Gottesdienst vom 28.06.2020 – 3. Sonntag nach Trinitatis

 

 

 

Weil Gott in seinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen ist und uns zu sich einlädt, darum kommen wir heute zu ihm und feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

 Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des HERRN,

 der Himmel und Erde gemacht hat,

 der Bund und Treue hält ewiglich

 und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

 

 

Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!

 

Für die Familien mit Schulkindern ist dies das erste Ferienwochenende. Damit geht auch eine bewegte Zeit mit viel Hin und Her mit Homeschooling und dann doch wieder teilweise oder ganzem Präsenzunterricht zuende. Wir wollen hoffen, dass all diese Familien in den Ferien zur Ruhe kommen und neue Kräfte schöpfen können für das, was da noch kommen mag, denn manch einer kam sich in dieser Zeit doch schon mal etwas verloren oder vergessen vor.

 

Jesus selbst aber vergisst niemanden und übersieht niemanden, denn so sagt er im Lukasevangelium von sich selbst:

 Der Menschensohn ist gekommen,

 zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.                   Lukas 19,10

 Möge dieser Wochenspruch uns gut durch diesen Gottesdienst und die neue Woche begleiten.

 

 

 

Lied           eg 440,1-3          All Morgen ist ganz frisch und neu

 

 

 

Psalm       103

 

 

Lobe den Herrn, meine Seele,

 und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

 Lobe den Herrn, meine Seele,

 und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

 der dir alle deine Sünde vergibt

 und heilet alle deine Gebrechen,

 der dein Leben vom Verderben erlöst,

 der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

 der deinen Mund fröhlich macht

 und du wieder jung wirst wie ein Adler.

 Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht

 allen, die Unrecht leiden.

 Er hat seine Wege Mose wissen lassen,

 die Kinder Israel sein Tun. Amen

 

 

Eingangsgebet

 

Ist dem so, Gott,

 dass Du Gerechtigkeit und Recht schaffst?

 In den Nachrichten hören wir immer wieder

 von neuen Ungerechtigkeit und von neuem Unrecht.

 Ist dem so, Gott,

 dass Du all denen zur Seite stehst, die Unrecht leiden?

 Wir wissen um Menschen,

 die auch in diesen Zeiten auf sich allein gestellt sind,

 die nicht ein noch aus wissen, was werden wird.

 Und wir selbst, Gott,

 hast Du uns gekrönt mit Gnade und Gerechtigkeit?

 Da müssen wir wohl bekennen,

 dass auch wir ungnädig und vorschnell über andere urteilen,

 Darum, Gott, wäre es gut,

 wenn Du all unsere Gebrechen diesbezüglich heilen könntest.

 Gut, dass Du so viel Geduld mit uns hast,

 wo wir selbst so ungeduldig mit uns und anderen sind.

 Gerade in diesen Zeiten merken wir,

 wie angespannt unser Geduldsfaden ist.

 Hilf uns selbst gnädig und geduldig zu sein.

 Amen.

 

 

Lied      eg 355,1-3          Mir ist Erbarmung widerfahren

 

 

Predigt zu Micha 7,18-20

 

Liebe Gemeinde!

 

Wer ist Gott?

 Mit dieser Frage beginnt unser heutiger Predigttext und stellt uns damit die Frage, wer oder was denn Gott für uns ist. Wofür steht er? Was macht ihn aus? Und da gibt es jede Menge Antwortmöglichkeiten. Also begeben wir uns zunächst auf einen kleinen Streifzug durch ein paar Kapitel der Bibel. Also:

 

Wer ist Gott?

 Direkt in den ersten Kapiteln der Bibel begegnet uns Gott als der Schöpfer. Er ist es, der diese Welt geschaffen und ins Leben gerufen hat. Und er ist es, der dieser Welt eine Ordnung und seine Regeln gegeben hat, der das schöpferische Chaos sozusagen sortiert und geordnet hat. So schenkt er uns überhaupt erst die Möglichkeit, in dieser Welt leben zu können. Gott ist also zunächst der Schöpfer.

 

Aber bereits hier wird auch gesagt, dass Gott uns Menschen zu seinem Ebenbild schuf, und somit müssten wir also auch an uns selber etwas von Gott erkennen können. Unter anderem heißt es dabei:

 

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde … und schuf sie als Mann und Frau.                                                                                  1. Mose 1,27

 

Oder im zweiten Schöpfungsbericht heißt es nur kurz darauf:

 

Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.                                                                                                    1. Mose 2,18

 

Wir Menschen sind also Wesen, die Beziehung suchen und brauchen. Selbst wenn wir allein leben, haben wir meist ein ganzes Netz von Kontakten und Beziehungen – mal mehr, mal weniger gut.

