vor Jesus und macht aber gleichzeitig deutlich, er möchte es wagen an ihn zu glauben. Er möchte trotz allem an Jesus festhalten.

Und das Wagnis des Vaters wird nicht enttäuscht. Sein Glaube, sein Festhalten an Jesus schenkt Heilung, schenkt Leben. Ja, das Leben des Jungen wird verändert, er wird gesund. Glaube prägt unser Leben, nicht immer so phänomenal, wie in dieser Bibelgeschichte, aber doch so, dass wir zumindest die Hoffnung an wieder bessere Zeiten nicht verlieren.

 

Pfr. Seim

Ja, das Leben prägt unseren Glauben, und der Glaube prägt unser Leben. Das spiegelt sich sogar in dem, was Ihr selbst vor etwa einem halben Jahr als Bekenntnisse formuliert und geschrieben habt. Was Ihr da als Eure Glaubenssätze formuliert habt, das war schon beeindruckend!

 

Einer meinte etwa: Manchmal fällt es mir echt schwer an Gott zu glauben, wenn ich all die leidenden Menschen auf der Welt und in meiner Familie sehe. Ja, es gibt diese Zeiten, da können wir an Gott zweifeln. Da fragen wir uns: Wo bleibt er denn und warum er nicht hilft. Doch gerade der, der das formuliert hatte, der schreibt dann auch: Gerade in diesen Zeiten hilfst Du, die Dunkelheit zu überwinden.

 

Ein anderer von Euch formulierte: Ich glaube an Gott, zumindest meistens. Und wieder ein anderer ganz ehrlich: Ich glaube an Gott, zwar nicht jeden Tag, aber manchmal. Und ich gebe zu: So ist es mir auch schon gegangen. Kurz: Wenn wir nicht an Gott denken, dann geht uns irgendwie auch der Glaube verloren. Wenn wir aber an Gott denken, über ihn nachdenken, dann ist das der Anfang des Glaubens, ein guter Start.

 

In der Zeit meiner Krankenhausseelsorge bin ich so einmal einem Menschen begegnet, der hatte von seiner alten Mutter ein besonderes Segenszeichen mit auf den Weg bekommen. Er hatte es immer bei sich und konnte es mir direkt zeigen. Er selbst aber hatte über die Jahre seinen Glauben verloren. Darum konnte er seinen eigenen Söhnen nicht auch so ein Zeichen mit auf den Weg geben. Die Krankheit, die er hatte, war ernst. Aber er war gut behandelt und war geheilt. Nur: Dass er nun keinen Marathon mehr würde laufen können, das fiel ihm sehr scher. Ich glaube, der Mangel an Glaube, das fehlende Gottvertrauen hat gerade in dieser Zeit sein Leben geprägt.

Ich habe aber auch erleben dürfen, dass zu glauben, viele Menschen wahrhaft durch das Leben trägt. Und davon reden sogar Eure Bekenntnisse. Da heißt es bei einem: Ich habe Vertrauen in Dich! Ein anderer: Er hat uns und die Welt erschaffen. … Ich bin froh, dass er das geschafft hat. Wieder ein anderer schrieb: In sieben Tagen hat er mehr gemacht als wir alle in unserem ganzen Leben. Da höre ich förmlich ein Staunen über die ganze Schöpfung und über Gottes Werk heraus.

Aber das war längst noch nicht alles, was Euch am Glauben wichtig ist. Da wird auch ganz viel Hoffnung formuliert: Ich wünsche mir, dass jeder Mensch gut leben kann, schreibt einer, und ein anderer ergänzt sozusagen: Er ist … der Helfer ihn der Not. Und so denke ich, Ihr seid mit diesem Eurem Glauben auf sehr guten Wegen.

 

Wichtig sind mir dabei noch zwei Dinge:

Zum einen: Wenn das Leben unseren Glauben prägt, aber wenn jedes Leben doch auch verschieden ist, dann darf das auch für unseren Glauben gelten. Ich habe das in unseren Gesprächen durchaus als bereichernd empfunden. Das gehört für mich gerade heute auch am Reformationstag zu der von Luther geforderten Freiheit eines Christenmenschen. Kein Mensch, kein Pfarrer, keine Kirche hat uns zu diktieren, was wir glauben sollen.

