Gottesdienst vom 19.07.2020 mit Prädikantin Karin Becker

 

Weil Gott uns in Jesus Christus seinen Segen schenkt, darum feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

der Bund und Treue hält ewiglich

und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

 

Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!

Schön, dass Sie wieder da sind, um mit uns Gottesdienst zu feiern, und schön, dass auch Sie wieder mal da sind, Frau Becker! Frau Karin Becker ist Prädikantin, beheimatet im wunderbaren Beyenburg und hat heute die Vertretung von Pfarrer Seim übernommen. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Segen – so haben Sie bereits im Vorfeld gesagt – wird ihr Thema sein, und wir sind gespannt, wie Sie uns das entfalten werden. Deutlich dürfte aber jetzt schon sein: Wer gesegnet ist, der ist von Gott gerufen.

Entsprechend heißt es im Wochenspruch der nun beginnenden Woche:

So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. Jes 43,1

 

So wünsche ich uns einen gesegneten Gottesdienst

 

Lied eg 445,1-2+5 Gott des Himmels und der Erde

 

Psalm 139 (in Auswahl)

Herr, du erforschest mich

und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, Herr, nicht alles wüsstest. V

on allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Denn du hast meine Nieren bereitet

und hast mich gebildet im Mutterleibe.

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;

wunderbar sind deine Werke; dass erkennt meine Seele.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;

prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,

und leite mich auf ewigem Wege. Amen

 

Eingangsgebet

Hab Dank von Herzen, Herr, für diesen Sonntag.

Wir dürfen wieder in Gemeinschaft Gottesdienst feiern.

Darüber freuen wir uns sehr.

In unseren Reihen sind noch Lücken.

Nicht alle haben den Mut, sich wieder unter Menschen zu begeben.

Deshalb bitten wir dich für sie um deinen besonderen Segen.

Auch wir selbst sind noch vorsichtig und befangen.

Wir tragen viele Fragen mit uns.

Hier dürfen wir sie in deiner Gegenwart los werden.

Bitte, begegne uns im Gottesdienst, schließe uns dein Wort auf,

sodass wir es recht verstehen und im Alltag anwenden können.

Manches macht uns auch das Herz schwer.

Vieles können wir nicht laut aussprechen.

Aber du verstehst auch unsere Gedanken und hörst,

wenn wir jetzt das, was uns belastet, in der Stille vor dich bringen.... Amen

 

Lied 511,1-3 Weißt Du, wieviel Sternlein stehen

 

Predigt Markus 10,13-16 (Karin Becker)

 

Liebe Gemeinde,

in unserer Gemeinde Beyenburg-Laaken hörten wir in den vergangenen Wochen viel über „Segen“. Auch ich beteiligte mich an dieser Predigtreihe und bringe Ihnen heute die Predigt mit, die ich am vergangenen Sonntag bereits in unserer Gemeinde hielt.

Der Predigt liegen wenige Bibelverse zugrunde. Ich lese aus dem Evangelium nach Markus 10, 13 – 16.

Einige Leute brachten Kinder zu Jesus. Er sollte sie segnen.

Aber die Jünger wiesen sie schroff zurück.

Als Jesus das merkte, wurde er zornig und sagte zu ihnen:

»Lasst doch die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran.

Denn für Menschen wie sie ist das Reich Gottes da.

Amen, das sage ich euch:

Wer sich das Reich Gottes nicht wie ein Kind schenken lässt,

wird nie hineinkommen.«

Und er nahm die Kinder in die Arme, legte ihnen die Hände auf

und segnete sie.

 

Wie stellen Sie sich die Szene vor? Ich „male“ einmal mit Worten: Das Bild ist in zwei Räume eingeteilt. Im Hintergrund sehe ich grimmig dreinschauende Männer, die sich mit ihrer ganzen Körpergröße vor den (meist) Frauen mit ihren Kindern „aufbauen“ und so eine schier unüberwindbare Mauer zu Jesus bilden. Kinder weinen, reißen erschrocken Augen und Mund auf, klammern sich an die Mütter und verstecken ihr Gesicht in deren Kleiderfalten.

Im Vordergrund sitzt Jesus unter einem Baum. Kinder, die doch zu ihm durchgekommen sind, schauen ihn aufmerksam an. Vertrauend legen sie ihre Kinderhände in seine Hand. Er nimmt sie auf den Schoß in einer segnenden und schützenden Geste. Verständlich und einfühlsam spricht er mit ihnen. Eine Szene, die vollkommene Harmonie und Frieden ausstrahlt. - Ob es so war damals?

