Gottesdienst vom 06.09.2020

 

 

Manchmal fragen auch wir uns, wo Gott ist. Wir erhoffen uns Antworten auf unsere vielen Fragen. So kommen wir hierher und feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

der Bund und Treue hält ewiglich

und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

 

Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!

Die Nachrichten der letzten Tage haben viele von uns sicherlich erschrocken und sprachlos gemacht. Da fragt sich manch einer sicher, wo denn Gott in all dem Geschehen ist. Die biblischen Zeugnisse machen dabei immer wieder deutlich, dass diese Frage auch an uns gestellt wird: Wo sind wir selbst in all der Not? Und der Wochenspruch für die neue Woche gibt uns da einen Hinweis, wo Jesus selbst hofft, wo wir zu finden sind. Da heißt es:

 

Christus spricht:

Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Mt 25,40b

 

So wünsche ich uns einen gesegneten Gottesdienst.

 

Lied eg 412,1-2+4So jemand spricht:

 

Psalm 112

Halleluja! Wohl dem, der den Herrn fürchtet,

der große Freude hat an seinen Geboten.

Sein Geschlecht wird gewaltig sein im Lande;

die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.

Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein,

und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis

von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten.

Wohl dem der barmherzig ist und gerne leiht

und das Seine tut, wie es recht ist.

Denn er wird ewiglich bleiben;

der Gerechte wird nimmermehr vergessen.

Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht;

sein Herz hofft unverzagt auf den Herrn.

Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht,

bis er auf seine Feinde herabsieht.

Er streut aus und gibt den Armen;

seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

Seine Kraft wird hoch in Ehren stehen. Amen

 

Eingangsgebet

Du, unser Gott, auf den wir hoffen!

Diese Gewissheit des Beters Israels hätten wir auch gerne,

dass er sich so sicher ist,

sich nicht vor schlimmer Kunde zu fürchten.

Dabei geschehen so schreckliche Dinge in Deiner – in unserer Welt,

und dann sind wir uns so unsicher,

worauf wir denn noch hoffen,

und auf wen wir uns denn noch verlassen können.

Da tut es gut zu hören, dass Du nicht von unserer Seite weichen willst!

Da tut es gut zu hören, dass Du uns Deinen Frieden schenken willst!

Gerade in so unfriedlichen Zeiten tut es gut zu hören,

worauf wir uns bei Dir verlassen können,

und worauf wir mit Dir hoffen können für diese Deine – unsere Welt. Amen

 

Lied eg 666,1-4 Selig seid Ihr

 

Predigt Apg 6,1-7

Liebe Gemeinde!

 

Als Pfarrer einer Gemeinde wird man von andern Gemeindegliedern gern schon mal als „Chef“ angesprochen.

Wer mich aber etwas näher kennt, der weiß sehr genau, dass ich nicht viel davon halte, - denn wir sind evangelisch.

Und seit Martin Luther hat das „Priestertum aller Gläubigen“ wieder Einzug in die Kirche gehalten. Wie das von Anfang an gedacht war, davon erzählt uns Lukas in der Apostelgeschichte so:


    In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren gegen die griechischen Juden in der   

    Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.

Es gibt also Streit in der ersten Gemeinde! Wer hätte das gedacht?! Und es gibt einen massiven Konflikt zwischen den griechischen und den hebräischen Judenchristen in der Gemeinde, weil eine Gruppe, eben die griechischen Witwen, offenbar übersehen werden; sie werden nicht versorgt.

Aus diesen wenigen Informationen erfahren wir: Es gibt die einheimischen, also die hebräischen Judenchristen, die von klein auf in Jerusalem groß geworden sind und hier auch zum Glauben an diesen Jesus Christus gekommen sind. Daneben gibt es griechischen Judenchristen, unter ihnen eine Anzahl von Witwen. Wahrscheinlich sind damit ursprünglich Juden aus der Diaspora gemeint, die nach Jerusalem gezogen sind. Hier wollte man als gläubiger Jude wohl in der Nähe des Tempels seinen Lebensabend verbringen; und auch sie sind hier zum Glauben an diesen Jesus Christus Auf der einen Seite haben wir also die Einheimischen und auf der anderen die Hinzugezogenen. Das war und ist nicht nur damals in den verschiedensten Orten Grund für einen Konflikt, zumal Jerusalem damals eher einer überschaubaren Kleinstadt glich.

