Gottesdienst vom 16.08.2020 – 10. Sonntag nach Trinitatis


Gott hat zunächst sein Volk Israel und dann in Jesus Christus auch uns
gerufen – und darum sind wir hier und feiern diesen Gottesdienst im Namen
des dreieinen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich
und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

 

Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!

Heute am Israelsonntag erinnern wir uns daran, wie und wen Gott zu seinem
Dienst beruft und erwählt. Und so weiß ein Psalmbeter im Wochenspruch der
beginnenden Woche zu sagen:
    Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist,
    dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!
                                                                      Ps 33,12

 


So wünsche ich uns allen einen gesegneten Gottesdienst.


LIED 302,1+2+8 (eg) Du meine Seele singe


https://www.youtube.com/watch?v=flRJcyNh-WM


PSALM 122
Ach, wie freue ich mich über den Ruf:
„Lasst uns ziehen zum Hause des HERRN!“
Nun sind wir da,
haben Jerusalems Stadttor durchschritten.
    Jerusalem,
    Stadt der Verbundenheit,
    Zusammenkunft von Gottes Volk,
    Ort des Gotteslobs.
Ja, hier wird der Name des HERRN gepriesen!
Stadt der Verbundenheit,
aber auch der Gegensätze
und Konflikte.
    Geplagt von Unruhe und Streitigkeiten.
    Wünscht Jerusalem Frieden!

    Wünscht Jerusalem Shalom!
Um Gottes willen,
um unserer Geschwister willen,
um unser eigen willen,
wollen wir Frieden für alle.
Hevenu Shalom Alechem.
   Hevenu Shalom Alechem.
Amen.

 


EINGANGSGEBET
Himmlischer Vater,
wir danken dir für unsere Gemeinschaft und die Möglichkeit,
heute hier Gottesdienst feiern zu können.
Wir kommen zu dir,
um deinen Segen zu empfangen
und um dein erleuchtendes Wort zu hören.


Wir bitten dich:
Nimm uns so an, wie wir jetzt sind,
mit dem, was uns auf dem Herzen liegt,
mit dem, was uns umtreibt.
Du kennst unsere Sorgen und Nöte,
du kennst unsere Fehler und Macken.
Hilf uns, das loszulassen, was uns von dir trennt.
Hilf uns, durch deinen Geist, zu dir zu finden.


Barmherziger Gott,
ich danke dir, dass wir uns deine Kinder nennen dürfen.
Du hast uns erwählt durch deinen Sohn
und unseren Bruder und Herrn Jesus Christus.
Du hast das Volk Israel durch den Bund mit Abraham
zu deinem Volk erwählt.
Der Bund hat bestand bis zum heutigen Tag.
Viel mussten unsere jüdischen Geschwister erleiden,
doch Israel lebt.
Hilf uns, füreinander da zu sein,
dass deine Barmherzigkeit auch in unserem Miteinander spürbar wird.
Hevenu Shalom Alechem.
Amen

 

 

 

LIED 268,1-3(eg) Strahlen brechen viele
https://www.youtube.com/watch?v=HSjn1GAO8IQ


PREDIGT Röm 11,25-32


25 Damit ihr das nicht falsch versteht und auf die Juden herabseht, liebe
Brüder und Schwestern, möchte ich euch ein Geheimnis anvertrauen:
Ein Teil des jüdischen Volkes ist verhärtet und verschlossen für die
rettende Botschaft. Aber das wird nur so lange dauern, bis die volle
Anzahl von Menschen aus den anderen Völkern den Weg zu Christus
gefunden hat.
26 Wenn das geschehen ist, wird ganz Israel gerettet, so wie es in der
Heiligen Schrift heißt: »Aus Zion wird der Retter kommen. Er wird die
Nachkommen Jakobs von ihrer Gottlosigkeit befreien.
27 Und das ist der Bund, den ich, der Herr, mit ihnen schließe: Ich werde
ihnen ihre Sünden vergeben.«
28 Indem sie die rettende Botschaft ablehnen, sind viele Juden zu Feinden
Gottes geworden. Aber gerade dadurch wurde für euch der Weg zu
Christus frei. Doch Gott hält seine Zusagen, und weil er ihre Vorfahren
erwählt hat, bleiben sie sein geliebtes Volk.
29 Denn Gott fordert weder seine Gaben zurück, noch widerruft er die
Zusage, dass er jemanden auserwählt hat.
30 Früher habt ihr Gott nicht gehorcht. Aber weil die Juden Christus
ablehnten, hat Gott euch seine Barmherzigkeit erfahren lassen.
31 Jetzt wollen die Juden nicht glauben, dass Gott durch Christus mit
jedem Menschen barmherzig ist, obwohl sie es doch an euch sehen.
Aber auch sie sollen schließlich Gottes Barmherzigkeit erfahren.
32 Denn Gott hat alle Menschen ihrem Unglauben überlassen, weil er allen
seine Barmherzigkeit schenken will.