 

Ich sehe andere Bilder vor mir – wieder in zwei Räume eingeteilt:

Im Hintergrund sehe ich Kindersoldaten mit verhärtetem Gesichtsausdruck in Afrika; Kinder mit vor Angst aufgerissenen Augen in den Trümmern Syriens oder der Ukraine; Kinder mit gehetztem Blick auf der Flucht in Myanmar; bulgarische Kinder mit leerem Blick in den Wohnsilos der Arbeiter in Deutschlands Fleischfabriken – sie werden nicht integriert und nicht gefördert, können kein Deutsch; Kinder mit gelangweiltem Blick inmitten ihrer Spielzeugberge, weil keiner Zeit für sie hat; Kinder mit nach innen gekehrtem Blick, weil sie ihre verletzte Seele und ihren missbrauchten Körper verstecken. - Sie alle können nicht oder kaum über das sprechen, was ihnen an Brutalität widerfahren ist.

 

Vor ihnen bauen sich Politiker auf, die buchstäblich über Leichen gehen, um ihre Macht auszubauen; ich sehe Wirtschaftsbosse und Geldhaie, die den Hals nicht voll kriegen – und dabei billigend in Kauf nehmen, Kinder mit ihren Familien auszubeuten; ich sehe auch nach Karriere strebende Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder mit Material abspeisen, um ihre selbstsüchtigen Ziele zu erreichen. Und dann sehe ich – Gott sei Dank – auch dieses: Kinder finden Schutz und ein neues Zuhause im SOS-Kinderdorf; Kinder werden gefördert, erhalten Bildung, werden integriert und finden Freunde in Einrichtungen wie z.B. einer Stadtmission; Kinder erhalten Antwort beim Sorgen-Telefon; Kinder erfahren Zuwendung und finden Anerkennung in Sportgruppen. Ich sehe Großeltern, die Zeit haben, mit Kindern eine fröhliche und unbeschwerte Zeit zu erleben. Und nicht zuletzt sehe ich Gemeinden, wo ihnen von Gott erzählt und seine Liebe vorgelebt wird.

 

Eine sehr hoffnungsvolle Arbeit ist auch in unserer Gemeinde während der Corona-Zeit entstanden: sagen Sie es weiter, dass hervorragende Kindervideos über unsere Gemeinde-Homepage auf dem YouTube-Kanal zu sehen sind – einschließlich Aktionen zum Mitmachen. Wir hoffen sehr, dass wir bald auch wieder Kinder wirklich in unseren Räumen willkommen heißen können.

 

Menschen können so unendlich viel kaputt machen und zerstören. Menschen können das Vertrauen von Kindern missbrauchen, ihnen den Zugang zum Guten – speziell zu Gott – verbauen und ein angeborenes Ur-Vertrauen vernichten. Doch mit diesen Gedanken und diesem Handeln stehen sie dem Denken und Handeln von Jesus völlig entgegen.

Jesus ist gekommen, das Schwache zu stärken, das Verlorene zu suchen, das Verwundete zu heilen. Die Jesus-Geschichten in der Bibel sind voll davon, wie er sich denen zuwendet, die am Rande der Gesellschaft lebten, wie z.B. die Prostituierte Maria Magdalena. Er genoss mit denen Tischgemeinschaft, die wegen ihres Berufes nicht anerkannt waren, wie z.B. der Zolleinnehmer Zachäus. Er suchte die Nähe derer, die auf Trost und Hilfe hofften, wie z.B. die Witwe in Nain, die nun auch noch ihren Sohn verloren hatte und damit völlig ohne Versorgung war. Jesus schenkte ihrem Sohn das Leben wieder und ihn seiner Mutter zurück. Jesus stellte den Reichen, die aus ihrem Überfluss hohe Spenden gaben, eine Witwe zum Vorbild hin, die von dem Wenigen, das sie hatte, eine Opfergabe zum Tempel brachte. Jesus nahm sich kranker Menschen an, deren blinde Augen und kraftlose Glieder er heilte. Er scheute nicht den Kontakt zu Menschen, die wegen einer Hautkrankheit in Isolation vor dem Dorf leben mussten. Es gibt noch so viele Begegnungen mehr. Schlagen Sie doch einmal ihre Bibel auf und lesen Sie die Geschichten, in denen Jesus stärkt, sucht, heilt, tröstet. Sie werden nicht lange danach suchen müssen. Ganz bestimmt finden Sie sich mit Ihrem ganz persönlichen Anliegen in einer der Geschichten wieder – Nehmen Sie Jesu Handeln für sich selber in Anspruch, lassen Sie seine Liebe in Ihrem Herzen einziehen.

 

Auf ein Wort im heutigen Bibeltext will ich uns noch besonders hinweisen: Jesus wurde seinen Jüngern gegenüber ungehalten. Sie waren der Ansicht, der Glaube sei noch nichts für Kinder und sie würden Jesus nur seine kostbare Zeit stehlen. Weit gefehlt! Wer so denkt, zieht Jesu Unmut auf sich. Jesus wird in den Situationen ungehalten, wo man Menschen den Zugang zu ihm verwehrt – und das gilt auch für Kinder. Sie galten in der antiken Gesellschaft nicht viel, wurden herumgestoßen, waren oft und in verschiedener Hinsicht unerwünscht. In der religiösen „Leistungsgesellschaft“ im damaligen Israel wurden sie auch deshalb nicht ernst genommen, weil sie noch nicht in der Lage waren, die Vorschriften des Gesetzes zu erfüllen. Wie denken wir heute – auch im Blick auf uns selbst?