 

Zum anderen aber gilt als kleine Einschränkung doch auch dies: Es gibt schon noch einen festen Rahmen für unseren Glauben. Denn Gott steht immer für das Leben. Er will nicht den Tod. Gott schenkt uns Hoffnung und hilft uns so aus der Not. Gerade das hoffen wir ja in diesen Zeiten.

Insofern, liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde.

BLEIBEN SIE BEHÜTET und KOMMEN SIE GUT DURCH DIESE ZEITEN

 

Lied One way,

 

Jesus Tauf- und Konfisprüche von

J.................n:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten. Psalm 27,1

 

T..................e:

Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. 1. Petrus 4,10

 

L..................h:

Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. 1. Petrus 4,10

 

F..................l:

Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein. Jesaja 32,17

 

L..................s:

Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst. Josua 1,9

 

Gott stärke, was in Dir wachsen will!

Er schütze, was Dich lebendig macht!

Gott schenke Dir, was Du zum Leben brauchst!

So segne Dich Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

Musik

 

Fürbitte

Vater im Himmel!

Wir danken Dir für diese Jugendlichen,

die wir über ein Jahr in der Konfirmandenarbeit begleiten durften.

Wir haben miteinander spannende Gespräche geführt,

über Dich, Gott, den Glauben und die Welt.

Mit ihren guten Gedanken und Ideen haben sie auch uns bereichert.

Dank sei Dir dafür!

 

        Guter Gott!

        Eben wurden unsere Söhne konfirmiert.

        Wir freuen uns mit ihnen, dass wir diesen Tag zusammen feiern können.

        Wir hoffen: dass sie auf ihrem Lebensweg Schönes und Interessantes erfahren,

        dass ihre Träume und Wünsche sich auf sinnvolle Ziele richten.

        Schenk Du ihnen, Gott, einen Blick für das, was wichtig ist!

Gott, des Lebens!

Hilf diesen jungen Menschen, unseren Kindern, in Frieden zu leben!

Schenk ihnen Lebensfreude und Lebensglück!

Begleite sie auch in schwierigen Zeiten!

Lass Sie entdecken, wo gerade ihre Hilfe gebraucht wird!

Ihre Stärken sollen sie erkennen und zu ihren Fehlern stehen.

        Und besonders, Gott, bitten wir Dich für alle Menschen:

        für die, die schwer erkrankt sind,

        wie für die, die sich um sie sorgen und kümmern -

        für die, die vor schwierigen Aufgaben stehen,

        wie für die, denen es trotz allem gerade einfach nur gut geht,

        für die, die die Zeiten so schwernehmen,

        wie für die, die schon jetzt auf spätere Zeiten hinleben.

 

UNSER VATER im Himmel.

Geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit,

Amen.

 

Segen

Gott sei bei dir wie der Boden, der dich trägt.

Gott sei bei dir wie die Luft die du atmest.

Gott sei bei dir wie das Brot, das dich stärkt.

Gott sei bei dir wie das Wasser, das dich erfrischt.

Gott sei bei dir wie das Haus, das dich schützt.

Gott sei bei dir wie die Sonne, die den Tag hell macht.

 

Der HERR segne uns und behüte uns;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;

der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

Nachspiel

 

Die Kollekten in diesem Gottesdienst sind bestimmt:

Für die Konfirmandenarbeit in unserer Gemeinde, sowie für das Gustav Adolf Werk, das evangelische Minderheitskirchen in Europa, Lateinamerika und Asien unterstützt.

Eine weitere Kollekte ist bestimmt für die Unterstützung ausländischer Partnerkirchen bei der Erhaltung von Kirchgebäuden

 

Außerdem der Hinweis: Die angedachte Spurensuche entfällt. Das Team ist sich einig, dass es für einen solchen Gottesdienst anderer Rahmenbedingungen bedarf. Wir laden Sie darum herzlich zu den Gottesdiensten am 8. November um 9.30 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle und um 11.00 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche mit Pfarrer Seim ein.

 

Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte wieder an. Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de

 

Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!


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201031 KonfiGoDi - Glauben prägt Leben.p
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