GOTTESDIENST VOM 05.04.2020

 

 

 

Weil Gott uns durch unser Leben begleitet,

 

und weil wir uns nach seinem Wort und nach seinem Schutz sehnen,

 

darum kommen wir auch heute zu ihm,

 

und feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes,

 

im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen!

 

 

 

Liebe Gemeinde!

 

 

 

Mitten in der Passionszeit feiern wir am Palmsonntag den Einzug Jesu nach Jerusalem. Freudig wird er auf der Straße begrüßt, weil Menschen viel von ihm erhoffen.

 

Wir leben derzeit in unserer eigenen Passionszeit. Freudig begrüßen wir die uns vertrauten Gesichter mit einem Winken auf Distanz, oder wir begrüßen uns freudig am Telefon. Denn für viele Menschen ist das mittlerweile der einzige Kontakt zur Außenwelt. Wir sind allein in unseren Häusern und Wohnungen, und wissen uns doch mit anderen verbunden. Deshalb bleiben wir ja zuhause.

 

Und: Auch wir erhoffen uns etwas von diesem Gott, der in Jesus Christus zu uns gekommen ist, um unser Leben in allem zu teilen. Wie wir mit diesem Jesus verbunden sind, darum wird es in dieser Andacht heute gehen.

 

Wenn Sie mögen, nehmen Sie sich diese kleine Auszeit, zünden sich eine Kerze an, legen sich eine ruhige Musik auf, und lesen in aller Ruhe diese Zeilen.

 

Ich wünsche Ihnen so auf diesem Wege eine gesegnete Zeit.

 

 

 

Im Wochenspruch für diese Karwoche, heißt es:

 

Der Menschensohn muss erhöht werden,

 

auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

 

Joh 3,14f

 

 

 

Der Evangelist Johannes bringt damit zum Ausdruck, dass sich gerade am Kreuz Gottes ganze Liebe erfüllt. Gerade hier am Kreuz weicht Gott in Jesus Christus dem Schweren und den Schmerzen in unserem Leben nicht aus. Gerade hier teilt er unser ganzes Leben und bleibt auch im Tod mit uns Menschen verbunden. Er tut das, damit er uns dann auch Anteil an seinem neuen ewigen Leben in einer kommenden Welt schenken kann.

 

Darauf können wir hoffen und vertrauen und beten zu ihm:

 

 


Du, Allmächtiger, barmherziger Gott!

 

In Deinem Sohn Jesus Christus bist Du zu uns gekommen,

 

um unser Leben in allem zu teilen.

 

Du freust Dich mit uns, Du trauerst mit uns,

 

Du hoffst mit uns, Du klagst mit uns.

 

In allem bist Du mit uns verbunden,

 

so wie gute Freunde, Familien oder wie ein vertrautes Ehepaar.

 

Du gehörst einfach zu uns, und wir gehören zu Dir.

 

Denn gerade in diesen Tagen, Gott,

 

sind wir auf Dich und Deine Begleitung angewiesen.

 

Darum bitten wir Dich:

 

Bleib Du bei uns!

 

Begleite Du uns und all die Menschen, die uns am Herzen liegen!

 

Bleib Du bei all denen,

 

die derzeit in so vielen Bereichen dem Leben dienen!

 

Darum bitten wir Dich in Jesu Namen,

 

Amen.

 

 

 

 

 

Verbunden mit Gott, das heißt wir gehören zu ihm, und er gehört zu uns.

 

Wir gehören zu Gott, denn wir sind von ihm geschaffen, so glauben wir. Noch bevor wir waren, hat er bereits ‚Ja‘ zu uns gesagt. Dafür steht am Perlenband des Glaubens die kleinere weiße ‚Ich-Perle‘.

 

Und: Gott gehört zu uns, denn wir sind auf seinen Namen getauft. So wie er uns geschaffen und ‚Ja‘ zu uns gesagt hat, so sagen wir in der Taufe ‚Ja‘ zu ihm. Dafür steht am Perlenband des Glaubens die größere weiße ‚Tauf-Perle‘.

 

 

 

Auf dem Foto auf der nächsten Seite sehen Sie die beiden Perlen am Perlenband des Glaubens zum einen genau vor der Taufkerze liegen. Zum anderen liegen beide Perlen auch im geöffneten Schatzkistchen gut geborgen. Und so wie sich das Fenster der Lichtenplatzer Kapelle im Wasser der Schale wiederspiegelt, so will Gott selbst sich durch die Taufe in unserem Leben wiederspiegeln.

