Gottesdienst vom 9.08.2020

 

 

 

Manches in dieser Welt erschreckt uns; anderes erfreut uns. Und mit all dem, was uns bewegt und erfüllt kommen wir und feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,

 

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,

 

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

der Bund und Treue hält ewiglich

 

und nicht loslässt das Werk seiner Hände."

 

 

 

Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!

 

Dass Gott nicht loslässt das Werk seiner Hände, das ist immer wieder von neuem unsere Hoffnung in diesen Zeiten. Wir erwarten etwas von Gott. Wir erwarten viel. Aber der Wochenspruch der heute beginnenden Woche macht auch deutlich, dass Gott etwas von uns selbst erwartet. Da heißt es bei Lukas:

 

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen;

 

und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.

 

Lk 12,48

 

Dazu werden wir heute sicherlich noch mehr hören oder lesen. Und so wünsche ich uns einen gesegneten Gottesdienst.

 

 

 

Lied  eg 452,1-2+5       Er weckt mich alle Morgen           https://youtu.be/hdu114iImQ0

 

 

 

Psalm 63 (eg 729, S. 1160))

 

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

 

Es dürstet meine Seele nach dir,

 

mein Leib verlangt nach dir

 

aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

 

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

 

wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

 

Denn deine Güte ist besser als Leben;

 

meine Lippen preisen dich.

 

So will ich dich loben mein Leben lang

 

und meine Hände in deinem Namen aufheben.

 

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

 

wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

 

wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,

 

wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

 

Denn du bist mein Helfer,

 

und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

 

Meine Seele hängt an dir;

 

deine rechte Hand hält mich. Amen

 

 

 

Eingangsgebet

 

So, wie dieser Beter/diese Beterin Israels,

 

so sehen auch wir uns in diesen Tagen nach Dir, Gott.

 

Die Nachrichten aus aller Welt beunruhigen uns.

 

Da war diese schwere Explosion im Hafen von Beirut

 

mit vielen Toten und noch mehr Verletzten

 

Wie konnte das nur passieren?

 

Da sind die täglich neuen Zahlen Infizierter.

 

Wann können wir endlich wieder sicher leben und uns begegnen?

 

Da erleben wir immer wieder Politiker,

 

die mit aller Macht an der Macht bleiben wollen.

 

Wie nur kann ihnen Einhalt geboten werden?

 

Und in all dem fragen wir uns auch immer wieder

 

nach Deiner Macht und Deinen Möglichkeiten.

 

Ja, Gott, in all dem, was uns belastet,

 

in all dem, wo wir noch so viele Frage haben,

 

wollen wir auf Dich und Dein Wort vertrauen

 

und hören, was Du uns zu sagen hast!

 

Öffne Du uns darum unsere Herzen und Ohren für Dein Wort. Amen

 

 

 

Lied 352,1-4       Alles ist an Gottes Segen                      https://youtu.be/s8W7AJfkw1Y

 

 

 

Predigt Jeremia 1,4-10

 

Und des Herrn Wort geschah zu mir:

 

Ich weiß um dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete,

 

und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest,

 

und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

 

Ich aber sprach:

 

Ach, Herr Herr, ich weiß nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

 

Der Herr sprach aber zu mir:

 

Sage nicht: »Ich bin zu jung«,

 

sondern du wirst gehen, wohin ich dich sende,

 

und wirst predigen alles, was ich dir gebiete.

 

Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten,

 

spricht der Herr.

 

Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir:

 

Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

 

Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche,

 

dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst

 

und bauen und pflanzen.

