GOTTESDIENST VOM 22.03.2020

Weil Gott uns das Leben schenkt,

 

darum kommen wir auch in diesen Zeiten zu ihm – auf andere Art und Weise,

 

und feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinen Gottes:

 

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen!

 

 

 

Liebe Gemeinde!

 

 

In besonderen Zeiten ist Besonderes gefordert – und darum bemühen wir uns, Ihnen ein besonderes Angebot zu machen, dass Sie über den Briefkasten, die Homepage oder den Newsletter erreicht.

 

Wenn Sie mögen, nehmen Sie sich eine kleine Auszeit – zünden sich vielleicht eine Kerze an – legen sich vielleicht eine Orgel- oder eine andere Musik auf - und lesen in aller Ruhe diese Andacht.

 

Ich wünsche Ihnen so auf diesem Wege eine gesegnete Zeit.

 

 

 

Im Wochenspruch für die heute beginnende Woche, heißt es:

 

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;

 

wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.              Johannes 12,24

 

Mit diesem Wort deutet Jesus gegenüber seinen Jüngern bereits seinen Tod und seine Auferweckung an, die er eben mit dem Vergehen und Werden des Weizenkorns vergleicht. Deutlich wird daran auch, dass die Kraft der Auferstehung eben stärker sein wird als der Tod, der unser Leben bedroht. Das Aufblühen der Natur kann uns dafür ein Zeichen sein.

 

 

 

Du, lebendiger Gott!

 

Auch heute kommen wir zu Dir mit all dem, was uns in diesen Tagen bewegt.

 

In der vergangenen Woche hat sich unser Leben drastisch verändert.

 

Was vorvergangene Woche noch möglich war,

 

sollten wir in den kommenden Wochen lieber vermeiden.

 

Auf eigentümliche Art werden uns Zeit und Ruhe geschenkt;

 

Gedanken kommen und gehen – manche kreisen.

 

Da gibt es Dinge, die uns Sorge machen.

 

Aber es gibt auch Dinge, über die wir uns freuen.

 

Und mit all dem, was uns bewegt, kommen wir zu Dir.

 

Amen.

 

 

 

 

Unser Leben ist ruhiger geworden und stiller. Und darum möchte ich heute einen Blick auf die Perlen der Stille werfen, die die Perlen am Perlenband des Glaubens immer wieder unterbrechen, dazu einladen, eine Pause einzulegen, und ruhig zu werden.

 

Dazu passt folgender biblischer Text, in dem der Prophet Elia Gott selbst begegnet. Müde und erschöpft war Elia und bekam von Gott in dieser Begegnung neue Kraft geschenkt.

 

 

 

Hier können Sie den Text aus 1. Könige 19,11-13 nach der Übersetzung der Basisbibel lesen:

 

 

11 Da sprach Gott:

 

»Komm heraus! Stell dich auf den Berg und tritt vor den HERRN!

 

Sieh hin: Der HERR wird vorübergehen!«

 

Da kam ein gewaltiger Sturm, der Berge sprengte und Felsen zerbrach.

 

Der zog vor dem HERRN her, aber der HERR war nicht in dem Sturm.

 

Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.

 

Aber der HERR war nicht in dem Erdbeben.

 

12 Nach dem Erdbeben kam ein Feuer.

 

Aber der HERR war nicht in dem Feuer.

 

Nach dem Feuer kam ein leises Flüstern

 

wie die Ruhe nach dem Sturm.

 

13 Als Elija das hörte, bedeckte er das Gesicht mit seinem Mantel.

 

Dann trat er aus der Höhle heraus und stellte sich an ihren Eingang.

 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Die zweite Perle ist sie – an meinem Perlenband des Glaubens – die Perle der Stille – etwas kleiner, länglich gezogen, wie ein in eine Perle gefasster Atemzug. Und sie lädt mich dazu ein, still zu werden, ruhig zu werden, vielleicht die Augen zu schließen und auf meinem Atem zu achten. Und ich lade Sie dazu ein, jetzt auch einen Moment der Stille zu spüren, – zu hören und zu spüren, was außen und innen ist.

So eine Stille kann wohltuend sein, denn: In der Ruhe liegt die Kraft. Und ich bin überzeugt, dass jede und jeder von Ihnen solche Zeiten oder Orte der Ruhe kennt. Oasen im Alltag unseres Lebens, die wir gerade in diesen Zeiten brauchen.

 

Für die eine ist das ihr täglicher Gang durch den Wald und dort ein besonderer Platz. Hier kann man das Rauschen der Blätter im Wind und Vogelgezwitscher hören. Vielleicht wärmt auch schon der ein oder andere Sonnenstrahl und erhellt unser Gesicht.

 

Für einen anderen ist das der Platz in der Kapelle oder im Kirchraum, der Ausblick und Anblick von Altar und Kreuz, die aufgeschlagene Bibel, die entzündete Kerze und ein buntes Glasfenster vielleicht.

 

Wir brauchen sie, diese Orte und Oasen der Ruhe und Stille, die Gott selbst uns schenkt, denn so heißt es schließlich selbst von ihm:

 

… und Gott ruhte am siebenten Tag von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte.                                                                 1. Mose 2,2f

 

Gott kommt also selbst zur Ruhe. Gott nimmt sich Zeit. Für mich ein berührendes, faszinierendes Bild: Gott kommt zu Ruhe.