 

Entsprechendes bringt der Evangelist Matthäus in der Erzählung zur Taufe Jesu zum Ausdruck: Jesus Christus macht sich nicht größer und auch nicht besser als andere Menschen. Er stellt sich ihnen zur Seite. Dadurch erfüllt er den Willen Gottes und dieser freut sich so an seinem Sohn.

 

 

 

 

 

Hier können Sie den Text aus Matthäus 3,13-17 nach der Übersetzung der Basisbibel lesen:

 

 

 

13 Damals kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes.

 

Er wollte sich von ihm taufen lassen.

 

14 Johannes versuchte, ihn davon abzuhalten, und sagte:

 

»Ich habe es nötig, von dir getauft zu werden! Und du kommst zu mir?«

 

15 Jesus antwortete ihm:

 

»Das müssen wir jetzt tun. So erfüllen wir den Willen Gottes

 

Da gab Johannes nach.

 

16 Als Jesus getauft war, stieg er sofort aus dem Wasser.

 

Und sieh doch: Der Himmel riss über ihm auf.

 

Er sah den Geist Gottes. Der kam wie eine Taube auf ihn herab.

 

17 Und sieh doch: Dazu erklang eine Stimme aus dem Himmel:

 

»Das ist mein Sohn, ihn habe ich lieb, an ihm habe ich Freude.«

 

 


Liebe Gemeinde!

 

 

 

Es ist immer noch irgendwie unwirklich und irreal, was derzeit geschieht. Unser ganzes Leben, unsere ganze Gesellschaft hält sozusagen den Atem an, um zu lauschen und abzuwarten, was denn weiter geschieht, wie und wann das Leben wieder aufatmen kann.

 

Gerade in diesem Moment ist es für uns so wichtig zu erfahren, dass wir nicht alleine sind, dass wir in Beziehungen leben, dass für uns gesorgt wird und dass es uns hoffentlich auch gut damit geht. Niemals sonst haben wir alle auf einmal so zeitgleich erfahren, dass wir darauf angewiesen sind, einander zu haben. Denn das macht uns und unser Wesen aus.

 

 

 

Die ‚Ich-Perle‘ an den Perlen des Glaubens, sie steht genau dafür. Sie stellt uns die Fragen: „Wer bin ich denn? Was macht mich aus?“

 

Nehmen Sie sich vielleicht einen Moment Zeit, dafür, bevor Sie weiterlesen.

 

 

 

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Eines wird jede und jeder von uns sagen können: Ich bin Kind meiner Eltern. Denn ohne unsere (biologischen) Eltern gäbe es uns ja nicht in dieser Welt. Da war zumindest der eine Moment in unserem Leben, da wurden wir gewollt. Und die meisten Kinder erfahren glücklicherweise, das das auch noch weit über die Momente der Zeugung und Geburt hinaus gilt.

 

Ein weiteres wird auch jede und jeder von uns sagen können: Ich lebe in Beziehungen. Denn alleine könnte ich nicht leben. Wir brauchen einander. Wir sind darauf angewiesen, dass wir uns austauschen können, selbst, wenn wir allein leben. Ein Leben ohne Gespräch und Kommunikation ist kaum möglich. Umso schöner und wohltuender empfinden wir es, wenn wir in guten Beziehungen miteinander leben.

 

 

 

Und vom Glauben her können wir sagen: Genau so sind wir von Gott gewollt. Genau so sind wir Menschen Gottes Ebenbild, sein Spiegelbild. Denn weil Gott nicht alleine bleiben wollte, weil Gott sich ein Gegenüber und auch das Gespräch mit uns suchte, darum sind wir überhaupt da.

 

Wenn wir außerdem ernst nehmen, dass wir als Gottes Ebenbild oder sein Spiegelbild geschaffen sind, dann erfüllt sich unser Menschsein genau darin: dass wir nicht alleine sein wollen, dass wir ein Gegenüber, eine Partnerin oder einen Partner und das Gespräch miteinander suchen.

 

So sind wir eben: Von Gott gewollt und geschaffen und als Gottes Spiegelbilder einander zur Seite gestellt. Und das heißt für mich auch: Jeder Mensch ist wichtig und für Gott von Bedeutung. Da gibt es keine größeren und kleineren, keine wichtigeren oder unwichtigeren Menschen vor Gott. Darum stellt sich Jesus in seiner Taufe auch allen anderen Menschen gleich, wie er sich später in seinem Leben gerade oft denen zur Seite stellt, die von anderen ausgestoßen werden oder anderen unwichtig erscheinen.

