Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis (26.07.2020)
Kirchengemeinde Unterbarmen Süd mit Verena Kroll (Magistra Theologiae)

 

VORSPIEL


ERÖFFNUNG

(Presbyter/-in:)Gott kommt uns in seinem Sohn Jesus Christus entgegen, und so kommen wir zu ihm und feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn, ......
(Gemeinde:)"... der Himmel und Erde gemacht hat."
(Presbyter/-in:)„… der Bund und Treue hält ewiglich …“
(Gemeinde:)"… und nicht loslässt das Werk seiner Hände."

 

BEGRÜSSUNG (Presbyterin)
Liebe Gemeinde!
Es ist Sonntag, und es ist gut, dass wir hier in einem der Häuser Gottes zusammenkommen und diesen Gottesdienst feiern können. Und ein besonderer Gruß geht heute auch an Sie, liebe Frau Kroll, die Sie bereit sind, Pfarrer Seim in seiner Urlaubszeit hier zu vertreten. Ein herzliches Dankeschön dafür!
Im Wochenspruch für die heute beginnende Woche macht der Autor des Epheserbriefes deutlich, dass wir alle eigentlich zu einer großen Familie gehören. Das ist und war nicht immer selbstverständlich. Doch er schreibt an die Gemeinde in Ephesus:
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge,
sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
                                                                                                                         Eph 2,19


Wir wohnen also mit Gott sozusagen Wand an Wand.

Und so wünsche ich uns nun einen gesegneten Gottesdienst.


Als erstes Lied hören wir:


LIED: Du bist meine Zuflucht und meine Stärke (Lieder zwischen Himmel&Erde 249)

https://www.youtube.com/watch?v=3n-sMGuE7MQ (Klavier)
https://www.youtube.com/watch?v=rkyTkSKxakM (Gesang)


PASTORIN:
"Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen"
GEMEINDE: "und auch mit dir" –

PSALM
Gemeinsam wollen wir Worte aus Psalm 107 sprechen, wir wollen dies im Wechsel tun und ich bitte Sie die eingerückten Verse zu sprechen:


Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

    So sollen sagen, die erlöst sind durch den Herrn,

    die er aus der Not erlöst hat,
die er aus den Ländern zusammengebracht hat
von Osten und Westen, von Norden und Süden.

    Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,

    und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,
die hungrig und durstig waren
und deren Seele verschmachtete,

    die dann zum Herrn riefen in ihrer Not

    und er errettete sie aus ihren Ängsten
und führte sie den richtigen Weg,
dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

    Die sollen dem Herrn danken für seine Güte

    und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,
dass er sättigt die durstige Seele
und die Hungrigen füllt mit Gutem.
    Ehr sei dem Vater und dem Sohn,
    dem Heilgen Geist in einem Thron;
der Heiligen Dreieinigkeit
sei Lob und Preis in Ewigkeit.
Amen

 


GEMEINDE:
Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem Heilgen Geist in einem Thron;
der Heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit.

 

EINGANGSGEBET
Gott,
Wer bittet,
um das tägliche Brot,
um ein helfendes Wort,
um das Geschenk der Liebe,
der kann auf Gott vertrauen
und ihm wird gegeben.


Wer sucht,
nach einer tragfähigen Antwort,
nach einem wegweisenden Rat,
nach dem Sinn seines Lebens,
der kann auf Gott vertrauen
und wird ihn finden.


Wer anklopft
Am Tor der Gerechtigkeit,
an der Pforte der Freiheit,
an der Tür des Friedens
der kann auf Gott vertrauen
und ihm wird geöffnet.


Denn: Wer bittet, dem wird gegeben,

wer sucht, der wird finden,

und wer anklopft, dem wird aufgetan.
Gott lässt uns nicht allein.
Er ist für uns da
Alle Tage bis ans Ende der Welt.


Herr, erbarme dich.
Herr, erbarme Dich!

    Herr, erbarme Dich!
Christus, erbarme Dich!
    Christus, erbarme Dich!
Herr, erbarme Dich!
    Herr, erbarm Dich über uns! Amen

 

 

GNADENZUSAGE
Gott hat sich über uns erbarmt und er tut dies mit seinem Wort:
„So spricht der Herr: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
                                                                                                             Matthäus 11,28

     Ehre sei Gott in der Höhe,

     Frieden auf Erden

     und den Menschen ein Wohlgefallen. Amen.

