Gottesdienst vom 25.10.2020

 

Wenn sich viele Fragen in uns regen, dann erhoffen wir uns durchaus auch Antwort aus Gottes Wort.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

der Bund und Treue hält ewiglich

und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

 

Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!

Der Prophet Micha, weiß von Gottes Wort zu sagen:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert:

nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

                                                                                                                                           Micha 6, 8

 

Das klingt so einfach, und doch müssen wir immer wieder neu klären, was uns das Wort Gottes denn heute konkret sagen und an die Hand geben will.

Und so wollen wir auch heute auf Gottes Wort hören.

 

 

Lied 166 Tut mir auf die schöne Pforte

 

 

Psalm 119, 1-8.17-18

Wohl denen, die ohne Tadel leben,

die im Gesetz des HERRN wandeln!

     Wohl denen, die sich an seine Zeugnisse halten,

     die ihn von ganzem Herzen suchen,

die auf seinen Wegen wandeln

und kein Unrecht tun.

     Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle.

     O dass mein Leben deine Gebote mit ganzem Ernst hielte.

Wenn ich schaue allein auf deine Gebote,

so werde ich nicht zuschanden.

     Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen,

     dass du mich lehrst die Ordnungen deiner Gerechtigkeit.

Deine Gebote will ich halten; verlass mich nimmermehr!

Tu wohl deinem Knecht, dass ich lebe und dein Wort halte.

     Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.

     Amen

 

 

Eingangsgebet

Gott,

Deine Worte und Gebote dienen dem Leben.

Es sind Lebensregeln, die sich im Lauf der Geschichte immer wieder bewahrheitet haben

und bewahrheiten werden.

Wenn wir Deine Regeln missachten,

dann müssen wir uns nicht wundern,

dass unser Leben nicht rund läuft.

Aber allzuoft wollen wir Menschen lieber unseren eigenen Kopf durchsetzen,

wollen selbst bestimmen, was uns gut tut, was uns nützt,

und gegebenenfalls eben anderen schadet.

Auch darum ist so viel Not in der Welt:

Streit zwischen Menschen und Völkern,

Elend in Stadtvierteln und Weltregionen,

weil viel zu viele auf Kosten anderer leben.

Dabei ist uns ja gesagt was gut ist,

und was Du von uns erwartest:

Dass wir Dein Wort beachten,

aus der uns geschenkten Liebe heraus handeln,

und uns nicht über andere,

geschweige denn über Dich erheben.

Hilf Du, Gott, dass uns das auch gelingt! Amen

 

 

Lied 677 Die Erde ist des Herrn

 

 

Predigt Markus 2,23-28

Liebe Gemeinde!

Immer diese Pharisäer! Kaum hört oder liest man von ihnen, schon gibt es Ärger, verspürt manch einer Ärger. Dabei geht es hier in der Tat um eine offene Frage: Wie gehen wir mit Regeln um, die dem Leben dienen. Genau an dieser Frage war nämlich auch den Pharisäern gelegen. Und darum sind sie neugierig auf das, was Jesus dazu sagen würde. Immerhin das, diese Neugierde, die könnten wir ja von ihnen lernen.

 

Den Pharisäern ging es zur Zeit Jesu darum, nach Möglichkeit nach Gottes Wort zu leben – und manche Christen würden das sicher auch von sich behaupten. Mit seinem Wort, so erzählt die Schöpfungsgeschichte, hatte Gott diese Welt und das Leben ja überhaupt erst geschaffen. Und seinem Volk Israel gibt Gott ja sein Wort und hält auch sein Wort: Er befreit sein Volk aus der Knechtschaft, und: Er schenkt seinem Volk am Sinai seine Worte und Regeln, andere sagen, seine Gebote für ein gelingendes Leben.

 

Zunächst und zuerst ist das also eine sehr positive Sicht auf Gottes Wort, nach dem die Pharisäer versuchen zu leben. Dabei geht es ihnen gar nicht darum, sich dadurch irgendwie einen Platz in der kommenden Welt zu sichern, wie manch einer vermutet. Denn auch die Pharisäer wissen, dass wir Menschen dazu auf Gottes Gnade und auf sein Erbarmen angewiesen sind, und: Sie wissen sehr genau, dass Gott ein gnädiger und barmherziger Gott ist, heißt es doch direkt zu Beginn dieses Zehnworts, der Zehn Gebote also:

Ich bin der HERR, Dein Gott, der ich Dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe.