 

Dass oft gerade diese Menschen auch für uns wichtig sind, das erleben wir in diesen Zeiten. Nicht nur Ärztinnen und Ärzte, auch Schwestern und Pfleger, Reinigungskräfte, auch Kassiererinnen und Kassierer oder andere Menschen sind für unsere Gesellschaft wichtig und wie es jetzt heißt „systemrelevant“.

 

Vom Glauben her aber gilt für jeden Menschen: egal wie wir sind und was wir sind: Jede und jeder ist Gottes Ebenbild.

 

 

 

Der ‚Ich-Perle‘ folgt an meinen Perlen des Glaubens nun die ‚Tauf-Perle‘. Dicht bei dicht liegen sie nebeneinander und berühren sich. Mir fällt dabei auf: Die Taufperle ist größer als die Ich-Perle. Es ist fast so, als ob die Taufperle die Ich-Perle in sich aufnehmen könnte. Sie ist der größere und stärkere Begleiter, bei dem ich mich geborgen und aufgehoben fühle. Oder mit anderen Worten: Wir sind durch die Taufe von Gott umfangen.

 

Anders ausgedrückt: die Taufe ist sozusagen der Palmsonntag in unserem Leben. Denn mit seiner Taufe wie mit unserer eigenen Taufe sind wir seit diesem Moment miteinander verbunden. So zieht Jesus mit unserer Taufe mitten in unser Leben hinein. Er ist seither unser größerer und stärkerer Begleiter. Vor allem aber ist ihm ja nichts Menschliches fremd, wie die weitere Passionsgeschichte zeigt: Er wird verleumdet und verleugnet. Er wird angeklagt und verurteilt. Er wird verlassen und verhöhnt. Schließlich nimmt er auch den Weg in unseren Tod auf sich, - um uns durch seine Auferweckung den Weg in sein neues Leben zu ebnen. So ist er stets für uns da, uns zur Seite und uns verbunden.

 

In seiner Taufe stellt Jesus sich uns Menschen zu Seite. Er will gar nicht größer und besser oder wichtiger sein, sondern er will uns zur Seite sein.

 

In unserer Taufe nun zieht Jesus in die Mitte unseres Lebens hinein. Denn als Getaufte gehören wir untrennbar zu ihm. Er will und er wird uns darum begleiten in allem, was uns geschieht. Und: Er will, dass sich etwas von seinem Leben auch in unserem Leben wiederspiegelt.

 

Mein Eindruck ist durchaus: Das gelingt uns derzeit. Da wird aufeinander Rücksicht genommen. Da werden kreative Lösungen für aufkommende Probleme gesucht und gefunden. Da wird viel mehr Hilfe angeboten als derzeit benötigt wird. Da wird zunächst und viel an andere gedacht.

 

Wir erleben derzeit sehr genau, dass wir alle aufeinander angewiesen sind und füreinander einstehen müssen, es aber auch können.

 

Und wir erleben derzeit vielleicht auch, dass uns dabei unser Glaube die nötige und not-wendende Kraftquelle ist, die uns die nötige Geduld und Zuversicht schenkt. Denn wir dürfen wissen, dass Gott selbst uns zur Seite steht und gerade auch durch diese Zeiten mit uns geht. Und mit ihm an der Seite dürfen wird dann auch auf den einen neuen Morgen hoffen, an dem unser Leben wieder ganz neu beginnt.

 

 

 

Amen

 

 

 

Herr, Jesus Christus!
Nicht nur am Palmsonntag kommst Du mitten in unser Leben.
Du weißt um Leid und Sorge.
Du weißt um unsere Unsicherheit und um unser Ringen.
Du kennst unsere Zweifel
und schenkst uns Deine Hoffnung und Deine Zuversicht.
So kommen wir heute zu Dir mit all dem, was uns bewegt,
und bitten Dich:
Für die Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen,
die derzeit keinen Besuch erhalten können,
aber dennoch auf Hilfe angewiesen sind:
Lass sie spüren, sie sind nicht allein!
Und steh Du selbst ihnen bei!
Für die Menschen, die in diesen Häusern ihren Dienst versehen,
die sich um die ihnen Anvertrauten sorgen und kümmern,
und sich nach ihren Möglichkeiten für sie einsetzen:
Schenk Du ihnen die nötige Kraft und Zuversicht,
und auch die Menschen, die sie stützen und tragen!
Für die Menschen, die unseren Alltag aufrechterhalten,
die Regale einräumen, an der Kasse sitzen,
Waren ausliefern und oft im direktem Kontakt mit anderen stehen:
Lass sie die Anerkennung erfahren, die ihnen zusteht!
Und hilf, dass sie gut beschützt und behütet bleiben!
Für alle Menschen in Häusern und Wohnungen,
allein oder gemeinsam,
gestresst, im Homeoffice mit Kinderbetreuung,
oder ganz entspannt und relaxed:
Schenk Du einem jedem von uns, das, was er oder sie braucht:
Einen Moment der Ruhe oder ein anregendes Telefonat!
Ein Durchatmen bei einem Spaziergang oder ein Aufatmen nach getaner Arbeit und einen ruhigen Schlaf.
Unser Vater …