 Und so lässt sich auch von Gott sagen, dass er Beziehung sucht und braucht. Oder anders ausgedrückt: Gott möchte nicht für sich allein sein. Er ist gern unter Menschen, wie er es uns gerade in seinem Sohn Jesus Christus deutlich gezeigt hat.

 

Im zweiten Buch Mose nun stellt Gott sich seinem Volk Israel mit eigenen Worten vor. Da heißt es im Vorwort zu den zehn Geboten:

 

Ich bin der HERR, Dein Gott, der ich Dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe,                                                  2. Mose 20,2

 

und so tritt Gott hier als der befreiende Gott auf. Dass Menschen frei leben und ihr Leben in Freiheit entfalten, dass ihnen Recht und Gerechtigkeit widerfährt, dafür steht Gott also auch ein.

 Sie sehen: Wir sind noch gar nicht weit in der Bibel vorgedrungen und sehen den Schöpfer ebenso wie den Gott, der Beziehung sucht und stiftet, wie den Gott, der Menschen durch Krisenzeiten begleitet und ihnen schließlich zu einem freien Leben verhilft. All das sind Bilder und Eigenschaften Gottes, die sich immer weiter ergänzen und erweitern lassen.

 

 

 

Der Prophet Micha nun eröffnet dabei noch einmal eine neue Dimension, wenn er zunächst fragt:

 Wer ist solch ein Gott, wie Du bist?

 Und dann fährt er fort:

 der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen,

 die geblieben sind als Rest seines Erbteils;

 der an seinem Zorn nicht ewig festhält,

 denn er hat Gefallen an Gnade!

 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten

 und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.

 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen,

 wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

 

Dass Gott also Sünde vergibt, dass er nicht nachtragend sondern gnädig ist, ja, dass Gott Schuld und Sünde geradezu energisch bekämpft, das ist diesem Propheten am Ende seines Buches wesentlich wichtig. Dabei konnten seine Leser und Zuhörer davon zunächst einmal nicht ausgehen. Denn eine seiner letzten Anklagen lautete:

 

Die frommen Leute sind weg in diesem Lande, und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten. Sie lauern alle auf Blut …. Ihre Hände sind geschäftig, Böses zu tun.                                                                  Micha 7,2f

 

Und wenn wir die Nachrichten der vergangenen Woche noch im Ohr haben, müssen wir feststellen, so viel besser sind unsere Zeiten wohl auch nicht. Da häuft sich auch in unserer Gesellschaft immer mehr Schuld an. Nur ein

Beispiel:

Wir alle könnten seit langem davon wissen, dass die Zustände in den Schlachthöfen (und nicht nur hier) für die Beschäftigten teils menschenverachtend. Viele kaufen ihre Wurst und ihr Fleisch nach möglichst billigen Angeboten. Die Politik sagt sich entschuldigend, die Verbraucher wollten billiges Fleisch und greifen darum nicht regulierend in die Machenschaften der Fleischindustrie ein. Aber jetzt, wo durch einen kleinen Virus deutlich wird, wie unverantwortlich hier mit Mensch und Tier umgegangen wird, - jetzt ist die Empörung groß, und jeder weiß genau, wer denn der eigentlich Schuldige ist und zeigt dabei auf andere Menschen neben sich. Dabei gälte es hier für jeden, sich an die eigene Nase zu fassen.

 

 Und überall dort, wo sonst in unserer Gesellschaft Schuld ist, muss diese Schuld ja abgebaut werden. Schuld steht ja wie eine Mauer zwischen Menschen und trennt voneinander. Und darum muss diese Mauer ja nach Möglichkeit wieder eingerissen werden, damit ein freies Leben wieder gelingt. Und am besten geht das wohl von beiden Seiten – aber das ist auch schwer.