 

 

Das, diese Befreiung, diese Erlösung ist doch Gnade. Und aus Dankbarkeit ihm gegenüber, und weil seine Worte ja Regeln für ein gutes gelingendes Leben sind, darum wollen sie nach Möglichkeit nach Gottes Wort leben. Wir wünschen und hoffen doch auch, dass uns unser Leben gelingt.

Eine dieser Lebensregeln heißt nun: Gedenke des Sabbattages, dass Du ihn heiligst. Sechs Tage sollst Du arbeiten und all Deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, Deines Gottes.


Da sollst Du keine Arbeit tun, auch nicht Dein Sohn, Deine Tochter ...

 

Sabbat: Keine andere der damaligen Gesellschaften kannte so etwas: einen Ruhetag. Überall um Israel herum wurde Tag für Tag gearbeitet. Der Sabbat war sozusagen Israels Alleinstellungsmerkmal.

Und für uns heute fast unvorstellbar, auch heute noch gibt es Gesellschaften, die keinen Ruhetag kennen. Wir aber wissen heutzutage zu genau, wie sehr wir diese Ruhephasen nötig haben. Einen Tag Pause, nach Möglichkeit sogar ein Wochenende – das tut Geist, Seele und Körper einfach nur gut.

Ich hatte sogar das Glück zu erleben, wie sehr sich dieser jüdische Sabbat vom christlichen Sonntag unterscheidet. Ich weiß nicht warum, aber die Sabbatruhe erscheint mir fröhlicher, entspannter, unterhaltsamer, als mancher Sonntag. Am Freitagnachmittag wird noch eingekauft. Es wird etwas Leckeres gekocht und warmgehalten. Vielleicht besucht man einen Abendgottesdienst. Und dann, dann wird lecker miteinander gegessen und geplaudert und gefeiert.

Am Samstag hört man keine Autos, keinen Bus, auch kein Radio, sondern spielende Kinder, zwitschernde Vögel, man hört die Laute der Natur, bis dann am Samstagabend mit Ende des Sabbats das Gebrause wieder losgeht, der Freund seine Freundin hupend abholt, um mit ihr in die Stadt zu fahren und das Leben zu feiern. Das, das ist der Sabbat, wie ich ihn erlebt habe – und das tut gut!

Genau so denke ich, wussten das auch die Pharisäer. Für sie war der Sabbat ein Gottesgeschenk. Danke, Gott, dafür! Aber nun war die Frage: Wo fängt die Arbeit an und wo hört sie auf? Wie können wir dieses Gottesgeschenk, diesen Sabbat am besten zur Geltung bringen und ihn feiern? Und darum fragen sie eben, als sie die Jünger Jesu Ähren ausraufen und wohl auch essen sehen: Warum tun Deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?

Denn Ährenraufen gilt sozusagen als Erntearbeit, was also strenggenommen verboten ist. Und darum gab es genau um dieses Ährenraufen zwischen den Rabbinen und Pharisäern durchaus eine Diskussion. Denn es gilt ja, nach Möglichkeit nach Gottes Wort zu leben und diese Geschenk Gottes, den Sabbat angemessen zu ehren. Darum also fragen die Pharisäer ganz offen und neugierig – so stell ich es mir zumindest vor:


  Warum tun Deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?

Sag es uns! Erklär es uns! Wir wollen von Dir lernen. Denn auch dazu war ja der Sabbat da: nach Möglichkeit auf Gottes Wort zu hören und darüber zu diskutieren.

 

Wenn die Pharisäer nicht an Jesus interessiert gewesen wären, dann wären sie wohl kaum mit ihm und seinen Freunden in die Felder gegangen.

 

Und Jesus: Er antwortet ihnen ganz offen und frei. Und als Beispiel führt er eine andere biblische Geschichte aus den Samuelbüchern an. David und seine Begleiter essen da auch und tun da etwas, was eigentlich nicht erlaubt, beziehungsweise geboten war. Die Brote, die im Tempel dargebracht wurden, waren nämlich eigentlich und ursprünglich für die Versorgung der Priester gedacht. Sie lebten sozusagen unter anderem von diesen Gaben.

Jesus weist also biblisch nach: Selbst David, der große von Gott bestimmte König, selbst David, von dem es hieß, Israel würde wieder einen solchen König bekommen, der sein Volk befreien und erlösen würde, selbst der hat einmal ein Wort, ein Gebot Gottes übertreten, und das hatte seinen guten triftigen Grund:

Ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren.

Und so, so Jesus, so wird es meinen Jüngern auch gegangen sein: Sie hatten Hunger. Und wenn jemand Hunger hat, dann soll er ruhig auch essen, auch am Sabbat, selbst wenn er dazu erst ein paar Ähren ausraufen muss. Also: Bloß keine Aufregung wegen der paar Ähren, denn:

Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbats willen.