Weiter erfahren wir, dass es so etwas wie eine tägliche Versorgung gab. Man kümmerte sich also um seine Gemeindeglieder und teilte in den Hausgemeinden das, was man hatte und auf den Tisch kam. So sollte jede und jeder genug zu essen und zu trinken haben. Aber offenbar wurden dabei die griechischen Witwen übersehen oder vergessen. Einheimische und Hinzugezogene bleiben schon mal gern unter sich – auch weil es Sprachbarrieren gab. So wusste man vielleicht einfach nicht genau, wer alles die tägliche Hilfe und Unterstützung nötig hatte. Und so hören wir heute noch das Grummeln und Murren: ‚Typisch: Die denken nur an sich!‘ – ‚Unverschämt, einfach unsere Witwen zu übersehen!‘ – ‚Das müssen wir uns nun wirklich nicht bieten lassen!‘ – ‚Ja, ja! Fromm von Nächstenliebe reden, aber wenn’s drauf ankommt …‘

Es kommt also zum Konflikt. Das Problem ist offenbar. Und dann lesen wir bei Lukas weiter:

 

   Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes    

   vernachlässigen und zu Tische dienen.

   Darum, liebe Brüder, seht Euch um nach sieben Männern in Eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und

   Wahrheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des

   Wortes bleiben.

 

Der Konflikt liegt also offen auf dem Tisch, und die Zwölf nehmen sich des Problems an. Dabei handeln sie frei nach dem Motto: ‚Probleme sind dafür da, gelöst zu werden‘. Sie wirken dabei gar nicht verschnupft, wie viele andere Menschen in leitender Position. Nein, die Zwölf wirken durchaus souverän. Sie kennen ihre Kompetenzen und wissen genau, was ihre Aufgaben sind: Sie haben sich um das Wort Gottes und um das Gebet zu kümmern. Und wenn weitere Aufgaben auftauchen - wie das in einer Gemeinde auch heute noch so üblich ist - dann müssen die entsprechend begabten Menschen gesucht und gefunden werden.

So werden sie sich beraten haben, sind gemeinsam zu einem Vorschlag gekommen und berufen eine Gemeindeversammlung ein, der sie ganz offen und transparent sagen: ‚Wir haben ein Problem! Das Gebet und das Wort Gottes sind bisher unsere Aufgaben. Nun zeigt sich eine neue Aufgabe, die jenseits unserer Kompetenzen liegt. Darum: Sucht die entsprechend befähigten Menschen, die diese Aufgabe wahrnehmen können. Denen wollen wir diesen Dienst übertragen.‘ Und dann lesen wir bei Lukas weiter:

 

   Die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes,

   und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia.

   Diese stellten sie vor die Apostel, die beteten und legten ihnen die Hände auf.

 

Die Gemeinde ist also zufrieden mit diesem Vorschlag, und sieht die Möglichkeit, dass so das Problem und der Konflikt gelöst werden kann. Vor allem aber werden sie selbst in die Lösung des Problems mit eingebunden. Gerade hierin zeigt sich schon etwas von dem ‚Priestertum aller Gläubigen‘. Konkret heißt das: Hier wird nicht von oben her entschieden, wie es aktuell wieder in der katholischen Kirche geschieht, sondern hier wird ein konkreter Vorschlag gemacht, den man auch ablehnen oder verändern könnte. Heute zum Beispiel wäre es ein Unding, nur nach sieben Männer und nicht auch nach sieben Frauen zu suchen. Aber damals hat daran offensichtlich kaum einer gedacht.

Hier aber werden eben die gesuchten und gefundenen sieben Männer in ihren Dienst eingeführt und der Konflikt ist gelöst. Verantwortung und Aufgaben werden klar aufgeteilt, und jeder wird dabei mit seinen Gaben wahr- und ernstgenommen.Das ist auch ein Zeichen für ein gelebtes ‚Priestertum aller Gläubigen‘, …

…und so gibt es etwa auch in unserer Gemeinde Menschen mit unterschiedlichen Gaben und Aufgaben, und es gibt nicht den einen ‚Chef‘ in unserer Gemeinde, der alles zu sagen hat, (schon gar nicht der Pfarrer ;-) Hier gibt es Presbyterinnen und Presbyter, die über die Angelegenheiten der Gemeinde beraten und entscheiden. Und dann gibt es so viele Mitarbeitende in den verschiedensten Bereichen, die sich für ihre Gemeinde engagieren und diese gestalten. Nein, den einen ‚Chef‘, den gibt es bei uns nicht. Einen ‚Chef‘ gibt es nur, wenn wir sagen: Gott selbst ist unser Chef, und der ist es, der die Geschicke und die Geschichte unserer Gemeinde lenkt und leitet.

 

Lukas selbst aber kann nun nach der Lösung des Konfliktes seine Vision von Gemeinde weiter bunt ausmalen, wenn er weiter schreibt:

   Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele

   Priester dem Glauben gehorsam.

Auch hier zum Abschluss kann noch einmal etwas vom ‚Priestertum aller Gläubigen‘ deutlich werden, denn ‚auch viele Priester‘ gliedern sich in die Gemeinde Jesu Christi ein.