 

Und: Gott schenkt Ruhe, – wie er Elia in all seinem Trubel Ruhe schenkt. Verausgabt hatte Elia sich, alles gegeben, sich mit Haut und Haar eingesetzt, und war frustriert, weil sich scheinbar nichts bewegte. Aber dann bekommt er von Gott Ruhe, eine schöpferische Auszeit geschenkt, sozusagen auf Rezept. Da lesen wir im 1. Buch der Könige:

 

 

Es kam ein leises Flüstern, wie die Ruhe nach dem Sturm.

 

Ja, stürmisch war es gewesen, und es hat uns ziemlich durchgepustet. Aber es hat uns nicht umgeweht!

 

Der Prophet Elia erlebte einen Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer. Aber die Bibel betont: Der HERR war in keiner dieser Naturkatastrophen. Er war weder im Sturm, noch im Erdbeben und auch nicht im Feuer. Und Elia blieb an einem geschützten Platz.

 

Aber dann eben kam ein leises Flüstern, oder wie es in die Lutherbibel übersetzt,

 

ein stilles sanftes Sausen,

 

wie die Ruhe nach dem Sturm,

 

und Gottes Gegenwart wird für Elia sozusagen greifbar, spürbar, erlebbar.

 

 

Und wir erlebten das so: Die Nachrichten stürmten vergangene Woche auf uns ein. Was vorgestern noch galt, war heute längst Schnee von gestern. Die Lage verschärfte sich und die politisch Verantwortlichen trafen notwendige Entscheidungen, von denen wir hoffen, dass sie die Not in der Tat wenden.

 

Unser Leben wird eingeschränkt und doch findet jede und jeder derzeit anscheinend die Unterstützung, die er oder sie braucht. Da sind viele Menschen guten Willens. Und: Uns allen wird Ruhe geschenkt, eine Auszeit vom Alltag unseres Lebens. Mein Eindruck dabei ist, dass es sich dabei um keine Friedhofsruhe handelt, sondern eher um eine schöpferische Pause, in der wir Kraft tanken und Klarheit gewinnen können:

 

Was ist für unser Leben wichtig?

 

Welche Menschen liegen uns am Herzen?

 

Und es ist Zeit da, um mit Gott oder auch mit uns lieben Menschen auf andere Art und Weise ins Gespräch zu kommen.

 

Ja, stürmisch war es gewesen. Durchgepustet hat es uns, und das gewaltig. Aber es hat uns nicht umgeweht! Und ich finde Zeit zu meinen Perlen des Glaubens zu greifen.

 

Die zweite Perle ist sie – an meinem Perlenband des Glaubens – die Perle der Stille – etwas kleiner, länglich gezogen, wie ein in eine Perle gefasster Atemzug. Und sie lädt mich dazu ein, still zu werden, ruhig zu werden, vielleicht die Augen zu schließen und auf meinem Atem zu achten. Und ich lade Sie dazu ein, jetzt auch einen Moment der Stille zu spüren, – zu hören und zu spüren, was außen und innen ist.

 

 

Amen

 
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Eine Lesefrucht: (Hans-Joachim Eckstein: Wertschätzungen, S. 441)

 

Schöpfungsgelassenheit – oder: Der beruhigende Vorsprung Gottes

 

 

 

Der erste Tag des Menschen ist bereits das Wochenende der Schöpfung.

 

Bevor Adam und Eva den ersten Morgen erblicken,

 

kann Gott bereits auf seine Taten zurückschauen.

 

Ehe wir zu unserem ersten Werktag aufbrachen,

 

dürfen wir den siebten Tag der Schöpfung mit Gott ruhen.

 

So gründet all unser Tun,

 

wenn es denn dem Willen des Schöpfers entspricht,

 

in der Gelassenheit und Gottesruhe derer,

 

die sich nicht selbst erschaffen müssen.

 

 

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Gebet (nach Ralf Peter Reimann)

 

Herr, unser Gott!

 

Mögen die, deren Alltag nun Einschränkungen unterliegt,
sich an die erinnern, deren Leben bedroht ist.

 

Mögen die, die zu keiner Risikogruppe gehören,
sich an die erinnern, die am stärksten verwundbar sind.

 

Mögen die, die den Vorteil von Heimarbeit haben,
sich an die erinnern, die sich Kranksein nicht leisten können

 

und zur Arbeit müssen, um ihre Miete zu bezahlen.

 

Mögen die, die eine flexible Kinderbetreuung haben,

 

wenn Schulen und Kitas geschlossen sind,
sich an die erinnern, die diese Möglichkeit nicht haben.

 

Mögen die, die Reisen absagen müssen,
sich an die erinnern, die keinen sicheren Zufluchtsort haben,

 

Mögen die, die Geld in den Turbulenzen des Börsenmarktes verlieren,
sich an die erinnern, die gar keine Rücklagen haben.

 

Mögen die, die zu Hause in Quarantäne bleiben müssen,
sich an die erinnern, die kein Zuhause haben.

 

Während Furcht sich unseres Landes bemächtigt,
lass uns auf Liebe setzen!
Wenn wir uns körperlich nicht in den Arm nehmen können,
lass uns andere Wege finden, wie wir an unsere Nächsten weitergeben,

 

dass Gott uns umarmt!
Herr, behüte Du uns in diesen Zeiten,

 

und lass uns die Auszeiten nutzen,

 

um mit Dir und den Menschen in Kontakt zu sein!

 

Amen.

 

 

 
 

Ich wünsche Ihnen allen eine gute und gesegnete Zeit.

 

Wenn Sie Hilfe und Unterstützung durch uns brauchen, oder wenn Sie jemanden kennen, der auch diesen Andachtsservice nutzen möchte,

 

dann melden Sie sich ruhig bei mir,                

 

Ihr Pfarrer Seim. Tel 55 97 17