Andacht im Raum der Stille,  20.05.20

Liebe Gemeinde!


Herzlich Willkommen zur heutigen Andacht am
Mittwoch.


Morgen ist Himmelfahrtstag, ein kirchlicher Feiertag,
an dem die Gottesdienste oft nicht so sehr
gut besucht sind. Dabei ist dieser Tag, wenn man
einmal über seine Bedeutung nachdenkt, gar
nicht uninteressant.
Lesen wir dazu einen Text von Hanns Dieter Hüsch.


Zu Himmelfahrt
Herr
Ich will Dich auch heute preisen
Und Dir Dank sagen
Halleluja
Du schenkst wieder festen Boden
Unter meinen zerbrechlichen Füßen
Auch wenn ich zu zweit oder mit vielen gehe
Bist Du an meiner Seite
Manchmal atme ich schwer
Und stolpere den Weg entlang und befürchte:
Du hast die Erde verlassen


Doch ich bin töricht
Denn Dein ist die Welt
Dein sind Himmel und Erde

Da ist kein Zwischenraum kein Unterschied
Keine Grenze
Und wenn wir gehen
Gehen wir zum Himmel
Und wenn wir kommen
Kommen wir zur Erde
Und wenn wir auf der Erde straucheln
Hebst Du uns auf in den Himmel
Denn Himmel und Erde sind Bruder und Schwester
Ich bin frohgemut daß ich in Deinem All zu Hause
bin
Dein Haus
Deine Welt
Himmel und Erde
Du hältst alle und alles zusammen
Weh denen die Dein Kunstwerk zerstückeln
Und zerstören
Und Dein Geheimnis von Himmel und Erde
Verraten und verkaufen
Sie werden sich in ihren Netzen verstricken
Alles wissen und preisgeben
Doch weder auf Erden noch im Himmel
ein Zuhause finden
Herr wir haben nur Dich
Deine Welt soll in uns sein
Solange Du Himmel und Erde vermählst

Und beschützt
Und uns weiterhin gnädig bist
Amen


„Fest und schützend war der Himmel, steinern,
kristallin“, schreibt der Gießener Soziologe Reimer
Gronemeyer in seinem Buch „Der Himmel“
über das Lebensgefühl früherer Zeiten. Mit Blick
auf die moderne Astrophysik beschreibt Gronemeyer
das neue Himmelsgefühl, das Himmelsgefühl
des heutigen Menschen so:


„Heute ist er (der Himmel) ins Unendliche verflüssigt,
eine flexible Größe nahezu. Und ein Symbol
für die entgrenzte Heimatlosigkeit des Menschen
im All.“ Die Menschen haben den Himmel verloren.
Trotzdem können wir ohne den Himmel nicht leben,
sagt Gronemeyer. Der Himmel gelte den
Menschen auch heute noch als Sehnsuchtsort -
trotz des naturwissenschaftlichen Wissens um die
Leere des Kosmos (nur etwa 5% sind feste Materie).
Himmelssehnsucht sei „die Sehnsucht nach
Sinn, nach Gerechtigkeit,Gerechtigkeit, nach
Wahrheit, nach Erlösung, nach Trost, nach Leben,
das über den Augenblick hinausreicht“. so urteilt
Gronemeyer. Er proklamiert ein Himmelsbild, das
Sinn stiftet ohne Fesseln anzulegen. Aber er sagt
auch: „Der Himmel ist ein Geheimnis. Der Sinn

der Geheimnisse besteht nicht darin, dass wir sie
verstehen, sondern dass wir sie bewohnen.


