Gottesdienst vom 21.06.2020 – 2. Sonntag nach Trinitatis

 

 

 

Gott lädt uns durch Jesus Christus auch heute wieder zu sich ein, und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen Gottes,des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

 

 

Unser Anfang und unsere Hilfe stehen im Namen des Herrn,

 

der Himmel und Erde gemacht hat,

 

der Bund und Treue hält ewiglich

 

und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

 

 

 

Liebe Leser*innen, liebe Gemeinde!

 

Ich freue mich Sie und Euch wiederzusehen. Richtig schön ist das.

 

Und dann feiern auch einige andere von zu Hause mit, in dem Sie die Videoaufnahme des Gottesdienstes sehen oder die Textpredigt lesen.

 

Euch und Ihnen allen ein herzliches Willkommen.

 

Mit dem Wochenspruch für die neue Woche lädt Gott uns ein, zu ihm zu kommen, damit wir alles, was uns belastet abgeben und neue Kraft tanken können. Dort heißt es:

 

 

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid;

 

ich will euch erquicken.

 

Mt 11,28

 

 

 

 

 

LIED                    ZwHuE 21,1-3   Meine engen Grenzen

 

 

 

 

 

PSALM               36

 

Was ist gut? Was ist Wahrheit?

 

Die Fragen lassen mich nicht los.

 

Ich höre aus der Bibel:

 

Gottes Güte reicht, so weit der Himmel ist,

 

und Gottes Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

Ich denke:

 

Der Himmel ist weit weg

 

Und die Wolken kann ich nicht fassen.

 

         Was ist gut? Was ist Wahrheit?

 

         Die Fragen lassen mich nicht los.

 

Ich höre von Menschen um mich hehr:

 

Was gestern richtig war,

 

spielt heute keine Rolle mehr.

 

Wahr ist nur, was du selbst gerade denkst.

 

Gut ist, was dir nützlich ist.

 

Alles andere ist egal.

 

         Ich denke:

 

         Das kann es nicht sein.

 

Und die Fragen bleiben:

 

Was ist gut? Was ist Wahrheit?

 

Was ich einmal hörte, geht mir nicht aus dem Sinn:

 

Gottes Güte reicht, so weit der Himmel ist,

 

und Gottes Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

Kann ich es so verstehen?

 

         Gott, du bist verlässlich und wahrhaftig.

 

         Dein Recht und Deine Gerechtigkeit

 

         Gelten in Höhen und Tiefen.

 

         Du bist Gott, der hilft.

 

Menschen und Tiere können sicher sein,

 

dass du es gut mit ihnen meinst,

 

Das kleinste Menschenkind ist bei dir geborgen.

 

Gott, bei dir ist die Quelle des Lebens.

 

Du sorgst dafür, dass ich das erkenne.

 

Das ist gut.

 

Darum will ich weitersagen, was du mir gezeigt hast:

 

Gottes Güte reicht, so weit der Himmel ist,

 

und seine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

Amen.[1]

 

 

 

 

 

EINGANGSGEBET

 

Gott,

 

es tut gut zu hören,

 

wie groß Deine Güte und Deine Wahrheit sind.

 

Du lädst uns ein,

 

an Deinen Tisch, in diesen Gottesdienst zu kommen,

 

um Worte des Lebens zu hören.

 

Ja, Deine Worte tun uns gut.

 

Doch manchmal verstummen sie in uns

 

oder wir vergessen ihre Bedeutung

 

in all dem Unheil, das in der Welt geschieht.

 

Du machst uns Mut, nicht zu verzweifeln,

 

an dieser Welt und auch an dem,

 

was wir falsch machen.

 

Du schenkst uns Kraft.

 

Bei Dir dürfen wir spüren:

 

Wir sind geliebt.

 

Du hältst an uns fest, denn

 

Deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

 

und Deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

Dafür danken wir Dir.

 

Amen.

 

 

 

 

 

LIED                    eg 252,1-3          Komm sag es allen weiter

 

 

 

 

 

PREDIGT  Mt 11,25-30

 

 

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach:

 

Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,

 

dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.