Es gelingt, indem der Schuldner seine Schuld bekennt, indem der Täter also zu seiner Tat steht und sagt: Ja, ich habe einen Fehler begangen und möchte das wieder gut machen – denn ungeschehen kann man Schuld ja nicht machen. Und es gelingt, indem auf der anderen Seite das Opfer auch zu dieser Entschuldigung ‚Ja‘ sagt und Schuld vergibt. Dabei ist das keinesfalls immer so einfach und leicht, wie hier gesagt! …

 

Und wenn wir uns dann noch daran erinnern, dass Gott der Befreier ist und dafür einsteht, dass Menschen frei Leben und dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt, dann ist jede Schuld gegenüber einem anderen Menschen auch eine Schuld Gott gegenüber. Denn er steht ja gerade an der Seite der Opfer, wie er uns auch wiederum in Jesus Christus sehr deutlich zeigt.

 

Und trotzdem: Gott ist der,  der die Sünde vergibt und … der an seinem Zorn nicht ewig festhält.

 

Und deshalb, so Micha, bekämpft Gott Schuld und Sünde aufs energischste und schärfste. Er nimmt sich uns nicht nur ab und sagt: ‚Ist alles wieder gut‘, sondern er reißt sie uns förmlich aus den Händen und tritt sie mit Füßen, denn sie soll keine Möglichkeit mehr haben an uns zu kleben, sondern er wirft sie in die tiefsten Tiefen des Meeres. So bekämpft Gott die Sünde – aber nicht den Sünder. Gott straft die Schuld und nicht den Schuldner, und gerade so steht Gott dann auch zu seinem Wort, das er Abraham gegeben hat – und seinem Volk – und durch seinen Sohn Jesus Christus eben auch uns.

 


 

 

Zwischenmusik

 


Wir wollen Fürbitte halten:

 

 Barmherzig bist Du, Gott,

 geduldig und von großer Güte!

 Und darum können wir Gott, zu Dir kommen,

 und Dich um Vergebung bitten für all das,

 wo wir selbst Schuld auf uns geladen,

 wo wir Menschen in unserem Umfeld verletzt,

 wo wir zu lange geschwiegen

 und nicht gehandelt haben.

 Darum, Gott, bitten wir: Herr, erbarme Dich!

 Barmherzig bist Du, Gott,

 geduldig und von großer Güte!

 Und darum, Gott, kommen wir auch zu Dir und bitten Dich:

 Hilf uns den Opfern von Macht und Missbrauch zur Seite zu stehen

 und ihnen zu helfen:

 Missbrauchten Kindern, vergewaltigten Frauen,

 misshandelten Arbeiter, missachteten Menschen.

 Darum, Gott bitten wir: Herr, erbarme Dich!

 Barmherzig bist Du, Gott,

 geduldig und von großer Güte!

 Und darum, Gott, kommen wir zu Dir und bitten Dich:

 Hilf uns selbst aktiv mit Dir jede Schuld zu bekämpfen,

 sie öffentlich zu benennen, Missstände aufzuzeigen

 und versöhnende Weg zu bereiten.

 Darum, Gott, bitten wir: Herr, erbarme Dich!

 Barmherzig bist Du, Gott,

 geduldig und von großer Güte!

 

Und mit den Worten, die uns Dein Sohn gelehrt hat, beten wir:

 Unser Vater im Himmel,

 geheiligt werde dein Name.

 Dein Reich komme.

 Dein Wille geschehe,

 wie im Himmel so auf Erden.

 Unser tägliches Brot gib uns heute.

 Und vergib uns unsere Schuld,

 wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 Und führe uns nicht in Versuchung,

 sondern erlöse uns von dem Bösen.

 Denn dein ist das Reich und die Kraft

 und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

 

Mit der Ferienzeit beginnt nun für viele Menschen auch die Reisezeit – diesmal eher weniger in die Ferne, denn das Gute liegt ja oft so nah. Die Evangelische Kirche im Rheinland stellt dafür ab Montag Ausflugstipps quer durch das Kirchengebiet bereit, zu finden unter www.ekir.de/himmlischeferien

 

Möge die Straße uns zusammenführen

und der Wind in deinem Rücken sein;

 sanft falle Regen auf deine Felder

 und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

 Und bis wir uns wiedersehen,

 halte Gott dich fest in seiner Hand

 Der Herr segne uns und behüte uns!

 Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und bewahre uns!

 Er erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden!

 Amen

 

 

Nachspiel

 

 

Und nun herzliche Einladung zu unseren Gottesdiensten am 5. Juli

 um 9.30 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche und

 um 11.00 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle,

 anders als im Gemeindebrief angekündigt mit Prädikant Gunnar Grams.

 Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte an mich.

 Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de

 

Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!


Download
200628 GoDi - online-version.pdf
Adobe Acrobat Dokument 288.3 KB