Liebe Gemeinde!
Immer noch hat das Corona-Virus unser Leben
fest im Griff - nicht nur das Virus selbst, sondern
besonders die Angst - die Angst vor dem Virus,
die Angst vor dem, was alles auf uns zu kommt,
was sich vielleicht in unserem Leben alles verändert,
Angst vor so vielem mehr…
Daher soll es heute genau darum gehen - um
Angst, aber auch um Vertrauen.
Beginnen möchte ich mit dem Gedicht einer unbekannten
Autorin, das ich beim Stöbern im Internet
fand:

 


Angst frisst sich in meine Seele,
verschnürt mir mehr und mehr die Kehle.
Sie beißt sich vom Bauch bis in die Brust,
raubt mir nach und nach die Lebenslust.
Schleicht sich ein, heimlich, still und leise,
nach und nach gefriert mein Herz zu Eise.
Die Angst lähmt und spinnt mich ein,
nach und nach in ein Netz aus Fäden fein.
Woher sie kommt, kann ich nicht erklären,
ich versuch mich immer mehr zu wehren.
werde ich sie eines Tages besiegen?
Oder werde ich ihr nach und nach erliegen?

 

„In der Welt habt Ihr Angst“. so steht es schon in
der Bibel, und wer könnte von sich sagen, daß er
keine Angst kenne?
Schon ganz kleine Kinder wissen, was Angst ist,
wenn sie sich im Dunklen fürchten oder wenn die
Mutter plötzlich nicht mehr zu sehen ist.
Doch auch wir „Großen“ kennen das Gefühl.
Furcht vor konkreten Bedrohungen und Situationen,
aber auch die „große“ ungerichtete Angst,
wenn wir gar nicht so richtig wissen warum, die
Angst uns aber dennoch im Nacken sitzt, uns fest
in ihrem Griff hat - so wie die unbekannte Dichterin
es beschrieben hat.
Gründe sich zu fürchten gibt es genug: Angst vor
dem großen Hund des Nachbarn, der einem jeden
Morgen auf dem Schulweg entgegen kommt;
Angst vor den oft grausamen Hänseleien der
Klassenkameraden; Angst nach dem Schulabschluß
keine Arbeitsstelle zu finden oder die
Angst davor, daß die Arbeitsstelle, die man hat
wegrationalisiert wird.
Angst vor der nächsten Kontrolluntersuchung
nach einer hoffentlich überstandenen Krebserkrankung;
und ganz aktuell die Angst vor der neuen
und für viele gefährlichen Viruserkrankung.

 

Und besonders auch die Angst davor, alt zu werden,
krank, gebrechlich. Wie ist das mit dem
Sterben? Angst vor dem Tod.
Jeder kennt es, weiß, wie es sich anfühlt, wenn
wir plötzlich erschrecken oder auch über längere
Zeit in Angst sind. Dieses Gefühl beherrscht uns
ganz und gar, läßt keinen Raum mehr für anderes
- wir sind in Angst - und sonst nichts mehr.
Das Herz klopft bis zum Hals, es wird uns heiß
und kalt zugleich, wir zittern, die Stimme versagt…
nichts geht mehr.
Dabei ist Angst zunächst einmal ein nützliches
Gefühl, sie schärft unsere Aufmerksamkeit
für Gefahren und schützt uns so - auch davor unnötige
Risiken einzugehen.
Oft aber stehen wir hilflos, wie gelähmt, vor unserer
Angst; wenn wir nichts Konkretes tun können,
um die Gefahr abzuwenden.
Was dann?


Heute sprechen wir von einer Angsterkrankung,
wenn die Angst unangemessen groß ist oder sich
verselbständigt hat .
Viele, viele Menschen leiden unter Panikattacken,
sozialen Phobien (d.h. sie trauen sich nicht unter
Menschen, haben Angst sich in Gruppen zu begeben,
geschweige denn vor anderen Menschenzu sprechen o.ä.)

oder einer generalisierten Angst
- ungerichtet und umso erschreckender und bedrohlicher.


Wir wissen, daß es viele Menschen betrifft. Aber
können wir deshalb leichter zugeben, daß auch
wir, jeder von uns, Angst haben?
Davor haben die meisten nämlich auch Angst, leben
wir doch in einer Welt der Starken und Schönen,
der Coolen. Einem Angsthasen traut man
doch nichts zu, oder?
Also verstecken wir all unsere Ängste tief drinnen
in uns, bleiben alleine mit ihnen.


Kinder weinen, wenn sie Angst haben - und wenn
alles gut läuft, so ist jemand da, der kommt, der
sie in den Arm nimmt. Manchmal beschützt,
manchmal tröstet und oft einfach nur da ist. Dann
ist die Angst plötzlich nicht mehr so groß.


Egal, ob das Kleine überzeugt werden kann, daß
da kein Ungeheuer im dunklen Schrank sitzt, oder
ob die Dunkelheit weniger schlimm ist, weil es
sich auf dem Arm eines geliebten Menschen sicher
fühlt - da ist spürbare und erfahrbare Liebe,
die Sicherheit gibt, die die Angst klein und unbedeutend
werden lässt. In dieser Liebe aufgehoben
zu sein, gibt Kindern den Mut die Welt weiter zu
erkunden, ihre Dunkelheiten und Ungeheuer weiter
zu bekämpfen.

 

Was ist das Gegenteil von Angst?


Vertrauen


Vertrauen, daß da jemand ist, der beschützt,
dem das Böse nichts anhaben kann,
der einfach da ist.


„In der Welt habt Ihr Angst, aber seid getrost, ich
habe die Welt überwunden.“, sagt Jesus.


Auch wir sind Kinder, auch wir brauchen die Sicherheit
und die Geborgenheit, die wir finden in
der Liebe Gottes.
Für uns kann das Gegenteil von Angst nur eines
sein, in einer beängstigenden Welt, in der die
„Dunkelheit“ und das Böse uns überall bedroht:


Gottvertrauen


Das heißt nicht, daß mit ein paar „göttlichen Streicheleinheiten“
alles wieder gut ist.
Aber so wie ein Kind, das sich weh getan hat,
Trost findet, so dürfen auch wir vertrauen auf Gottes
Nähe, wo auch immer wir sind.
So wie es auch der Dichter und Pfarrer Gerhard
Engelsberger sagt:

 

 

Angst (von Gerhard Engelsberger)
Angst macht klein.
Angst macht die Wege eng.
Die Gedanken springen.
Das Herz jagt.
Menschen leben in Angst.
Menschen sterben vor Angst.
Sind wie tot - mitten im Leben.


Du bist Gott und liebst das Leben.
Du bist Gott und nimmst die Angst.
Du bist Gott und machst die Kleinen groß.
Du bist Gott und ermutigst zum offenen Wort.
Du bist Gott und kein anderer.


Du weitest den Blick,
entkrampfst jedes Gespräch,
würdigst die am Rand
und trägst nicht das Geringste nach.
Dafür steht und lebt
Jesus.
Wir sagen, er sei Dein Sohn.
Wir glauben, er sei auferstanden aus jedem Tod.
Wir hoffen, er sei unser Leben.
Das nimmt uns alle Angst.
Amen.

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Andacht im Raum der Stille, 8.4.20.pdf
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