Liebe Gemeindeglieder!

 

 

 

Die Menschheit, jeder und jede von uns ist einer lebensbedrohlichen Gefahr ausgesetzt. Was sie noch beängstigender macht, ist, dass man sie nicht sehen kann, und dass wir nicht über ein mächtiges Mittel gegen sie verfügen. So sind wir gezwungen auf Abstand zu gehen, uns voneinander zu distanzieren, obwohl wir die Nähe gerade jetzt besonders bräuchten. 

 

Wir spüren Sorge und Verunsicherung. Existenzängste brechen auf. Zahlreiche Menschen erkranken, manche von ihnen müssen sterben, Angehörige erleiden Trauer und Not.

 

Menschen in den Gesundheitsberufen arbeiten bis zur Erschöpfung. LKW-Fahrer und Verkäuferinnen setzen ihre letzten Kräfte zu unserer Versorgung ein. Politisch Verantwortliche und hochrangige Fachleute beraten rund um die Uhr über die nächsten Schritte. Und in all dem: Vereinzelung. Vor allem die Alten und Kranken fühlen sich verlassen. Deutlich wie nie spüren wir:

 

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist"(Genesis 2,18).

 

Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, von Gott so gewollt. Was wir jetzt tun müssen, widerspricht unserem Wesen, das nur zu sich selbst findet, wenn es angeschaut, geachtet und geliebt wird. Auch das ist lebensbedrohlich. 

 

 

 

Jedoch: mitten in dieser Wirklichkeit ist in vielen Menschen eine Kraft aufgebrochen, die trägt. Familien sorgen füreinander und begegnen einander neu. Einander wildfremde Menschen unterstützen andere auf vielfältige Weise. Die Telefone laufen heiß: Menschen zeigen Interesse und Anteilnahme füreinander, bestärken einander und schenken Achtung und Wohlwollen. Die sozialen Netzwerke werden zu Orten der Begegnung und Verbundenheit. Musiker spielen Lieder und Musikstücke und verbreiten sie, und Menschen finden darin Zuspruch und Trost. Menschen in den Gemeinden finden Wege zueinander - an den Sonntagen und auch alltags -, obwohl die Kirchen und Gemeindehäuser leer bleiben müssen. Es gibt zahlreiche anrührende Momente zwischen Menschen, in denen die Liebe (im biblischen Sinne) sich mächtig und tragend zeigt. Mitten in der Wirklichkeit der Bedrohung bricht sie auf und weckt Leben in Menschen.

 

 

 

Das ist eine österliche Erfahrung; eine Erfahrung, wie sie nach den Zeugnissen des Neuen Testaments die Schülerinnen und Schüler Jesu gemacht haben. Mit dem gewaltsamen Tod Jesu war ihre Welt zusammengebrochen, alle Hoffnungen zerstört, aller Lebensmut gewichen. Wie wir erlebten sie sich in ihren Grundsicherheiten erschüttert, verängstigt, ohnmächtig, allein. Eine der neutestamentlichen Ostererzählungen (Johannes 20, 19-23) beschreibt, wie sie sich hinter Mauern und verschlossenen Türen verschanzt haben - aus lauter Angst, gelähmt für das Leben. 

 

Da erfahren sie, wie die Kraft der Liebe ihre Erstarrung aufbricht und neu ins Leben ruft. Der Evangelist Johannes identifiziert diese Kraft mit Jesus selbst: ER tritt in die Mitte der Seinen, lässt Frieden in ihnen wachsen und belebt sie mit seinem Geist der Liebe. ER sendet sie, d.h.: in ihrem Leben erwacht die Liebe als Kraft und Erfüllung des Lebens und greift um sich, berührt andere und weckt das Leben überall neu, wo es verkümmert, verdorrt, verschüttet war.

 

 

 

Das feiern wir an Ostern: Gott hat Jesus aus dem Tod erweckt; Sein Geist der Liebe ist stärker als der Tod; Er wird auch unter uns immer neu wach; wir dürfen Ihn erkennen in den vielfältigen Zeichen von Güte und Wohlwollen, von Verbundenheit, Gemeinschaft und Solidarität in diesen Tagen und unter uns. In dieser Kraft brauchen wir keine Angst haben. In dieser Kraft werden wir bestehen!

 

 

 

Wir wünschen Ihnen allen gesegnete Ostern!

 

Ruth Knebel und Friederike Slupina-Beck (Evangelische Gemeinde Ronsdorf)

 

Anne Simon (Freie Ev. Gemeinde Ronsdorf)

 

Dr. Jochen Denker, (Ev.-reformierte Gemeinde Ronsdorf)

 

Cordula Krause und Gerd Stratmann (Katholische Gemeinde Ronsdorf)

 

Michael Seim (Evangelische Gemeinde Unterbarmen Süd)

 


Download
200411ökum Ostergruß 2020.pdf
Adobe Acrobat Dokument 13.2 KB