 


KOLLEKTENGEBET
Gott,
nicht nur in der aktuellen Zeit verstecken sich viele hinter Masken.


Hinter einer Maske des Selbstbewusstseins,
hinter einer Maske der Allwissenheit,
hinter einer Maske der Bekanntheit.


Um Empfindlichkeiten zu verbergen,
Ängste zu vertuschen,
Mängel zu verdecken.


Vor dir, Gott,
kann jeder sein wahres Gesicht zeigen
und dir entgegentreten
wie er wirklich ist – ohne Maske.


Dir müssen wir nichts vormachen,
denn du nimmst uns an
mit all unseren menschlichen Schwächen.


Durch Jesus Christus,
bei dem sich niemand verstellen musste,
und die Kraft deines Geistes,
die uns hilft, zu uns selbst zu stehen.
Amen.

 

 

 

 

LESUNG (Presbyterin)
Ich habe so viel – und trotzdem bin ich manchmal ganz leer. Ich werde täglich satt, trotzdem habe ich einen ungeheuren Durst nach Mehr. Ich sehne mich nach etwas, das ich nicht beschreiben kann …


Dass Gott körperlichen und seelischen Hunger stillt, davon erzählen die Lesungen des 7. Sonntag nach Trinitatis, der aus verschiedenen Perspektiven das Abendmahl beleuchtet. Essen und Trinken, Feiern und Teilen sowie große Gastfreundschaft gehören zum christlichen Glauben. Jesus nahm die natürlichen Bedürfnisse der Menschen ernst, sättigte Tausende mit fünf Broten und zwei Fischen und saß mit unterschiedlichsten Menschen zu Tisch. Hören wir davon in der heutigen Lesung, sie steht im Johannesevangelium Kapitel 6, die Verse 30 bis 35:


Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du?
Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht: »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.«
Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.


Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.


Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot.


Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Halleluja


Gemeinde: Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn! Halleluja

 


Bekenntnis
Und als Antwort auf das Zeugnis der Schrift wollen wir unseren christlichen Glauben bekennen:
(Wem es möglich ist, den bitte ich, dazu aufzustehen)
Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde…

 


Meditieren wir nun in der Stille die Strophen des Liedes:
Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369)

 

 

PREDIGT


I Hunger, was ist das?


An unserem Supermarkt hing lange Zeit ein Plakat. Von weitem sichtbar ist das Wort Krisenherd darauf zu lesen. Eine erloschene Feuerstelle und ein angerosteter Topf mit einem bisschen Wasser sind zu sehen. Wenn ich es betrachte, weiß ich sofort: Davon wird man nicht satt. Daraus wird keine Suppe mehr, nicht mal ne dünne. Mein schlechtes Gewissen überkommt mich. Was kann ich dagegen tun? Brot für die Welt klopft an.


Im Netz stoße ich auf ein Lied der Gruppe „Die Toten Hosen“:


Das Lied trägt den Titel: Warum werde ich nicht satt!?

 
     Jeden Sonntag zähle ich mein Geld, und es tut mir wirklich gut,

     zu wissen wieviel ich wert bin, und ich bin grad hoch im Kurs.

     Ich hatte mehr Glück als die meisten, habe immer fett gelebt.

     Und wenn ich wirklich etwas wollte, hab' ich's auch gekriegt!

 

Warum werde ich nicht satt? (Warum werden wir nicht satt!?)


Campino beschreibt die Not eines Menschen, der – sagen wir es mal ehrlich – ein Luxusproblem hat. Zumindest auf den ersten Blick. Denn dieser Mensch hat eine Villa, 2 Autos, jede Menge Parties und und und. Trotzdem wird er nicht satt. Warum verrät er uns nicht – er stellt es nur fest…


Versuchen wir uns dieser Frage zu stellen. Warum werden Menschen nicht satt und was bewirkt das Gefühl, nicht satt zu werden?


II Was sagt die Bibel?