Das heißt: Diese Priester werden auch weiterhin ihren besonderen Dienst im Tempel versehen. Noch hat sich das Christentum vom Judentum nicht getrennt, sondern ist sozusagen noch eine Gruppe in dem breiten Strom jüdischen Glaubens. Und der Dienst der Priester bestand darin, im Tempel die Opfer der Menschen entgegen zu nehmen und auf die ganze Gemeinde Israels den Segen Gottes zu legen.

So waren sie besondere Mittler zwischen Gott und den Menschen.

Hier aber in der christlichen Gemeinde sind sie auf der gleichen Stufe mit anderen und bringen so auch sich hier mit ihren Gaben ein. Denn der besondere Chef, das kann nur der EINE sein. Und wenn wir ihm folgen und auf sein Wort hören, unseren Nächsten dienen und unsere Gaben einbringen – dann, dann können auch wir eine bunte lebendige Gemeinde sein, wie Lukas sie schon vor 2000 Jahren beschreibt.


Zwischenmusik

 

Fürbitte

Gott!

All Deine Gaben, werden uns zu Aufgaben.

Hilf uns dazu, uns damit einzubringen in diese Welt!

In Deiner Kirche, Gott, soll ein anderer Geist wehen.

Hier soll es kein oben und unten,

kein wichtiger oder unbedeutender geben.

Jede und jeder ist hier willkommen.

Jeder und jede kann sich hier einbringen.

Darum, Gott, hilf uns offen für alle zu sein.

Gott!

All Deine Gaben, werden uns zu Aufgaben.

Hilf uns dazu, uns damit einzubringen in diese Welt!

In dieser Welt, Gott, schenkst Du uns Begegnungen mit Menschen,

die uns inspirieren und bereichern,

oder die unsere Unterstützung und Hilfe nötig haben.

Da ist ein Geben und Nehmen, ein Bitten und Danken.

Darum, Gott, lass uns die wahrnehmen,

die gerade unsere Hilfe und Nähe brauchen.

Gott!

All Deine Gaben, werden uns zu Aufgaben.

Hilf uns dazu, uns damit einzubringen in diese Welt!

In dieser Welt, Gott, scheint derzeit manches drunter und drüber zu gehen.

Alte Konflikte brechen neu auf

oder neue werden von alten Mustern geprägt.

Darum, Gott, lass Du bitte Deinen Geist wehen,

damit man sich gemeinsam an runde Tische setzt

und sich in Frieden verständigt.

Gott!

All Deine Gaben, werden uns zu Aufgaben.

Hilf uns dazu, uns damit einzubringen in diese Welt!

Die Nachricht aus Solingen, Gott, hat uns erschrocken und erschüttert.

Sprachlos verstehen wir nicht, wie Menschen so in Not geraten können.

Darum, Gott, bitten wir Dich für so viele Familien:

Ebne Du Wege, damit Nöte geäußert, gesehen und behoben werden,

und nimm Dich besonders der Kinder an:

Wir halten einen Moment der Stille:

- - -

 

Gemeinsam beten wir

UNSER VATER im Himmel.

Geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit,

Amen.

 

Segen

 

Gott segne Dich!

Mögest Du erfahren, dass er Dich findet,

wenn Du dich selbst aufgegeben hast.

Mögest Du erfahren, dass er nach Dir sucht,

wenn Du ganz grau geworden bist.

Mögest Du seine heilende Hand spüren,

wenn Du neue Kraft brauchst.

Der HERR segne uns und behüte uns;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig;

der HERR erhebe sein Angesicht über uns

und gebe uns Frieden.

Amen

 

Nachspiel

 

Die Kollekten an diesem Sonntag sind bestimmt:

Für die Diakonie in unserer Gemeinde. Hierdurch wird auch die Arbeit unseres Besuchsdienstes finanziert.

 

Für die Bergische Diakonie Aprath, die für sozialtherapeutische Wohngruppen ein Zwergziegengehege plant. Die Kollekte soll z.B. für Arbeitskleidung, Werkzeuge oder auch Pflegematerialien verwandt werden.

 

Außerdem erreicht uns folgende Bitte:

Eine Studentin der Bergischen Universität sucht für ihre Masterarbeit ältere Gesprächspartner ab 75 Jahren, die ihr in einem Interview Rede und Antwort stehen. Thema: Die Relevanz des christlichen Glaubens für ihr Leben.

 

Und nun: Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am Sonntag dem 13. September um 9.30 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle (aufgrund der Baustelle dort also zur frühen Zeit), und um 11.00 Uhr (zur späteren Zeit) im Gemeindezentrum Petruskirche, jeweils mit Prädikant Rainer Strauß

 

Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte wieder an. Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de

 

Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!


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