Im Englischen gibt es zwei Worte für „Himmel“.
einmal das Wort „Sky“, mit dem die blaue Luft
über unseren Köpfen bis hinein in die Weiten des
Alls bezeichnet wird und andererseits das Wort
„Heaven“, in dem sich all das wiederfindet, nach
dem der Mensch sich sehnt. Als „Himmlisch“ bezeichnen
wir alles, was uns überirdisch gut erscheint
- vom „himmlischen Trüffel“ oder anderen
Leckereien bis zum himmlischen Wetter im Urlaub.
Himmel, das ist das Sinnbild alles Guten
und Schönen, der Sehnsuchtsort schlechthin, den
die Menschen auch heute bei aller vermeintlichen
Aufgeklärtheit genauso ersehnen und brauchen
wie frühere Generationen.


Himmelfahrt - das Gegenstück zu Weihnachten.
Weihnachten ist Gott ganz Mensch geworden - in
dem hilflosen Kind in der Krippe.


Himmelfahrt ist Jesus ganz Gott - der gekreuzigte,
auferweckte und auferstandene Christus, heimgekehrt
in den Himmel zu Gott - er sitzt zur Rechten
Gottes, des Vaters.


Ganz Mensch und ganz Gott.

Hindurchgegangen durch alle Tiefen und Höhen
menschlichen Lebens - vom hilflosen Kind in der
Krippe über den gefeierten König der Juden, bejubelt
von den Massen beim Einzug in Jerusalem,
bis hin zum Tod am Kreuz. Wahrer Mensch gewesen.


Danach: auferstanden von den Toten und aufgefahren
in den Himmel - zurückgekehrt an eben jenen
Ort, den wir Menschen uns als das grenzenlos
Gute, die unendliche Freiheit von allem Leid,
die Erlösung, ausmalen; sitzend zur Rechten Gottes,
also wieder ganz Gott. Wahrer Gott - geworden
und immer gewesen.
Zurückgekehrt mit dem Versprechen an uns:
Wahrlich, ich sage Dir: Heute wirst Du mit mir im
Paradies sein.


Dazu noch einmal Hanns Dieter Hüsch:


Alletage
Er macht mich fröhlich
Es ist gut,
sich an Gott zu klammern,
morgens seine Gnade erfahren,
Alletage seine Güte erleben,
und des Nachts in seiner Wahrheit ruhen.
Er macht mich fröhlich
und vertreibt meine Angst und meine Klagen.
Mit seinen Händen

ebnet er mir den Weg
und begleitet mich mit seinen Gedanken.
Wenn ich an ihm festhalte,
stehe ich wie eine Eiche im festen Grund,
wachse ich innerlich wie eine Zeder im Libanon.
Nichts kann mich erschüttern;
denn die Stürme der Zeit
können mich nicht ausreißen.
wenn ich so gegründet bin
in Gottes Güte und Fürsorge,
werde ich nicht welken und verdorren.
Meine Seele ist immergrün
und mein Herz schlägt munter wie am ersten Tag.
Wenn ich auch alt werde,
so blühe ich wieder auf;
denn Gott behütet mich auf allen Wegen.
In dunklen Stunden und in hellen Tagen
ist er mit mir und für mich.


Herr,
Umsorge mich mit Deiner Liebe,
denn bei Dir bin ich zu Hause.
Deine Kinder erfahren Deine Güte
und ich gehöre dazu.
Du reichst uns einen Becher gefüllt mit gutem
Geist,
in Deinen Händen hältst Du mein Leben.
Mein Herz hängt an Dir Tag und Nacht.
Ständig erfüllst Du mich mit neuer Kraft.

 

Du gibst mich nicht auf,
Du gibst mich nicht preis.
Du zeigst mir den Weg ins Leben,
darum will ich bei Dir bleiben
für alle Zeit.
Alle Tage und in den Nächten.
Amen


Unser Vater im Himmel…


Es sei mit uns der Segen Gottes
im Atemholen
im Träumen
im Wachen
im Schmerz
in der Freude
im Denken
im Tun
im Verweilen
im Fortgehen


Es sei mit uns der Segen Gottes
wie eine Hand
auf unserer Schulter.
Amen.
                                                                     (Jutta Schindewolf-Grams)

 

 

 

 

 


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