Schauen wir dazu in die Bibel. Wir befinden uns irgendwo auf der Sinaihalbinsel. Das Rote Meer, haben sie hinter sich. Das Meerwunder liegt Wochen, vielleicht sogar Monate zurück. Der Jubel und der Tanz der Miriam sind verstummt. Doch immer wieder erleben sie die kleinen Wunder des Alltags: Trinken dürfen sie in der Oase von Elim bei den 70 Palmen. Und sie lagerten sich am Wasser, heißt es dann ganz schön.


Doch sie sind noch nicht am Ziel. Sie brechen wieder auf… Die Schritte werden schwer. Wohin? Sie wissen es nicht. Wie lange noch? Keine Ahnung.


(Ich lese aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 16, die Verse 2-4 und 11-18:)


Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste. Und die Israeliten sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst. Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf, dass ich's prüfe, ob es in meinem Gesetz wandle oder nicht.
Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin. Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. Und als der Tau weg war, siehe, da lag's in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat. Das ist's aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte. Und die Israeliten taten's und sammelten, einer viel, der andere wenig. Aber als man's nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

 


III Die Wüsten des Lebens


Liebe Gemeinde,


Der Erzähler führt uns durch Höhen und Tiefen des Lebens in dieser Geschichte. Am Anfang steht das Murren. Denn so müssen wir nüchtern feststellen: Das Essen war knapp, Steine und Sand kann man nicht essen. Und sie waren viele! Wenn der Magen knurrt, werden Menschen unleidig. Im Englischen gibt es dafür einen schönen Begriff, man wird „hangry“ also „hungrig-wütend“ und in solchen Momenten suchen Menschen einen Schuldigen. Häufig sind es diejenigen, die Verantwortung tragen: die eigenen Eltern, Vorgesetzten, Politiker. Aus Hunger, Angst und Wut entsteht eine explosive Mischung. Da erscheint die Vergangenheit auf einmal rosig. Das kennen wir vielleicht auch von uns selbst, unser Gehirn blendet negative Dinge aus und das Geschehene ist auf einmal gar nicht mehr so schlimm. Und weil die Gegenwart uns schwer fällt und die Vergangenheit nicht zurückkehren wird, träumen wir von dem was kommt. Auch in unserem persönlichen Leben träumen wir manchmal von Freiheit, von dem „ganz anderen“. Doch auch hier wird uns der Weg dorthin nicht erspart. Und oft ist es ein Wüstenweg, zu dem Hunger- und Durststrecken gehören.


Die Israeliten damals hatten damit nicht gerechnet. Sie fingen an zu murren. Sie suchten einen Schuldigen, so wie immer ein Schuldiger gesucht wird. Und wer einen Schuldigen sucht, findet auch einen. Damals waren es Mose und Aaron. Voller Zorn klagen sie an: „Ihr seid schuld! Ihr habt uns an diesen gottverlassenen Ort gebracht, damit wir hier elendig verrecken“. In Ägypten war es doch gar nicht so schlecht, meint man jetzt, trotz Sklaverei; es gab immer genug zu essen. Die Fleischtöpfe Ägyptens sind ja sprichwörtlich geworden!


Die Wüste dagegen scheint ein gottverlassener Ort. Hier gibt es kein Wasser, kein Essen und keine Perspektive. Es ist heiß, jeden Morgen müssen die Zelte abgebrochen und am Abend neu aufgebaut werden. Und niemand weiß, wie lange diese Wanderung noch dauern wird.


IV Gottes Tisch ist reich gedeckt


Doch – und hier sind wir im Zentrum unserer Geschichte - die Wüste ist nicht gottverlassen. Keine Wüste ist gottverlassen - Ganz im Gegenteil. Gott ist dort näher, als wir denken, als wir uns überhaupt vorstellen können.
„Ich habe das Murren der Israeliten gehört“, sagt er zum bedrängten Mose. Gott greift ein. Nicht spektakulär mit Feuer oder Rauch – nein, ganz einfach: Gott hört zu! Und er hört auch das, was hinter dem Murren ist: die Sorge; die Not; die Angst vor der Zukunft. Ich habe gehört…


Es ist kein großes Buffet.


Das was da ist, bringt Gott auf den Tisch. Eine müde Schar Wachteln, die sich beim Lager der Israeliten niederlässt. Und dann, über Nacht, diese kleinen, unscheinbaren Körner, die es aber in sich haben. Nahrung für die Hungrigen, Kraft für die Müden, Hoffnung für die Sorgenvollen – genau das, was die Menschen brauchen.