Liebe Gemeinde,
am 9. Oktober 2019 erschütterte mich und wahrscheinlich auch viele andere
eine Nachricht aus den Medien. Ein Rechtsextremist versuchte an dem
jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Blutbad in einer Synagoge anzurichten.
Gott sei Dank hielt die Tür der Synagoge den Attentäter auf. Trotzdem und
leider fielen an diesem Tag zwei andere Personen in unmittelbarer Nähe zur
Synagoge dem Täter zum Opfer.
Was verleitet Menschen zu solchen Handlungen? Woher kommt dieser Hass
auf Juden?

 

Eine andere Situation einige Jahre früher: Ich machte mit der Schule einen
Schulausflug nach Antwerpen. Wir wollten eine Synagoge besuchen. Als der
Bus hielt wurden wir vom Bus zur Synagoge durch einen Mann mit
Maschinenpistole begleitet. Ein erschreckendes und beklemmendes Gefühl.
Wieso ist so etwas nötig? Ist das nicht ein Armutszeugnis für unsere
Gesellschaft?


Mir ist dieser Hass unbegreiflich. Aber Judenfeindschaft reicht schon lange
zurück. Gut möglich, dass sie ihren Ausgangspunkt tatsächlich in Rom hatte,
als die dortige christliche Gemeinde sich vom Judentum ablöste. Dieser
Ablösungsprozess schien nicht ganz einfach gewesen zu sein. Paulus geht
deswegen im Brief an die Gemeinde auf das Verhältnis zwischen Christen
und Juden ein.
Der Glaube oder auch Irrglaube, dass Gott sein Volk, das Volk Israel
verworfen habe, schien damals groß gewesen zu sein. Viele Christen
dachten, dass an seine Stelle nun das Christentum als „wahres Israel“
getreten sei. Den Juden wurde vorgeworfen, dass sie Jesus, den Messias,
ermordet hätten und somit sahen viele sie als Feinde des Christentums an.
Dieser Vorwurf und Irrglaube hat so manches Unheil gebracht, auch oder
gerade in jüngerer.


Das Christentum ist das neue wahre Israel?
Paulus widerspricht dem vehement. Er bricht die Lanze für das jüdische Volk.
Paulus schreibt, er möchte der Gemeinde ein Geheimnis anvertrauen. Das
Wort „Geheimnis“ könnte oder sollte man aber vielleicht eher mit „Mysterium“
übersetzen. Paulus möchte der Gemeinde etwas anvertrauen. Er kann es
selber nicht bis ins letzte erklären, aber er ist gewiss, dass es sich
folgendermaßen verhält:
Also: Wie ist die Rolle der Juden in Bezug auf Jesu Kreuzigung und
Auferstehung zu sehen?
Paulus erklärt es sich so: Gott hat sein Volk keineswegs verworfen. Der
Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hat, hat weiterhin bestand und wird
niemals enden! Israel ist das von Gott erwählte Volk.
Aber trotzdem haben einige Juden Jesus nicht als den Christus, als den
Gesalbten, erkannt. Ihre Rettung ist ihnen trotzdem gewiss, aus Gnade, so
Paulus. Eben genauso, wie auch wir Gottes Rettung durch Jesus erfahren
haben, eben auch aus Gnade.

 

Woran macht Paulus dies fest? Ich glaube er macht dies an seinen eigenen
Erfahrungen fest. Er selbst ist Jude. Er selbst hat Christen verfolgt und
versucht, sie für ihren Glauben an Jesus hinter Gitter zu bringen. Und
trotzdem erfährt er Gottes Barmherzigkeit am eigenen Leib, als ihm Jesus
begegnet und Paulus Jesus als den Gesalbten erkennt.
Ja, Gott hat sein Volk nicht aufgegeben. Genauso wie Paulus werden auch
sie Gottes Barmherzigkeit erfahren.
Und genauso erfahren auch wir tagtäglich Gottes Barmherzigkeit. Wie Paulus
sagt: Auch ihr habt nicht auf Gott gehört und trotzdem habt ihr seine
Barmherzigkeit erfahren!
Ja, ich glaube so geht es uns auch heute noch. Ich zumindest habe oft das
Gefühl, auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen zu sein.