 

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Eine kleine chassidische Geschichte um Rabbi Sussja erzählt uns folgendes:

 

Als es mit Rabbi Sussja ans Sterben kam, fragten ihn seine Schüler und Freunde: „Hast Du denn gar keine Angst?“ – Rabbi Sussja gab zur Antwort: „Wenn ich an all die Großen und Bedeutenden denke, an Mose und Abraham und den Propheten Jeremia, dann wird mir schon angst. Aber ich bin gewiss: Gott wird mich in der kommenden Welt nicht fragen: ‚Warum bist Du nicht Mose gewesen‘, sondern allenfalls: ‚Warum bist Du nicht Sussja gewesen?‘“

 

So hat anscheinend jeder Mensch seine spezifische Lebensaufgabe. Und die Aufgabe Jeremias ist es, Prophet zu sein, ob er will oder nicht. Denn anderes bleibt ihm offensichtlich gar nicht übrig.

 

 

 

Ich weiß um Dich,

 

sagt Gott zu ihm zunächst.

 

Ich weiß um Dich,

 

noch bevor Du um dich wusstest,

 

schon bevor Dein Leben überhaupt gezeugt worden war.

 

Ich weiß um Dich,

 

mehr als Du selbst, denn

 

Ich weiß um Dich,

 

und um Deine Fähigkeiten und Möglichkeiten,

 

um Deine Aufgaben und um Dein Lebensziel.

 

Ich weiß um Dich.

 

 

 

Wenn uns einer so etwas sagen würde, dann wäre uns das sicher ein wenig unheimlich.

 

Ich weiß um Dich.

 

Was will der denn von mir wissen?

 

Und was weiß der denn wirklich genau alles über mich?

 

Ich weiß um Dich.

 

Woher kennt der mich überhaupt

 

Ich weiß um Dich.

 

Aber vielleicht will ich gar nichts von Dir wissen?!

 

Oder aber es kann auch sehr wohltuend und entlastend sein, wenn uns einer so etwas sagt:

 

Ich weiß um Dich.

 

Endlich einer, dem man nicht alles erklären muss.

 

Ich weiß um Dich.

 

Gut zu wissen, dass jemand an mich denkt und weiß.

 

Ich weiß um Dich.

 

Gut, dass der mich kennt und trotzdem zu mir steht.

 

So verschieden also kann das sein.

 

 

 

Doch dem Jeremia, dem war diese Begegnung wohl eher unheimlich zumute.

 

Prophet für die Völker

 

sollte er sein. Das aber war wohl überhaupt nicht sein Plan. Als Sohn seines Vaters, des Priesters Hilkija, als Nachkomme also des ersten Priesters Aaron und seiner Söhne, würde doch wohl auch er im Tempel als Priester dienen. So würde er Gott ganz nah sein und zwischen Gott und den Menschen vermitteln. Das war seine Aufgabe im jüdischen Volk. Und auch das war ja schon etwas Besonderes, Herausgehobenes. Aber Prophet und dann für die Völker – das wäre noch Besonderer und Herausgehobener als alles andere bisher.

 

 

 

Ach, Herr Gott! Ich weiß nicht zu predigen, denn ich bin zu jung,

 

sagt Jeremia darum. Und ich kann ihn schon durchaus verstehen. Man stellt sich nicht einfach so vor die Leute hin und fängt an zu reden. Manche machen das vielleicht mit links und haben die Gabe, sogar frei zu reden. Aber andere müssen erst Mut fassen, klein anfangen, sich genau überlegen und in Worte fassen, was gesagt werden soll. Aber dann ist da ja auch noch der Einwand:

 

Ich bin zu jung! …

 

Prophet für die Völker? … Ich bin zu jung,

 

so Jeremia. Denn wer wird mir jungem Schnösel schon zuhören und glauben? Wer wird mich ernst nehmen, wo es doch vielfach im Leben auf eine reiche Lebenserfahrung ankommt?!

 

Und so erleben doch auch wir, wie etwa ein Kevin Kühnert als damals frischgewählter JuSo-Vorsitzender vor etwa drei Jahren der alten Tante SPD viel Dampf machte, aber von vielen anderen in- und außerhalb der SPD nicht wirklich ernstgenommen, sondern eher angefeindet wurde.