 

Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

 

Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

 

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

 

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

 

Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

 

 

 



[1] Banken u.a. (Hrsg) (2008): Dir kann ich alles sagen, Gott, S. 37f.

 


 

Jesus lädt ein: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“ – Erquicken, neu beleben, sorgenlos sein, befreit durchatmen – wer wünscht sich das nicht?

Befreit durchatmen, da kommt mir ein Gegenbild der letzten Tage in den Sinn.


Ein Afroamerikaner, der auf dem Boden liegt und von dem Knie eines weißen Polizisten niedergedrückt wird. „Please, I can’t breathe!“, bittet George Floyd. Er kann nicht mehr befreit durchatmen. Er kann überhaupt nicht mehr atmen.

 

„Please, I can’t breathe!“, sind die letzten Worte, die George Floyd über die Lippen kommen, bevor er stirbt. George Floyd wurde die Luft zum Atmen geraubt.

 

„I can’t breathe“, das galt wohl nicht nur für diesen Moment, in dem George Floyd um sein Leben kämpfte, nein auch sonst wurde ihm und wird auch noch vielen anderen Afroamerikanern die Luft zum Leben im Alltag geraubt. Auch hier in Deutschland ist Rassismus ein Problem. Da geht es neben offensichtlicher Gewalt z.B. auch um geringere Chancen zur gesellschaftlichen Teilhabe oder um geringere Bildungs- und Berufschancen. Der Rassismus drückt schwer und lässt seinen Opfern kaum eine Möglichkeit, um entspannt durchzuatmen.[1] Wohlgemerkt: auch andere Formen von Diskriminierung haben diese Folge.

 

 

 

Demgegenüber steht Jesu Einladung. Jesus bezieht mit der Einladung eindeutig Position. Er wählt die Option für die Unterdrückten und Beladenen. Jesus wirft die alte Hackordnung über Board. Auch die ersten Verse des Predigttextes zeigen dies deutlich, wenn Jesus ein Loblied anstimmt, weil Gott seine Wunder und die Botschaft den „Unmündigen“ offenbart.

 

In erster Linie ist Gott ein Gott für die Unterdrückten und für die Ausgestoßenen. Das zeigt sich auch in Jesu Wirken. Immer wieder sucht er die Nähe zu denen, die in der Gesellschaft keinen hohen Stellenwert haben, die teils sogar von der Gesellschaft ausgestoßen sind. Und Jesus wird dafür massiv kritisiert. Aber er stellt klar: „Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken!“ (Mt 9,12). Damit meine ich jetzt nicht, dass die Unterdrückten krank seien. Nein, ich will nur nochmal Jesu Position herausstellen: Er setzt sich für die ein, die Hilfe brauchen. Er setzt sich für die Kranken ein, er setzt sich für die Unterdrückten ein, er setzt sich für die Opfer ein. Ihnen gilt die Einladung Jesu in ganz besonderer Weise.

 

 

 

Lasst uns nochmal einen Blick auf Jesu Lobpreis zu Beginn des Textes werfen: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.“

 

Seltsam kommt mir das vor und will so gar nicht in mein Bild von Jesus passen. Er freut sich darüber, dass manchen sein Wirken verborgen bleibt? Aber vielleicht hat sich Jesus auch einfach nur geärgert über die Weisen und Klugen – gemeint sind wahrscheinlich die Schriftgelehrten – die ihm immer wieder Stöcke zwischen die Beine geworfen haben und versucht haben ihn in eine missliche Lage, ja sogar in eine Falle zu locken. Menschlich wäre seine Reaktion allemal und Jesus war eben auch Mensch.

 

 

Aber vielleicht ist seine Freude auch viel mehr darauf bezogen, dass es doch zumindest die „Unmündigen“ verstanden haben, dass sie zur Erkenntnis gekommen sind.

 

Also nicht die Neunmalklugen Schriftgelehrten, die auf alles eine Antwort wissen, bei denen der Glaube fast schon wie ein starres Gerüst ist. Sondern diejenigen, die im Glauben immer wieder auf der Suche sind, immer wieder nachfragen und so auch noch weiter wachsen. Und vielleicht meint Jesus auch, und da würde ebenfalls das Wort „Unmündige“ gut passen, diejenigen, die von anderen unmündig gemacht werden, die ihrer vollen Rechte und Wahlmöglichkeiten beraubt werden.

