Andacht 15. April 2020      

                    
Herzlich Willkommen zur Andacht am Mittwoch -

in „Corona-Zeiten“ nicht im Raum der Stille, sondern  online. 

 

„Zwei Seelen, ach, in meiner Brust“ — wer kennt das nicht,

den ständigen Wechsel zwischen Vertrauen, Gottvertrauen,

dem „Sich getragen wissen“ und dem ewigen Zweifel, manchmal

auch dem Verzweifeln an den Menschen, an dieser Welt,

die so gar nicht zu dem Konzept eines liebenden,

fürsorgenden, tragenden Gottes passt.

 


Dazu möchte ich einige Stimmen zu Wort kommen lassen.


(Ein Psalm Davids)

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.


Gerhard Engelsberger spricht

Mein Gott, ich bin verzweifelt.

Ich habe dich verloren.

Ich sehe keinen Sinn mehr in meinem Tun.

Alles misslingt.

Meine Familie geht auf Distanz.


Nachts kann ich nicht schlafen und am Tag nicht arbeiten.

Wenn es an der Tür läutet, schrecke ich zusammen.

Den Telefonhörer nehme ich nicht ab.

Mein Gott, ich bin verzweifelt.

Meine Seele ist wund,

mein Körper ist müde,

Mein Kopf ist leer.

Greif ein.

Zieh mich heraus.

Rette mich, bevor ich mich vergesse.

 


Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

(2) Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich

zum frischen Wasser.

 

Psalm 69, 2-4

Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke im tiefen Schlamm, wo kein Grund ist;

ich bin ins tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.

Meine Augen sind trübe geworden,

weil ich so lange  harren muß auf meinen Gott.


Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

(2) Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 

(3) Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

 

Gerhard Engelsberge sagt:

Gott,

ich war unsicher, wer ich sei.

Ich hatte dich gefragt, wer ich bin.

Und hatte noch gefragt, wer Du bist.

Zu viele Fragen auf einmal.


Ich bin zerrissen,

bist du es auch bei all dem Elend?

Ich bin sensibel, sagen sie.

Bist du auch sensibel, willst die Bilder nicht sehen

und würdest am liebsten davonlaufen?

Es geht ein Riss mitten durch mich,

mein Glaube ist durchkreuzt, 

mein Vertrauen hat Brüche,

mein Gebet stockt.


Ich habe die Geduld verloren.

Ich brauche Hände, Füße, Herzen -

nicht nur Worte.

Zerreiß die Himmel wieder,

erde Dich ein zweites Mal,

Gott, du mein letzter Trost.      

Rette uns.


Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

(4) Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.


Steine auf dem Weg

immer wieder

die Angst zu verlieren

nicht dazu zu gehören

Stolz

Eitelkeit

das Gefühl

nur einer

der Steine auf dem Weg zu sein.


Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

(5) Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.


Michelangelo sagt:

O Herr, bitter ist das Brot des Alters und hart.

Wie erschien ich mir früher reich -

wie arm bin ich nun,

einsam und hilflos.

Wozu tauge ich noch auf Erden?

Schmerzen plagen mich 

Tag und Nacht,

träge rinnen die Stunden meiner schlaflosen Nächte dahin;

ich bin nur noch ein Schatten dessen, 

der ich einmal war.

Ich falle den Anderen zur Last.

Herr, lass genug sein. Wann wird die Nacht enden 

und der lichte Tag aufgehen?

Hilf mir, geduldig zu sein.

Zeig mir Dein Antlitz,

je mehr mir alles andere entschwindet.

Lass mich den Atem der Ewigkeit verspüren,

nun, da mir aufhört die Zeit.

auf Dich, Herr, habe ich gehofft;

lass mich nicht zugrunde gehen in Ewigkeit.


Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

(6) Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen 

mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause  des HERRN immerdar.


Anton Rotzetter fragt:

Nach den Gründen fragen

und nicht wissen warum

einen Grund suchen

und keinen unter den Füßen haben
und doch glauben

grundlos

und in letzter Verzweiflung

und den letzten Grund finden 

in Dir - Gott

und in Deiner Verheißung

 


Antoine de Saint-Exupéry sagt

Warum zwingst du mich,

Herr,

diese Wüste zu durchqueren?

Ich quäle mich

inmitten der Dornen.

nur eines Zeichens aber

bedarf es von dir,

dass die Wüste sich wandelt,

dass der blonde Sand

und der Horizont

und der große, stille Wind

nichts Fremdes mehr sind

und nichts Zufälliges,

sondern ein weites Reich,

durch das hindurch

ich dich erkenne.


Herr, Vater im Himmel,

ich glaube — hilf meinem Unglauben!

Wir wollen beten:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

(2) Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

(3) Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

(4) Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

(5) Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

(6) Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen  mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause  des HERRN immerdar.

Amen


Der Herr segne uns und behüte uns

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns

und gebe uns Frieden.

Amen