 

Oder eine Greta Thunberg, die anfing ein kleines Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen, was viele andere Menschen bewegte und inspirierte. Doch als sie zu reden und zu sagen begann, was sich alles in der Politik und in unserem Leben ändern müsse, da wollten viele sie lieber doch nicht mehr hören. Und überhaupt: Was hat und das kleine Gör denn zu sagen. Angefeindet wird und wurde auch sie.

 

 

 

Und angefeindet wird und wurde auch Jeremia,

 

denn ich bin zu jung.

 

Doch Gott, der HERR, lässt bei Jeremia diesen Einwand einfach nicht gelten. Denn Jeremia hat nun mal seine spezifische Lebensaufgabe und sein Lebensziel – ohne Wenn und Aber – ob er will oder nicht:

 

Du wirst gehen, wohin ich Dich sende

 

und wirst predigen, was ich Dir gebiete.

 

Widerstand zwecklos. Denn Gott hat Macht über ihn oder anders ausgedrückt: Gott bemächtigt sich seiner, und bringe Jeremia damit durchaus in Nöte.

 

Denn: Jeremia wird angefeindet werden von der politischen Elite, von anderen Propheten, von denen, die lieber anders als SEIN Wort hören wollten. Denn da ging es um

 

ausreißen und einreißen, zerstören und verderben –

 

und dann erst ums

 

bauen und pflanzen.

 

Denn Jeremia wusste was seinem eigenen Volk durch die Völker bevorstand. Und er musste es sagen, auch wenn er es lieber nicht sagen wollte. Er musste darauf hinweisen, auch wenn er lieber davon schweigen und lieber von anderem reden wollte, auch wenn er lieber direkt aufs Ziel und aufs Ende verweisen wollte, aufs

 

bauen und pflanzen.

 

Doch zuvor sollte und würde es diese brutale Zwischenzeit geben, wovon keiner hören wollte. Und deshalb wurde er angefeindet - ‚Nestbeschmutzer‘ – weggesperrt und ihm wurde der Mund verboten. Zu unbequem war, was er zu sagen hatte. Und so wie andere Menschen auch heutzutage noch, musste darum auch Jeremia unter der Macht und Gewalt der Mächtigen leiden, - weil Gott sich seiner bemächtigte.

 

 

 

Doch der versprach ihm auch:

 

Fürchte Dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei Dir und will Dich erretten.

 

Oder, um es mit Worten Dietrich Bonhoeffers zu sagen:

 

Gott erfüllt (eben) nicht all unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.

 

Und bei aller Zumutung, die das bedeutet, heißt das zugleich: Gott selbst wird dem Jeremia zu jeder Zeit zur Seite sein. Ja er wurde angefeindet. Ja, er wurde ins Gefängnis geworfen und mundtot gemacht – zumindest versuchten die Mächtigen das. Und ja, er hatte zu leiden unter dem, was er in Gottes Namen zu sagen hatte. Ja, er verwünschte auch seinen Auftrag, diese Zumutung und darum auch sein Leben, das ihn so einsam machte. Aber es wird im folgenden Buch auch immer wieder davon erzählt, wie Jeremia von Gott selbst immer wieder neu angesprochen und ermutigt, bewahrt, befreit und beschützt wird, wie er verheißen.

 

Und so bemächtigt sich Gott nicht nur seiner, sondern er be-voll-mächtigt ihn auch, wenn es hier weiter heißt:

 

Der HERR streckte seine Hand aus und rührte seinen Mund an und sprach zu mir:

 

Siehe, ich lege meine Worte in Deinen Mund. Siehe ich setzte Dich heute über Völker und Königreiche.

 

Höher und bedeutsamer kann keine Aufgabe sein. Und darum ist es Jeremias Aufgabe in Gottes Namen und im Auftrag seines Wortes

 

Auszureißen und einzureißen,

 

zu zerstören und zu verderben,

 

zu bauen und neu zu pflanzen.