Gottes Regeln sind dafür da, dem Leben eines jeden Menschen zu dienen. Und wenn wir uns alle an diese Regeln hielten, dann wäre diese Welt insgesamt ein sehr viel besserer Ort.

Also:

Mach mal langsam, nimm Dir Zeit Dich auszuruhn.

Mach mal langsam, sei bereit mal nix zu tun,

um ein paar Zeilen eines Liedes der wise guys zu zitieren.

 

Das werden dann sicher auch die Pharisäer beherzigt haben, die in der Regel in einem guten Kontakt mit Jesus waren. Warum das später dann anders dargestellt wurde, das steht auf einem anderen Blatte. Für heute aber können wir aus dieser Erzählung lernen, neugierig zu sein auf das, was Jesu sagt, und nach Möglichkeit zu versuchen nach Gottes Wort zu leben. Das, das könnten wir von den Pharisäern immerhin lernen.

 

 

Zwischenmusik

 

 

Fürbitte

 

Herr, unser Gott, Du Schöpfer der Welt!

Du schenkst uns Lebens- und Ruhezeit.

Dafür danken wir Dir, denn Du tust uns so gut!

      Darum bitten wir Dich:

      Hilf Du dazu, dass wir selbst achtsam mit uns und unserer Zeit umgehen!

      Hilf Du dazu, dass uns bewusst wird, welche Freiheit Du uns mit dieser Ruhezeit      

      schenkst!

Herr Jesus Christus,

Du bist mit Menschen ins Gespräch gekommen

und hast Dich jedem zugewandt.

      Darum bitten wir Dich:

      Hilf Du uns zu den richtigen Worten und Taten,

      mit denen es auch uns gelingt, Menschen zu helfen und zu heilen!

Heiliger Geist,

Du Lebenshelfer und Friedensbringer!

Du bist es, der Frieden in der Welt schaffen kann.

      Darum bitten wir Dich:

      Sorge Du dafür, dass es Verantwortlichen gelingt,

      sich immer wieder an einen Tisch zu setzen

      und neue Wege zum Frieden zu finden!

Und besonders, Gott, bitten wir Dich für all unsere Lieben:

für die, die schwer erkrankt sind, wie

für die, die sich um sie sorgen und kümmern -

für die, die vor schwierigen Aufgaben stehen, wie

für die, denen es gerade einfach nur gut geht,

für die, die die Zeiten so schwernehmen, wie

für die, die das Leben auch jetzt genießen.

 

Stille

 

UNSER VATER im Himmel.

Geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit,

Amen.

 

 

Segen

Gott öffne unser Herzen für seine uralte und doch täglich neue Botschaft.

Er öffne unsere Ohren für sein Wort, wo immer es uns sucht.

Er öffne unsere Lippen zu einem guten Wort.

Der HERR segne uns und behüte uns;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;

der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

Nachspiel

 

Die Kollekten an diesem Sonntag sind bestimmt: Für die Diakonie in unserer Gemeinde. Für das Martineum. Das Martineum ist die Gemeinschaft von fast 300 Diakoninnen und Diakonen. Und: Das Martineum, das sind die Menschen, die an der Ev. Hochschule in Bochum studieren, während die Begleitung der Ausbildung im Martineum stattfindet. Und so wurde auch unser Diakon Arne Würzbach hier ausgebildet. Wir sind froh, dass wir ihn haben.

 

Außerdem Hinweis auf die nächsten Gottesdieste:

So wie es derzeit aussieht, werden wir am 31. Oktober eine Konfirmation in der Lutherkirche Heidt feiern.

Ein Großteil der Eltern möchte jedoch die Konfirmation aufgrund der angespannten Corona-Situation aufs nächste Frühjahr verschieben. Evtl. wird es auch eine kleinere Konfirmationsfeier am 1. November in der Lichtenplatzer Kapelle geben.

So oder so: Wir wären froh, wenn Sie in dieser Zeit an unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden denken.

Außerdem der Hinweis: Die angedachte Spurensuche entfällt ebenfalls. Das Team ist sich einig, dass es für einen solchen Gottesdienst anderer Rahmenbedingungen bedarf.

Wir laden Sie darum herzlich zu den Gottesdiensten am 8. November um 9.30 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle

und um 11.00 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche mit Pfarrer Seim ein.

 

Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte wieder an. Pfr. Michael Seim,

Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de

 

Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!


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