 

 

Und so können auch wir uns auf die ein oder andere Art zu der Gruppe der „Unmündigen“ zählen. Und ebenfalls können auch wir uns zu der Gruppe der Beladenen zählen. Denn wer kann schon von sich behaupten, sein Leben lang sorgenfrei zu sein. Wo ersticken wir vor Sorgen? Wo werden wir unserer Zukunftsperspektiven beraubt? Wo geraten wir in Situationen, die uns keine Wahl mehr lassen? Wo fehlt uns die Luft zum Atmen?

 

Auch uns gilt seine Einladung: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

 

 

 

Und im nächsten Augenblick fordert Jesus: „Nehmt auf euch mein Joch!“ Was bedeutet das? Widerspricht das nicht der vorherigen Einladung die Jesus ausspricht? Bei einem Joch denke ich an das Geschirr eines Stiers, der sich mit aller Kraft hineinstemmen muss, um den Wagen oder Pflug hinter sich her zu ziehen. Aber Jesus verspricht, dass sein Joch sanft und leicht sei.

 

Das Joch meint das Gesetz des Mose. Die Schriftgelehrten damals versuchten das Gesetz in jedem noch so kleinen Winkel ihres Lebens umzusetzen und forderten dies auch von ihren Mitmenschen. Es ist kaum möglich nach diesen Maßstäben zu leben. Da raubt das Gesetzt die Luft zum Leben.

 

Jesu Joch aufnehmen bedeutet jedoch, die Gesetze nach Jesu Auslegung zu leben. Dann verliert das Bild vom Joch, das schwer auf den Schultern lastende, sondern das Joch bekommt eher eine wegweisende Funktion. Jesus hat die Gesetze stets als etwas lebensdienliches ausgelegt und immer wieder darauf hingewiesen, dass die Gesetze für den Menschen dar sind und nicht der Mensch für die Gesetze. Das bedeutet, die Gesetze nach Jesu Auslegung zielen aufs Leben, auf Befreiung aus der Unterdrückung durch das Gesetz. Erquicken, neu beleben und befreien, das will Jesus!

 

Das Joch Jesu ist also wahrlich ein sanftes. Ja, auch wir sind dazu aufgerufen, Leben zu schützen und zu bewahren. Auch das bedeutet das Joch Jesu aufzunehmen.

 

 

Und dann sind wir wieder in der Gegenwart. Weltweit gehen mehrere tausend Menschen auf die Straße unter dem Slogan „Black Lives Matter“, „Schwarze Leben zählen“, und kämpfen für die Rechte schwarzer Menschen.

 

Jedes Leben zählt, das hat uns Jesus gelehrt. Deswegen ging er ans Kreuz. Und deswegen gehen heute viele Menschen auf die Straße, um für Gleichberechtigung und gegen Rassismus anzutreten.

 

Ich stelle mir vor, wie Jesus mitleidet, wenn wieder einem Menschen Unrecht geschieht. Ich stelle mir vor, wie Jesus friedlich mit den Demonstranten die Faust in den Himmel reckt –      ein Zeichen der Solidarität.

 

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“ – Erquicken, neu beleben, sorgenlos sein, befreit durchatmen – Das wünsche ich mir.

 

Amen.

 

 

 

 

MUSIKMEDITATION           We shall overcome

 

 

 

 

 

FÜRBITTE

 

Wir sprechen gemeinsam:

 

Du hältst deinen Himmel offen für alle Menschen, Gott.

 

Es ist niemand zu klein oder zu groß,

 

zu arm oder zu reich, um zu dir zu gehören.

 

Du hältst deinen Himmel offen für alle Menschen, Gott.

 

Wir bitten dich für die Hungernden und Durstenden in dieser Welt,

 

dass die Not und das Elend überwunden werden.

 

Mach unsere Herzen weit,

 

dass auch wir das dafür Nötige tun.