Gott hört zu. Gott hört sein Volk, er sieht das Leid, den Hunger, aber auch die Kraftlosigkeit und Erschöpfung. Manna und Wachteln für den knurrenden Magen und Hoffnung und Zuversicht für die Seele.

 


V Was stillt unseren Hunger?


Liebe Gemeinde,


wenn es doch immer so einfach wäre. Aber wenn ich ehrlich bin, kenne auch ich dieses Gefühl des Hungers nach mehr und die Angst gottverlassen in einer Wüste zu sein. Und ich fürchte, dass ich damit nicht alleine bin.


Gerade in der aktuellen Zeit empfinden viele Menschen Hunger. Hunger nach Gemeinschaft, nach Nähe und einer Umarmung. Hunger nach einer Perspektive auf Normalität, nach einem Impfstoff, nach einem Lächeln ohne Maske. Und auch heute hören wir immer wieder das Murren, die berechtigten Sorgen und Zweifel.


Aber auch heute bin ich gewiss, dass Gott uns hört – auch wenn es kein Manna regnet.


Hilft uns das gegen unseren Hunger, den spirituellen und den leiblichen? Ich bin ein bisschen vorsichtig, alles immer gleich auf die spirituelle Ebene zu schieben. Denn es gibt in unserem Land wirklich Menschen, die solchen Hunger haben, dass sie abends nicht satt werden. Das ist schrecklich. Und ich will nicht für mich die Hand ins Feuer legen, wie ich handeln würde, wenn ich nach Tagen des Hungers die Möglichkeit hätte, mich und meine Familie mit Essen zu versorgen. Würde ich teilen? Würde ich nur so viel nehmen, wie wir brauchen? Und doch hat diese Geschichte eine leibliche und eine geistliche Seite.


Die ganze Geschichte lenkt uns in eine doppelte Richtung: zu Gott und zu den Menschen. Gott sagt: Ich versorge dich. Er sagt allerdings auch: Bereichere dich nicht auf Kosten anderer.


Dankbarkeit könnte meine Reaktion auf das Eine sein. Eine Grundhaltung, die auch Menschen außerhalb der Kirche formulieren. Die Therapeuten sagen: Danken macht glücklich, Loben zieht nach oben.


Und die andere Devise heißt schlicht: Teilen, teilen, teilen und nicht raffen. Teilen macht glücklich. Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid halbes Leid, sagt der Volksmund. Stimmt.

 


VI Das Brot des Lebens für alle Sünder


Liebe Gemeinde,


Ich bekenne, dass ich selbst dabei immer wieder schuldig werde. Ich vergesse zu danken. Schreibe mir meine Erfolge auf die eigene Fahne. Ich bin so kompetent, so fleißig, so liebevoll. Au weia. , Und dann ertappe ich mich auch dabei, wie ich versuche, mitzunehmen, was geht, und ins Straucheln gerate mit meinen eigenen Werten. Nein, das wollte ich nicht, denke ich dann oft. Ich wollte ihm den Platz nicht wegnehmen, ich wollte nicht auf Kosten von ihr glänzen, ich wollte niemand übervorteilen. Und bin dann doch so schwach. Oh Je. Hätte ich doch mal ihn gedacht der sagt: Ich bin das Brot des Lebens….


Da bin ich nicht besser als die Israeliten. Ich vergesse zu danken, zu teilen und manchmal auch auf Gott zu trauen. Aber genau deshalb bedeutet die Geschichte des Mannas auch für mich heute und hier Hoffnung: So wie Gott den Israeliten hilft, ihnen vergibt und den Weg weist, so wird er auch mir und uns allen vergeben.


Doch Manna, das Geschenk des Himmels bzw. die Nähe Gottes, das lässt sich nicht konservieren. Wir können immer wieder nur die Hand hinhalten. Jeden Tag neu sind wir auf seine Liebe, auf sein Wort, auf Kraft, auf Gesundheit und Freude angewiesen. Glauben lässt sich nicht konservieren. Jeden Tag neu heißt es, auf Gott zu vertrauen. Und diese Zuversicht, die gibt uns die Kraft weiterzugehen, egal wie steinig der Weg und wie trostlos die Wüste auch zu sein scheint.