Wir Erwachsenen meinen oft, man müsse zuerst Theologie studieren, um die Bibel „verstehen“ zu können. Wir wollen mit unserer Intelligenz, unserem Verstand den Geheimnissen auf die Spur kommen. Doch damit schießen wir am Eigentlichen vorbei. Nicht kluge Denker und Analysten sind im Vorteil, sondern Menschen, die – wie Kinder – ihr Herz für Gott öffnen und sich von seiner Liebe beschenken lassen. Jesus hat ein großes Herz für Kinder. Ja, er stellt die Kinder sogar den Erwachsenen zum Vorbild hin. Was unterscheidet Kinder von Erwachsenen? Sicherlich nicht dies, dass sie noch vieles nicht wissen und das Meiste im Leben noch lernen müssen. Oder dass Kinder sündlos wären. Nein, das ist es nicht.

Kinder unterscheidet von Erwachsenen, dass sie abhängig sind von jemandem, der sie ins Leben begleitet. Sie sind vertrauensvoll (solange sie keine gegenteiligen Erfahrungen machen). Sie empfangen gerne Geschenke und nehmen sie an. Kinder sind unbefangen. Kinder müssen nichts „beweisen“ oder „leisten“.

Ja, Jesus argumentiert sogar: „Wahrlich, Amen, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ (Luther 1984) oder: „Täuscht euch nicht: wer sich der Liebe Gottes nicht wie ein Kind öffnet, wird sie niemals erfahren.“ (Gute Nachricht-Bibel)

 

Lassen Sie uns diesen natürlichen und unmittelbaren kindlichen Zugang zu Jesus stärken. Wie kann das praktisch aussehen?

Für unsere Kinder und Enkel beten.

Für unsere Kinder und Enkel Zeit haben.

Uns für sie interessieren und ihre Anliegen ernst nehmen.

Unsere Kirchengemeinde unterstützen in den Angeboten für Kinder und Jugendliche (wieder: durch Gebet; aber auch finanziell, soweit uns das möglich ist).

 

Der eigenen Kreativität „freien Lauf“ lassen, wo es um die Förderung von Kindern geht und darum, dass Kindern von Jesus, dem Freund der Kinder erzählt wird.

Kinder in der „Ferne“ dahingehend unterstützen, dass wir für sie beten und dafür, dass sich ihre Lebensverhältnisse ändern mögen.

Für Politiker und Verantwortliche in der Wirtschaft beten – Gebet bewegt „Gottes Arm“. Vielleicht gibt es Unterschrift-Aktionen für mehr Kindeswohl – dafür die Augen offen halten.

Auch auf diese Weise segnen wir Kinder und uns gegenseitig. In Jesu Namen.

Amen.

 

 

Zwischenmusik

 

Fürbitte

Lieber Vater,

wir haben in der Predigt gehört, wie sehr Jesus die Kinder liebt.

Leider haben uns in den letzten Wochen immer aufs neue Nachrichten über Kindesmissbrauch erschüttert.

Wir sind ratlos, wissen nicht wie wir helfen können.

Schauen wir zu viel weg, oder sind wir nur gleichgültig?

Bitte, hilf uns in unserer Hilflosigkeit.

Nimm du dich der Kinder an, wenn wir versagen.

Behüte und beschütze diese Kinder, damit sie in ihrem weiteren Leben wieder Freude haben können und segne sie.

Uns mache sensibler, damit auch wir alle Kinder besser schützen können.

Wir bitten dich:

Gemeinde: erhöre uns!

Lieber Vater,

wir bitten dich in diesen schlimmen Zeiten mache du,

dass unsere Gemeinde zusammensteht

und wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.

Wir bitten dich auch für alle an Corona erkrankten Menschen auf dieser Erde,

gib ihnen deinen Segen.

Wir bitten dich:

Gemeinde: erhöre uns!

Sei du auch bei den Politikern, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen.

Breite du deinen Segen über allen aus.

Wir bitten dich:

Gemeinde: erhöre uns!

Alle Gedanken und Bitten, die uns bewegen, bringen wir vor Dich

mit dem Gebet, welches Du uns gelehrt hast.

 

Unser Vater im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Nachspiel

 

Diese Andacht können Sie oder andere Menschen auch im Internet unter www.unterbarmen-sued.de nachlesen. Und nun herzliche Einladung zu unseren Gottesdiensten am 26. Juli um 9.30 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle derzeit mit bis zu 15 Personen und um 11.00 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche mit bis zu 32 Personen, dann mit Frau Verena Kroll, da Pfarrer Seim derzeit in Urlaub ist. Auch dann gelten die gewohnten Hygienregeln wie Maske tragen – auf Abstand bleiben und Hände desinfizieren Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!


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