 

Du hältst deinen Himmel offen für alle Menschen, Gott.

 

Wir bitten dich für die Menschen,

 

die davon nur wenig spüren,

 

für Kranke und Einsame,

 

um die sich niemand kümmert.

 

Du hältst deinen Himmel offen für alle Menschen, Gott.

 

Wir bitten dich für die, die unter Krieg, Gewalt und Unterdrückung leiden,

 

denen das Leben zur Hölle gemacht wird.

 

Lass dort die Kräfte des Himmels gestärkt werden

 

und Friede und Gerechtigkeit sich durchsetzen.

 

Du hältst deinen Himmel offen für alle Menschen, Gott.

 

wir bitten dich für die, die schon jetzt unter der Klimaveränderung

 

leiden.

 

Bewahre Himmel und Erde vor der Zerstörung

 

und hilf, dass auch wir dazu beitragen,

 

deine Schöpfung zu bewahren.[2]

 

Und voll Vertrauen beten wir weiter in den Worten, die uns Jesus Christus gelehrt hat:

 

 

 

UNSER VATER im Himmel.

 

Geheiligt werde Dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

 

und die Herrlichkeit in Ewigkeit,

 

Amen.

 

 

 

SEGEN

 

Gott, Deinen Segen erbitten wir:

 

Herr, segne unsere Herzen,

 

dass sie Wohnstätte seien Deinem Geist,

 

dass sie Wärme schenken und bergen können,

 

dass sie reich seien an Verzeihung,

 

dass sie Leid und Freude teilen können.

 

Gemeinsam sprechen wir:

 

Der HERR segne uns und behüte uns;

 

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;

 

der HERR erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.

 

Amen

 

 

 

 

 

NACHSPIEL

 

 

 

 

Diese Andacht können Sie oder andere Menschen auch im Internet unter www.unterbarmen-sued.de als Video sehen.

 

 

 

BEKANNTMACHUNGEN

 

Und nun herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am 28. Juni

 

um 9.30 Uhr in der Lichtenplatzer Kapelle (aufgrund der aktuellen Umstellungen im Gottesdienstplan hatte dieser Gottesdienst leider keine Aufnahme in den aktuellen Gemeindebrief gefunden), und

 

um 11.00 Uhr im Gemeindezentrum Petruskirche, beide dann mit Pfarrer Seim.

 

Diese Gottesdienste werden nur mit einer Gesichtsmaske besucht werden können, und leider werden wir auf gemeinsamen Gesang verzichten müssen.

 

Wir denken, dass wir genug Platz für alle haben. Sollten doch mehr als erwartet kommen, hoffen wir auf die Flexibilität der Jüngeren und Beweglicheren unter uns.

 

Kommen Sie bitte rechtzeitig, um einen Andrang vor den Türen zu vermeiden. Sie werden die Möglichkeit haben, Ihre Garderobe abzulegen. Eine Presbyterin oder ein Presbyter wird ihren Namen, ihre Anschrift und Telefonnummer in eine Anwesenheitsliste eintragen, und sie werden Gelegenheit haben, ihre Hände zu desinfizieren.

 

Wer weitere Informationen benötigt, wende sich bitte an

 

Pfr. Michael Seim, Tel.: 55 97 17 oder Email: michael.seim@ekir.de

 

 

 

In der Zeit vom 28.06. bis 19.07. können leider keine Videoaufnahmen der Gottesdienste gemacht und auf unserer Homepage veröffentlicht werden.

 

Ab dem 26.07. steht Ihnen dieses Angebot dann aber wieder zur Verfügung.

 

 

 

Und noch ein kurzer Hinweis:

 

Derzeit sind wir dabei mit aller Vorsicht einige Treffen wieder möglich zu machen, dafür hat das Presbyterium Hygienekonzepte verabschiedet, die wir interessierten Personen gerne zur Verfügung stellen.

 

 

 

Wir wünschen Ihnen alles Gute und: Bleiben Sie behütet und gesund!

 



[2] Vgl. Goldschmidt(2018): Denn du bist unser Gott, S. 212

 


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