 

 

 

Unsere Lebensaufgaben und Lebensziele hingegen werden ganz andere sein. Aber ich bin überzeugt: Gott bemächtigt sich auch unser – und be-voll-mächtigt uns auch zu dem, was er mit uns vorhat, was sein Plan mit uns ist. Und in der kommenden Welt werden wir dann nicht gefragt: Warum bist Du nicht Jeremia gewesen, denn das wäre vermessen, sondern wir werden allenfalls gefragt: Warum bist du nicht Du selbst gewesen.

 

Amen

 

 

 

Zwischenmusik

 

 


Fürbitte

 

Gott, Du weißt um uns und begleitest uns.

 

Du hast eine Aufgabe und ein Ziel für uns!

 

So weißt Du sicher auch,

 

wo wir Dir, den Menschen und dieser Welt am Besten dienen.

 

Darum bitten wir Dich:

 

Stell Du uns dorthin, wo Du uns brauchst!

 

Lass uns Worte reden, die dem Leben dienen!

 

Und hilf uns, unserer Lebensaufgabe gerecht zu werden!

 

Gott, Du weißt um uns und begleitest uns.

 

Du hast eine Aufgabe und ein Ziel für uns!

 

Darum bitten wir dich für Menschen,

 

die je an ihrem Ort besondere Verantwortung tragen:

 

Für die Ärztinnen und Ärzte, für Schwestern und Pfleger weltweit in dieser Zeit:

 

Stärk sie für ihren wichtigen Dienst!

 

Hilf ihnen einfühlsam bittere Wahrheiten zu verkünden

 

und dennoch auch Hoffnung weitergeben können!

 

Gott, Du weißt um uns und begleitest uns.

 

Du hast eine Aufgabe und ein Ziel für uns!

 

Darum bitten wir Dich auf für Patientinnen und Patienten weltweit in dieser Zeit, sowie für deren Angehörige.

 

Du legst Lasten auf, aber Du hilfst auch.

 

Darum schenk allen die nötige Kraft und Geduld,

 

die sie für das brauchen, was auf sie zukommen mag!

 

Hilf ihnen miteinander das Schwere zu tragen und zu ertragen!

 

Gott, Du weißt um uns und begleitest uns.

 

Du hast eine Aufgabe und ein Ziel für uns!

 

Und auf dieses Ziel, auf Deinen Shalom, Gott, hoffen wir,

 

auch wenn die Trümmer in Beirut, in Kabul und an anderen Orten,

 

eine andere Sprache zu sprechen scheinen.

 

Wir hoffen auf die Kraft Deines Wortes,

 

Wir hoffen auf die Kraft Deines Geistes,

 

der sich gegen den Irrsinn durchsetzen und uns leben lässt.

 

Gott, Du weißt um uns und begleitest uns.

 

Du hast eine Aufgabe und ein Ziel für uns!

 

 

 

Stille

 

 

 

UNSER VATER im Himmel.

 

Geheiligt werde Dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

 

und die Herrlichkeit in Ewigkeit,

 

Amen.

 

 

 

Segen

 

Gott wird uns segnen

 

in Momenten der Verunsicherung.

 

Gott wird uns segnen

 

im Staunen über das Wunder des Lebens

 

Gott wird uns segnen, uns erinnern.

 

Er wird uns trösten, und aufrichten,

 

versöhnen und auch ermutigen.

 

Gemeinsam sprechen wir:

 

Der HERR segne uns und behüte uns;

 

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;

 

der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.

 

Amen

 

 

 

Nachspiel

 

 

 

Diese Andacht können Sie oder andere Menschen auch im Internet unter www.unterbarmen-sued.de als Video sehen.

 

 

 

- Und nun: Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am Sonntag dem 16: August, dann mit Diakon Arne Würzbach

 

um 9.30 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle (aufgrund der Baustelle dort also zur frühen Zeit), und um 11.00 Uhr (zur späteren Zeit) im Gemeindezentrum Petruskirche.

 

Auch dann gelten die gewohnten Hygienregeln wie Maske tragen – auf Abstand bleiben und Hände desinfizieren

 

Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte wieder an.

 

Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de

 

 

 

Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!