Seht nicht auf die Israeliten herab, sagt Paulus. Und er hat recht. Auch wenn
es uns nicht immer so bewusst ist: Unser Glaube hat jüdischen Ursprung.
Jesus war Jude. Wir leben aus den Verheißungen, den prophetischen Worte,
den Segensworten Gottes, die er seinem Volk gab. Und das wichtigste: Wir
haben ein und denselben Gott.
Es ist also wichtig das Gemeinsame wieder zu entdecken, Beziehung zu
leben. Denn durch Jesus sind auch sie unsere Geschwister vor Gott.
„Strahlen brechen viele aus einem Licht.“ So haben wir vorhin den Liedtext
gelesen. Glaube an Gott zeigt sich in verschiedenen Weisen. Gott bietet uns
Menschen mehrere Wege an, zu ihm zu finden. Der Weg ist dabei nicht
immer das entscheidende, aber leider häufig das, was uns voneinander
scheidet. Was wirklich zählt ist das Ziel.


Vor knapp drei Wochen ist in der Synagoge in Halle eine neue Tür eingebaut
worden. Die neue Tür bietet der jüdischen Gemeinde Schutz.
Aber die Tür lädt auch ein zum Anklopfen, zum Hereingehen. So kann diese
neue Tür auch für eine neue Art der Beziehung, des Miteinanders stehen.
Das ist der Sinn des Israelsonntags, dass wir an dem Verhältnis zwischen
Judentum und Christentum arbeiten, Wege des Aufeinander-Zugehens und
Füreinander-Da-Seins finden.
„Wir sind eins durch ihn“.
Amen.


MUSIKMEDITATION

 

FÜRBITTE
Herr, unser Gott,
wir danken dir für deine Verheißungen.
Du hast deinem Volk Schutz
und Gedeihen zugesagt.
Du hast ihm geboten,
dich in der Not anzurufen.
   Du willst es retten,
   und es soll dich preisen.
   Du hast mit ihm durch Abraham und Mose
   einen Bund geschlossen,
   der ewig währen soll.
Wir bitten dich,
erneuere in diesem Sinne unsere Achtung
vor dem jüdischen Volk
und unsere Aufmerksamkeit auf seine Tradition.
   Wir gedenken des großen Leides,
   das unser Volk über die Juden gebracht hat.
   Wir bitten dich,
   lass unser Volk umkehren
   zu Frieden und Verständigung.
Fördere in uns die Kraft der Versöhnung.
Und erneuere die Hoffnung,
dass wir mit dem jüdischen Volk einig werden können
in der Verehrung deines heiligen Namens
und in dem Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt.
   Darum bitten wir um Jesu willen.
   Lass jede Form von Hass auf Juden in uns ersterben!
   Lass uns deinen Augapfel nicht antasten!
   Wir wissen und glauben.
   Deine Geduld ist unser Leben.1)
Herr, unser Gott,
in Anbetracht wieder zunehmender Corona-Infektionen
bitten wir um dein Heil für diese Welt
und einen verständnisvollen und rücksichtsvollen
Umgang der Menschen untereinander.

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1) Ruppel, Wilkens (2020): Am Israel-Sonntag predigen. In: Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (2020): Israelsonntag 2020, S. 10f.

 

Voll Vertrauen legen wir alle weiteren Bitten, Sorgen und allen Dank in die
Worte, die uns Jesus Christus gelehrt hat:


UNSER VATER im Himmel.
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit,
Amen.


SEGEN
Gott, Deinen Segen erbitten wir.
Gemeinsam sprechen wir:
Der HERR segne uns und behüte uns;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;
der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.
Amen


NACHSPIEL


BEKANNTMACHUNGEN
Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am Sonntag dem 23. August:
Der geplante Jugendgottesdienst entfällt. Deshalb findet um 9.30h der
Gottesdienst in der Lichtenplatzer Kapelle und um 11h im Gemeindezentrum
Petruskirche mit Pfarrer Clauß statt.
Auch dann gelten die gewohnten Hygieneregeln wie Maske tragen

– auf Abstand bleiben und Hände desinfizieren.


Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte wieder an:
Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de
Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!

 


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