 


VII Gott gibt allen genug


Dietrich Bonhoeffer beschreibt dies in seinem Buch „Widerstand und Ergebung“ mit den eindrucksvollen Worten:


„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“


Wir können diesen Glauben nicht machen. Wir können nur darum bitten, so vertrauen zu lernen. Und es ist und bleibt ein Wunder, wenn Menschen in dem, was geschieht, Zeichen von Gottes Zuwendung entdecken. Aber dort, wo sie es entdecken, da bekommen sie Kraft für ihren Weg – auch durch Wüstenzeiten hindurch.


Gott gibt genug für alle. So wie auch im letzten Teil der Geschichte erzählt wird: „Als man nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.“ Das Wunder im Wunder.


Ich stelle mir das so vor, dass die Israeliten damals nach dem Sammeln ihre Töpfe zusammengehalten haben und dass die, die wenig hatten, die Alten und Kinder, ihre Töpfe von den anderen gefüllt bekamen.


Wie wäre wohl unsere Gemeinde, ja unsere Welt, wenn wir so aufeinander Acht geben und teilen würden! Wir können ja im Kleinen anfangen, und sei es mit ein paar Brötchen oder einem freundlichen Wort. Aber es soll auch weiterwirken bis an die Ränder Europas und darüber hinaus in die Wüsten dieser Welt hinein.


Jeder soll genug zum Essen und zum Leben haben, denn es ist genug da.


Und der Friede Gottes, der höher ist, als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

 


Musik Orgel


BEKANNTMACHUNGEN (Presbyter/-in)
Folgendes möchte ich Ihnen noch mitteilen, liebe Gemeinde:
Am vergangen Sonntag betrug die Kollekte für die Katastrophenhilfe 69,20 € und für das Projekt ‚Frieden stiften‘ der EKD 54,50 €.
Herzlichen Dank allen, die dazu beigetragen haben.
Gott segne Geber und Gaben und all das was mit diesen Gaben geschieht!
Auch heute sammeln wir zum einen für die Telefonseelsorge. in unserem Kirchenkreis. Bundesweit gingen bei der Telefonseelsorge Mitte Juni täglich rund 2275 Anrufe ein, in 45 Prozent der Anrufe ist Corona ein Thema, so die Statistik.
Zum anderen sammeln wir für Projekte der Vereinten Evangelischen Mission, um Menschen mit Behinderungen zu stärken. In Afrika und Asien unterhalten Mitgliedskirchen der Vereinten Evangelischen Mission Schulen und Einrichtungen für geistig und körperlich behinderte Kinder. Die Lernerfolge sind ermutigend, doch es fehlen finanzielle Mittel. Jede Unterstützung ist darum herzlich willkommen.
Und nun: Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am kommenden Sonntag dem 2. August:
um 9.30 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche und
um 11.00 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle – dann mit Prädikant Bernd Böth

 


ABKÜNDIGUNGEN (Pastor/-in) → entfallen


FÜRBITTE


Vater,
wir sehnen uns nach einem Ende dieser Krise.
Wir wünschen uns Momente der Klarheit.
Wir hungern nach Stille.
Wir dürsten nach Liebe.


    Wir bitten dich,
    dass wir das, was wir brauchen,
    finden in dir und deinem Wort.
    Sei du bei uns,
    lass uns zu einer Gemeinschaft werden,
    die trotz aller Distanz zusammensteht,
    die Leid und Freude teilt.


Immer wieder sättigst du uns an Leib und Seele,
bist bei uns in Fülle und Leid.
Wir bitten dich für die Hungernden, sei ihnen Speise;
für die Kranken, werde du für sie zur Lebenskraft;


    Wir bitten dich für die Einsamen, sei ihnen Gemeinschaft;
    für die Armen, sei du ihr Reichtum;
    für die Reichen, sei du ihnen genug.


Und alles was wir sonst auf dem Herzen tragen, legen wir in das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat. Wir beten gemeinsam: Unser Vater im Himmel…

 


SEGEN
Der HERR segne euch und behüte euch,
Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über euch
Und sei euch gnädig.
Der HERR erhebe sein Angesicht auf euch
Und gebe euch Frieden.
Amen.

 


NACHSPIEL

 

 

 


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200726 Gottesdienst 7 Sonntag nach Trini
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