 

Amen.

 


Ich wünsche Ihnen allen eine gute und gesegnete Zeit.
Wenn Sie Hilfe und Unterstützung brauchen, oder wenn Sie jemanden kennen, der auch diesen Andachtsservice nutzen möchte,
dann melden Sie sich ruhig bei mir, Ihr Pfarrer Seim. Tel 55 97 17

 

 

ANKÜNDIGUNGEN
- Ostersteine in der Karwoche bemalen


Nachdem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Mal zusammengesessen und mit ihnen das Abendmahl gefeiert hatte, ging er hinaus an einen stillen Ort.

Er wusste, dass er bald gefangen genommen wird. Und er hatte große Angst davor.
Auch wir haben manchmal Angst. Egal ob Kinder oder Erwachsene, alle haben einmal Angst.
Angst wiegt manchmal schwer wie ein Stein. Angst schnürt einem die Kehle zu.

Vor Angst verschlägt es einem die Sprache, und wir spüren im Bauch einen dicken Kloß, so wie ein
großer Stein in unserem Bauch. In der Karwoche möchten wir diese Angststeine zu unseren
Gottesdienststätten tragen Wenn Sie in diesen Tagen draußen im Wald sind, dann sammeln Sie einen Stein.

Kommen Sie zur Ruhe und vielleicht sprechen Sie dem Stein auch Ihre Angst zu.
Die Ostergeschichte lehrt uns aber auch, dass ein Stein Hoffnung symbolisieren kann.

Als die Jünger innen zu Jesu Grab eilten, um seinen Leichnam zu salben, da war der Stein vor
dem Grab weggerollt und das Grab war leer. Der weggerollte Stein wurde zum Symbol
dafür, dass Gott stärker ist als der Tod.
In diesen Zeiten wollen wir an Ostern ein Zeichen der Hoffnung setzen.

Gerne können Sie ihren Stein bemalen und auf die Rückseite mit dem Hashtag #Hoffnung Hamstern oder
#StärkerAlsDerTod beschriften. Machen Sie sich dann auf den Weg und bringen ihn bemalt
oder unbemalt zu einer der Gottesdienststätten. Kommen Sie nach den Ostertagen wieder
und nehmen einen anderen Stein mit als Zeichen der Hoffnung, die weitergetragen wird und
in diesen Tagen so dringend nötig ist.

 

- Gründonnerstag
Pfr. Seim bereitet eine Liturgie für ein Abendmahls-Essen zuhause vor. Einige Lieder der Liturgie können über Computer, Tablet oder Smart-Phone abgerufen werden. Ansonsten werden die Liedtexte im Ablauf erscheinen.

Brot werden Sie zuhause haben, vielleicht auch etwas Käse, Gemüse und Salz.

Ein kleines Fläschchen mit rotem Traubensaft wird Pfr. Seim denen vor die Tür stellen, die diese Andachten über den Briefkasten erhalten.

Wer darüber hinaus ein Fläschchen braucht melde sich bei ihm telefonisch: Pfr. Seim Tel. 55 97 17

 

- Karfreitag
Diakon Würzbach bereitet diesen Gottesdienst für Sie vor, und auch dieser wird in die Briefkästen verteilt, kann aber auch im Internet gelesen oder über den Newsletter bezogen werden.

 

- Ostersonntag
Sarah Mathea und Hannah Dorf bereiten mit weiteren Menschen für Sie eine der Ostergeschichten vor. Sie wird im Internet auf der homepage www.unterbarmen-sued.de als Stop-Motion Film zu sehen sein. Wir bemühen uns, diesen mit Fotos für Newsletter und Briefkästen eindrücklich zu machen. Pfr. Seim wird zu diesem Gottesdienst eine Andacht erarbeiten.



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